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428 Anekdote(n) passt/passen zu den von Ihnen gewählten Suchbegriffen (bitte nach unten scrollen):

Zwei Bewerber

Themen:
Personalauswahl, Persönlichkeit, Geschichten

In einem Unternehmen soll eine Führungsposition neu besetzt werden. Zwei Bewerber kommen dafür in Frage. Der erste Kandidat präsentiert Zeugnisse, Zertifikate und hat noch ein paar Schaubilder mit Kennzahlen vorbereitet. "Glänzend", sagt der Geschäftsführer und schnalzt mit der Zunge. Der zweite Kandidat tritt ein, um den Kopf herum stark bandagiert. "Wie sehen Sie denn aus?", fragt die Personalleiterin. "Ich versichere Ihnen, das ist kein Turban", sagt der Kandidat. "Aber mir ist vielleicht was passiert." Und dann erzählt er, wie er seinen Nachbarn, der gerade sein Haus renoviert, aus einer tückischen Baumaschine befreit hat und dabei selbst verletzt wurde. Eine haarsträubende, doch auch sehr lustige Geschichte. Alle im Auswahlgremium sind sich einig: Das ist ein hilfsbereiter, freundlicher Mann mit viel Humor. Den wollen wir haben. Kurz nachdem er gegangen ist, bemerkt der Geschäftsführer: "Warum haben wir ihn eigentlich gar nicht nach seinen Zeugnissen gefragt?"

   

Die anvertrauten Zentner

Themen:
Talente und Fähigkeiten, Karriere, Finanzmanagement, Rendite, persönliche Finanzen

Ein Edelmann wollte über die Lande ziehen und verliess sein Haus. Unter seinen Knechten verteilte er vorher ein Teilen seines Vermögens, und zwar nach ihrer Tüchtigkeit: Der erste bekam fünf Zentner Silber, der zweite zwei Zentner, der dritte einen Zentner. Als der Edelmann zurückkehrte, wollte er wissen, was seine Knechte aus den anvertrauten Zentnern gemacht hatten. Der erste hatte zu den fünf Zentnern fünf weitere hinzugewonnen. Dafür wurde er von seinem Herrn gelobt. Der zweite hatte zu seinen zwei Zentnern gleichfalls zwei neue hinzugewonnen. Auch dieser Knecht empfing dafür Lob. Der dritte Knecht hatte nun aus Angst es zu verlieren das Zentner bloss vergraben. Da nahm es ihm der Edelmann weg und gab es dem, der die zehn Zentner hatte. Diejenigen, die dabeistanden, wunderten sich und sagten zu ihm: "Aber Herr, der Mann hat doch schon zehn Zentner." Daraufhin erwiderte der Edelmann: "Wer da hat, dem wird gegeben werden. Wer aber nicht hat, dem wird auch das, was er hat, noch genommen werden."

   

Ein psychologischer Test

Themen:
Kommunikation, Wahrnehmung, Weltbilder, Missverständnisse, Verantwortung, Unterstellung, Vorurteile

Einstellungstest bei einem grossen Unternehmen. Der Betriebspsychologe untersucht den ersten Bewerber. Er zeichnet einen langen senkrechten Strich auf ein Blatt Papier, schiebt es zu dem jungen Mann hin und fragt: "Was ist das?" Der Bewerber: "Eine nackte Frau, die steht." Als nächstes zeichnet der Psychologe eine waagerechte Linie: "Und das hier?" Der Bewerber mustert die Zeichnung und sagt: "Eine nackte Frau, die liegt." Der Psychologe malt einen nach unten offenen Bogen, wie ein U, das auf dem Kopf steht. "Und das?" Der Bewerber nimmt das Blatt, kneift die Augen zusammen und verkündet schliesslich: "Eine nackte Frau, die etwas vom Boden aufhebt." Der Psychologe ist entsetzt: "Ja, sagen Sie mal, Sie haben wohl nur nackte Frauen im Kopf?!" Der Bewerber schüttelt energisch den Kopf: "Wieso denn ich?! Ich kann doch nichts dafür, Sie haben doch die schweinischen Bilder gemalt!"

   

Vermeide überflüssige Worte, wenn du Gehör finden willst

Themen:
Öffentlichkeitsarbeit, Informationsmanagement, Kommunikation, Rhetorik, Prioritäten

Tsi Qin fragte seinen Lehrer Mo Di: "Meister, ist es gut, wenn man viel spricht?" – "Welchen Sinn soll es haben, viele Worte zu machen?" entgegnete Mo Di. "Schau dir den Frosch im Teich an. Er quakt den ganzen Tag und die ganze Nacht, bis seine Zunge trocken ist. Aber niemand hört ihm zu. Der Hahn im Hühnerstall hingegen kräht nur zwei oder drei Mal bei Tagesanbruch. Aber jeder hört auf ihn, denn jeder weiss, dass jetzt der Tag beginnt. Und so solltest auch du nur dann reden, wenn es einem Ziel dient."

   

Nachricht auf dem Sterbebett

Themen:
Delegieren, Briefing

Als der bekannte Lustspielautor Eugène Labiche auf dem Sterbebett lag, sagte ein Bekannter zu ihm: "Sie werden jetzt bald im Paradies sein und dort meine Frau sehen. Sagen Sie ihr bitte, dass ich sie noch immer liebe." Labiche blickte den andern an und erwiderte: "Möchten Sie ihr das nicht lieber selbst sagen?"

   

Weltmeisterlich

Themen:
Erfolg, Erfolgsmensch, Glaube an sich selbst, Siegertyp, Egozentriker, Zielstrebigkeit

Vor der Fussballweltmeisterschaft 2002 gab man der deutschen Nationalmannschaft wenig Chancen, man hoffte, das Team werde wenigstens die Vorrunde überstehen. Doch wider Erwarten erreichte das Team sogar das Endspiel gegen Brasilien. Vor dem Spiel wurden verschiedene Prominente gefragt, wer Weltmeister werde. Der Rennfahrer Michael Schumacher antwortete: "Ich hoffe, ich." – Drei Wochen später wurde Michael Schumacher tatsächlich zum fünften Mal Weltmeister in der Formel 1.

   

Vorzügliche Definition

Themen:
Definition, Normierung, konstruktive Kritik, Irrtum

Die Académie française ist das älteste sprachpflegerische Institut der Welt. Seit ihrer Gründung im Jahr 1635 hat sie sich zur Aufgabe gemacht, das Schrifttum zu beobachten, Sprachnormen festzulegen und zu erläutern. Ausserdem gibt sie das massgebliche Wörterbuch der französischen Sprache heraus, das berühmte "Dictionnaire de l’Académie française". Bei einer Versammlung der Akademiemitglieder Mitte des 19. Jahrhunderts wurde unter anderem über das Wort "Hummer" beraten. Ein Mitglied schlug als Definition vor: "Roter Fisch, der sich rückwärts bewegt." Da meldete sich der französische Schriftsteller Charles Nodier zu Wort, auch er ein Akademiemitglied: "Der Hummer ist nicht rot, er ist kein Fisch, er bewegt sich nur rückwärts, wenn er es gerade aus irgendeinem Grund tun will, sonst läuft er vorwärts. Doch davon abgesehen eine vorzügliche Definition."

   

Die Macht der Presse

Themen:
Presse, Medien, Öffentlichkeitsarbeit, Kommunikation, Glaubwürdigkeit, Manipulation

Der amerikanische Schriftsteller Mark Twain begann seine berufliche Laufbahn als Redakteur einer kleinen Provinzzeitung. Eines Morgens sagte er zu seiner Wirtin: "Wir werden in diesem Jahr eine schlechte Ernte haben." Sie widersprach: "Ich wohnte seit Jahren in der Gegend und kenne mich aus. Ich sage Ihnen: Die Ernte wird gut." Twain ging die Redaktion und schrieb einen Artikel, in dem er die Prognose stellte, es werde eine schlechte Ernte geben. Am nächsten Tag wollte Twain wieder in die Redaktion gehen. Seine Wirtin hielt ihn auf: "Sie hatten Recht, Mister Twain. Es wird eine schlechte Ernte geben. Heute steht es in der Zeitung."

   

Unbezweifelbare Tatsachen

Themen:
Presse, Wahrhaftigkeit, Tatsachenbehauptung, Beweiskraft

Ganz zu Anfang seiner Karriere arbeitete der amerikanische Schriftsteller Mark Twain als Lokalreporter. Sein Chefredakteur schärfte ihm ein: "In unserer Zeitung dürfen Sie nur Dinge behaupten, von denen Sie sich selbst überzeugt haben, dass es sich um unbezweifelbare Tatsachen handelt. Ich erwarte, dass Sie sich daran halten!" Noch am selben Tag schickte der Redakteur den jungen Reporter zu einer Abendgesellschaft, um darüber zu berichten. Twain schrieb: "Eine Frau, die sich Mildred Taylor nannte, hat, wie es heisst, gestern einen so genannten Gesellschaftsabend für einige Gäste gegeben, von denen behauptet wird, dass sie Damen seien. Über die Gastgeberin wird erzählt, sie sei mit dem Bürgermeister verheiratet."

   

Ein fliegendes Taschentuch

Themen:
Metapher, Kommunikation, Anweisungen, Verständlichkeit, Kreativität

Der berühmte Dirigent Arturo Toscanini leitete eine Probe von Debussys "La Mer". Eine Passage wollte und wollte dem Orchester nicht so gelingen, wie sie dem Maestro vorschwebte. Er suchte nach Worten, um zu beschreiben, wie diese Stelle klingen sollte, aber er unterbrach sich selbst und sagte: "Nein, so auch nicht!" Die Musiker waren ein wenig ratlos. Da zog Toscanini ein Seidentaschentuch hervor, warf es hoch in die Luft. Die Musiker verfolgen gebannt, wie das Seidentuch langsam und graziös zu Boden schwebte. Toscanini lächelte und sagte: "Hier, spielt es wie das!"

   

Das Gleichnis vom Magen und den Gliedern

Themen:
Krisenkommunikation, gemeinsames Interesse, gegenseitige Abhängigkeit, Teamarbeit, Organisation

Die Rede von Menenius Agrippa nach der Darstellung, die der Geschichtsschreiber Titus Livius gut vierhundert Jahre später gibt: In früherer Zeit war im Menschen noch nicht wie jetzt alles eine Einheit, sondern jeder einzelne Körperteil hatte seinen eigenen Willen und seine eigene Stimme. Eines Tages beklagten sich die Hände, die Füsse, die Zähne, die Arme und die Beine, dass sie sich von morgens bis abends abmühten, um Nahrung herbeizuschaffen, während der Magen nur ruhig in der Körpermitte liege und nichts tue als sich die dargebotenen Genüsse behagen zu lassen. Das wollten die Glieder nicht länger dulden und schlossen folgendes Übereinkommen: Die Hände sollten keine Speise mehr zum Mund führen, der Mund keine dargebotene Nahrung annehmen und die Zähne nichts mehr zermalmen. Doch schon rasch zeigte sich, dass sich die Glieder dadurch selbst schädigten. Der ganze Körper wurde schwach und krank. Da erkannten die Glieder, dass auch der Magen nicht faul und nutzlos war, sondern allen Teilen des Körpers durch die Verdauung der Speisen Leben und Kraft zurückgab.

   

Denken wie ein Münzföhn

Themen:
Kreativität, Ideenfindung, geistige Routine, Leistungsdruck

"Ideenfindung ist auch ein bisschen Routine", sagt der Autor Axel Hacke, der pro Woche drei Kolumnen für unterschiedliche Zeitungen zu füllen hat. Der Druck ist gross, zumal man als Kolumnist in Gefahr gerät, "irgendwann nur noch wie ein Münzföhn-Apparat im Schwimmbad zu funktionieren und sozusagen nach 72 Zeilen automatisch das Gehirn abzuschalten." (Aus einem Interview mit der Zeitschrift Insight)

   

Die Spiegelmetapher

Themen:
Selbstbild, Selbsterkenntnis, Eitelkeit, Beurteilung, Feedback

jemandem einen Spiegel vorhalten, hinter den Spiegel schauen, Selbstbespiegelung, Spiegelfechterei, Rückspiegel, Zerrspiegel Das Gewissen ist ein Spiegel, vor dem ein Affe sich quält; jeder putzt sich wie er kann und geht auf seine eigne Art auf seinen Spass dabei aus. (Georg Büchner) Es gibt Spiegel, welche so verschoben geschliffen sind, dass selbst ein Apoll sich darin als eine Karikatur abspiegeln muss. (Heinrich Heine) Was kann peinlicher sein, als zu sehen, dass der Missgestaltete gespreizt wie ein Hahn vor dem Spiegel steht und mit seinem Bilde bewundernde Blicke austauscht. (Friedrich Nietzsche)

   

Ein vollkommenes Geschenk

Themen:
Selbsterkenntnis, Selbstbezogenheit, Feedback

Ein Freund kehrte von einer Reise heim und begab sich zu Joseph von Ägypten. Joseph fragte ihn: "Was hast du mir für ein Geschenk mitgebracht?" Der Freund antwortete: "Was könnte ich dir für ein Geschenk bringen, das du nicht schon hast oder das du gar nicht brauchst? Da es nichts Schöneres gibt als dich, habe ich dir einen Spiegel mitgebracht, damit du jeden Augenblick dein Gesicht betrachten kannst."

   

Der stolze Hirsch mit den dünnen Beinen

Themen:
Stärken-Schwächen-Analyse, Selbstbild, Wettbewerb, Benchmarking, Personalauswahl, Karriere

Ein durstiger Hirsch ging zu einer Quelle. Beim Trinken erblickte er sein Spiegelbild. "Oh, was habe ich nur für ein schönes, starkes Geweih", dachte der Hirsch bei sich. "Aber was habe ich nur für dünne, kraftlose Beine." Wie er so in Gedanken versunken dastand, näherte sich ihm von hinten ein Löwe. Gerade noch rechtzeitig bemerkte der Hirsch den Feind und sprang davon. Der Löwe jagte hinter ihm her. Der Abstand zwischen den Tieren wurde immer grösser, denn die Läufe des Hirschs waren vielleicht dünn, sie waren aber auch schnell. So schnell, dass der Löwe mit seinen muskulösen Beinen kaum hinterherkam. Das Gelände wurde flacher, da kam der Hirsch noch besser voran. Er rannte in den Wald hinein und glaubte, nun wäre er in Sicherheit. Doch in diesem Augenblick blieb er mit seinem Geweih in ein paar Zweigen hängen. Er schüttelte heftig seinen Kopf, um das Geweih herauszuziehen, doch verfing er sich dadurch nur umso mehr. So hing der Hirsch noch einige Zeit an den Zweigen fest, ehe der Löwe kam und ihn zerriss.

   

Unzulässiger Vergleich

Themen:
Selbstbewusstsein, Selbstbild

Victor Hugo gilt als einer der bedeutendsten und populärsten Dichter Frankreichs, ein veritabler Klassiker. Über seinen Rang war sich niemand so sehr im Klaren wie Hugo selbst. So urteilte er über den Dichter Alfred de Musset, der zu seiner Zeit gleichfalls zu den führenden Dichtern gezählt wurde: "Ein guter Kopf, sicher, aber er ist schrecklich eingebildet. Stellen Sie sich nur vor – er vergleicht sich mit mir!"

   

Spargel mit Köpfchen

Themen:
Persönlichkeit, Glaube an sich selbst, Umgang mit Kritik, Humor, Spott, positives Denken, Charisma

Der französische Staatspräsident Charles de Gaulle war von grosser Statur und recht hager. Schon früh bekam er deshalb den Spitznamen "Spargel" verpasst. Als er gefragt wurde, ob er sich dadurch beleidigt fühle, antwortete de Gaulle: "Absolut nicht. Immerhin ist das Wichtigste beim Spargel der Kopf."

   

Der Fuchs und der Rabe

Themen:
Lob, Feedback, Schmeichelei, Manipulation, Motivation, Eitelkeit, Kernkompetenzen, taktisches Geschick

Ein Rabe sass in einem Baum und hielt ein grosses Stück Käse in seinem Schnabel, um es gleich zu verspeisen. Das sah ein Fuchs, der sehr hungrig war und den Käse gerne selbst gegessen hätte. Doch der Baum war viel zu hoch, um hinaufzuklettern. Der Fuchs rief: "Jeder erzählt, wie schön du singen kannst. Sogar die Nachtigall, heisst es, verstummt, wenn du dein Lied anstimmst. Ich habe deinen Gesang leider noch nie gehört. Singst du wirklich so vortrefflich, wie alle sagen? Dann gib mir doch eine Kostprobe deiner Kunst!" Der Rabe fühlte sich so geschmeichelt, dass er den Käse ganz vergass, seinen Schnabel öffnete und anfing laut zu krächzen. Dabei fiel ihm der Käse aus dem Schnabel – und landete im Maul des Fuchses. "Wirklich vorzüglich", kommentierte der Fuchs kauend. "Du hast wirklich alles, was man braucht, Rabe. Nur der Verstand fehlt dir."

   

Weltveränderung

Themen:
Macht, Einfluss, Selbstkritik, Change Management

In der Krypta des Westminster Abtei sind auf dem Grabstein eines anglikanischen Bischofs die folgenden Worte zu lesen: "Als ich jung und frei war und mein Vorstellungsvermögen keine Grenzen hatte, träumte ich davon, die Welt zu verändern. Als ich älter und weiser wurde, entdeckte ich, dass sich die Welt nicht ändern würde. Also schränkte ich mich ein und beschloss, nur mein Land zu verändern. Aber auch das schien nicht möglich. Als ich in meinen Lebensabend eintrat, versuchte ich in einem letzten verzweifelten Versuch nur meine Familie zu verändern, jene, die mir am nächsten standen. Doch auch sie liessen es nicht zu. Jetzt, da ich auf dem Sterbebett liege, wird mir klar: Wenn ich mich selbst zuerst geändert hätte, dann hätte ich durch mein Beispiel meine Familie geändert. Durch ihre Ermutigung wäre ich in der Lage gewesen, mein Land zu verbessern und vielleicht hätte ich sogar die Welt verändert."

   

Der Wanderer

Themen:
Selbsterkenntnis, Vorsorge, Empowerment, Verpflichtungen, Balance, Ziele, Lernfähigkeit, Mentor

Ein Wanderer schleppt sich mühsam auf einer langen steinigen Strasse vorwärts. Er ist über und über mit Lasten behängt. Jeder Schritt kostet ihn Mühe. Er klagt über sein hartes Schicksal und dass der Weg noch lang sei. Da begegnet ihm ein Bauer. "Was plagst du dich so?", fragte er den Wanderer. "Warum schleppst du diesen schweren Felsbrocken mit dir mit?" Der Wanderer hält an. "Einen Felsbrocken? Gut, dass du das sagst. Ich habe ihn gar nicht bemerkt!" Er dankt dem Bauern, schleudert den Felsbrocken weit von sich und geht weiter. Er fühlt sich schon etwas leichter und kommt schneller voran. Doch nach einiger Zeit werden seine Schritte wieder schwerer. Da kommt ihm ein zweiter Bauer entgegen. Der sagt kopfschüttelnd: "Wanderer, wieso trägst du einen halbfaulen Kürbis auf deinem Kopf? Was soll er dir nützen? Und wieso ziehst du so schwere Eisengewichte an Ketten hinter dir her?" Der Wanderer greift nach dem Kürbis. "Du hast Recht. Er ist faul geworden. Und die Gewichte will ich auch ablegen." Er legt die Ketten ab und zerschmettert den Kürbis im Strassengraben. Er fühlt sich wieder leichter. Aber es dauert nicht lange, da wird ihm das Weitergehen wieder beschwerlich. Ein Bauer kommt vom Feld, mustert den Wanderer und sagt: "Armer Wanderer, was trägst du so viel Sand in deinem Rucksack? Wo du hingehst, ist mehr Sand, als du jemals tragen könntest. Und warum ist dein Schlauch mit Wasser so riesig? Willst du die Wüste Kawir durchwandern? Neben dir fliesst ein klarer Fluss, der deinen Weg noch lang begleitet." Kaum hat der Bauer das gesagt, da leert der Wanderer seinen Rucksack und seinen Wasserschlauch aus. Dabei blickt er an sich herab und entdeckt einen Mühlstein, der die ganze Zeit an seinem Hals gehangen hat und der ihn noch immer gebückt lässt. Er bindet den Stein los, wirft ihn mit ganzer Kraft in den Fluss und geht, befreit von seinen Lasten, in die Abendkühle, um sich eine Unterkunft für die Nacht zu suchen.

   

Der aufgeblasene Frosch

Themen:
Selbstüberschätzung, Machbarkeitswahn, Image, Neid, Karriere, Vorstellungsgespräch, Benchmarking, Wettbewerb

Ein dicker, fetter Frosch sass mit seinen Froschkindern am Rande einer Wiese. "Ich bin der grösste", sagte der Frosch und seine Kinder nickten zustimmend. Dann erblickte der Frosch einen Ochsen, der friedlich auf der Wiese graste. "Der ist ja grösser als ich", bemerkte der Frosch neidisch. "Aber wenn ich will, kann ich grösser sein als der da." Seine Kinder machten grosse Augen. "Ihr glaubt mir nicht?", fragte der Frosch. "Dann passt mal auf!" Der Frosch holte tief Luft und blies sich auf. Er wuchs tatsächlich auf die doppelte Grösse heran. "Na, bin ich schon grösser als der Ochse?", fragte er seine Kinder. Die antworteten: "Nein, der Ochse ist grösser." Der Frosch holte nochmals tief Lust und blies sich weiter auf. So stark, wie er nur konnte. Seine Haut spannte sich schon mächtig. "Nun? Wer ist grösser?", fragte er. "Der Ochse", erwiderten die Kinder. Das machte den Frosch wütend. Er pumpte noch einmal so viel Luft in seinen Körper hinein, wie es eben ging. "Und wer ist jetzt grösser?" – "Der Ochse", sagten die Kinder wieder. Dabei hatte sich ihr Vater schon so sehr aufgeblasen, dass er so gross war wie ein Kalb. Mit letzter Anstrengung holte er nochmals Luft, sog sie tief in sich hinein – und zerplatzte mit einem lauten Knall. Der Ochse schaute nicht einmal auf, sondern graste ruhig weiter.

   

Ein gut gefüllter Ballon

Themen:
Eitelkeit, Motivation, Leistungsbereitschaft, Erfolg

Alexandre Dumas (der Ältere) war ein ungemein erfolgreicher Schriftsteller. Mehr als 250 Romane soll er geschrieben haben, deren berühmteste "Die drei Musketiere" und "Der Graf von Monte Cristo" sind. Doch ebenso gross wie seine Popularität war offenbar auch seine Selbstherrlichkeit; er stand nicht gerade in dem Ruf, ein besonders umgänglicher Zeitgenosse zu sein. Wegen seiner Eitelkeit wurde er häufig verspottet. Sein Sohn, Alexandre Dumas (der Jüngere), gleichfalls Schriftsteller, nahm seinen Vater in Schutz: "Man muss ihn entschuldigen. Die Eitelkeit ist ein Teil seiner Begabung. Er ist wie ein Ballon, der nur aufsteigen kann, wenn er geschwollen ist."

   

Bill Gates beim Psychologen

Themen:
Erfolg, Persönlichkeit, Eigensinn, Willensstärke, Konventionen

Als Bill Gates in der sechsten Klasse war, hatte er grosse Probleme in der Schule. Ausserdem war das Verhältnis zu seiner Mutter nicht ungetrübt – wie auch das Verhältnis zum Leben im Allgemeinen. Seine Eltern hielten es für das Beste, Bill zu einem Psychologen zu schicken. Überraschenderweise fand Gates den Psychologen "echt cool", denn nach jeder Sitzung gab der ihm Bücher mit. "Alles über Freud", wie sich Gates später erinnert. "Ich beschäftigte mich intensiv mit psychologischer Theorie." Nach einem Jahr stellte der Psychologe die Diagnose. Er erklärte, es wäre völlig nutzlos, Bill zu Gehorsam oder anständigem Benehmen zu bewegen. Er gab den Eltern den guten Rat: "Finden Sie sich damit ab, ihm ist einfach nicht beizukommen."

   

George Washington und die Unfähigkeit zur Lüge

Themen:
Aufrichtigkeit, Leadership, Image, Wahrheit, Öffentlichkeitsarbeit

George Washington war gerade sechs Jahre alt. Sein Vater kam bekümmert aus dem Garten. "George", fragte er, "weisst du, wer den schönen kleinen Kirschbaum da drüben gefällt hat?" Das war eine heikle Frage. Und George wankte einen Augenblick lang unter ihrem Gewicht. Doch schnell fand er zu sich selbst zurück. Er blickte seinen Vater in die Augen und rief tapfer: "Ich kann nicht lügen; du weisst, ich kann nicht lügen. Ich habe ihn mit meiner kleinen Axt zerhackt." – "Komm in meine Arme, mein liebster Junge!", rief sein Vater, ausser sich vor Rührung. "Komm in meine Arme, George! Ich will mich darüber freuen, dass du den Baum zerstört hast, denn du hast es mir tausendfach wieder gutgemacht. Solches Heldentum in meinem Sohn ist mir mehr wert als tausend Bäume, und wenn sie silberne Blüten trügen und Früchte aus reinem Gold."

   

Jack Welch und der Flugzeug-Test

Themen:
Assessment-Center, Auswahlverfahren, Leadership, Karriere, Selbstbewusstsein, Machtinstinkt, Willensstärke, Unternehmensnachfolge

Der Chef des amerikanischen General-Electric-Konzerns Jack Welch hat in vielerlei Hinsicht Massstäbe gesetzt; weltweit ist er einer der markantesten Führungspersönlichkeiten, bewundert, oft kopiert und heftig umstritten. Als er den Konzern heftig verschlankte und zahlreiche Arbeitskräfte entliess, verpasste ihm die amerikanische Presse den Namen "Neutron-Jack" und verglich seine Wirkung mit der einer Neutronenbombe: Zerstörerisch nur für die Menschen, während die Gebäude unversehrt blieben. Reg Jones, Chef von General Electric, verwandte grosse Sorgfalt auf die Auswahl seines Nachfolgers. Die Prozedur zog sich über sechs Jahre hin. Jack Welch besass zunächst nur Aussenseiterchancen, doch gelang es ihm, unter die letzten sechs Kandidaten zu kommen. Um ihre Eignung zu überprüfen, teilte Jones das gesamte Unternehmen in sechs so genannte Sektoren auf. Fünf der sechs Kandidaten wurden zu Sektorenchefs ernannt, der sechste blieb in einem Personalplanungsjob. Welch bekam einen vergleichsweise schwerfälligen Sektor zugeteilt – eine geeignete Herausforderung, um zu zeigen, was in ihm steckte. Entschlossen ging er gleich mehrere technologische Innovationen an: eine Waschmaschine mit dem Codenamen L-7, die mit "harmonischen Schwingungen" waschen sollte. Die Sparte "Beleuchtung" sollte durch die so genannte "Halarc-Lampe" einen grossen Sprung nach vorne tun. Beide Projekte sollten sich als Fiasko erweisen – doch da war Jack Welch bereits Vorstandsvorsitzender. Grossen Einfluss auf die Kür des Vorsitzenden hatten die "Flugzeuginterviews", mit denen sich Reg Jones Aufschluss über das strategische Denken der Bewerber erhoffte. Jones führte alle Interviews selbst durch. Ausgangspunkt war die Frage: "Nehmen wir an, Sie und ich sind mit dem firmeneigenen Flugzeug unterwegs. Es stürzt ab, und wir beide sterben. Wer sollte dann Vorsitzender der General Electric werden?" Die Antwort von Jack Welch: "Na, ich natürlich." Jones entgegnete: "Nein, nein, Jack, Sie und ich sind tot." Dieser Umstand brachte Welch allerdings nicht dazu, den Namen eines Konkurrenten zu nennen. Nach dem Interview zeigte sich Jones überzeugt: Welch war der einzige Kandidat, der "tough" genug war, die notwendigen Veränderungen durchzusetzen.

   

Meisterschaft

Themen:
Erfolg, Meisterschaft, Übung, Fleiss, Ausdauer, Disziplin, Realitätssinn

Niccolò Paganini galt als der grösste Geigenvirtuose des 19. Jahrhunderts. Bei seinen Konzerten wurde er als "Teufelsgeiger" gefeiert. Viele Anhänger nannten ihn einen "Zauberer" auf dem Instrument. Das mochte Paganini allerdings gar nicht hören. "Zwölf Stunden täglich üben, manchmal sogar sechzehn, und das zwanzig Jahre lang, bis die Finger wund sind – das ist mein Zauberspruch."

   

Die Sage von König Midas

Themen:
Erfolg, Habgier, Reichtum, Ziele, persönliche Finanzen, Finanzmanagement

Silen war ein Fabelwesen, halb Mensch, halb Pferd. Ehemals war er Erzieher von Dionysos, dem Gott des Weines und der Fruchtbarkeit. Auch Silen sprach oft ausgiebig dem Wein zu, und die Trunkenheit war auch der Grund dafür, dass er sich eines Tages in den Rosengärten des Königs Midas verirrte. Er legte sich nieder, um seinen Rausch auszuschlafen. Da wurde er von einigen Bauern entdeckt und gefangen genommen. Sie brachten Silen zu König Midas, der den wunderlichen Eindringling gleich erkannte und ihn sehr gastfreundlich aufnahm. Er bewirtete ihn zehn Tage und zehn Nächte, dann brachte er ihn zurück zu Dionysos. Der war ausser sich vor Freude und versprach Midas, ihm jeden Wunsch zu erfüllen. Midas mochte zwar gastfreundlich gewesen sein, doch war er auch sehr habgierig, und so wünschte er sich, dass alles, was er berührte, zu Gold werden sollte. Dionysos erfüllte ihm den Wunsch. Midas kehrte nach Hause zurück und fing an, all seinen Besitz in Gold zu verwandeln. Er glaubte, der reichste Mensch der Welt zu sein. Doch an eines hatte er nicht gedacht: Alle Nahrungsmittel, die er anfasste, verwandelten sich ebenfalls zu Gold. Midas drohte zu verhungern. Da machte er sich wiederum auf zu Dionysos und flehte ihn an, den ganzen Zauber wieder rückgängig zu machen. Dionysos gab ihm die Anweisung, in dem Fluss Paktolos zu baden. Dann werde alles so sein wie zuvor. Und so geschah es auch. Nur eines änderte sich: Seither soll der Fluss Paktolos reich an Goldstaub sein.

   

Die Gier der Mistkäfer

Themen:
Erfolgsmensch, Habgier, Preis für Karriere, Leadership, persönliche Finanzen, Eingleisigkeit

Mistkäfer tragen gerne Lasten. Sie nehmen alles auf, was auf ihrem Weg liegt. Das schleppen sie dann mit erhobenem Kopf mit sich fort und wollen es nicht loslassen, auch wenn die Last schwer ist und das Tragen sie erschöpft. Durch die schwere Last geraten die Käfer manchmal ins Stolpern und strampeln hilflos mit den Beinen, wenn sie umfallen. Manche Menschen haben Mitleid mit den Käfern, nehmen ihnen die Ladung ab und stellen sie wieder auf die Beine. Doch sobald die Mistkäfer wieder krabbeln können, nehmen sie ihre Last wieder auf und tragen sie fort. Ebenso gibt es unter uns Menschen, die wie die Mistkäfer alles haben wollen, was sie kriegen können, und die keine Gelegenheit auslassen, sich zu bereichern. Sie denken nicht daran, dass ihr Reichtum ihnen zur Last werden könnte. Ihre einzige Sorge ist, nicht genug zu besitzen. Wenn sie ins Stolpern geraten, kann ihr Besitz sie erdrücken. Aber kaum haben sie wieder festen Boden unter den Füssen, machen sie so weiter wie zuvor. Ihre Gier bringt sie schliesslich an den Rand des Ruins. Doch das durchschauen sie nicht. Diese Leute nennt man "erfolgreiche Menschen". Dabei haben sie nur die Hirne von Mistkäfern!

   

Gedenktafel

Themen:
Ruhm, Öffentlichkeitsarbeit, Bescheidenheit

"Was wird wohl einst auf der Tafel stehen, die man Ihnen zu Ehren hier oben anbringen wird?", fragte ein Freund den Komponisten Johannes Brahms, als er mit diesem vor dem Haus Karlsgasse 4 in Wien stand, das der Meister lange Jahre bewohnte. Trocken erwiderte Brahms: "Wohnung zu vermieten!"

   

Bescheidenheit

Themen:
Erfolg, Anerkennung, Ruhm, Ziele

Der französische Schriftsteller Jules Renard fand zu seiner Zeit nicht die gebührende Anerkennung. Freunde versuchten ihn zu trösten und versicherten ihm, dass alle bedeutenden Schriftsteller zunächst verkannt würden. "Das stimmt", sagte Renard, "aber weil ich kein bedeutender Mann bin, würde ich es vorziehen, berühmt zu sein."

   

Das Stolpern des Eroberers

Themen:
Vorzeichen, Aberglauben, symbolische Handlung, Ritual, Geistesgegenwart, Flexibilität, Mitarbeiterführung, Projektmanagement

Wilhelm der Eroberer, König der Normannen, landete 1066 mit seinem Heer an der englischen Küste. Als er von seinem Schiff an Land sprang, geriet er ins Stolpern und stürzte zu Boden. Ein schlechtes Vorzeichen? Sein Gefolge war wie die meisten Menschen in dieser Zeit sehr abergläubisch. Doch Wilhelm rettete die Situation, indem er am Boden knien bleib, mit beiden Händen beherzt in den Sand griff und ausrief: "So ergreife ich dich denn, Land der Angeln und Sachsen." Elf Jahre später hatte er ganz England erobert.

   

Herkules und der Nemeische Löwe

Themen:
High Performer, Einzelkämpfer, Wettbewerb, unlösbare Aufgabe, Schwachstellen erkennen, Benchmarking, taktisches Geschick, Mut

Der antike Halbgott Herkules stand vor der Aufgabe, zwölf Heldentaten zu vollbringen, von denen jede einzelne eigentlich als undurchführbar galt. Heldentat Nummer eins betraf den Nemeischen Löwen, den Herkules besiegen und herbeischaffen sollte. Das Tier besass ein Fell, das es unverwundbar machte. Herkules überraschte den Löwen aus einem Hinterhalt, jedoch prallten alle seine Pfeile an dem Fell ab. Der Löwe sprang ihn an, doch Herkules wehrte ihn ab und verfiel auf das geeignete Mittel, das unverwundbare Tier zu töten: Mit blossen Händen erwürgte er den Löwen, den sein Fell nun nicht mehr zu schützen vermochte. Danach häutete er das Tier mit dessen eigenen Krallen, nur so konnte er das Fell ja überhaupt zurechtschneiden. Aus dem Fell machte er sich einen Umhang, aus dem Löwenkopf fertigte er sich einen Helm. So kehrte er zu seinem Auftraggeber zurück, der von seinem Anblick so verängstigt wurde, dass er in einen Bronzekrug sprang und von nun an nur noch über einen Boten mit Herkules verkehrte.

   

Herkules besiegt Antäus

Themen:
Bodenhaftung, Rivalen, Wettbewerb, Erfolg, taktisches Geschick, Schwachstellen erkennen

Der Riese Antäus war ein Sohn der Erdgöttin Gaia und des Meeresgottes Poseidon. Er lebte in Libyen und forderte jeden, der vorbeikam, zum Ringkampf. Antäus galt als unbesiegbar. Durch jede Berührung mit der Erde bekam er neue Kraft. Die Schädel seiner getöteten Gegner verwendete er als Dachziegel für den Tempel seines Vaters. Herkules kam eher zufällig zu Antäus. Er war auf der Suche nach den goldenen Äpfeln der Hesperiden (der elften Aufgabe von zwölfen) und hatte sich verlaufen. Dies hinderte Antäus jedoch nicht, Herkules zum Kampf zu fordern. Er wurde im Kampf getötet, denn Herkules hob ihn vom Erdboden hoch, damit er keine Kraft mehr bekam. Er hielt ihn so in die Luft und erdrückte ihn schliesslich.

   

Der siegreiche Hahn

Themen:
Selbstdarstellung, Selbstüberschätzung, Karriere, Erfolg, Rivalen, Öffentlichkeitsarbeit

Auf einem Misthaufen kämpften zwei Hähne. Der eine war stärker und vertrieb seinen Rivalen vom Haufen. Alle Hennen scharten sich um den Sieger und rühmten seine Kraft und Kampfesstärke. Der Hahn genoss das und wollte, dass sein Ruhm auch auf dem Nachbarhof bekannt werde. Er flatterte nach oben auf die Scheune und krähte laut: "Seht alle her! Ich bin der siegreiche Hahn! Kein anderer Hahn ist so stark wie ich!" Kaum hatte der Hahn zu Ende gekräht, da stiess ein Adler vom Himmel herab, nahm ihn in seine Klauen und tötete ihn.

   

Der Dirigent

Themen:
Führungsverantwortung, ganzheitliche Führung, Koordination, übergeordnetes Ziel, Fachwissen im Team, Projektmanagement

Wozu braucht ein Ensemble erstklassiger Musiker überhaupt einen Dirigenten? Ein Dirigent beherrscht kein einziges Instrument, sein Instrument ist das Orchester. Er gibt das Tempo vor, er gibt die Einsätze. Er sorgt für den richtigen Gesamtklang. Er gibt den Instrumentalisten zu verstehen, wie bestimmte Stellen klingen sollen, wie laut oder wie leise und mit welchem Ausdruck. Er formt aus den einzelnen Stimmen und den vielen unterschiedlichen Passagen ein Ganzes. Fragen Sie nach dem Konzert den zweiten Trompeter, was er heute Abend gemacht hat, wird er Ihnen nicht antworten: "Ich habe heute Abend Trompete gespielt", sondern: "Wir haben heute Abend Beethovens dritte Symphonie gespielt."

   

Die zwei Flügel einer Führungskraft

Themen:
Führung, emotionale Intelligenz, Balance

Kein Lebewesen kann mit nur einem Flügel fliegen. Wirklich gute Führung ist nur möglich, wenn Herz und Kopf – Fühlen und Denken – zusammenspielen. Das sind die zwei Flügel einer erfolgreichen Führungskraft.

   

Die drei Maurer

Themen:
Verantwortung für das Ganze, Leadership, übergeordnetes Ziel, Vision, Projektmanagement, Personalauswahl, Teamarbeit

Ein Bauherr will einen Maurer beschäftigen. Er geht auf eine riesige Baustelle und schaut den Maurern bei ihrer Arbeit zu. Er entdeckt drei, die sehr fleissig Stein auf Stein schichten. Äusserlich kann er keinen Unterschied zwischen ihnen entdecken. Wer ist der beste von ihnen? Der Bauherr geht zum ersten Maurer und fragt: "Was tun Sie da?" Der Maurer schaut ihn verwundert an und sagt: "Das sehen Sie doch. Ich verdiene hier meinen Lebensunterhalt." Der Bauherr geht zum zweiten Maurer und stellt ihm dieselbe Frage. Der richtet sich auf und verkündet stolz: "Ich mache meine Arbeit. Und zwar perfekt. Ich bin der beste Maurer im Land." Dann geht der Bauherr zum dritten. Dieselbe Frage. Der Maurer denkt kurz nach und sagt: "Ich helfe mit, eine Kathedrale zu bauen."

   

Das Spielfeld abmessen

Themen:
Führung, Delegieren, höheres Management, Richtlinienkompetenz

Der legendäre Chrysler-Manager Lee Iacocca bezeichnete es als wesentlichen Teil seiner Aufgabe "das Spielfeld abzumessen", Grenzen zu ziehen, in denen das "Frontmanagement" relativ selbstständig agieren kann: "Es ist so ähnlich, wie wenn man seinem Kind sagt, im Hof könne es spielen, aber es soll nicht auf die Strasse rennen und nicht über den Zaun klettern und auch niemanden reinholen."

   

Mitreissend

Themen:
Leadership, Führungsverantwortung, Begeisterungsfähigkeit, Motivation, Empowerment, positives Denken

Eine gute Führungskraft soll mitreissend sein. So wie ein guter Bergführer seine Gruppe auf den höchsten Gipfel führt; er geht voran und zieht die anderen mit nach oben, denn alle sind mit einem Seil fest verbunden. Verliert der Bergführer allerdings einmal den Boden unter den Füssen und stürzt ab, dann reisst er alle mit sich in die Tiefe.

   

Halbvolle und halbleere Flaschen

Themen:
Optimismus, Pessimismus, Beurteilung, Perspektive, positives Denken

Die weit verbreitete Definition von Pessimismus und Optimismus stammt vom irischen Schriftsteller und Dramatiker George Bernard Shaw: "Stellt eine Flasche, die zur Hälfte gefüllt ist, auf den Tisch. Der Optimist wird sagen: ‚Wie schön! Die Flasche ist noch halb voll!’ Der Pessimist wird sagen: ‚Schade, die Flasche ist schon halb leer!’"

   

Tröstende Worte

Themen:
Glaubwürdigkeit, Optimismus, positives Denken

Als der französische Karikaturist Jean-Louis Forain auf dem Sterbebett lag, wollte ihm sein Arzt etwas Mut zusprechen. "Ihr Puls ist gut, das Herz schlägt tadellos, die Lungen arbeiten zuverlässig, Ihr Fieber sinkt ..." – "Kurz gesagt", unterbrach ihn Forain, "ich sterbe bei bester Gesundheit."

   

Einer Schlange soll man keine Füsse anmalen

Themen:
Zusatzleistung, Perfektionismus, Konkurrenz, Übermut

Im alten China bot ein Mann seinen Dienern einen Becher Wein an. Die Diener meinten, für alle sei der Wein zu wenig, jedoch für einen sei der Becher gerade richtig, um ihn mit Genuss zu trinken. Also einigten sich die Diener auf einen Wettbewerb: Sie wollten auf dem Boden eine Schlange zeichnen, und derjenige, der als erster damit fertig sein würde, sollte den Becher bekommen. Ein Diener war besonders schnell fertig. Er griff sofort zum Wein und während er mit der linken Hand den Becher hielt, malte er aus Übermut mit seiner rechten der Schlange noch ein paar Füsse an. Mittlerweile hatte ein Zweiter seine Schlange fertig gezeichnet. Der nahm dem Ersten den Becher aus der Hand und sagte: "Was hast du da gezeichnet? Es gibt keine Schlangen mit Füssen!" Dann setzte er den Becher an den Mund und trank ihn aus.

   

Schlangen und Reptilien auf dem Rücken

Themen:
Perfektionismus, Leadership, Übermut, Verletzung

Man soll keinen zum Leiter einer Gemeinschaft wählen, der auf seinem Rücken nicht einen Haufen Reptilien herunterhängen hat. Wird sein Sinn hochmütig, dann sage man ihm: Drehe dich um!

   

Gilgamesch

Themen:
Macht, Erfolgsstreben, Führungspersönlichkeit, Konkurrenz, Grenzen

König Gilgamesch von Uruk in Mesopotamien verfügte über ungeheure Macht und sagenhafte Kräfte. Die Götter statteten ihn mit den glänzendsten Eigenschaften aus. Und so gab es niemanden, der sich mit ihm messen konnte. Er war einfach übermächtig. Die Folge war nicht etwa eine milde selbstsichere Regierung, sondern eine brutale Willkürherrschaft. Gilgamesch drangsalierte seine Untertanen Tag und Nacht. Die Bewohner von Uruk wandten sich mit ihren Klagen an die Götter. Die erhörten sie und schufen aus Wasser und Lehm den gewaltigen Enkidu, einen wilden unbehausten Kraftmenschen, der es mit Gilgamesch aufnehmen konnte. Die beiden kämpften miteinander, aber weil es keinen Sieger gab, schlossen sie Freundschaft und zogen zusammen aus, um Abenteuer zu bestehen.

   

Fundiertes Urteil

Themen:
Führung, Gerechtigkeit, Leadership, Vorbildfunktion

Als Nasrudin Friedensrichter war, kam eine Frau mit ihrem Sohn zu ihm. "Mein Sohn isst zu viel Zucker", klagte die Mutter, "ich kann es mir nicht leisten, ihm so viel zu geben. Ich bitte Euch daher, ihm zu verbieten, so viel zu essen. Auf mich hört er nämlich nicht." Nasrudin sagte: "Komm in sieben Tagen wieder." Nach sieben Tagen erschien die Frau mit ihrem Sohn ein zweites Mal vor Nasrudin. "Ich brauche noch einmal sieben Tage", sagte Nasrudin und schickte die Frau fort. Als sie das dritte Mal zu Nasrudin kam, wandte der sich an den Sohn und erklärte: "Hiermit verbiete ich dir, mehr als zwei Stück Zucker am Tag zu essen." Die Mutter fragte verwundert: "Das hättet Ihr doch schon sagen können, als ich das erste Mal bei Euch war. Warum habt Ihr so lange gebraucht, um ein so einfaches Urteil zu sprechen?" – "Ganz einfach", erklärte Nasrudin, "ehe ich das dem Jungen befehlen konnte, musste ich erst herausfinden, ob ich selbst mit zwei Stück Zucker auskommen kann."

   

Ein Schwindelfall

Themen:
Führungsverantwortung, Egoismus, Eigeninteressen, soziale Verantwortung

Der französische Schriftsteller Jules Renard erzählt von einem Gouverneur der Insel Martinique, der eines Tages die Erde zittern sah und schreckliche Angst bekam. Als die Sache vorüber war, bekam er die Meldung, es sei ein Erdbeben gewesen, das ein ganzes Stadtviertel vernichtet hatte. Daraufhin seufzte der Gouverneur erleichtert "Gott sei Dank! Und ich hatte schon gedacht, ich hätte einen Schwindelanfall gehabt!"

   

Der Habicht und die Nachtigall

Themen:
Macht, Machtmissbrauch, Stärke, Abhängigkeit

Ein Habicht fing eine Nachtigall, packte sie mit seinen Klauen und trug sie hoch in die Wolken empor. Die Nachtigall, die von seinen Fängen verwundet worden war, schrie um Erbarmen. Der Habicht aber sprach: "Was schreist du, du Narr? Ich bin weit stärker als du. Du gehst dorthin, wohin ich dich schleppe. Auch wenn du ein Sänger bist. Das hilft dir nichts. Wenn ich will, fresse ich dich. Wenn es mir gefällt, lass ich dich frei!"

   

Der Schlupfwespen-Manager

Themen:
Flexibilität, Kreativität, Mitarbeiterführung, Ablauforganisation

Eine Schlupfwespe fliegt zur Zeit der Eiablage los und hält nach Raupen Ausschau. Hat sie eine gefunden, sticht sie die Raupe. Dadurch wird die Raupe gelähmt. Die Wespe bringt ihre Beute an den Eingang ihres Nests. Dort legt sie die Raupe ab, verschwindet kurz in ihrem Bau, um Platz zu schaffen und zu prüfen, ob alles in Ordnung ist. Dann kehrt sie zurück, um die Raupe in ihr Nest zu ziehen. Ein perfekt durchorganisierter Ablauf von bemerkenswerter Effizienz. Doch schieben Sie die Raupe nur ein kleines Stück vom Eingang weg, während die Wespe in ihrem Nest verschwunden ist, so zeigen sich die Grenzen des Managements à la Schlupfwespe. Die Wespe sucht nach der Raupe, legt sie wiederum direkt vor ihrem Nest ab und verschwindet nun abermals darin. Verschieben Sie ein zweites Mal die Raupe, so wiederholt die Schlupfwespe ihr Verhalten auf genau dieselbe Art. Diese Prozedur können Sie endlos wiederholen, die Wespe wird eher vor Erschöpfung sterben, als die Wespe einfach in ihr Nest zu ziehen.

   

Matsushita lässt ein halbes Steak zurückgehen

Themen:
Leadership, Bescheidenheit, Persönlichkeit, Image, Wertschätzung, Lob, Einfühlungsvermögen

Konoskuke Matsushita war eine der bedeutendsten Unternehmerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Nahezu aus dem Nichts baute er einen Weltkonzern auf, die Matsushita Electric Corporation, die als japanisches Gegenstück zu "General Electric" gilt. Der überaus erfolgreiche Geschäftsmann war schon zu seinen Lebzeiten eine Legende. Verschiedene Episoden aus seinem Leben werden wie Volksmärchen weitererzählt. So auch diese: 1975 waren sechs Leiter von Geschäftsbereichen zu einem Mittagessen mit dem Gründer ihres Unternehmens eingeladen. Zu diesem Zeitpunkt war Matsushita nicht nur in Japan ein berühmter Mann, das amerikanische Time-Magazin hatte ihm eine Titelgeschichte gewidmet. Die Männer trafen sich kurz nach zwölf Uhr. Alle bestellten Steak, Matsushita trank zwei Gläser Bier und erzählte von dem Unternehmen und seiner Geschichte. Als alle den Hauptgang beendet hatten, beugte sich Matsushita zu einem der Bereichsleiter hinüber und bat ihn, den Küchenchef holen zu lassen, der sein Steak zubereitet hatte. Der Unternehmensgründer hatte sein Steak nur zur Hälfte gegessen. Die anderen machten sich auf eine äusserst unangenehme Situation gefasst. Man wollte den Geschäftsführer kommen lassen, doch Matsushita bestand darauf, dass der Küchenchef kommen müsse. Der erschien und war sehr verlegen, denn er wusste, dass derjenige, der ihn hatte rufen lassen, eine sehr wichtige Persönlichkeit war. "Ist etwas nicht in Ordnung?", fragte er nervös. Matsushita sagte ruhig: "Sie haben sich so viel Mühe mit dem Steak gegeben, aber ich habe es nur zur Hälfte geschafft. Nicht weil es nicht gut wäre. Es schmeckt ganz vorzüglich. Aber Sie müssen verstehen, ich bin 80 Jahre alt, und mein Appetit ist nicht mehr der grösste." Der Küchenchef und die anderen Männer am Tisch wechselten irritierte Blicke. Es dauerte ein wenig, bis sie den Sinn des Gesagten begriffen. Matsushita fuhr fort: "Ich wollte mit Ihnen sprechen, weil ich fürchtete, Sie könnten gekränkt sein, wenn mein Teller mit dem halben Steak in die Küche zurückgebracht wird."

   

Der Krug mit Nüssen

Themen:
Habgier, Ungeduld, eigenmächtiges Handeln, Gelassenheit, Loslassen, Ziele, Verhandlungen, Kreativität, Problemlösung

Im alten Persien wollte eine Frau ihrem Mann seine Leibspeise bereiten. "Ich brauche dazu noch zwölf Nüsse", sagte sie. "Holst du sie für mich?" Der Mann ging zum Markt, entdeckte einen Händler, der einen grossen Krug mit Nüssen hatte. "Ich brauche zwölf Nüsse", sagte der Mann, griff in den Krug und packte eine ganze Handvoll Nüsse. Dann wollte er seine Hand aus dem Krug wieder herausziehen, doch es ging nicht. Er hing fest. Er zog und zerrte mit aller Kraft, sein Handgelenk war immerhin schon sichtbar. Er klemmte den Krug zwischen seine Füsse und versuchte, seine Hand herauszudrehen – seine Hand kam nur wenige Millimeter voran. Der Händler hielt den Krug fest, der Mann stemmte sich dagegen, die Hand schmerzte immer mehr, aber sie hing jetzt vollständig im Hals des Kruges fest. Mittlerweile hatten sich viele Menschen versammelt, um das traurige Schauspiel zu verfolgen und zu kommentieren. Schliesslich trat ein weisshaariger Mann vor und versprach zu helfen. "Du musst nur genau das tun, was ich dir sage." Der Mann mit der eingeklemmten Hand war dazu bereit. "Als erstes", sagte der Weisshaarige, "musst du deinen Arm in den Krug wieder ganz hineinschieben." – "Bist du verrückt?", fragte der Mann. "Ich bin froh, dass ich es so weit geschafft habe." Der Weisshaarige blieb unbeeindruckt: "Tu, was ich dir sage." Widerwillig schob der Mann die Hand zurück in den Krug. "Und jetzt", sagte der Weisshaarige, "öffne deine Hand und lass alle Nüsse fallen." Der Mann seufzte und tat, wie ihm geheissen. "Nun machst du deine Hand ganz schmal und ziehst sie wieder zurück", sagte der Weisshaarige. Und tatsächlich kam die Hand des Mannes wieder zum Vorschein. Die Hand war gerettet, aber die Nüsse waren noch im Krug. Da drehte der Weisshaarige den Krug um und liess die Nüsse dem Mann in die Hände rollen.

   

Der Traum vom Schmetterling

Themen:
Identität, Persönlichkeit, Rollen, Flexibilität, Mitarbeiterführung, Change-Management

Einst träumte Dschuang Dsi, dass er ein Schmetterling sei, ein flatternder Schmetterling, der sich glücklich fühlte und nichts wusste von Dschuang Dsi. Dann erwachte er: Er war nun wieder wirklich und wahrhaftig Dschuang Dsi. Doch ich bin nicht sicher, ob Dschuang Dsi geträumt hat, er sei ein Schmetterling, oder ob ein Schmetterling träumt, er sei Dschuang Dsi. Dabei gibt es doch sicher einen Unterschied zwischen Dschuang Dsi und dem Schmetterling. So ist es mit der Wandlung der Dinge.

   

Königliches Vorleben

Themen:
Gesinnungswandel, Radikalität, revolutionärer Elan, Vorleben, Konsequenz

Jean-Baptiste Bernadotte (1763-1844) war französischer General und Marschall, ehe er zum Kronprinz von Schweden gewählt wurde. Später wurde er Regent, schliesslich unter dem Namen Carl Johan König von Schweden und Norwegen. Eines Tages erkrankte er schwer; der königliche Leibarzt wollte ihn zur Ader lassen. Doch der König weigerte sich hartnäckig. Als sich sein Zustand allerdings mehr und mehr verschlechterte, gab er schliesslich nach. "Also gut", erklärte dem Leibarzt, "dann lassen Sie mich zur Ader. Aber Sie müssen mir schwören, dass Sie keinem Menschen sagen, was Sie gleich sehen werden." Der Arzt schwor es, und als er den Ärmel des Königs hochschob, entdeckte er eine bemerkenswerte Tätowierung: eine Jakobinermütze, das Zeichen der französischen Revolutionäre, und darunter auf Französisch die Worte: "Tod den Königen!"

   

Metaphern für Gang und Haltung

Themen:
Selbstbewusstsein, Kompromiss, Anpassung, Schwierigkeiten, Hierarchie, Organisation

Haltung bewahren/zeigen/verlieren, der aufrechte Gang, der gebeugte Gang, das Schleichen, Rückgrat haben/zeigen, sich verbiegen, das Rückgrat brechen, sich nach der Decke strecken Wer kriecht, kann nicht stolpern. Gehen ist ein ständig aufgefangener Fall. (Konfuzius) Nie noch hat einer, der sich willentlich krümmt, andere aufzurichten vermocht. (Meng Dse)

   

Die Delfin-Strategie

Themen:
Change-Management, Führungspersönlichkeit, Win-win-Situation, Konkurrenzdenken, Führungsstil, Wettbewerb, Fusion

Delfine sind elegante, gesellige und intelligente Tiere. Sie sind extrem beweglich und extrem schnell. Sie sind offen für alles, was funktioniert. Wenn Delfine nicht erreichen, was sie anstreben, ändern sie ihre Verhaltensweise schnell und präzise. Dabei bleiben sie hartnäckig und überwinden durch ihre Ausdauer fast jeden Widerstand. Delfine sind pragmatisch und nicht ideologisch, Delfine sind, was Delfine tun. Zugleich orientieren sich Delfine immer nach dem grossen Ganzen, sind aber auch dazu fähig, sich auf das kleinste Detail zu konzentrieren. Delfine schlagen schnell zurück, wenn es die Situation erfordert, aber sie verzeihen sofort, denn sie wissen, dass Groll kein gutes Mittel ist, um im fliessenden Wasser zurechtzukommen. Die anderen Bewohner des grossen Wassers sind Haie und Karpfen. Bekanntlich haben Haie Zähne, sie sind gefährliche Raubfische. Es geht ihnen darum, die anderen zu fressen, sie zu schädigen. Haie sind nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht und gehen dabei mitunter sehr geschickt vor. Sie können mit anderen nicht wirklich kooperieren, sie sind Einzelgänger. Haie sind auch untereinander verfeindet, sie jagen sich gegenseitig die Beute ab. Ein Gewässer (oder Unternehmen), in dem die Haie die Herrschaft übernommen haben, herrscht Angst und Schrecken. Es geht nur noch ums Fressen und (möglichst nicht) Gefressen werden. Karpfen hingegen sind friedliebende Fische, sie schwimmen in Schwärmen und bevorzugen stehende oder langsam fliessende Gewässer. Sie sind nicht sehr einfallsreich, passen sich lieber an und wissen sich vor allem kaum zu wehren. Deshalb werden sie leicht gefangen. Wie man weiss, leben Karpfen nur bis Weihnachten.

   

Eine echte Delfin-Strategie

Themen:
Delfin-Strategie, Change-Management, Egoismus, Konkurrenz, Image, Öffentlichkeitsarbeit, taktisches Geschick

Es gibt kaum einen Meeresbewohner, der so gierig und unersättlich ist wie der Delfin. Er hat ein wahrhaft fürchterliches Raubtiergebiss und frisst alles, was ihm zwischen die Zähne kommt. Von der Schnecke bis zum Krebs, vom Hering bis zum Riesenwal, vom Pinguin bis zur Elefantenrobbe ist nichts vor ihm sicher. Delfine schwimmen ausserordentlich schnell. Zu mehreren machen sie Jagd auf grosse Tiere, so ähnlich wie die Hyänen (siehe Seite XXX). Sie umkreisen ihre Beutetiere, zerfetzen und zerreissen sie mit einer Heftigkeit, dass wenig von ihren Opfern übrig bleibt. Was irgendwie in ihren Schlund passt, das wird aufgefressen. Allerdings gibt es eine Ausnahme, es gibt ein Wesen, zu dem die Delfine ausgesprochen freundlich sind: Das ist der Mensch. Es gibt zahlreiche durchaus glaubwürdige Berichte, wie Delfine Menschen aus Seenot gerettet oder vor dem Ertrinken bewahrt haben. Wie liesse sich also eine echte Delfin-Strategie beschreiben? Sei grausam und rücksichtslos zu allen Tieren, die du besiegen kannst. Mach kurzen Prozess mit ihnen. Greif aber niemals ein Wesen an, das mächtiger ist als du. Im Gegenteil, hilf ihm und sorge dafür, dass es sich dir verpflichtet fühlt. Umgarne es – wie die Delfine, die als einer der ganz wenigen Meeresbewohner zu einem Schiff hinschwimmen und nicht davon weg. Betreibe Imagepflege. Lege immer ein Lächeln auf – wie der Delfin, der ja auch immer zu lachen scheint. Dafür werden dich die mächtigen Wesen mögen. Vielleicht werden sie sogar versuchen, dir ähnlich zu werden. Und das nennen sie dann die Delfin-Strategie.

   

Neue Managementmethoden

Themen:
Führung, Organisation, Betriebsklima, Unternehmenskultur, Informationsmanagement, Finanzmanagement, Führungsstil, Verantwortung, Kompetenzen, Missstände, Krisen, Aktionismus, Ehrgeiz, Egoismus, Passivität u.v.a.

Vielleicht kennen Sie die Führungstechniken "Management by Objectives" (Führen mit Zielvereinbarungen) oder "Management by Delegation" (Führen durch Delegieren). Es gibt noch weitere so genannte "Management by"-Techniken, die ganz seriös gemeint sind, wenn auch nicht alle restlos zu überzeugen vermögen. Wie etwa das "Management by Crisis", bei dem die Führungskraft bewusst eine Krise herbeiführen soll, weil unter Krisenbedingungen bekanntlich disziplinierter gearbeitet wird. Nicht ganz schlüssig, die einen den Karren in den Dreck fahren zu lassen, damit die anderen ihn rausholen können. Ganz und gar nicht ernst gemeint sind allerdings die folgenden Beispiele aus dem Internet, die alle mit Metaphern arbeiten. Management by Helicopter: Über allem schweben, von Zeit zu Zeit auf den Boden kommen, viel Staub aufwirbeln und dann wieder ab in die Wolken. Management by Nilpferd: Auftauchen, Maul aufreissen, untertauchen! Management by Känguru: Mit leerem Beutel grosse Sprünge machen. Management by Jeans: An allen wichtigen Stellen sitzen Nieten. Management by Babysitter: Man kümmert sich immer um die Angelegenheit, bei der jemand am lautesten schreit. Management by Champignon: Die Mitarbeiter im Dunkeln lassen, gelegentlich mit Mist bestreuen und sobald sich ein heller Kopf zeigt: abschneiden! Management by Sanduhr: Alles durchlassen und warten, bis eine Wende kommt. Management by Cowboy: Alles abgrasen und dann weiterziehen. Management by Robinson: Alle warten auf Freitag. Management by Chromosom: Führungsqualifikation ausschliesslich durch Vererbung. Management by Dübel: Lücke erkennen, schnell reinquetschen und sofort breit machen. Management by Partisan: Selbst die engsten Mitarbeiter falsch informieren, damit die eigenen Ziele nicht herauskommen. Management by Surprise: Erst handeln, dann sich von den Folgen überraschen lassen.

   

Die Freude der Fische

Themen:
Führung, Empathie, ganzheitliche Betrachtung, emotionale Intelligenz, Einfühlungsvermögen

Dschuang Dsi ging mit Hui Dsi am Ufer eines Flusses spazieren. Er sagte: "Wie lustig die Forellen aus dem Wasser herausspringen! Das ist die Freude der Fische." Hui Dsi erhob Einspruch: "Ihr seid kein Fisch. Wie wollte ihr die Freude der Fische kennen?" Darauf sagte Dschuang Dsi: "Und Ihr seid nicht ich. Wie könnte Ihr da wissen, dass ich die Freude der Fische nicht kenne?" – "Nun", sagte Hi Dsi, "Ihr seid sicher kein Fisch. Also ist es klar, dass Ihr die Freude der Fische nicht kennt." Doch Dschuang Dsi widersprach: "Ich erkenne die Freude der Fische aus meiner Freude beim Wandern am Fluss."

   

Der geschickte Koch

Themen:
Führungskraft, Geduld, Effizienz, Stärke, Fachkönnen, Lernprozess

Der Fürst Wen Hui hatte einen Koch, der für ihn mit geschickter Hand einen ganzen Ochsen zerteilte. "Wie fängst du es nur an", fragte Wen Hui seinen Koch, "mit so wenig Anstrengung ein so grosses Tier zu zerschneiden?" Der Koch legte sein Messer beiseite und antwortete: "Als ich anfing, Rinder zu zerlegen, da sah ich eben nur Rinder vor mir. Nach drei Jahren hatte ich es so weit gebracht, dass ich die Rinder schon zerteilt vor mir sah, noch ehe ich das Messer angesetzt hatte. Heute verlasse ich mich nur noch auf meinen Geist und nicht mehr auf den Augenschein." Der Fürst wollte mehr wissen: "Du verlässt dich auf deinen Geist? Wie geht das vor sich?" Der Koch erwiderte: "Ein guter Koch wechselt sein Messer einmal im Jahr, weil er schneidet. Ein stümperhafter Koch muss das Messer alle Monate wechseln, weil er hackt. Ich habe mein Messer nun schon neunzehn Jahre und habe schon mehrere tausend Rinder zerlegt, und doch ist seine Schneide wie neu geschliffen. Die Gelenke der Rinder haben Zwischenräume, die Schneide des Messers hat keine Dicke. Was aber keine Dicke hat, dringt in Zwischenräume ein. Und doch heisst es achtsam sein, sobald ich an eine Gelenkverbindung komme. Ich sehe zu, wo ich halt machen muss und bewege das Messer kaum – plötzlich ist das Stück auseinander und fällt wie ein Sandkloss zu Boden. Ich zögere noch einen Augenblick, reinige das Messer und tue es beiseite." – "Vortrefflich!", rief Fürst Wen Hui. "Ich habe die Worte eines Kochs gehört und gelernt, wie ein Fürst leben soll."

   

Der dreiste Tantalos und seine Qualen

Themen:
Qual, Mangel im Überfluss, Neid, Herausforderung, Dreistigkeit, Strafe, Gerechtigkeit

Tantalos, ein Sohn von Göttervater Zeus, war ein Herrscher, der vor nichts und niemandem Respekt hatte. Vom Berg Sipylos in Kleinasien regierte er sein Reich, und weil er so vermögend war, durfte er zeitweilig am Tisch der Götter sitzen und mit den Unsterblichen speisen. In einem unbeobachteten Moment liess er eine erkleckliche Menge Nektar und Ambrosia verschwinden. Von jenen Götterspeisen, die unsterblich machen sollten, gab er seinen irdischen Freunden zu essen. Ausserdem plauderte er freimütig aus, was die Götter bei Tisch besprochen hatten. Den Höhepunkt setzte Tantalos allerdings, als er seinerseits die Götter zum Essen einlud. Um ihre Allwissenheit auf die Probe zu stellen, schlachtete er seinen eignen Sohn Pelops und setzte ihn den Göttern vor, die den Frevel durchschauten und keinen Bissen anrührten – bis auf Demeter, die grosse Erdgöttin, die gerade grossen Kummer hatte und geistesabwesend eine Schulter verspeiste. Nun war es an der Zeit, die Dinge in Ordnung zu bringen: Der Götterbote Hermes holte den armen Pelops aus der Unterwelt, die Götter erweckten ihn wieder zum Leben und ersetzten seine beschädigte Schulter durch eine Prothese aus Elfenbein. Tantalos hingegen wurde in die Unterwelt verbannt, und zwar in den ungemütlichsten Teil, den Tartaros. Hier musste er schreckliche Qualen leiden: Obwohl er bis zum Kinn im Wasser stand und über seinem Kopf schwere Obstbaumzweige hingen, konnte er weder trinken noch essen. Er kam mit seinem Mund nicht an das Wasser heran, und jedes Mal, wenn er seine Hand nach dem Obst ausstreckte, wichen die Zweige zurück. Ausserdem hing über seinem Kopf ein grosser Stein an einem Faden, der jederzeit hinabstürzen konnte, um ihn zu erschlagen.

   

Ein dicker Sack

Themen:
Führungsverantwortung, Mitarbeiter, Eitelkeit, Selbstüberschätzung

Ein dicker Sack – den Bauer Bolte, der ihn zur Mühle tragen wollte, um auszuruhn, mal hingestellt dicht an ein reifes Ährenfeld – legt sich in würdevolle Falten und fängt ´ne Rede an zu halten. "Ich", sprach er, "bin der volle Sack. Ihr Ähren seid nur dünnes Pack. Ich bins, der euch auf dieser Welt In Einigkeit zusammenhält. Ich bins, der hoch von Nöten ist, dass euch das Federvieh nicht frisst; ich, dessen hohe Fassungskraft euch schliesslich in die Mühle schafft. Verneigt euch tief, denn ich bin der! Was wäret ihr, wenn ich nicht wär?" Sanft rauschten die Ähren: "Du wärst ein leerer Schlauch, wenn wir nicht wären."

   

Hundert Prozent für Lego

Themen:
Loyalität, Einsatzbereitschaft, Kompromisslosigkeit, Risikobereitschaft, Prognose, Marktchancen

Mitte der Fünfziger Jahre beginnt langsam der Durchbruch der Firma Lego. Das kleine dänische Unternehmen exportiert seine Spielzeugsteine nach Norwegen und Schweden. Das grösste Interesse gilt jetzt Deutschland. Der Juniorchef Godtfred Christiansen reist 1955 nach Nürnberg zur Spielwarenmesse und präsentiert sein Lego-System. Die einhellige Meinung der Experten: Für unseren Markt ist dieses Spielzeug vollkommen ungeeignet. Kurze Zeit später will Christiansen noch einmal den Markt sondieren und reist nach Hamburg. Auf der Rückfahrt macht er eher zufällig Station bei einem Fabrikanten von Puppenmöbeln, den er flüchtig kennt, Axel Thomsen. Christiansen stellt sein Lego-System vor, Thomsen ist begeistert, er bittet seinen Gast um eine Anstellung als deutschen Generalvertreter. Doch Christiansen lehnt ab: "Du hast deine eigene Firma. Wir können nur einen Mann gebrauchen, der sich hundertprozentig für uns einsetzt." Einige Tage später reist Thomsen nach Dänemark zu Lego. Er ist bereit, die eigene Fabrik seinem Sohn zu übertragen, wenn er dafür Lego auf dem deutschen Markt einführen darf. Thomsen wird der erste Geschäftsführer für Lego Deutschland.

   

Der "Loch-Bischof"

Themen:
Image, Eitelkeit, Peinlichkeit, Verbesserungsmassnahmen, Krisen-PR, Gelassenheit

Im alten Japan lebte ein Bischof namens Ryôkaku. Er war ein etwas eitler Mensch, der leicht in Zorn geriet. In der Nähe seines Tempels wuchs ein Enoki-Baum. Die Leute pflegten Ryôkaku daher den "Enoki-Bischof" zu nennen, was er für wenig schmeichelhaft hielt. Daher liess er den Enoki-Baum eines Tages umhauen. Denn er glaubte: kein Enoki-Baum, kein Enoki-Bischof mehr. Das stimmte zwar, doch war vom Enoki-Baum der Stumpf übrig geblieben. Und die Leute nannten Ryôkaku nun den "Stumpf-Bischof". Das ärgerte ihn noch mehr. Er befahl seinen Dienern den Stumpf mit allen Wurzeln auszugraben, zu zerhacken und fortzuschaffen. So geschah es auch. An der Stelle, an der einstmals der Enoki-Baum gestanden hatte, befand sich nun ein tiefes Loch, das sich bald mit Regenwasser füllte. Und so nannte man den eitlen Ryôkaku nur noch den "Loch-Bischof".

   

Zeichen der Popularität

Themen:
Image, Popularität, Anerkennung von aussen

Der französische Dichter Victor Hugo wurde im Alter gefragt: "Wann haben Sie Ihre Popularität am stärksten empfunden?" – "Das kann ich Ihnen genau sagen", entgegnete Hugo: "Ich kam neulich spät abends nach Hause. Mein Wagen setzte mich vor der Tür ab, aber der Concierge öffnete nicht gleich. Da spürte ich ein kleines Bedürfnis, dem ich auch gleich nachgab. Ein Arbeiter ging vorbei und rief mir zu: ‚Altes Schwein! Ausgerechnet vor der Tür von Victor Hugo musst du das tun?’"

   

Ein Junge im Büro von Mister Gates

Themen:
Image, Auftreten, Unscheinbarkeit

Ungefähr eine Woche nach ihrer Anstellung bei Bill Gates beobachtete die Chefsekretärin, dass ein Junge in das Büro ihres Vorgesetzten hineinging. Die Sekretärin war sehr beunruhigt, denn wie es hiess, war Mr. Gates nicht in der Stadt. Es war kaum anzunehmen, dass er es schätzte, wenn in seiner Abwesenheit ein Junge in seinem Allerheiligsten herumfuhrwerkte. So eilte die Sekretärin zu Steve Wood, einem Mitarbeiter von Gates, und schilderte ihm den Fall. Mit Erstaunen erfuhr sie, dass "der Junge" im Büro von Mister Gates ihr Chef war.

   

Yegong liebt Drachen

Themen:
Image, Symbol, Selbstüberschätzung, Stärke, Phantasie

Im ganzen Reich gab es niemanden, der Drachen so sehr mochte wie Yegong. Auf seiner Kleidung waren Drachen eingestickt, auch seinen Hut schmückte ein Drachen. Zu Hause hingen Bilder von Drachen an den Wänden und in die Holzsäulen seines Hauses waren furchterregende Drachen geschnitzt. Sie fletschten ihre Zähne und zeigten ihre Krallen, dass man es mit der Angst bekommen konnte. Eines Tages hörte der Drache im Himmel, dass auf Erden ein Mensch lebte, der Drachen über alles liebte. Der Himmelsdrachen zögerte nicht lange und flog zur Erde hinunter, um Yegong zu besuchen. Doch kaum hatte er seinen Kopf zum Fenster hineingesteckt, da schrie Yegong laut auf und rannte auf und davon. Es war nämlich so, dass die Drachen, die Yegong liebte, keine wirklichen Drachen waren.

   

Die "Goldwynismen"

Themen:
Führung, Bezahlung, Aufrichtigkeit, Konformismus, Durchbruch, Dokumentenmanagement, Gesundheit, Image, Kundenorientierung, Manipulation, Kosteneinsparung u.v.a.

Samuel Goldwyn, Filmmogul aus Hollywood, wurde als Samuel Gelbfisz in Polen geboren. Als er in die USA auswanderte, änderte er seinen Namen in "Goldfish". Wie kolportiert wird, hielt er das für einen echt amerikanischen Namen. Als ihn jemand darauf aufmerksam machte, dass Goldfisch ähnlich eindrucksvoll klinge wie "Miezekatze", änderte er seinen Namen in "Goldwyn" und wurde mit seinen MGM-Studios zu einem der erfolgreichsten Produzenten Hollywoods. Berühmt geworden ist Goldwyn jedoch nicht nur wegen seiner Filme, sondern vor allem wegen seiner unverwechselbaren Aussprüche höheren Widersinns, die ihn zum Helden zahlreicher Anekdoten gemacht haben. Im Folgenden eine kleine Auswahl echter "Goldwynismen", die sich bequem in jede Rede einflechten lassen. Als Goldwyn gefragt wurde, ob er nicht seine Lebenserinnerungen schreiben wollte, antwortete er: "Ich glaube, niemand sollte seine Autobiografie schreiben, bevor er nicht tot ist." Goldwyn stellte einen neuen Mitarbeiter ein. Es wurde auch über dessen Gehalt gesprochen. Anschliessend befand Goldwyn: "Wir zahlen ihm zu viel, aber er ist es wert." Seinen Drehbuchautoren erteilte er den guten Rat: "Einfach mit einem Erdbeben beginnen. Und dann ganz langsam steigern." Einem Hollywoodagenten gegenüber liess er sich vernehmen: "Geben Sie mir einige Jahre Zeit und ich mache aus dieser Schauspielerin über Nacht einen Star." "Ich gebe ja zu, dass ich nicht immer Recht habe. Aber ich habe niemals Unrecht." "Wenn ich in diesem Geschäft wäre nur wegen des Geschäfts, dann wäre ich nicht in diesem Geschäft." "Wenn ich Ihre Meinung hören will, dann werde ich sie Ihnen mitteilen." "Ich dulde keine Jasager um mich herum. Ich möchte, dass alle vollkommen aufrichtig sind – auch wenn es sie ihren Job kostet." "Sie werden ihn William nennen? Was ist denn das für ein Name! Jeder Tom, Dick oder Harry heisst heute William." "Ein Krankenhaus ist kein geeigneter Ort, um krank zu sein." "Jeder, der zu einem Psychiater geht, sollte sich auf seinen Geisteszustand untersuchen lassen." "Ich habe Ihnen etwas Wichtiges zu sagen. Hören Sie langsam zu." "Rühren wir die Atombombe nicht an. Sie ist Dynamit." Seine Sekretärin fragte ihn, ob sie einen Stapel von Akten fortwerfen könne, die mehr als zehn Jahre alt waren. Goldwyn entgegnete: "Natürlich. Aber machen Sie vorher eine Kopie davon." "Das ist der Ärger mit den Regisseuren. Sie beissen die Hand, die goldene Eier legt." "Ich bekomme keine Herzattacken, ich verpasse welche!" "Das Allerwichtigste beim Schauspielern ist die Aufrichtigkeit. Wenn Sie einmal gelernt haben, sie vorzutäuschen, haben Sie es geschafft." "Das Publikum weiss erst, was es will, wenn es das, was es will, zu sehen bekommt." "Man darf keine Kosten scheuen, um Geld zu sparen."

   

Die Frösche bitten um einen König

Themen:
Führung, Eigenverantwortung, Hierarchie, Organisation, Team

Die Frösche lebten in Freiheit, doch verloren sie bald die Lust daran. Sie wandten sich an den Göttervater Zeus: "Wir wollen einen König haben!" Zeus zeigte für diesen Wunsch wenig Verständnis, doch die Frösche blieben hartnäckig. So warf er einen hölzernen Klotz zu den Fröschen hinab: "Hier habt ihr euren König!" Wie der Klotz aber so in den Teich fiel, gab es ein mächtiges Platschen, das die Frösche sehr erschreckte. Voll Angst hüpften sie in den nahe gelegenen Sumpf und trauten sich lange nicht mehr an den Teich. Doch nach einiger Zeit kehrte der erste Frosch zurück, um nachzusehen, was der "König" mittlerweile getan hatte. Der Klotz lag ruhig am Ufer des Teichs. Der Frosch fasste Mut und näherte sich vorsichtig. Als nichts geschah, kletterte er auf den Klotz. Noch immer rührte sich der Klotz nicht. Da fing der Frosch an, auf dem Klotz herumzuhüpfen. Seine Sprünge wurden immer kühner. Und noch immer erfolgte keine Reaktion. Der Frosch kehrte zu den andern zurück und erzählte ihnen, was vorgefallen war. Nun trauten sich alle wieder zum Teich zurück. Sehr schnell fingen sie an, auf dem Klotz herumzuhüpfen und ihn zu verhöhnen. "Wir brauchen einen neuen König!", riefen sie zu Zeus. "Der da ist uns zu still!" Daraufhin schickte ihnen Zeus einen Storch. "Hier habt ihr einen neuen König!" Der Storch zögerte nicht lange und frass alle Frösche auf, die ihm in die Quere kamen. Die Überlebenden wandten sich ein drittes Mal an Zeus. "Dieser König frisst ja seine Untertanen! Gib uns bitte einen neuen König!" Zeus schüttelte den Kopf: "Es gibt keinen neuen König mehr." – "Dann stell wenigstens den alten Zustand wieder her, als wir noch keinen König hatten", verlangten die Frösche. Doch auch das lehnte Zeus ab: "Ihr habt euch euer Unglück selbst zugezogen. Nun seht alleine zu, wie ihr da wieder herauskommt."

   

Der Wagenlenker

Themen:
Mitarbeiterführung, High Performer, Motivation, Perfektionismus, Balance

Dung Ye Dsi wollte dem Herzog Dschuang von Lu seine Kunstfertigkeit vorführen, einen Pferdewagen zu lenken. Er fuhr schnurgerade vorwärts und rückwärts, er drehte mit seinem Wagen einen vollkommenen Kreis, der aussah, als sei er mit einem Zirkel gezogen. Der Herzog war beeindruckt. Er liess Dung Ye Dsi wieder und wieder herumfahren, im Kreis, geradeaus und rückwärts. Immer zeichneten die Spuren der Wagenräder ein perfektes Muster in den Sand. Schliesslich hatte sich der Herzog satt gesehen und kehrte in seinen Palast zurück. Dort traf er auf Yen Ho, dem der Herzog von den Fahrkünsten erzählte. Yen Ho aber sagte: "Die Pferde von Dsi werden zusammenbrechen." Der Herzog schwieg. Nach ein paar Tagen erreichte den Herzog die Nachricht, dass die Pferde von Dsi tatsächlich zusammengebrochen waren. "Woher wusstet Ihr das?", fragte er Yen Ho. Der entgegnete: "Die Kraft seiner Pferde war erschöpft, und dennoch verlangte er noch mehr von ihnen. Darum sagte ich, sie würden zusammenbrechen."

   

Zu viel des Guten

Themen:
Belohnung, High Performer, Auszeichnung, Vorbild, Abnutzungserscheinung

Schon mehrere Male hatte ein Offizier Menschenleben gerettet. Dafür war er vom König Friedrich August von Sachsen jedes Mal mit einem Orden ausgezeichnet worden. Nun rettete der wackere Offizier unter Einsatz des eigenen Lebens erneut einen Menschen. Als der König das erfuhr, liess er den Lebensretter zu sich rufen, heftete ihm einen weiteren Orden an und erklärte im Übrigen: "Nu heern Se aber mal uff!"

   

Eine Frage des richtigen Tempos

Themen:
Führung, Arbeitstempo, Druck, Perfektionismus

Der antike Maler Zeuxis arbeitete sehr langsam. Seine Freunde machten ihm deswegen Vorwürfe. "Ihr habt Recht", erwiderte Zeuxis, "ich male langsam, aber ich male für die Ewigkeit."

   

Ein Verbotsschild

Themen:
Anweisungen, Verbot, Abnutzungseffekt, Kommunikation, Autoritätsverlust, schwierige Mitarbeiter

Ein Mann sitzt im Nichtraucherabteil und raucht. Da kommt der Schaffner, zeigt auf das Schild und raunzt ihn an: "Können Sie nicht lesen? Was steht denn da auf dem Schild?" Der Reisende entgegnet: "Rauchen verboten." Darauf der Schaffner: "Na, sehn Sie. Und was machen Sie?" Der Reisende: "Es heisst aber nicht ‚strengstens’."

   

Spottlieder

Themen:
Arbeitsüberlastung, Spott, Betriebsklima, Autorität

Kardinal Jules Mazarin war im absolutistischen Frankreich einer der mächtigsten Staatsmänner. Beim Volk war er allerdings ziemlich unbeliebt. Als er eine neue Steuer eingeführt hatte, wollte er wissen, was das Volk dazu meinte. "Eminenz", sagte sein Sekretär, "überall werden Spottlieder über sie gesungen." – "Gut, gut", erwiderte Mazarin. "Solange sie singen, zahlen sie."

   

Kaufmannsprüfung

Themen:
Eigenverantwortung, Mitarbeiterführung, Ausbildung, Unternehmensnachfolge

Ein Kaufmann wollte auf Reisen gehen. Er nahm sich einen Gehilfen und stellte ihn in den Laden. Er selbst hielt sich meist im Nebenzimmer auf. Von da aus hörte er im ersten Jahr, wie der Gehilfe zu einem Kunden sagte: "So billig kann es mein Herr aber nicht hergeben." Der Kaufmann reiste nicht. Im zweiten Jahr hörte er mitunter von nebenan: "So billig können wir es Ihnen aber nicht hergeben." Der Kaufmann reiste nicht. Im dritten Jahr sagte der Lehrling: "So billig kann ich es aber nicht hergeben." Da trat der Kaufmann seine Reise an.

   

Bill Gates Führungsstil

Themen:
Mitarbeiterführung, Leadership, Besprechungen, Emotionale Intelligenz, Umgangsformen, Willkür, Kritikgespräch

Der Schriftsteller Fred Moody nahm einmal an einer Produktentwicklungskonferenz teil, bei der Bill Gates den Vorsitz führte. "Die Besprechung begann mit einem kurzen Vortrag eines sichtlich nervösen Ingenieurs, der kaum zwanzig Worte gesagt hatte, als Gates explodierte. Eine volle Stunde lang schrie und brüllte er, wedelte mit den Armen, stiess sarkastische Gemeinheiten aus und beschimpfte seine Mitarbeiter, die tapfer versuchten, ihre Position zu vertreten – ohne Gates Anlass zu physischer Gewaltanwendung zu geben. ‚Meine Güte’, dachte ich, ‚langsam sollte jemand mal die Polizei rufen.’ Schliesslich ging die Besprechung zu Ende und Gates sass still in seinem Stuhl, schaukelte rhythmisch vor und zurück und dachte nach. Dann sagte er ruhig: ‚Okay, hört sich gut an, macht weiter.’"

   

Der Pächter und seine Hunde

Themen:
Mitarbeiterbindung, Loyalität, soziale Verantwortung, Krisenmanagement, Personalabbau

Bei einem Pächter waren nach einem harten Winter fast alle Vorräte aufgebraucht. Es gab kaum noch etwas zu essen. So ging der Pächter daran und schlachtete sein Vieh. Als erstes kamen die Schafe unter das Messer, dann die Ziegen, schliesslich die Ochsen. Doch noch immer litt der arme Mann Hunger. Da kamen die Hunde zusammen und dachten darüber nach, was wohl zu tun wäre. Sie kamen überein, den Hof so schnell wie möglich zu verlassen. "Denn", so sagten sie, "wenn der Hausherr schon die anderen Tiere hingeschlachtet hat, die für seine Arbeit so unentbehrlich waren, so wird er auch uns nicht verschonen." Und die Hunde verliessen ihren Herrn.

   

Der königliche Falke

Themen:
Mitarbeiterführung, High Potentials, Talente, Ausbildung, Manipulation

Bei Nasrudins Haus sass eines Tages ein Falke des Königs auf dem Fenstersims. Nasrudin hatte noch nie einen Falken gesehen, packte den edlen Raubvogel und trug ihn ins Haus. "Was bist du denn für eine komische Taube?", wunderte sich Nasrudin. "Irgendjemand muss dich schrecklich misshandelt haben. Aber das bringe ich schon wieder in Ordnung." Daraufhin holte er eine Zange und bog dem Falken seinen elegant gebogenen Schnabel gerade. "Und was hast du für schreckliche Taubenfüsse?" sagte Nasrudin kopfschüttelnd und stutzte dem Falken sämtliche Krallen. "So", stellte er fest, "jetzt siehst du schon eher nach einem Vogel aus." Nasrudin öffnete das Fenster und der misshandelte Falke flatterte davon.

   

Der grosse Baum

Themen:
Nützlichkeitsdenken, High Potentials, High Performer, Kreativität, Motivation, Potenzial, Portfolio-Management, Shareholder-Value, Balanced Scorecard

Meister Ki wandelte zwischen den Hügeln von Schang. Da sah er einen Baum, der grösser war als alle anderen. In seinem Schatten hätten tausend Kutschen Platz gefunden. Meister Ki sprach zu sich: "Was das für ein Baum ist! Der hat gewiss ein ganz besonderes Holz." Er richtete seinen Blick nach oben und bemerkte, dass die Zweige des Baumes krumm und knorrig waren, so dass sich keine Balken daraus machen liessen. Dann richtete er seinen Blick nach unten und bemerkte, dass die grossen Wurzeln nach allen Seiten auseinander gingen, so dass sich keine Särge daraus machen liessen. Meister Ki leckte an einem der Blätter und spürte einen scharfen, beissenden Geschmack im Mund. Er roch daran und fühlte sich wie betäubt. Daraufhin sprach Meister Ki: "Das ist wirklich ein Baum, aus dem sich nichts machen lässt. Eben dadurch hat er seine Grösse erreicht."

   

Der Sturm stürzt den starken Baum

Themen:
Stärke, Mitarbeiterführung, High Performer, Krise, Change-Management

Eine andere berühmte Baummetapher hat Heinrich von Kleist geschaffen. Sie findet sich ganz am Schluss des "Seelendramas" Penthesilea, das randvoll ist mit Bildern und Metaphern bedingungsloser Liebe, Demütigung, Unterwerfung und Macht. Am Ende eines beispiellosen Blutrauschs ersticht sich die Amazonenkönigin Penthesilea selbst. Die letzten Worte gehören den Umstehenden. Die Oberpriesterin: Ach! Wie gebrechlich ist der Mensch, ihr Götter!/ Wie stolz, die hier geknickt liegt, noch vor kurzem, / Hoch auf des Lebens Gipfeln, rauschte sie! Amazonenfürstin Prothoe: Sie sank, weil sie zu stolz und kräftig blühte!/ Die abgestorbne Eiche steht im Sturm,/ Doch die gesunde stürzt er schmetternd nieder,/ Weil er in ihre Krone greifen kann.

   

Der gerechte Gärtner und das Unkraut

Themen:
Mitarbeiterführung, Personalentwicklung, Gleichbehandlung, Konkurrenz, Verhältnismässigkeit, Mobbing

Ein Gärtner sollte einen grossen schönen Garten anlegen. Er ging hin und pflanzte allerlei Blumen, Bäume und Sträucher. Jeden Tag ging er durch den Garten und wässerte den Boden schön gleichmässig, damit keine Pflanze zu viel und keine zu wenig Wasser bekam. Der Gärtner wollte, dass es gerecht in seinem Garten zuging. Doch es dauerte nicht lange, da war der Garten voll Unkraut. "Wie kann das sein?", fragte sich der Gärtner. "Ich habe diese Pflanzen doch gar nicht gesät." Und er ging weiterhin jeden Tag mit seiner Giesskanne durch den Garten und wässerte den Boden schön gleichmässig, damit keine Pflanze zu viel und keine zu wenig Wasser bekam. Einige Zeit später hatte das Unkraut den ganzen Garten überwuchert. Es gab keine Blumen mehr und keine Sträucher. Und die Bäume waren klein und verkrüppelt. Doch der Gärtner sagte: "Ach, wie ist das alles so schön grün in meinem Garten. Alles wächst und gedeiht." Und er ging jeden Tag mit seiner Giesskanne durch den Garten und wässerte den Boden schön gleichmässig, damit keine Pflanze zu viel und keine zu wenig Wasser bekam. Nur wunderte er sich manchmal, warum ausgerechnet in seinem Garten nie eine Blume blühte.

   

Disraeli zeigt sich erkenntlich

Themen:
Auszeichnung, Beförderung, Öffentlichkeitsarbeit, öffentliche Meinung, Image, Karriere, Bescheidenheit, Habgier, Kompromiss

Der britische Premierminister Benjamin Disraeli wurde von einem Anhänger bestürmt, ihm zu einem Adelstitel zu verhelfen. Disraeli konnte oder wollte das nicht tun, er wollte sich aber irgendwie erkenntlich zeigen und machte ihm das folgende Angebot: "Ich kann Ihnen zwar nicht den Rang eines Baronets verschaffen, aber Sie können Ihren Freunden erzählen, ich hätte es Ihnen angeboten – und Sie hätten abgelehnt. Das ist viel besser."

   

Gerechter Lohn

Themen:
Sanktion, Motivation, Mitarbeiterführung, Belohnungssysteme

Ein junger Mann, der im Geschäft seines Vaters arbeitete, ertappte einen Angestellten beim Stehlen. Er ging zu seinem Vater und fragte: "Was sollen wir mit dem Kerl machen?" Der Vater: "Er bekommt eine Lohnerhöhung." "Eine Lohnerhöhung? Aber wieso denn das?", fragte der Sohn empört. "Wenn er gestohlen hat, heisst das, dass er nicht genug verdient", antwortete der Vater.

   

Der Löwe, der sich eine Katze hielt

Themen:
Mitarbeiterführung, Belohnungssysteme, Motivation, Delegieren, Fürsorgepflicht des Vorgesetzten

Auf dem Berg Arbudasikhara lebte ein Löwe, dem täglich eine Maus an der Mähne nagte, wenn er sich zum Schlafen direkt vor ihr Mauseloch niederlegte. Als der Löwe sah, dass seine Mähne angeknabbert war, wurde er zornig und dachte bei sich: Was soll ich tun? Schon bald merkte er, dass er die Maus in ihrem Loch nicht packen konnte. Der Löwe war einfach zu gross und zu mächtig für die kleine Maus. "Kleine Feinde fängt man nicht mit Stärke", sagte sich der Löwe. "Man muss ihm einen ebenbürtigen Gegner stellen, wenn man ihn töten will." So begab sich der Löwe in das nächste Dorf, lockte mit Fleisch eine Katze herbei und machte ihr das folgende Angebot: "Willst du für mich eine Maus jagen, so bekommst du von mir jeden Tag Fleisch zu fressen." Die Katze war einverstanden und der Löwe brachte sie in seine Höhle auf dem Berg. Die Maus traute sich nun nicht mehr aus ihrem Loch, weil sie Angst vor der Katze hatte. So konnte der Löwe in aller Ruhe schlafen, ohne dass jemand an seiner Mähne nagte. Und die Katze bekam jeden Tag so viel Fleisch, wie sie fressen konnte. Eines Tages aber war der Hunger der Maus so gross geworden, dass sie es nicht länger aushielt. Sie schlüpfte aus ihrem Loch heraus. Da packte die Katze zu und verschlang sie. Als der Löwe dies bemerkte und keinen Ton mehr aus dem Mauseloch vernahm, kümmerte er sich mehr um die Katze. Er brauchte sie nicht mehr. Die Katze aber fand nun keine Nahrung mehr und starb.

   

Der Esel, der ein Schosshund sein wollte

Themen:
Mitarbeiterführung, Sympathie, Konkurrenz, Kernkompetenzen, Selbstbild, Verkauf, Wettbewerb

Ein Herr besass einen Esel und ein Malteser Schosshündchen. Der Esel musste schwere Lasten schleppen und stand sonst im Stall, ohne dass sich jemand um ihn kümmerte. Mit dem Schosshund aber spielte der Herr lange herum. Wenn er einmal auswärts speiste, brachte er seinem Hündchen eine Leckerei mit, woraufhin ihn der Hund fröhlich bellend umwedelte. Da packte den Esel der Neid. Er dachte bei sich: Was dieser kleine Köter kann, das kann ich auch. Er lief seinem Herrn entgegen, wieherte fürchterlich und wollte dem Herrn seine Hufen auf den Schoss legen. Da rief der Herr seine Diener herbei und befahl ihnen, den Esel zu verprügeln und ihn im Stall festzubinden.

   

Die Nützlichkeit der Diener

Themen:
Soziale Verantwortung, Loyalität, Personalabbau

Der Finanzminister legte dem kastilischen König Alfons VI. eine Liste seiner Diener vor. Ihre Namen hatte er in zwei Spalten geordnet. In der einen Spalte hatte er die Diener notiert, die für den König nötig sein sollten, in der anderen diejenigen, die er für "nutzlos" erklärte. Der Minister schlug vor, die Diener der zweiten Gruppe zu entlassen. Darauf erwiderte König Alfons: "Ich werde keinen entlassen. Die von der ersten Gruppe brauche ich. Und die von der zweiten Gruppe, die brauchen mich."

   

Wertvolle Seele

Themen:
Angst, Risiko, Krise, Krisenmanagement, Mitarbeiterführung

Auf einer Schiffsreise nach Korinth geriet der Philosoph Aristippos in einen mächtigen Sturm. Aristippos zitterte am ganzen Leib und liess keinen Zweifel daran, dass er sich entsetzlich fürchtete. Ein Mitreisender trat zu ihm und bemerkte mit breitem Grinsen: "Es ist doch zu seltsam, wir Ungebildeten haben keine Angst vor dem Sturm, und du, der Philosoph, zitterst um deine Seele." – "Was soll daran so seltsam sein?", erwiderte Aristippos. "Es ist eben nicht dieselbe Art von Seele, um die wir zittern."

   

Der verlorene Sohn

Themen:
Mitarbeiterführung, Loyalität, Belohnungssysteme, Leistungsbewertung, zweite Chance, Eigenverantwortung, Verhältnismässigkeit, Konkurrenz unter Mitarbeitern

Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere liess sich sein Erbe auszahlen, verliess das Elternhaus und brachte innerhalb kurzer Zeit das gesamte Geld durch. Weil er nun kein Geld mehr hatte, verdingte er sich als Schweinehirt. Er hatte so grossen Hunger, dass er wenigstens mit dem Schweinefutter seinen leeren Magen füllen wollte. Doch das erlaubte man ihm nicht. Da kam der Sohn ins Grübeln: "Mein Vater hat so viele Knechte, und die haben sogar Brot zu essen. Ich habe mich so schändlich ihm gegenüber benommen, dass er mich kaum noch als seinen Sohn betrachten wird. Aber ich will mich bei ihm als Knecht bewerben." So kehrte der Sohn reuig nach Hause zurück. Sein Vater war ausser sich vor Freude, er liess ein Kalb schlachten und machte ein Fest. Der ältere Sohn, der gerade auf dem Feld gearbeitet hatte, hatte dafür wenig Verständnis: "Ich diene dir schon so viele Jahre und habe nie ein Verbot von dir übertreten. Und für mich hast du nicht einmal einen Ziegenbock schlachten lassen, damit ich mit meinen Freunden feiern kann." Der Vater beruhigte ihn: "Mein Sohn, du bist immer bei mir. Und alles, was ich habe, wird einmal dir gehören. Doch jetzt solltest du fröhlich sein, denn dein Bruder war verloren und nun ist er wieder bei uns!"

   

Die Ente, die keine Fische fing

Themen:
Motivation, Ideale, Ziele, Misserfolg

Eine Ente erblickte einmal bei Nacht einen Stern im Wasser, der sich dort spiegelte. Sie hielt ihn für einen Fisch und wollte ihn fangen. Doch so sehr sie sich auch bemühte, es wollte ihr natürlich nicht gelingen. Allmählich kam sie zu der Überzeugung, dass dieses leuchtende Etwas im Wasser nicht gefangen werden konnte. Und so liess sie es schliesslich bleiben. Am nächsten Tag erblickte sie jedoch einen richtigen Fisch im Wasser. Doch die Ente hielt ihn für ebenso unerreichbar wie das leuchtende Ding, das sie in der Nacht zu fangen versucht hatte. Und so bemühte sie sich nie wieder, einen Fisch zu fangen.

   

Der Schäfer und die Nachtigall

Themen:
Motivation, High Performer, Engagement, Organisation, Zusammenarbeit (in einer Abteilung), Betriebsklima

An einem milden Frühlingsabend rief der Schäfer der stillen Nachtigall zu: "Ach, sing doch, liebe Nachtigall!" Die Nachtigall entgegnete: "Ach, die Frösche machen so einen Lärm, dass ich alle Lust zum Singen verliere. Hörst du sie nicht?" – "Doch", sagte der Schäfer, "ich höre sie schon, aber nur weil du nicht singst, kann ich sie hören."

   

Die Sehnsucht nach dem Meer

Themen:
Ziele, Vision, Perspektive, Sehnsucht, Motivation, Führung

"Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer."

   

Vince Lombardis Motto

Themen:
Erfolg, Motivation, Teamführung

In den USA gilt der Football-Trainer Vince Lombardi als sportliche Legende, in Deutschland vielleicht vergleichbar mit dem Bundestrainer Sepp Herberger. Lombardi führte sein Team, die Green Bay Packers, in den 60-er Jahren zu einer ganzen Serie von Erfolgen. Wenn es damals schon den Begriff gegeben hätte, wäre er ein "Motivationskünstler" genannt worden. Er verstand es, aus seinen Spielern die letzten Energien herauszuholen. Dabei zählte für Lombardi nur der Sieg. Wie er errungen wurde, war für ihn zweitrangig. Sein aggressives Motto, auf das sich immer wieder auch gerne Unternehmen berufen: "Gewinnen ist nicht alles, aber es ist das Einzige, worauf es ankommt."

   

Die Frösche im Milchtopf

Themen:
Motivation, Ausdauer, Aktivismus, Krise, Missstände, Resignation, positives Denken

Zwei Frösche waren in einen Milchtopf gehüpft und liessen es sich schmecken. Als sie wieder heraus wollten, schafften sie es nicht, über den Topfrand, denn die Wand war zu glatt und zu steil. Die Frösche fingen an zu strampeln. Der eine gab schliesslich auf und ertrank in der Milch. Der andere strampelte weiter. So lange, bis er plötzlich etwas Festes unter seinen Füssen spürte. Durch sein unentwegtes Strampeln war die Milch zu Butter geworden. Der Frosch stiess sich mit letzter Kraft ab und war im Freien.

   

Der Hund mit dem Glöckchen

Themen:
Motivation, Beurteilung, Belohnungssysteme, Incentives, Lob, Feedback

Ein Wachhund war eher schwach bei Stimme; sein Bellen jagte niemandem Angst ein. Auch zog er es vor, lieber nicht seinen Rachen Furcht erregend aufzureissen und seine Zähne zu fletschen. Viel lieber zog er den Schwanz ein und verkroch sich dort, wo ihn niemand finden konnte. Eines Tages jedoch drang ein Einbrecher in das Haus ein. Obwohl er sehr behutsam vorging, hörten ihn die Wachhunde, gaben Laut und jagten hinter ihm her. Der Einbrecher versteckte sich in einem Korb, in dem sich niemand anderes verkrochen hatte als unser ängstlicher Wachhund. Vor Schreck biss er zu und sorgte so dafür, dass der Einbrecher ergriffen werden konnte. Der Hausherr liess ihm daraufhin ein Glöckchen umhängen. Das machte den Wachhund so stolz, dass er von nun an mit geschwellter Brust herumlief und sich für etwas ganz Besonderes hielt. Ein alter erfahrenen Wachhund nahm ihn beiseite und sagte zu ihm: "Du Armer! Wie kannst du glauben, dass die Glocke um deinen Hals eine Belohnung für deine treuen Dienste sein soll? Wenn die Glocke klingelt, so heisst das: Hier kommt der feige Hund!"

   

Ein eigennütziger Bauer

Themen:
Motivation, Belohnung, Belohnungssystem, Neid, Kollegen, Konkurrenz

Eine gute Fee blieb eines Tages mit ihrem langen Feenschleier in einer dichten Hecke am Rande eines Ackers hängen. So sehr sie sich auch bemühte, sie konnte sich nicht selbst daraus befreien. Da kam ein Bauer mit seiner Sense vorbei. Die Fee flehte ihn an: "Ach bitte, lieber Bauer, hilf mir!" Der Bauer dachte kurz nach: Helfen? Und dann? Dann fliegt die Fee einfach auf und davon. Und ich? Habe gar nichts davon. Nein, so uneigennützig war der Bauer nicht. Und so erkundigte er sich bei der armen Fee: "Was bekomme ich denn dafür, wenn ich dich da raushole?" Die Fee erwiderte: "Du hast einen Wunsch frei. Ich erfülle dir alles, was du willst." Wie sich denken lässt, zögerte der Bauer nicht lange und befreite die Fee aus der Hecke. "So, und jetzt erfüllst du mir jeden Wunsch...", stellte der Bauer fest. "Ja", erwiderte die Fee, die den Bauer für seine Habgier strafen wollte. "Ich erfülle dir jeden Wunsch. Aber alle deine Nachbarn sollen alles, was du dir wünschst, doppelt bekommen." Damit hatte der Bauer natürlich nicht gerechnet. Er kratzte sich nachdenklich am Kopf. Was sollte er sich denn nun wünschen? Schliesslich sagte er: "Ich wünsche mir, dass die Hälfte meiner Ernte vernichtet wird."

   

Noch erfolgreicher

Themen:
Anerkennung, Motivation, konstruktive Kritik

Der Komponist Igor Strawinski lebte ab 1939 in den USA, wo er sehr erfolgreich war. Für eine Broadway-Produktion hatte er "Ballett-Szenen" geschrieben. Kurz nach der Uraufführung telegrafierte ihm der Impresario: "Ihre Musik grosser Erfolg stop Könnte sensationeller Erfolg werden, wenn Instrumentationsänderungen vorgenommen werden." Strawinski telegrafierte zurück: "Bin mit grossem Erfolg bereits zufrieden". Es gab keine Änderungen.

   

Wie man Rinder in den Stall treibt – erste Methode

Themen:
Motivation, Führung, Führungsstil, Druck, Leistungsdruck, Richtung vorgeben, Strategie

David Packard und William Hewlett, die legendären Unternehmensgründer von Hewlett-Packard, betätigten sich in späteren Jahren als Viehzüchter. In seinen Lebenserinnerungen schreibt Packard, dadurch hätten sie "manches dazugelernt. Jedes Jahr mussten wir die Rinder vom Weideland in den Stall treiben. Dabei kam es vor allem darauf an, sie zum Passieren der Gatter zu bewegen, ohne eine Panik auszulösen. Nach vielen Versuchen hat es sich als beste Methode erwiesen, von hinten kontinuierlich sanften Druck auszuüben. Früher oder später entschied sich dann ein Tier, durchs Gatter zu gehen. Die anderen folgten bald nach. Wenn man sie zu stark bedrängte, gerieten sie in Panik und zerstreuten sich in alle Richtungen. Wenn man gar keinen Druck mehr ausübte, wanderten sie einfach zu ihren Weideplätzen zurück. Diese Erkenntnis hat mir im Laufe meiner Managementkarriere immer wieder grosse Dienste erwiesen."

   

Wie man ein Kalb in den Stall treibt – zweite Methode

Themen:
Motivation, schwierige Mitarbeiter, Führung, Druck, Anweisungen

Der amerikanische Dichter und Philosoph Ralph Waldo Emerson versuchte zusammen mit seinem Sohn ein Kalb in den Stall zu bringen. Sie begingen aber den Fehler, dass sie nur daran dachten, was sie wollten. Der Junge zerrte das Tier am Strick nach vorn, Emerson stemmte sich von hinten gegen das Kalb. Doch das wollte etwas anderes. Und so machte es seine Beine steif und ging keinen Schritt vorwärts. Das irische Dienstmädchen kam hinzu und wusste sofort, was zu tun war. Sie steckte dem Kalb die Finger ins Maul und liess es daran lutschen, was es sehr gern hatte. So führte sie das Kalb sanft in den Stall.

   

Der Nordwind und die Sonne

Themen:
Motivation, schwierige Mitarbeiter, Führung, Führungsstil, Betriebsklima, Überzeugen

Der Nordwind und die Sonne stritten sich, wer der Stärkere sei. Schliesslich einigten sie sich darauf, ihre Kräfte daran zu messen, wem es eher gelänge, einem Wanderer das Gewand herunter zu ziehen. Der Nordwind begann und blies mit aller Kraft. Der Wanderer wickelte sich immer fester in sein Gewand. Als der Nordwind noch stärker blies, holte er aus seinem Wandersack noch einen Umhang heraus und zog den über. Da gab der Nordwind auf. "Nun bist du an der Reihe", sagte er zur Sonne. Die schien milde auf den eingemummten Wanderer, der schon bald seinen Umhang wieder ablegte. Dann stieg die Sonne höher, streichelte den Wanderer mit ihren Strahlen und wärmte ihn immer mehr. Schliesslich wurde es dem Wanderer zu heiss, er legte alle Gewänder ab und stürzte sich in einen kühlenden Bach.

   

Der zahme Hirsch von Linjiang

Themen:
Betriebsklima, Konflikte, Mobbing, Schlichtung, Feindschaft, Vertrauen, soziale Kompetenz

Ein Mann aus Linjiang fing einen jungen Hirsch ein und wollte ihn bei sich aufnehmen. Als er ihn nach Hause brachte, stürzten seine Hunde hervor, kläfften und fletschten die Zähne. Der Mann rief die Hunde zu sich und versetzte ihnen einen Schlag. Von nun an brachte er jeden Tag den jungen Hirsch zu den Hunden, die sich an ihn gewöhnen sollten. Nach einiger Zeit liess er den Hirsch und die Hunde miteinander spielen. Die Hunde gehorchten ihrem Herrn, der junge Hirsch wuchs heran und vergass, dass er ein Hirsch war. Er dachte, dass Hunde seine besten Freunde wären. Er tollte mit ihnen herum und stupste sie mit seinem Hinterteil an. Aus Angst vor ihrem Herrn machten die Hunde das Spiel mit. Nur hin und wieder fuhren sie sich mit der Zunge über das Maul. Nach drei Jahren verliess der Hirsch das Gehege. Als er von Ferne Hunde sah, lief er auf sie zu, um mit ihnen zu spielen. Da fielen die fremden Hunde über ihn her und rissen ihn in Stücke. Bis zuletzt wusste der Hirsch nicht, warum.

   

In Fahrtrichtung

Themen:
Kommunikation, Informationslücken, Informationsmanagement, Missverständnisse, Briefing, Besprechungen, Anweisungen

Ein Mann wandert mit schwerem Gepäck beladen auf einer Landstrasse. Da kommt ihm ein Bauer mit seinem Pferdewagen entgegen. Der Wanderer hält ihn an: "Wie weit ist es von hier nach Steinberg?" Der Bauer kratzt sich hinterm Ohr und brummelt: "Na ja, mit dem Pferdewagen wohl so eine halbe Stunde." Der Wanderer: "Darf ich mitfahren?" – "Bitte, steigen Sie auf", sagt der Bauer. Sie fahren eine halbe Stunde. Noch keine Häuser in Sicht. Langsam wird der Wanderer unruhig. "Sagen Sie", ruft er dem Bauern von hinten zu, "wie weit ist es denn noch bis Steinberg?" Der Bauer kratzt sich wieder hinterm Ohr und brummelt: "Na ja, mit dem Pferdewagen wohl so eine gute Stunde." Der Wanderer ist entsetzt: "Wie kann denn das sein?! Vorhin haben Sie mir noch erzählt, wir wären eine halbe Stunde von Steinberg entfernt. Und jetzt fahren wir schon eine halbe Stunde!" – "Ja", brummelt der Bauer, "aber in die entgegengesetzte Richtung."

   

Der perfekte Bericht

Themen:
Leistungskontrolle, Perfektionismus, Eigenverantwortung, Motivation, Briefing, Selbsteinschätzung, Kommunikation

Der amerikanische Aussenminister Henry Kissinger hatte einen gewissenhaften Mitarbeiter, Winston Lord, der sollte für ihn einen wichtigen Bericht schreiben. Lord arbeitete mehrere Tage an dem Bericht und übergab ihn seinem Dienstherrn. Kurze Zeit später bekam er das Schriftstück zurück. Darunter stand nur der Kommentar: "Besser können Sie das nicht machen?" Lord schluckte trocken und machte sich gleich wieder an die Arbeit. Er überarbeitete das Manuskript, feilte an einzelnen Formulierungen und gab den Bericht ein paar Tage später wieder ab. Doch erneut bekam er die Mappe zurück und musste den gleichen Kommentar lesen. Also setzte sich Lord ein drittes Mal hin und formulierte den Bericht erneut um. Wieder die gleiche Reaktion. Da platzte Lord der Kragen, er marschierte zu Kissinger, knallte ihm den Bericht auf den Schreibtisch und rief: "Verdammt noch mal, ich kann es nicht besser machen!" Darauf lehnte sich Kissinger entspannt zurück und antwortete: "Fein. Wenn das so ist, kann ich Ihren Bericht jetzt wohl lesen."

   

Die verschwundene Axt

Themen:
Mitarbeiterbeurteilung, Objektivität, Wahrnehmung, Vorurteile

Ein Bauer suchte seine Axt. Doch er konnte sie nicht finden. Er war sich ganz sicher, dass er sie gestern im Schuppen abgelegt hatte. Er überlegte, wer sie genommen haben konnte. Ihm fiel nur der Sohn eines Nachbarn ein. Der musste die Axt genommen haben. Sonst kam kein einziger in Frage. Und so begann der Bauer den Sohn seines Nachbarn zu beobachten. Schon bald bemerkte er: Der Sohn ging anders als die anderen, er sprach anders als anderen. Jede seine Bewegungen war die Bewegung eines Diebes. Doch als er in das Tal hinabstieg, in dem er Bäume gefällt hatte, fand der Bauer seine Axt wieder. Am nächsten Tag begegnete ihm der Sohn seines Nachbarn. Und der Bauer bemerkte: Er ging nicht anders als die anderen, er sprach nicht anders als die anderen. Keine seiner Bewegungen war die Bewegung eines Diebes.

   

Keine falsche Bescheidenheit

Themen:
Mitarbeiterbeurteilung, Selbsteinschätzung, Selbstbewusstsein, Bescheidenheit, Image, Aufrichtigkeit

In den vierziger Jahren musste der amerikanische Footballspieler Franz Szymanski als Zeuge vor Gericht aussagen. Szymanski war Mittelfeldspieler, ein zurückhaltender, bescheidener Footballprofi, der bei seinen Mitspielern sehr beliebt war. "Sie sind dieses Jahr beim Notre-Dame-Footballteam?", fragte ihn der Richter. "Ja, Euer Ehren", nickte Szymanski. "Auf welcher Position?", wollte der Richter wissen. "Mittelfeld, Euer Ehren." – "Aha", sagte der Richter, "und wie gut sind Sie im Mittelfeld?" Szymanski antwortete nicht gleich, sondern rutschte ein wenig auf seinem Stuhl herum. Doch dann verkündete er mit fester Stimme: "Sir, ich bin der beste Mittelfeldspieler, den Notre Dame je hatte." Sein Trainer, der auch im Gerichtssaal sass, war überrascht. Sonst war Szymanski doch nicht so ein Angeber. Als die Verhandlung vorüber war, nahm er den Spieler beiseite und fragte ihn, warum er so eine Aussage gemacht hatte. Szymanski wurde rot. "Ich fand es grauenhaft. Aber was sollte ich denn machen? Ich stand doch unter Eid!"

   

Der Fuchs und die Pauke

Themen:
Mitarbeiterbeurteilung, Qualität, Schein und Sein, Präsentation, Öffentlichkeitsarbeit

Ein Fuchs kam in einen Wald, in dem eine Pauke an einem Baum aufgehängt war. Immer wenn der Wind wehte, schlugen die Zweige auf die Pauke und es erklang ein tiefer mächtiger Ton. Der Fuchs ging dem Ton nach, bis er zu dem Baum kam, an dem die Pauke hing. Er fand sie sehr dick und dachte, es müsste viel Fett und Fleisch darinnen sein. Also machte er sich daran, die Pauke aufzubrechen. Zu seiner Verwunderung war sie vollkommen hohl. Da sagte der Fuchs: "Wie kann es denn sein, dass dieses Ding, das den lautesten Ton von sich gibt und den grössten Körperumfang hat, zugleich am allerwenigsten enthält?"

   

Drei Finger einer Hand

Themen:
Kritik, Mitarbeiterbeurteilung, Fehler, Selbstkritik

Wenn wir mit dem Finger auf jemanden zeigen, so weisen drei Finger auf uns zurück. Unsere Kritik sagt dreimal mehr über uns selbst aus als über den, den wir angreifen.

   

Dialektik

Themen:
Fehler, Leistungskontrolle, Beurteilungskompetenz, Kritik, Testurteil, Öffentlichkeitsarbeit

Als der Dichter Bertolt Brecht noch zur Schule ging, hing seine Versetzung von einer Klassenarbeit in Französisch ab. Die Arbeit ging daneben. Einem Mitschüler geschah dasselbe in Latein. Dieser radierte einige Fehler aus, ging zum Lehrer und verlangte eine bessere Note. Er bekam eine schlechtere, denn der Lehrer merkte am dünneren Papier, dass da jemand radiert hatte. Brecht erkannte die Nachteile dieser Methode und beschloss, sich anders zu helfen. Er nahm rote Tinte, strich in seiner Arbeit mehrere Stellen als Fehler an, wo keine zu finden waren. Damit ging er zum Lehrer und fragte, was hier denn falsch sei. Der Lehrer erklärte bestürzt, da wären gar keine Fehler, und strich die Fehler aus. Daraufhin verlangte Brecht, dass auch seine Note heraufgesetzt werden müsste. Der Lehrer folgte seiner Logik und Bertolt Brecht wurde versetzt.

   

Der kleine Krebs und seine Mutter

Themen:
Kritik, Vorbild, Anforderungen, Perfektionismus, Anweisungen

"Nicht schief gehen!", ermahnte die Krebsmutter ihren Sohn. "Und du sollst auch nicht dein Bein am feuchten Felsen quer schleifen!" Der Sohn entgegnete: "Frau Lehrerin und Mutter, erst gehe selbst gerade. Wenn ich das gesehen habe, will ich es gerne nachmachen!"

   

Der verbesserte Brief

Themen:
Mitarbeiterbeurteilung, Kompetenzen, Beanstandung, Bequemlichkeit, Verdrängung, Verantwortung, Führungsstil, Unternehmenskultur

Vor langer Zeit war ein etwas schwerfälliger Mann namens Giannozzo Stadthauptmann im norditalienischen Vicenza. Der rief sehr oft seinen Geheimschreiber zu sich und beauftragte ihn, Briefe an den alten Herzog von Mailand zu schreiben. Dabei gab der Hauptmann nur sehr ungefähre Anweisungen, was zu schreiben war. Er begann jedes Mal mit der Anrede, dann verliessen ihn seine Formulierungskünste. Er erklärte stockend, worum es ungefähr ging. Dann bemerkte er: "Na ja, Sie wissen schon, was ich sagen will!", und liess den Schreiber gehen. Der verfasste den Brief und legte ihn wieder vor. Der Hauptmann konnte jedoch nur recht langsam lesen; doch wollte er sich das nicht anmerken lassen. Er legte seine Stirn in Falten und schüttelte den Kopf: "Nein, nein! So geht das nicht! Das ist alles viel zu ungeschickt! Bitte, schreib den Brief noch mal! Aber mit etwas mehr Stil und Eleganz!" Der Schreiber kehrte in seine Stube zurück, legte den Brief auf sein Pult und tat im Übrigen gar nichts. So liess er eine gewisse Zeit verstreichen und kehrte zum Hauptmann zurück. "Hier ist der Brief", sagte der Schreiber. "Ich habe ihn noch einmal geschrieben und nach Ihren Wünschen verbessert." Der Hauptmann ergriff das Schriftstück, tat so, als würde er ihn lesen, seine Miene hellte auf und er erklärte: "Ja, sieh mal, so ist es gut. Jetzt geh und setze das Siegel darunter. Dann schicke einen Boten an den Herzog." So machte es der Hauptmann mit allen seinen Briefen.

   

Die bemalten Wandschirme

Themen:
Leistungsbeurteilung, Controlling, Projektmanagement, Ergebnisorientierung, Zielvereinbarung, Kreativität, Problemlösungswege, Fachwissen

Der grosse japanische Maler Kano Tannyu wurde einmal gebeten, zwei grosse goldene Wandschirme zu bemalen. Er sah sie sich an, dachte lange nach und begab sich schliesslich nach Hause, um zu ruhen. Am nächsten Morgen kam er mit einem Hufeisen, mehreren Pinseln und einem grossen Gefäss Tusche wieder zurück. Das Hufeisen tauchte er in die Tusche und verteilte die Abdrücke überall auf einem der Wandschirme. Dann malte er mit einem dicken Pinsel einige Linien darüber. Unterdessen war sein Auftraggeber Masamune eingetreten. Als er den Maler so herumfuhrwerken sah, war er schockiert. "Was für ein entsetzliches Durcheinander", murmelte er und zog sich in seine Gemächer zurück. Tannyu hatte das gar nicht bemerkt, erst ein Diener machte ihn darauf aufmerksam, dass Masamune sehr verärgert über seine Arbeit gewesen sei. "Warum sieht er mir auch bei der Arbeit zu?", bemerkte Tannyu, "er soll warten, bis ich fertig bin." Dann nahm er einen feinen Pinsel und zeichnete einzelne Striche ein. Aus den Abdrücken der Hufeisen wurden Krabben und die breiten Striche verwandelte er in Pflanzen. Daraufhin spritzte er Tuschetropfen auf den zweiten Wandschirm. Und als er die feinen Pinselstriche hinzufügte, wurden Schwalben daraus, die über Weidenbäume flogen. Als Masamune die fertigen Wandschirme erblickte, war er entzückt und bewunderte die Fertigkeiten des grossen Künstlers.

   

Die Gans und das Pferd

Themen:
Kernkompetenzen, Portfolio-Management, Mitarbeiterbeurteilung, USP, (Produkt-)Image

Eine Gans watschelte auf einer Wiese, um Grashalme zu zupfen. Da traf sie auf ein Pferd. Sie zischte das Pferd an, es solle doch Platz machen: "Ich bin ein edleres und wertvolleres Tier als du. Du kannst nur auf der Erde laufen und sonst gar nichts. Ich hingegen komme auf der Erde voran wie du. Ausserdem habe ich Flügel und kann mich in die Luft erheben. Und wenn es mir gefällt, dann kann ich auch ins Wasser gehen und schwimmen. Ich bin in drei Elementen zu Hause, ich bin so gut wie ein Vogel, ein Fisch und ein Pferd." Das Pferd schnaubte nur verächtlich und sagte: "Du hast schon recht, du kannst dich in drei Elementen bewegen. Doch in keinem machst du eine gute Figur. Du kannst zwar fliegen, doch bist du unbeholfen und kommst viel langsamer voran als die Lerche oder die Schwalbe. Du kannst zwar auf dem Wasser schwimmen, aber du kannst nicht im Wasser leben wie der Fisch. Und wenn du mit deinen breiten Füssen auf der Erde herumwatschelst, dann machst du eine lächerliche Figur. Ich kann zwar nur auf der Erde laufen, aber schau dir nur an, wie elegant ich das mache. Mit welcher Kraft und Schnelligkeit ich mich fortbewege. Ich bleibe lieber auf ein Element beschränkt und lasse mich bewundern, als dass ich in dreien eine so lächerliche Figur abgebe wie eine Gans!"

   

Mehr Feuer

Themen:
Kritikgespräch, Mentor, Qualitätsurteil

Ein junger unbekannter Autor las dem italienischen Dichter Giovanni Pascoli seine Verse vor. Anschliessend wollte er dessen Meinung hören. "Nun ja", bemerkte Pascoli, "Ihren Versen fehlt es an Feuer." – "Aha", sagte der junge Mann eifrig, "Sie raten mir also, mehr Feuer in meine Verse zu tun." – "Keineswegs", erwiderte Pascoli, "ich rate Ihnen, Ihre Verse ins Feuer zu tun."

   

Der Musiker und der Ochse

Themen:
Mitarbeiterbeurteilung, Leistung, Lob, Publikum, Ehrgeiz, Öffentlichkeitsarbeit, Marketing, Zielgruppen

Vor langer Zeit lebte ein berühmter Musiker, der wie kein Zweiter auf der Laute spielen konnte. Wenn das Wetter schön war, begab er sich mit seiner Laute ins Freie, um dort zu spielen. Eines Tages liess er sich in der Nähe eines Ochsen nieder, der in aller Ruhe sein Gras frass. Der Musiker freute sich sehr und begann sogleich für den Ochsen ein Lied zu spielen. Er bot all seine Kunst auf, doch der Ochse fuhr ungerührt damit fort, das Gras auszurupfen. Der Musiker ärgerte sich sehr und fing an zu schimpfen. Ein Mann, der das mit angehört hatte, versuchte ihn zu beruhigen: "Du hast keinen Grund, ärgerlich zu sein. Es ist nicht so, dass dein Lied nicht schön wäre. Aber es geht einfach nicht in die Ohren des Ochsen hinein."

   

Fink und Frosch

Themen:
Selbstüberschätzung, Vorbild, Kernkompetenzen, Nachahmung, Persönlichkeit, Bewerbung, Marketing, (Produkt-)Image, Wettbewerb

Im Apfelbaume pfeift der Fink Sein pinkepink! Ein Laubfrosch klettert mühsam nach Bis auf des Baumes Blätterdach Und bläht sich auf und quakt: "Ja, ja! Herr Nachbar, ik bin och noch da!" Und wie der Vogel frisch und süss Sein Frühlingslied erklingen liess Gleich muss der Frosch in rauen Tönen Den Schusterbass dazwischen dröhnen. "Juchheija, heija!" spricht der Fink, "Fort flieg ich flink!" Und schwingt sich in die Lüfte hoch. "Wat!" ruft der Frosch, "dat kann ik och!" Macht einen ungeschickten Satz, Fällt auf den harten Gartenplatz, Ist platt, wie man die Kuchen backt, Und hat für ewig ausgequakt. Wenn einer, der mit Mühe kaum Geklettert ist auf einen Baum, Schon meint, dass er ein Vogel wär, So irrt sich der.

   

Das schwarze Schaf

Themen:
Fehler, Vergehen, Verdacht, schwierige Mitarbeiter

Der Pastor Asmus aus einem kleinen Marktflecken bei Memel wusste aus zuverlässiger Quelle, dass es in seiner Gemeinde einen Ehebrecher gab. An einem Sonntag mahnte er daher in seiner Predigt: "Es befindet sich unter euch ein Ehebrecher, der von seinen Sünden nicht lassen will. Darum ermahne ich ihn, reumütig in sich zu gehen und damit aufzuhören. Sonst will ich seinen Namen hier von der Kanzel bekannt geben." Von diesen starken Worten liess sich der Sünder aber nicht beeindrucken. Daher wiederholte Pater Asmus seine Warnung am nächsten Sonntag und fügte hinzu, dies sei die letzte Gelegenheit, um eine öffentliche Blossstellung herumzukommen. Aber auch das zeigte nicht die erhoffte Wirkung. Daher erklärte Pater Asmus in seiner Sonntagspredigt: "Ihr wisst, meine lieben Zuhörer, dass ich einen unter euch zweimal ernstlich ermahnt und zur Busse aufgefordert habe. Aber damit bin ich nur auf taube Ohren gestossen. Darum soll jetzt jeder sehen, wer das schwarze Schaf unter euch ist. Ich will ihm von der Kanzel herab diesen Stein hier an den Kopf werfen." Mit diesen Worten zog der schlaue Pastor einen Kiesel aus seinem Talar und hob seinen Arm, als wollte er damit werfen. Sofort ging nicht nur einer, sondern es gingen ein gutes Dutzend Köpfe in Deckung. "Wehe", rief der Pastor, "dreimal wehe! Ich dachte, ich hätte nur ein schwarzes Schaf in meiner Herde, aber nun muss ich sehen, dass die Finger meiner beiden Hände nicht ausreichen, um sie alle zu zählen!" Mit diesen Worten stieg er betrübt von seiner Kanzel.

   

Der Hahn und die Schneegans

Themen:
Mitarbeiterburteilung, Verfügbarkeit, interne und externe Mitarbeiter, Anerkennung im Arbeitsalltag

Tien Jao, der in Diensten des Herrschers Ai stand, war mit seiner Position unzufrieden. Er sagte zu seinem Herrn: "Ich werde es halten wie die Schneegans." – "Was willst du damit sagen?", fragte der Herrscher. Tien Jao wies nach draussen. "Seht ihr den Hahn auf dem Hof? Er trägt einen Kamm, als Zeichen seiner Höflichkeit. Seine Krallen sind stark. Er ist bereit, gegen jeden Feind zu kämpfen. Sein Fressen teilt er mit andern, er ist grossmütig. Und schliesslich vergisst er über Nacht niemals, uns pünktlich zu wecken. Er ist ein Muster an Zuverlässigkeit. Und doch wird trotz seiner Vorzüge jeden Tag ein Hahn getötet und für Eure Tafel hergerichtet. Warum nur? Weil er sich immer in Eurer Reichweite befindet. Die Schneegans dagegen kommt aus der Ferne und bleibt nicht lange an einem Ort. Wenn sie sich in Eurem Garten aufhält, fängt sie Eure Fische und Schildkröten und zerstört einen Teil Eurer Beete. Obwohl die Schneegans keinen der Vorzüge des Hahns besitzt, schätzt Ihr sie höher. Denn sie ist so selten Euer Gast. Also will auch ich so weit fliegen wie eine Schneegans."

   

Wie zwei Bauern zwei Frösche assen

Themen:
Konfliktmanagement, Revanche, Wettbewerb, Schlichtung, Ausgleichsmassnahmen

Zwei Bauern treiben eine Kuh, die ihnen gemeinsam gehört, zum Viehmarkt. Als sie an einem Teich vorbeikommen, sagt der eine: "Schau mal, da ist ein Frosch. Wenn du den fängst und lebendig aufisst, soll die Kuh dir alleine gehören." Der andere überlegt nicht lange, fängt den Frosch und würgt ihn lebendig hinunter. Die beiden gehen weiter. Der erste ärgert sich im Stillen, dass er aus einer dummen Laune heraus seinen Anteil an der Kuh verloren hat. Was wird wohl seine Frau dazu sagen? Was bin ich nur für ein Dummkopf, sagt er sich. Der zweite fühlt sich hundeelend und denkt sich: Was habe ich mich hier zum Narren gemacht und den Frosch in mich reingestopft? Was wird wohl meine Frau dazu sagen, wenn ich ihr das erzähle? Na warte, das zahl ich dir heim. Nach einer halben Stunde kommen die beiden wieder an einem Teich vorbei. Der Bauer, der vorhin den Frosch gegessen hat, sagt zu seinem Gefährten: "Da ist noch ein Frosch. Wenn du den lebendig aufisst, soll die Hälfte der Kuh wieder dir gehören." Der erste schnappt sich den Frosch und schluckt ihn hinunter. Der schmeckt zwar furchtbar, aber immerhin hat er seinen Anteil zurück. Die beiden gehen zum Markt verkaufen ihre Kuh, teilen sich die Einnahmen. Auf dem Heimweg kommen sie wieder am Froschteich vorbei. Sagt der erste Bauer zum zweiten: "Du, warum haben wir eigentlich die Frösche gefressen?"

   

Der Dornbusch

Themen:
Konflikte, Destruktivität, Mitarbeiterführung, Motive

"Sage mir", fragte die Weide den Dornbusch, "warum bist du so gierig nach den Kleidern der Menschen, die an dir vorüber gehen? Was willst du damit? Was kannst du mit ihnen anfangen?" – "Nichts", antwortete der Dornbusch. "Ich will sie ja auch gar nicht nehmen. Ich will sie nur zerreissen."

   

Warum es die Götter nicht geben kann

Themen:
Konflikte, Gerechtigkeit, Fairness, Motivation

Bevor sich der griechische Dichter Diagoras zum überzeugten Atheisten wandelte, war er durchaus geneigt die Vorsehung zu preisen. So schrieb er einen flammenden Hymnus an den Gott Apoll. Das Gedicht war so eindrucksvoll, dass es ein anderer Dichter abschrieb und für sein eigenes Werk ausgab. Diagoras strengte einen Prozess gegen den Plagiator an. Doch der andere Dichter leugnete alles und schwor bei den Göttern, das Gedicht sei von ihm. Da wurde er freigesprochen. Diagoras war darüber sehr verärgert und zog daraus den Schluss, dass es die Götter nicht geben könne, wenn sie so etwas zuliessen.

   

Die Hausschlange und der Bauer

Themen:
Konflikte, Eskalation, Konfliktfolgen, Vertrauensmissbrauch, Mitarbeiterführung

Ein Bauer hatte in seinem Gehöft eine Schlange, die er als Schutzgeist des Hauses verehrte und der er täglich etwas zu essen gab. Eines Tages aber quälte der Sohn des Bauern die Schlange so sehr, dass sie zubiss und den Jungen tödlich verwundete. Da wurde der Bauer zornig und beschloss die Schlange zu töten. Er nahm eine Axt, stellte sich vor das Loch, in dem die Schlange wohnte, um sie zu erschlagen, sobald sie herauskäme. Als die Schlange schliesslich ihren Kopf herausstreckte, schlug der Bauer zu. Aber die Schlange fuhr sofort zurück und der Hieb spaltete nur den Stein über dem Loch der Schlangenhöhle. Nach einiger Zeit ging der Bauer noch mal in sich und beschloss, sich mit der Schlange wieder zu versöhnen. Er stellte Milch und Honig vor den Eingang und bat die Schlange herauszukommen, um den Streit beizulegen. Aber die Schlange sagte: "Zwischen uns kann es keinen Frieden und keine Freundschaft geben, solange ich den gespaltenen Stein sehe und du das Grab deines Sohnes."

   

Das Ferkel und die Schafe

Themen:
Konflikte, emotionale Reaktion, Überreaktion, Mitarbeiterführung

Ein Ferkel begab sich zu einer Schafherde auf die Weide und frass dort mit den anderen Gras. Nach einiger Zeit erschien der Hirte und wollte das Ferkel einfangen. Das aber wehrte sich und quiekte laut. Die Schafe schüttelten nur den Kopf und fragten: "Was quiekst du so? Uns fängt er Hirte oft ein. Und wir schreien dann auch nicht herum." Darauf sagte das Ferkel: "Das ist ja auch etwas anderes. Wenn der Hirte euch einfängt, so will er eure Wolle und eure Milch. Wenn er mich fängt, dann will er mein Fleisch."

   

Der Kampf zwischen Schnepfe und Auster

Themen:
Konflikte, Kompromiss, Verhärtung, der lachende Dritte, Mitarbeiterführung

Eine Auster stieg aus dem Wasser, öffnete ihre Schale und liess sich am Meeresufer von der Sonne bescheinen. Da kam eine Schnepfe daher. Sie streckte ihren langen Schnabel aus, um das Fleisch der Auster aus der Schale zu picken. Doch die Auster bemerkte das, schloss schnell ihre Schale und klemmte den Schnabel der Schnepfe ein. Die Schnepfe bemühte sich mit ganzer Kraft, ihren Schnabel wieder aus der Muschel herauszuziehen. Doch so sehr sie auch zog und zerrte, sie bekam den Schnabel einfach nicht frei. Da sagte die Schnepfe: "Lass mich los. Denn wenn du mich nicht loslässt, so bleibst du hier auf dem Trockenen und musst sterben." Diese Worte versetzten die Auster in Wut. "Ich kann dich zwei, drei Tage festhalten. Solange kannst du nichts essen und musst verhungern. Bring mich also ins Wasser!" Dazu war die Schnepfe nicht bereit. "Erst musst du meinen Schnabel freigeben", sagte sie. Die Auster lehnte ab und klemmte den Schnabel noch ein wenig fester. So blieben sie am Ufer liegen, bis es Nacht wurde. Am nächsten Morgen kam ein Fischer vorbei, packte die Schnepfe und die Auster, nahm sie mit nach Hause und bereitete sich aus den beiden ein Mittagessen.

   

Herkules findet einen Klumpen

Themen:
Konflikte, Eskalation, Mitarbeiterführung

Eines Tages ging der starke Herkules durch eine enge Gasse. Auf dem Pflaster lag ein kleiner Klumpen, der etwa so gross war wie ein Apfel. Herkules hob ihn auf und versuchte ihn mit einer Hand zu zerdrücken. Das gelang ihm jedoch nicht. Im Gegenteil, je mehr er auf dem Klumpen herumdrückte, desto grösser wurde dieser. Nun war er schon fast auf die doppelte Grösse angewachsen. Da wurde Herkules ärgerlich. Er nahm den Klumpen zwischen beide Hände und wollte ihn zerquetschen. Der Effekt war der gleiche: Der Klumpen wurde nicht kleiner, sondern grösser. Herkules warf ihn auf den Boden und drosch mit seiner Keule auf ihn ein. Doch mit jedem Keulenschlag wurde er noch ein kleines bisschen grösser. Am Ende war er so gross geworden, dass er die gesamte Gasse versperrte. Herkules warf die Keule fort und war ratlos. In diesem Moment erschien die Göttin Athene und sprach: "Rühr es lieber nicht noch einmal an! Der Klumpen, auf dem du herumgeschlagen hast, ist der Streit. Wenn du ihn in Ruhe lässt, bleibt er so, wie er ist. Wenn du ihn aber bekämpfst, wird er immer grösser."

   

Messer und Brot

Themen:
Konflikte, Verhandlungen, Kompromiss, Vorleistung

Es war einmal ein Mann aus der Stadt, der hatte ein Messer, und ein Mann vom Lande, der hatte ein Brot. "Gib mir ein Stück Brot", sprach der Stadtmann, "so will ich dir mein Messer leihen, und du kannst dir selbst ein Stück herunterschneiden." – "Leihen?" sprach der Mann vom Lande, "du musst es mir ganz geben!" – "Für ein Stück Brot das Messer hergeben", zürnte der andere und sie stritten bis zum Abend weiter. Da begann sie der Hunger zu plagen. "Ich will dir ein Stück Brot geben", sprach der Landmann, "leih mir dein Messer." – "Nein", entgegnete jetzt der andre, "gib mir das ganze Brot, und du erhältst das Messer." Das taten sie; und wieder hatte jetzt einer das Brot und der andere das Messer.

   

Kräht der Hahn früh am Morgen

Themen:
Verantwortung, Mitarbeiterführung, Konflikte, Mobbing, Missstände, Ursachenanalyse

Eine Frau hatte einen Bauernhof, den sie sehr gut in Schuss hielt. Frühmorgens, wenn der Hahn krähte, pflegte sie ihre Knechte und Dienerinnen aufzuwecken, damit sie sich gleich an die Arbeit machten. Doch dem Personal behagte das frühe Aufstehen überhaupt nicht. Daher einigten sie sich, dem Hahn, der immer so früh krähte, den Hals umzudrehen. Kaum hatten sie das getan, so erging es ihnen schlechter als vorher. Von nun an scheuchte sie die Hausherrin noch früher aus ihren Betten und schickte sie mitten in der Nacht an die Arbeit, denn weil kein Hahn mehr da war, hatte sie ihr Zeitgefühl verloren.

   

Die Leberpastete

Themen:
Konflikte, Konkurrenz, Ziele, Motive, Unterstellung, Wettbewerb

Nasrudin will sich eine Leberpastete machen. Er kauft sich ein Stück Leber und bekommt ein Rezept für die Pastete. Auf dem Heimweg wird er von einem Raubvogel angegriffen. Der Vogel stösst herab, reisst ihm das Fleisch aus den Händen und fliegt davon. Nasrudin ruft ihm nach: "Oh, du dummer Vogel! Na schön, die Leber hast du mir abgenommen. Aber was machst du ohne das Rezept?"

   

Die Kraft der Stäbe

Themen:
Zusammenhalt, Solidarität, Kooperation, Vorteil eines Teams

Vor langer Zeit lebte ein Mann, der schon sehr alt war und viele Kinder hatte. Als er sein Ende herannahen fühlte, liess er ein Bündel dünner Stäbe holen und rief seine Kinder herbei. Er reichte ihnen das Bündel und forderte jeden Einzelnen auf, es auseinander zu brechen. Keinem gelang es. Dann band er Bündel auf und sagte: "Jetzt versucht die Stäbe einzeln zu zerbrechen." Das gelang jedem von ihnen. Daraufhin sagte der Mann: "Kinder, wenn ihr alle einträchtig zusammenhaltet, wird euch kein Mensch jemals brechen können – und wenn er auch noch so viel Macht hätte. Doch wenn jeder von euch einen anderen Sinn hegt und seinen eigenen Interessen folgt, dann wird es euch ergehen wie dem einzelnen Stab: Ohne viel Kraft kann man euch brechen."

   

Der Tempelpage und die Reisklösschen

Themen:
Egoismus, Eigeninteressen, verdeckte Ziele, Täuschung, Gemeinschaft, Aussenseiter

In einem japanischen Kloster auf dem Berg Hiei wohnte ein junger Tempelpage. Eines Abends dachten die Mönche darüber nach, was sie tun sollten. "Lasst uns doch ein paar süsse Reisklösschen machen!", schlug einer der Mönche vor und alle waren einverstanden. Das freute den Tempelpagen, der Reisklösschen sehr gerne ass. Doch dachte er, es sei unschicklich, wenn er wegen der Reisklösschen aufbleibe. So zog er sich in eine Ecke zurück und stellte sich schlafend. Er wartete darauf, dass die Klösschen fertig waren. Die Mönche würden ihn sicher wecken. Und tatsächlich fingen sie schon bald an zu lärmen. Einer rief dem Pagen zu: "Hallo, steh auf!" Wenn ich schon nach dem ersten Mal antworte, dann glauben sie, ich hätte nur darauf gewartet, dachte der Page. Ich werde noch ein wenig warten. Und wenn sie mich das nächste Mal rufen, dann werde ich mich melden. Weil er aber gar nichts von sich hören liess, bemerkte ein Mönch: "Weckt den Kleinen nicht auf. Er schläft doch schon tief." Der Page ärgerte sich. Ach, wenn sie mich doch noch einmal rufen würden, dachte er. Aber er hörte nur noch das Kauen und Schmatzen der Mönche. Da hielt er es nicht länger aus, bäumte sich auf und sagte viel zu spät und viel zu laut: "Ja!" Die Mönche bemerkten das und lachten ihn aus.

   

Der Esel und das Pferd

Themen:
Teamführung, Kooperation, Arbeitsbelastung, Vertretung, Solidarität

Ein Markthändler hatte ein Pferd und einen Esel. Er belud beide Tiere mit Waren, denn am Tage darauf sollte Markttag sein. Den Esel hatte der Händler zu schwer beladen, er ging immer langsamer und sagte schliesslich schwer schnaufend zum Pferd: "Ich kann einfach nicht mehr. Die Last ist zu schwer! Wenn du mich retten willst, nimm mir etwas von meiner Last ab." Das Pferd schüttelte den Kopf: "Du bist selber Schuld, wenn du so erbärmlich schwach bist! Ausserdem habe ich ja auch meine Last zu tragen." Es dauerte nicht lange, da brach der Esel unter seiner Last tot zusammen. Der Händler nahm die Ladung von seinem Rücken und zog ihm das Fell ab. Beides packte er auf das Pferd, das anfing zu klagen: "Ich armes Pferd! Hätte ich geahnt, dass der Esel seine Last nicht tragen kann, dann hätte ich ihm einen Teil abgenommen. So muss ich die doppelte Ladung tragen und sein Fell noch dazu."

   

Die pestkranken Tiere

Themen:
Teamführung, Gruppendynamik, Sündenbock, Mobbing, Mitarbeiterbeurteilung

Eines Tages schickte der Himmel die Pest zur Erde. Viele Tiere wurden krank, manche starben, es herrschten entsetzliche Zustände. Da sprach der Löwe als König der Tiere: "Liebe Freunde, ich glaube, der Himmel hat uns die Pest geschickt, um uns für unsere Sünden zu bestrafen. Wie können wir nun seine Milde wiedererlangen? Ich meine, derjenige von uns, der die grösste Schuld auf sich geladen hat, sollte sich opfern. Dann werden die anderen wieder gesund werden. Ich selbst will den Anfang machen. Offen will ich bekennen, dass ich aus reiner Gefrässigkeit so manches braves Schaf gerissen habe. Was hatten sie für Schuld? Gar keine! Und auch so manchen braven Schäfer habe ich angefallen. Wenn es sein muss, will ich mich opfern. Aber jetzt seid ihr erst mal dran und berichtet, was ihr ausgefressen habt." "Sire", sagte der Fuchs, "Ihr seid zu grossmütig. Was werft Ihr Euch selbst vor, Schafe zu fressen? Dieses dumme Pack hat es doch nicht besser verdient. Das ist nun wirklich keine Sünde. Im Gegenteil, es ist für die Schafe noch eine Ehre von Euch gefressen zu werden. Na ja, und den Schäfern geschieht es nur recht, wenn sie auch etwas bestraft werden. Immerhin massen sie sich an, über uns Tiere zu herrschen." Nach dieser klugen Schmeichelrede des Fuchses ergriffen Tiger und Bär das Wort und schilderten ihre Gefrässigkeit in ähnlich tugendhaften Farben. Dann war der Esel an der Reihe: "Mein grösstes Vergehen war, dass ich von einer Klosterwiese das frische Gras abgefressen habe, weil ich so hungrig war. Und das durfte ich nicht." Die anderen Tiere waren empört. "Fremdes Gras zu fressen! Das ist ein Verbrechen!", schrie der Wolf. "Du bist allein Schuld an der Pest." Die anderen Tiere stimmten zu und vollstreckten sofort ihr Urteil an dem armen Esel. Denn es kommt nur auf eine Sache an: Ob du stark bist oder schwach, danach allein wird das Urteil gesprochen.

   

Teamwork und Siegeswille

Themen:
Teamarbeit, Erfolg, Zusammenspiel, Siegeswille

In der Highschool war David Packard, einer der Gründer von Hewlett-Packard, ein ausgezeichneter Sportler. In einem Leichtathletikwettbewerb stellte er einen neuen Landesrekord auf und wurde bei einem Basketballturnier zum besten "Center" gewählt. Ein Lehrer sagte ihm, dass im Endspiel einer Meisterschaft oft zwei Mannschaften aufeinander treffen, die über gleich gute Spieler verfügen. In so einem Fall hänge alles vom Teamwork ab, vor allem in den spielentscheidenden Sekunden. Und wenn in beiden Mannschaften nicht nur die Qualität der Spieler, sondern auch die des Zusammenspiels gleich ist, dann setzt sich die Mannschaft mit dem stärkeren Siegeswillen durch. Packard hat sich diese Aussage tief eingeprägt. Sie sei zum "Leitprinzip für die Entwicklung und Führung von Hewlett-Packard" geworden: "Finde die besten Mitarbeiter, betone die Bedeutung von Teamwork und bringe sie dazu, das Spiel zu gewinnen."

   

Sport-Metaphern zur Zusammenarbeit

Themen:
Teamarbeit, Kooperation, Motivation, Fairness, Fehler, Koordination, Strategie

Ein Eigentor schiessen, die gelbe (oder rote) Karte zeigen, auf der Ersatzbank sitzen, Standardsituationen, den Ball laufen lassen, Doppelpass spielen, den Ball zurückspielen, immer anspielbar sein, den Ball flach halten, Fairplay, Foulspiel, ein böses Foul, Dreamteam Wir haben einige Flanken in den freien Raum geschlagen. Jetzt hoffen wir, dass jemand den Ball aufnimmt. (Das Mitglied einer Kommission kommentiert den Abschlussbericht.) Wir müssen uns schneller die Bälle zuspielen und dürfen nicht zu lange den Ball halten. Das nächste Spiel ist immer das schwerste. (Alte Fussballweisheit von Bundestrainer Sepp Herberger)

   

Die Laus und der Floh

Themen:
Teamarbeit, Kooperation, Engagement für andere, Gutmütigkeit, Ausnutzung

Eine Laus hatte sich vor langer Zeit in dem Teppich eines reichen Mannes angesiedelt. Sie lebte von seinem Blut, das sie ihm nachts behutsam aussog, wenn er schlief. Der reiche Mann merkte davon nichts und so lebte sie dahin. Eines Nachts aber erschien ein Floh als Gast bei ihr. Die Laus sagte zu ihm: "Bleib diese Nacht bei mir. Du hast es warm im weichen Bett und kannst von dem Blut des reichen Mannes trinken." Der Floh nahm die Einladung an. Als sich der Mann hingelegt hatte und eingeschlafen war, hüpfte der Floh auf ihn und biss so stark zu, dass der Mann erwachte. Er drehte sich herum, um wieder einzuschlafen, doch der Biss schmerzte ihn so sehr, dass nicht daran zu denken war. So stand der Mann auf, um seine Decke zu untersuchen. Er entdeckte die Laus, ergriff und zerdrückte sie. Denn der Floh war längst verschwunden.

   

Die Stachelschweine

Themen:
Teamarbeit, Kooperation, Distanz

Eine Gesellschaft Stachelschweine drängte sich an einem kalten Wintertag recht nahe zusammen, um durch gegenseitige Wärme sich vor dem Erfrieren zu schützen. Jedoch bald empfanden sie die gegenseitigen Stacheln; welches sie dann wieder voneinander entfernte. Wenn nun das Bedürfnis der Erwärmung sie wieder näher zusammen brachte, wiederholte sich jenes zweite Übel, so dass sie zwischen beiden Übeln hin und her geworfen wurden, bis sie eine mässige Entfernung von einander herausgefunden hatten, in der sie es am besten aushalten konnten.

   

Die Äpfel und die Pferdeäpfel

Themen:
Anbiederei, Selbstüberschätzung, Trittbrettfahrer, Teamarbeit

Nach einem starken Regenguss fielen einige Äpfel in den Bach, in dem schon ein grosser Haufen Pferdeäpfel herumschwamm. Sie schwammen eine ganze Zeit nebeneinander her. Und die Pferdeäpfel riefen ständig: "Schaut mal her! Wie schön wir Äpfel schwimmen!"

   

Wie man aus einer Eisenkeule eine Nadel machen kann

Themen:
Ausdauer, Selbstdisziplin, Lernen, Vorbild, Ziele, Herausforderung

Als der chinesische Dichter Li Bai noch ein Kind war, wurde er auf eine Schule geschickt, um die Dichtkunst zu erlernen. Doch die Bücher erschienen Li Bai zu schwierig, er verstand sie nicht und schwänzte oft den Unterricht, um auf der Strasse zu spielen. Eines Tages sah er am Strassenrand eine alte Frau auf einem niedrigen Hocker sitzen, die geduldig eine eiserne Keule mit einem Schleifstein bearbeitete. "Was tust du da?", fragte er die Alte. Die blickte kurz auf und sagte: "Ich mache mir eine Nadel zum Stricken." Der kleine Li Bai war verblüfft. "Wie kann das sein, dass du aus so einem grossen Stück Eisen eine Nadel machst?" Die alte Frau wandte sich ihm zu: "Das weisst du nicht? Diese Eisenkeule ist zwar gross, aber ich schleife sie jeden Tag. Muss sie dann nicht irgendwann zu einer Nadel werden?" Li Bai kam ins Nachdenken. "Die alte Frau hat Recht", sagte er sich. "Wenn man geduldig und ausdauernd ist, wenn man jeden Tag an seiner Aufgabe sitzt, dann kann man alles schaffen." Er wandte sich um, kehrte in die Schule zurück und fing an, die Bücher, die er nicht verstehen konnte, zu studieren.

   

Konfuzius und die Strafen

Themen:
Personalentwicklung, Mitarbeiterbeurteilung, Abmahnung, Konsequenz, Ausbildung, Lernen, Motivation

Der sittenstrenge Konfuzius war eine Zeitlang oberster Richter in der Provinz Lu. Einmal kamen Vater und Sohn zu ihm, die sich gegenseitig verklagten. Anstatt in der Sache zu entscheiden, sperrte er beide miteinander ein, obwohl nach damaligem Verständnis der Vater im Recht war. Da bat der Vater um Einstellung des Verfahrens. Daraufhin liess Konfuzius die beiden frei. Sein Vorgehen stiess auf Unverständnis. Der Herr von Gi-sun beklagte, warum er nicht nach den Gesetzen den ungehorsamen Sohn verurteilt habe. Konfuzius erwiderte, bevor man strafen könne, müsse man belehren. "Wenn man ohne Warnung Strafen vollzieht, dann bedeutet dies Härte. Wenn man ohne Belehrung Vollendung verlangt, so ist das Grausamkeit." Zur Verdeutlichung gab Konfuzius das folgende Beispiel: "Über eine drei Fuss hohe Schranke kann auch ein leerer Wagen nicht hinüberfahren. Warum das? Weil sie zu steil ist. Einen Berg, der hundert Klafter hoch ist, kann hingegen auch ein voll beladener Wagen überwinden. Warum das? Weil die Wege allmählich ansteigen."

   

Der Meisterringer

Themen:
Wissensmanagement, Ausbildung, Karriere, Konkurrenz, Lernen

Im Orient gab es einen Meisterringer, von dem man sagte, dass er 360 Griffe beherrsche. Dieser Mann hatte einen Schüler, den er sehr mochte und dem er 359 Griffe beibrachte. Das reichte aus, um den Schüler so stark zu machen, dass er jeden besiegte, der sich ihm in den Ring stellte. Er war sehr stolz auf seine Siege und prahlte gegenüber dem Sultan damit, dass er nun auch seinen Meister schlagen könnte. "Doch aus Respekt gegen ihn würde ich ihn nie herausfordern." Da befahl der Sultan unverzüglich den Kampf in seiner Gegenwart. Kaum war der Gongschlag zur Eröffnung des Kampfes ertönt, da packte der Meister seinen Schüler mit dem 360. Griff, hob ihn in die Luft und liess ihn auf die Matte krachen. Der Sultan und sein Gefolge klatschten Beifall und wollten von ihm wissen: "Sag uns, Meister, wie ist es dir gelungen, diesen starken Gegner zu besiegen, der einst dein Schüler war?" – "Nun, ich habe ihm den letzten Geheimgriff nicht beigebracht. Denn ich wusste, eines Tages würde er mich zum Kampf fordern. Ich habe mich an einen Meister des Bogenschiessens erinnert, der einmal gesagt hat: Keiner hat das Bogenschiessen bei mir gelernt, der nicht hinterher versucht hätte, aus mir einen Idioten zu machen."

   

Die Jagd auf das Rotwild

Themen:
Veränderungskonzept, Theorie und Praxis, Umsetzung, "Spirit", Strategie, Weiterbildung, Zertifizierung

Rotwildjäger gehen in den Wald, schiessen einen Hirsch oder ein Reh und tragen es nach Hause. Das heisst, sei tragen nur den toten Körper nach Hause, denn das, was eigentlich das Rotwild ausmacht, das bleibt im Wald zurück. Die Jäger können es nicht mit Hause nehmen und sich als Trophäe an die Wand hängen. Ebenso geht es vielen Führungskräften, die auf der Suche sind nach dem richtigen Konzept zur Veränderung ihrer Organisation. Sie "erjagen" ein schlüssiges Konzept, aber "zu Hause" siegt die Alltagsroutine, die "Umsetzung" bringt enttäuschende Ergebnisse. Das Wesentliche des Konzepts, seine "Seele", ist verloren gegangen.

   

Mangelnde Begabung

Themen:
Selbsteinschätzung, Begabung, Ausbildung, Lernprozess

Ein junger Mann stellte sich bei Beethoven vor, um sein Schüler zu werden. Er spielte ihm ein Stück vor. Beethoven bemerkte verdriesslich: "Sie werden noch lange spielen müssen, bevor Sie einsehen, dass Sie völlig unbegabt sind."

   

Wie man ein Genie unterrichtet

Themen:
Weiterbildung, Qualität der Dozenten, Referenzen, Image, Öffentlichkeitsarbeit

Ein Freund wollte den Komponisten Hanns Eisler in den zwanziger Jahren mit Albert Einstein bekannt machen. Er lud beide zum Abendessen in seine Wohnung ein. Als Eisler in die Diele kam, sah er dort einen Geigenkasten liegen. Sofort erinnerte er sich, dass Einstein gern Geige spielte, und er ahnte bereits, wer den berühmten Physiker wohl am Klavier begleiten sollte. Nach dem Essen war es soweit. Einstein kämpfte an der Violine tapfer gegen die rhythmischen Tücken des Stücks an. Schliesslich fragte ihn Eisler: "Herr Professor, Sie werden doch bis drei zählen können!" Mit Mühe brachte man das Stück zu Ende. Seit diesem Abend behauptete Eisler, einer der Mathematiklehrer Einsteins gewesen zu sein.

   

Das echte Hornberger Schiessen

Themen:
Übung, Training, Vorbereitung, Weiterbildung, Simulation, Präsentation

"Das ging aus wie das Hornberger Schiessen." So sagt man, wenn eine Angelegenheit ohne Ergebnis endet. Diese Redensart geht auf eine Anekdote aus dem 16. Jahrhundert zurück: In dem badischen Städtchen Hornberg kam der Herzog zu Besuch und sollte feierlich empfangen werden. Um ihre Sache möglichst gut zu machen, übten die Hornberger ausgiebig die Salutschüsse. Nur übertrieben sie es ein wenig damit, denn sie übten so lange, bis sie kein Pulver mehr hatten. Um den Landesherrn jedoch nicht völlig ohne Salut ins schöne Hornberg einziehen zu lassen, sollen einige Hornberger versucht haben, die Böllerschüsse durch lautes Brüllen nachzuahmen.

   

Herkules und sein Musiklehrer

Themen:
Ausbildung, Weiterbildung, Begabung, Stärken/Schwächen

Der griechische Musiker Linos sollte dem jungen Herkules das Spiel mit der Leier beibringen. Herkules zeigte jedoch wenig Interesse und wenig Begabung. Sein Spiel war so unsauber, dass es Linos eines Tages zu viel wurde und er seinem Schüler eine Ohrfeige verpasste. Das hätte er nicht tun sollen, denn Herkules nahm daraufhin die Leier und schlug Linos damit den Schädel ein. Dafür wurde er angeklagt. Weil er sich jedoch so geschickt verteidigte, sprachen ihn die Richter frei und erkannten auf Notwehr.

   

Die Topfpflanze

Themen:
Organisation, Wandel, Wachstum

Eine Pflanze wächst niemals nur in eine Richtung. Je mehr sie in die Höhe wächst, umso tiefer müssen ihre Wurzeln reichen. Wie hoch eine gesunde Pflanze wachsen kann, entscheidet sich daher durch die Grösse des Topfs. Soll die Pflanze weiter wachsen, braucht man einen grösseren Topf. Allerdings vertragen es viele Pflanzen nicht, wenn man sie aus ihrer vertrauten Erde reisst und woanders wieder einpflanzt. Ausserdem sind grosse, neue Töpfe teuer. Was also tun? Manche giessen die Pflanze einfach nicht mehr, damit sie nicht mehr so schnell wächst. Dadurch sparen sie sogar noch eine Menge Wasser. Doch verwundert stellen sie dann fest, dass die ganze Pflanze eingeht. Andere schneiden aus der Pflanze ein paar Triebe heraus und pflanzen sie in einen Nachbartopf. Keine schlechte Idee, doch dadurch wird ihre Pflanze niemals gross. Die dritten wollen mehr Platz für die Wurzeln schaffen und bohren daher viele kleine Löcher in den Topf. Doch dabei rieselt nur die Blumenerde raus. Es bleibt dabei: Wer eine gut wachsende Pflanze in seinem Blumenfenster hat, muss sie ab und zu umtopfen.

   

Das Wachstum der Spinnenpflanze

Themen:
Organisation, Dezentralisierung, Vernetzung, Wachstum, Profit Center

Wenn ihr der Topf zu klein wird, bildet die Spinnenpflanze neue Ableger, die in einen neuen Topf eingepflanzt werden müssen, um dort Wurzeln zu bilden. Aber die Ableger behalten die Verbindung zur Mutterpflanze. Nach und nach entsteht so eine riesige Pflanze, die in vielen Töpfen ihre Wurzeln hat. Ebenso könnten Organisationen wachsen. Sie brauchen keinen "grösseren Topf", denn Umtopfen ist aufwändig und Grösse macht unflexibel. Gerade in Zeiten rascher Veränderung kann dies eine grosse Belastung bedeuten. Macht sie es hingegen wie die Spinnenpflanze, kann eine Organisation gross werden und dabei klein bleiben. Die Ableger bilden selbst neue Triebe aus und wachsen weiter. Wenn die Zeit reif ist, lassen sich einzelne Stängel kappen. Zwischen den Töpfen der Spinnenpflanze fliegen Hummeln hin und her, "Organisationshummeln", die für einen lebhaften Austausch sorgen und Blütenstaub von einem Topf zum andern tragen. Dabei können in den unterschiedlichen Töpfen ganz verschiedene Blüten blühen, die jeweils andere Anforderungen stellen (im Unterschied zur echten Spinnenpflanze); jeder Topf ist selbstständig und gehört doch zu einer einzigen grossen Pflanze. Wenn die Pflanze wächst und gedeiht, lässt sich von einem Beobachter bald nicht mehr sagen, in welchem der Töpfe eigentlich die Mutterpflanze steckt.

   

Der Supertanker

Themen:
grosse Organisation, Flexibilität, Robustheit, Wandel

Grosse Unternehmen sind schwerfällige Gebilde. Sie lassen sich nur langsam und mit grossem Aufwand manövrieren, so wie die riesigen Öltanker, die auf den Meeren unterwegs sind. Befindet sich so ein Supertanker erst einmal auf einem bestimmten Kurs, dann behält er ihn bei. Kursänderungen sind nicht vorgesehen und müssten im Übrigen mit dem Kapitän, den Offizieren und dem Aufsichtsrat der Reederei abgesprochen werden. Wenn der Steuermann feststellt, dass sich der Tanker auf Kollisionskurs befindet, könnte er natürlich das Steuerrad in Panik herumreissen. Doch das hätte zunächst kaum Auswirkungen. Kann das andere Schiff nicht ausweichen, kommt es zur Kollision. Dann gibt es einen dumpfen Knall, vielleicht werden ein paar Rettungsboote zu Wasser gelassen, aber die meisten an Bord des Supertankers bemerken den Zusammenstoss nicht einmal. Darum würde ein erfahrener Steuermann auch niemals auf die Idee kommen, das Steuerrad herumzureissen, um einen Unfall zu verhindern. Eher steigt er vorher auf ein kleines Motorboot und rast davon.

   

Der Schneemann in der Sonne

Themen:
Organisation, Wandel, Umstrukturierung, Flexibilität

Veränderungsbesessene Organisationen sind bestrebt, ein Höchstmass an Flexibilität zu erreichen. Starre Strukturen sollen aufgeweicht werden, besser noch völlig verschwinden. Damit befinden sich die Organisationen in einem "chronisch aufgetauten" Zustand. Sie verlieren ihre Kontur, zerfliessen wie ein Schneemann in der Sonne. Und es bildet sich keine neue Form. Wo sich vorher noch ein dicker weisser Mann uns in den Weg stellte, finden wir jetzt nur noch – Wasser.

   

Das starke Wasser

Themen:
Wandel, Strategie, Ausdauer, Flexibilität, Kompromiss, Schwächen zu Stärken machen, Mitarbeiterführung, Persönlichkeit

Nichts in der Welt ist so weich wie das Wasser. Und doch gibt es nichts, das wie Wasser Starres und Hartes bezwingt. Unablässig strömt es nach seiner Art. Dass Schwaches über Starkes siegt, dass Starres Geschmeidigem unterliegt – wer wüsste das nicht? Und doch zieht keiner Nutzen daraus!

   

Die Jazzband

Themen:
Organisationsform, Strukturen, Flexibilität, Kreativität, Spontaneität, Team

Eine Jazzband braucht keinen Dirigenten. Im Zusammenspiel hat jeder seine Aufgabe. Wie er sie im Einzelnen löst, bleibt weitgehend ihm überlassen. Niemand sagt dem Bassisten, wie er seine Basslinien zu spielen hat. Natürlich müssen sie passen und gut klingen. Das erreicht der Bassist, weil er sein Instrument beherrscht, doch vor allem, weil er auf seine Mitspieler hört. Bei jedem Stück gibt es mehr oder weniger ausgedehnte Improvisationsteile, die niemals gleich klingen und die je nach Situation verlängert oder verkürzt werden können. Das Stück entsteht beim Spielen. Im Vergleich zum klassischen Orchester ist die Jazzband wesentlich flexibler und weniger anfällig gegenüber Störungen. Wenn bei einem klassischen Konzert dem Solisten eine Saite reisst, kommt dies einer Katastrophe gleich. Eine gut eingespielte Jazzband würde so etwas nicht in Verlegenheit bringen. Wenn dem Saxophonisten bei seinem Solo plötzlich die Puste ausgeht, löst ihn jemand ab, der Trompeter oder der Gitarrist oder der Bassist oder der Schlagzeuger.

   

Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt

Themen:
Organisation, Hierarchie, Dominanz, Merger

Der Schwanz wedelt mit dem Hund. Die Affen übernehmen den Zoo. Der Kanarienvogel versucht die Katze zu fressen.

   

Opposition muss sein

Themen:
Widerspruch, Opposition, Streitkultur, Gedankenfreiheit, Querdenker, Unternehmenskultur

Der König von Ghargaroo, der die Regierungskunst studiert hatte, benannte einhundert seiner fettesten Untertanen, dass sie für ihn ein Parlament bildeten. Vierzig von diesen Einhundert sollten die Opposition bilden und jede Gesetzesvorlage ablehnen. Denn so funktioniert ein Parlament, hatte der kluge König gelernt. Als aber das erste Gesetz beschlossen wurde, gab es von der Opposition keinen Widerspruch. Daraufhin knöpfte sich der König die Abgeordneten vor: Sollte so etwas noch einmal vorkommen, werde er jeden Einzelnen enthaupten lassen. Die Opposition reagierte umgehend und schlitzte sich selbst den Bauch auf. Das gefiel dem klugen König von Ghargaroo nun gar nicht, denn eine Opposition war unbedingt nötig, für ein funktionierendes Staatswesen geradezu unabdingbar. Und so liess der König alle Abgeordneten der Opposition ausstopfen und auf ihren Bänken festnageln.

   

Ein Ring aus Raupen

Themen:
Organisation, Eigenverantwortung, Hierarchie, Routine, Konformismus

Die Raupen des Prozessionsspinners haben eine eigentümliche Art sich fortzubewegen. Sie bilden eine Kette, die erste Raupe kriecht voran, die zweite Raupe schliesst sich ihr an, berührt mit ihrem Kopf das Hinterteil der vor ihr kriechenden Raupe, während sich an ihrem Hinterteil eine dritte Raupe orientiert, an deren Hinterteil wiederum eine weitere Raupe hängt und so geht es weiter bis zur letzten Raupe. Daraus entsteht eine Prozession von mehreren hundert Raupen, die durch den Wald kriecht und nach Nahrung sucht, und zwar bevorzugt Eichblätter. Ein Wissenschaftler setzte eine solche Raupenprozession einmal in einen runden Blumentopf und legte ein frisches Eichblatt in die Mitte. Dabei fügte er die beiden Enden der Prozession zusammen. Es entstand also ein geschlossener Ring, jede Raupe hatte ein Vordertier und ein Hintertier und die Prozession bewegte sich nur noch im Kreis. Die Tiere krochen rund um den Blumentopf, immer wieder und immer wieder – bis sie verhungerten. Dabei befand sich ihre Lieblingsspeise direkt in ihrer Nähe. Sie hätten nur aufhören müssen, blind ihrem Vordertier zu folgen.

   

Die 101. Kuh

Themen:
Wirtschaftsethik, Loyalität, schlechtes Vorbild, Lawineneffekt, Unternehmenskultur, Vertrauen, Ehrlichkeit, Dominoeffekt

In einem Dorf lebten hundert Bauern. Es gab dort eine grosse Gemeindewiese, die jeder von ihnen nutzen durfte. Dabei waren die Bauern übereingekommen, dass jeder von ihnen täglich eine seiner Kühe auf die Gemeinschaftsweide treiben durfte. Lange Zeit ging die Sache gut, doch eines Tages sah ein Bauer, wie sein Nachbar nicht nur eine Kuh, sondern zwei auf die Weide liess. Der Bauer war empört. Am nächsten Morgen stellt er seinen Nachbarn zur Rede. "Was regst du dich so auf?", gibt dieser zurück. "Ich mache das schon eine Weile, ohne dass es irgendjemand gemerkt hat. Und keiner hat einen Schaden davon. Alle Kühe bekommen genug zu fressen. Die Wiese ist gross genug. Eine Kuh von dir hätte da sicher auch noch Platz." Da musste der Bauer seinem Nachbarn Recht geben. Am nächsten Tag grasten 102 Kühe auf der Weide. Das bemerkte ein dritter Bauer, der nun ebenfalls zwei Kühe auf die Weide trieb. Und so ging es fort. Jede Woche grasten mehr Kühe auf der Gemeindewiese, die hundert Kühen reichlich Nahrung gegeben hatte, doch von 120, 130 und schliesslich 150 Kühen schnell abgeweidet war. Eines Tages war die Weide vollkommen kahl gefressen. Es war nicht einmal mehr genügend Gras für eine einzige Kuh vorhanden. "Es waren einfach zu viele Kühe auf der Weide", erklärte einer der Bauern. "Oh, nein", erwiderte ein anderer. "Nicht die Menge der Kühe war die Ursache, dass unsere Gemeindewiese jetzt zerstört ist. Es war die 101. Kuh."

   

Den Teich leer fischen

Themen:
Wirtschaftsethik, Nachhaltigkeit, Strategie

Es ist nicht so, dass man keinen guten Fang macht, wenn man einen Fischteich leer fischt. Nur gibt es dann im nächsten Jahr dort keine Fische mehr. Es ist nicht so, dass man keine reiche Beute macht, wenn man das Buschwerk niederbrennt, um besser zu jagen. Nur gibt es dann im nächsten Jahr kein Wild mehr. Ein heimtückischer und betrügerischer Plan mag zwar für den Augenblick Erfolg bringen. Nur lässt er sich eben nicht wiederholen. Deshalb eignet er sich nicht als Plan für längere Zeit.

   

Seife, Kaugummi und Backpulver

Themen:
Strategie, Innovation, Flexibilität, Kreativität, Sortiment, Kundenorientierung

Mit einem Startkapital von 32 Dollar gründet William Wrigley im Jahr 1891 ein Unternehmen, das Seifen an Grosshändler liefert. Um sein Produkt attraktiver zu machen, legt er jeder Packung Gratisproben bei, eine damals völlig unbekannte Methode der Verkaufsförderung. Als Wrigley hört, dass sein Backpulver mehr Anklang findet als seine Seife, beschliesst er, das Seifengeschäft aufzugeben und nur noch mit Backpulver zu handeln. Doch auch dem Backpulver legt er wieder Gratisproben bei. Diesmal handelte es sich um zwei Packungen Kaugummi. Und der Kaugummi kommt noch besser an als das Backpulver. Erneut trifft Wrigley eine folgenschwere Entscheidung: Die Zukunft gehört dem Kaugummi und nicht dem Backpulver. Abermals gibt er sein eigentliches Produkt auf und bietet nur noch Kaugummi an. Im Jahr 1893 kommen Juicy Fruit und Wrigley’s Spearmint auf den Markt, zwei Klassiker, die sich bis heute gehalten haben. Innerhalb von 18 Jahren steigt Wrigley zur erfolgreichsten amerikanischen Kaugummimarke auf. Da überrascht das Unternehmen seine Kunden mit der nächsten Neuerung: Die Kaugummi werden nicht mehr lose in einer Schachtel angeboten, sondern einzeln in einer Schutzhülle verpackt.

   

Der Regenmacher-Effekt

Themen:
Managementmethoden, Führungswerkzeuge, Trends, Innovation, Unternehmensberatung, Wirksamkeit, Strategie, Motivation, Manipulation

Kaum jemand in Europa zweifelt daran, dass die in Teilen Afrikas verbreiteten Regenmacher keinen Regen produzieren. Dennoch wäre es problematisch, wenn die traditionellen Kulturen ihre Regenmacher abschaffen würden. Denn ihr Nutzen besteht nicht darin, dass sie für Regen sorgen, sondern vielmehr den Zusammenhalt der Gemeinschaft stärken. Der Regenmacher bietet den Menschen die Möglichkeit, anhand der Frage von Regen oder Nichtregen darüber zu reden, ob ihnen die Götter und Geister wohl gesinnt sind. Der Regenmacher-Effekt beschreibt die Einsicht, dass auch bei uns viele Einrichtungen und Managementmethoden zwar nicht das erreichen, was sie versprechen, dafür aber andere nützliche, nicht sofort sichtbare Funktionen haben.

   

Die Kutsche im Schlamm

Themen:
Management-Konzepte, Kernkompetenzen, Mitarbeiterführung, Shareholder-Value

Eine einspännige Kutsche bleibt im Schlamm stecken. Der Kutscher schwingt die Peitsche, aber das Pferd kommt nicht vom Fleck. Was tun? Die traditionelle Methode: Es wird ein zweites Pferd eingespannt, um die Kutsche aus dem Schlamm zu ziehen. Die Management-Methode: Es wird ein zweiter Kutscher auf den Kutschbock gesetzt. Die Shareholder-Value-Methode: Der Kutscher wird abgeschafft, das Pferd wird abgeschafft. An der Kutsche wird ein Schild befestigt: "Kutsche zu verkaufen."

   

Das Peter-Prinzip

Themen:
Hierarchie, Organisation, Beförderung, Karriere, Inkompetenz

In den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts untersuchte Lawrence J. Peter Organisationen, ihre hierarchische Gliederung und die Prinzipien der Beförderung der Angestellten. Daraufhin formulierte er sein Prinzip: In einer Hierarchie neigt jeder Beschäftigte dazu, bis zu der Stufe seiner Unfähigkeit aufzusteigen.

   

Treppen, Leitern und Stühle

Themen:
Karriere, Hierarchie, Konkurrenten

Ihre Karriereleiter hat nur eine Sprosse. Und auf der stehen Sie bereits. Er ist eine Karrierestufe nach der anderen hinaufgefallen. Ihm ging es wie bei der Apfelernte: Er ist die Karriereleiter sehr schnell hinaufgestiegen. Doch dann hat er gemerkt, dass sie am falschen Baum steht. Gebräuchliche Metaphern: die nächste Karrierestufe ist zu steil, das grosse Stühlerücken, einen Stuhl aufrücken, seinen Stuhl räumen, die Stelle ist ein Schleudersitz.

   

Die gläserne Decke

Themen:
Karriere, Hierarchie, Frauen, Karrierehindernis

Wenn Sie über eine bestimmte Karrierestufe nicht hinauskommen, weil Sie einer bestimmten Gruppe angehören, dann spricht man von einer "gläsernen Decke". Man kann diese Decke nicht sehen, aber auch nicht durchdringen.

   

Brennholz stapeln

Themen:
Hierarchie, neue Führungskräfte, Konkurrenz, Loyalität

Dschi Yän war ein Mann, der sich nicht scheute, jedem rundheraus seine Meinung zu sagen. Sogar dem Kaiser gegenüber äusserte er sich freimütig: "Majestät pflegen seine Staatsbeamten so einzusetzen, wie man Brennholz stapelt: Wer zuletzt kommt, wird am höchsten platziert."

   

Die Trompete, die Pyramide und die Zwiebel

Themen:
Hierarchie, Organisation, Flexibilität, Unternehmenskultur

Um Hierarchien zu beschreiben, gibt es eine ganze Reihe von Metaphern: Trompete: eine schlanke Führungsspitze, ein schlanker Mittelbau und ein grosser Trichter, der die Basis der Organisation bildet. Pyramide: Einer steht an der Spitze, je tiefer wir die Hierarchie herabsteigen, desto breiter wird die personelle Basis. Dabei handelt es sich um die traditionelle Form der Hierarchie. Weil sie als zu starr und zu fern von der Praxis kritisiert wurde, entwickelte man die Dienstleistungspyramide: eine Pyramide, die auf dem Kopf steht. Die traditionelle Führungsspitze befindet sich in dieser Hierarchie ganz unten. Ganz oben stehen hingegen die zahlreichen Kunden. Sie erteilen die Anweisungen; jede Hierarchieebene richtet sich nach der nächst niederen und nicht nach der höheren. Durch diese konsequente Kundenorientierung steht die Pyramide auf dem Kopf. Und doch bleiben die alten Ebenen erhalten. Sie aufzubrechen, ist die Idee der Hierarchiezwiebel: Hier gibt es eine Vielzahl von höher qualifizierten Arbeitsplätzen, die gar nicht so genau einer bestimmten Aufgabe und Ebene zugeordnet werden können. Wie bei einer Zwiebel gibt es nicht nur ein Oben und Unten, sondern auch ein Innen und Aussen. Es lassen sich noch zahlreiche andere Metaphern finden als diese drei Klassiker. Der Organisationstheoretiker Gareth Morgan schlägt vor: Pizza Quattro Stagione (flache Hierarchie, mit diversen Beilagen belegt), Spaghetti (Nudeln kleben zeitweilig aneinander) oder Joghurt (wenn man alte und neue Kultur mixt, kommt nach kurzer Zeit eine einheitliche Joghurtkultur heraus).

   

Parkinsons Gesetz

Themen:
Hierarchie, Organisation, Fristen, Projektmanagement

Der britische Historiker und Publizist Cyril Northcote Parkinson nahm Mitte des vergangenen Jahrhunderts die Arbeit in der öffentlichen Verwaltung unter die Lupe und stellte fest, dass sich die Beamten vorwiegend mit sich selbst beschäftigten und sich gegenseitig die Arbeit zuschoben. Daraus leitete er folgendes Gesetz ab, das auch auf andere Organisationen angewendet werden kann: Jede Arbeit wird genau in dem Masse ausgedehnt, wie Zeit für ihre Erledigung zu Verfügung steht.

   

Ein Wunschname

Themen:
Firmenname, Namensfindung, Strategie

Im Jahre 1924 wurde der Kaufmann Thomas Watson Präsident bei der Firma Computing Tabulating Recording Company, die alle möglichen Geräte herstellte, von Fleischwaagen bis zu Rechenmaschinen mit Lochkarten. Zehn Jahre später änderte Watson den Namen der Firma in International Business Machines (IBM), obwohl das Unternehmen damals keineswegs international agierte. Auch der Ausdruck "Business Machines" war keine vollkommen zutreffende Beschreibung der aktuellen Produktpalette. Doch die neue Benennung sollte sich als ausserordentlich glücklich erweisen, denn das Unternehmen entwickelte sich genau in diese Richtung: Es wurde international und es wurde zum Inbegriff für hochinnovative "Business Machines". Der Name ging der tatsächlichen Entwicklung voraus, es handelte sich um einen regelrechten Wunschnamen, wobei der Wunsch schon bald in Erfüllung gehen sollte.

   

Wie die Firma Lego zu ihrem Namen kam

Themen:
Firmenname, Markenname, Kundenbeteiligung, Kreativität, Zufall

Bevor die Firma Lego mit den bunten Kunststoffsteinen zu Europas grösstem Spielzeughersteller wurde, war sie eine kleine Tischlerei, ein unscheinbarer Familienbetrieb im dänischen Jütland. In seiner Freizeit hatte der Vater Ole Kirk Christiansen damit angefangen, aus dem Abfallholz Minitrittleitern und Bügelbretter für Puppenstuben zu basteln. Mitte der Dreissiger machte die Tischlerei das Holzspielzeug zu ihrem Geschäft, das zunächst noch wenig einträglich war. Immerhin sollte jedes Spielzeug der Familie Christiansen wieder zu erkennen sein und so sollte es gestempelt werden, bevor es die Werkstatt verliess. Doch der Aufdruck "Spielzeug aus der Tischlerei Christiansen in Billund" erschien etwas zu lang. Also suchte Ole Christiansen einen Firmennamen und lobte eine Flasche hausgemachten Rhabarberweins aus, die derjenige erhalten sollte, der einen griffigen Namen fand. Ob es daran lag, dass der Wein nicht so recht mundete, wissen wir nicht, auf jeden Fall ging kein einziger Vorschlag bei der Familie Christiansen ein. Also wurde Ole selbst kreativ und schuf den Namen "Lego" – als Abkürzung für das dänische "Leg godt" – auf Deutsch: "Spiel gut". Dass der Name auf Lateinisch so viel wie "ich sammle" oder "ich setze zusammen" bedeutet, wusste Christiansen nicht.

   

Die Geburtsstätte des Silicon Valley

Themen:
Firmenname, Markenname, Unternehmensgründung

Im Jahr 1938 ziehen David und Lucille Packard in ein Haus nach Palo Alto in Kalifornien. Hinter dem Haus steht eine Hütte, die Davids Kompagnon William Hewlett mietet. Hewlett und Packard arbeiten in der Garage. Hewlett und Packard haben ein Startkapital von 538 Dollar und noch keine klare Vorstellung, welche Produkte sie entwickeln und herstellen sollten. Ein Jahr später gründen die beiden eine Firma. Sie können sich nicht einigen, wie sie heissen soll: Hewlett-Packard oder Packard-Hewlett. Ein Münzwurf muss entscheiden. Das Ergebnis ist bekannt. Heute ist Hewlett-Packard einer der grössten Computerhersteller der Welt. Vierzig Jahre später übrigens wird die improvisierte Werkstatt vom Staat Kalifornien als "Geburtsstätte des Silicon Valley" unter Denkmalschutz gestellt und ist noch heute zu besichtigen.

   

Die Suche nach dem Schlüssel

Themen:
Problemlösung, Wunschdenken, Ignorieren widriger Umstände

Ein Mann kriecht neben einer Strassenlaterne auf dem Boden herum. Ein Polizist kommt vorbei. "Was machen Sie denn da?", fragt er den Mann. Der entgegnet: "Ich suche meinen Schlüssel." Der Polizist beugt sich zu ihm herunter und fängt ebenfalls an, den Boden nach dem Schlüssel abzusuchen. Doch auch der Polizist kann ihn nicht entdecken. "Und Sie sind sicher, dass Sie ihn hier unter der Laterne verloren haben?", fragt er noch einmal nach. "Nein", erwidert der Mann, "verloren habe ich ihn dahinten. Aber da ist es viel zu dunkel zum Suchen."

   

Hammermetaphern

Themen:
Effizienz, Werkzeug, Problemlösung, Kreativität, Präzision, Verhältnismässigkeit

Das Gesetz der Stärke: Wenn du es nicht schaffst, versuche es nicht mit mehr Kraft, sondern hole dir einen grösseren Hammer. Wer nur einen Hammer hat, für den sieht jedes Problem wie ein Nagel aus. (Metapher aus den USA) Wer einen Hammer hat, braucht Nägel. Der Hammer muss nur für drei Schläge treffen, der Nagel muss für immer halten. Sobald sich jemand hervortut, wird er wieder auf Linie gebracht. Wie man mit dem Hammer einen Nagel ins Brett einschlägt, solange noch der Kopf herausschaut. (Metapher aus Japan) Gebräuchliche Metaphern: Holzhammer-Methode, mit dem Holzhammer, das trifft den Nagel auf den Kopf

   

Weitere Werkzeuge

Themen:
Methode, Problemlösung, Werkzeuge, Zweckentfremdung, Verhältnismässigkeit der Mittel

Man kann mit einer Kneifzange keine Schrauben festdrehen. Kein Messer hat an beiden Seiten eine Klinge. (Sprichwort aus China) Der edle Mensch ist kein Instrument, das nur einem Zweck dient. (Konfuzius)

   

Herkules und die Ställe des Augias

Themen:
Lösungssuche, Kampf gegen unsaubere Verhältnisse, Grossprojekt, Business Reengineering, Zusatzvereinbarung, Abzocken, technische Hilfsmittel

Augias war ein Sohn des Sonnengottes Helios und besass wie sein Vater riesige Rinderherden. Die Ställe waren so verschmutzt, dass sie unbrauchbar geworden waren. Herkules sollte die dreckigen Ställe an einem einzigen Tag reinigen. Das war sein Auftrag. Zusätzlich verhandelte er mit Augias und verlangte für seine Dienste ein Zehntel der Herde. Augias war einverstanden. Herkules schlug Löcher in die Stallmauern und leitete den Fluss Alpheios durch die Stallungen. Noch vor Einbruch der Nacht verschloss er die Löcher wieder. Die Stallungen waren sauber. Herkules bekam für seine Arbeit allerdings keinen Lohn. Denn Augias weigerte sich, ihm seine Rinder zu geben. Immerhin habe Herkules ja im Auftrag gehandelt und sei deswegen gar nicht berechtigt, dafür noch eine Belohnung zu verlangen. Aber auch sein Auftraggeber Eurystheus wollte ihm diese Arbeit nicht anrechnen, weil er sich dafür entlohnen lassen wollte.

   

Die Eingeschlossenen

Themen:
Problemlösung, Kreativität, Offenheit, einfache Lösung, Notlage, Versuche

In London wollten einige Teenager eine Fete feiern. Vier hatten sich vorher getroffen, um alles vorzubereiten, die Musikanlage aufzubauen, die Möbel umzustellen sowie Bier und Snacks vom Dachboden zu holen. Dort hatten die Freunde nämlich die feste und flüssige Nahrung versteckt, denn die Eltern des Gastgebers waren am Vortag in den Urlaub gefahren und sollten möglichst nichts von der Fete mitbekommen. Die vier stiegen auf den Speicher, und zwar alle gemeinsam, denn es gab ja viel zu tragen. Mit einem grossen Knall fiel plötzlich die Dachbodenluke zu. Die Freunde zuckten vor Schreck zusammen. Stephen, einer der Jugendlichen, drückte gegen die Luke. Sie liess sich nicht mehr öffnen. Allgemeines Entsetzen. Der nächste drückte gegen die Luke. Vergeblich. Nacheinander versuchten es alle, mal mit mehr, mal mit weniger Kraft. Doch die Luke ging einfach nicht mehr auf. Die vier mussten sich an den Gedanken gewöhnen, dass sie hier aus eigener Kraft nicht mehr herauskamen. Immerhin hatte einer ein Handy dabei. Die Rettung, dachten sie. Sie versuchten ihre Eltern anzurufen. Doch es klappte nicht. Egal, welche Nummer sie eingaben, sie bekamen keinen Funkkontakt. "Das gibt es doch gar nicht!", rief Ali, einer der Freunde. "Wir sitzen hier mitten in London auf einem Dachboden und sind von der Umwelt abgeschnitten!" Irgendwann klingelten die Gäste. Weil sich in dem Haus nichts rührte, dachten sie, die Fete falle wohl aus, und zogen wieder ab. Die vier auf dem Dachboden begannen sich über die Vorräte herzumachen. Immerhin gab es reichlich Bier, Wurstbrote und Chips. Nach ein paar Stunden bereiteten sie sich ein improvisiertes Nachtlager und schliefen ein. Am nächsten Morgen mussten sie feststellen, dass all das kein böser Traum war – sie sassen immer noch auf dem Dachboden fest. Die Stunden dehnten sich. Sie versuchten es noch einmal mit dem Handy. Doch auch diesmal bekamen sie keinen Funkkontakt. So langsam machte sich Verzweiflung breit. Wie lange würden sie es hier aushalten? Wann würde man sie entdecken? Ob die Polizei schon nach ihnen suchte? Immerhin waren ja drei der vier in der Nacht nicht nach Hause gekommen. Aber nichts geschah. Irgendwann wurde es wieder Abend, die Nacht brach herein. Da erhob sich Stephen und sagte: "Diese verdammte Luke muss sich doch irgendwie öffnen lassen." Er ging zur Luke, fasste den Griff und anstatt dagegen zu drücken zog er daran. Und siehe da: Ohne Schwierigkeit liess sich die Luke öffnen. Insgesamt 27 Stunden hatten die vier auf dem Dachboden verbracht.

   

Die Ameise und die Feder

Themen:
Problembeschreibung, Erklärung, Wahrheit, Erkenntnis, Sinn, Ursachenanalyse

Eine Ameise verirrte sich eines Tages auf ein Blatt Papier und sah eine Feder, die schwarze Striche schrieb. "Wie wunderbar das ist!", sagte die Ameise. "Dieses bemerkenswerte Ding mit einem eigenen Leben macht Schnörkel auf diese schöne Fläche, in einem solchen Ausmass und mit solcher Energie, die den Anstrengungen aller Ameisen der Welt gleichkommt. Und die Schnörkel, die es macht! Sie sehen aus wie Ameisen, nicht wie eine, sondern Millionen, die alle zusammenlaufen." Sie gab ihre Vorstellungen an eine andere Ameise weiter, die gleichermassen interessiert war. Sie lobte die erste Ameise dafür, dass sie so gut beobachtet und nachgedacht hatte. Doch eine dritte Ameise sagte: "Ich gebe zu, deine Bemühungen sind mir zugute gekommen, als ich dieses seltsame Ding beobachtete. Doch ich habe festgestellt, dass es nicht Herr seiner eigenen Arbeit ist. Du hast übersehen, dass diese Feder noch mit anderen Dingen verbunden ist, die ihm die Richtung weisen. Diese sind die treibende Kraft." So entdeckten die Ameisen die Finger. Etliche Zeit später krabbelte die Ameise über die Finger und entdeckte, dass sie eine Hand bildeten. Sie machte sich gleich daran, die Hand gründlich zu erforschen, indem sie ausgiebig auf ihr herumkrabbelte. Sie kehrte zu ihren Artgenossinnen zurück. "Ameisen!" rief sie, "ich habe eine wichtige Neuigkeit für euch. Die Finger gehören zu einem grossen Ding. Das grosse Ding steuert die Finger und sorgt somit für die schönen Schnörkel." Aber auch das war noch nicht die letzte Erklärung. Die Ameisen entdeckten nach und nach, dass die Hand mit einem Arm verbunden war und der Arm mit einem Körper. Sie fanden den Kopf, den Bauch, die Füsse. Was die Buchstaben allerdings bedeuten, das haben die Ameisen bis auf den heutigen Tag nicht herausgebracht.

   

Der kleine Kratzer am Knie

Themen:
Problemlösung, Eskalation, Konflikte, Gelassenheit, Überbewertung

Bei einem Spaziergang blieb ein Edelmann kurz in einem Dornbusch hängen. Es tat nicht weiter weh und weil er es eilig hatte, setzte er schnell seinen Weg fort, ohne weiter darüber nachzudenken. Doch als er am Abend sein Knie besah, entdeckte er einen Kratzer. Der war zwar klein, doch immerhin, es war ein wenig Blut geflossen. "Da muss Salbe drauf", sagte sich der Edelmann und liess seinen Diener kommen. Es war zwar nur ein kleiner Kratzer, aber wenn man mit dem Finger drüberstrich, tat es sogar ein bisschen weh. In der Nacht wachte der Edelmann auf. Er fasste an sein Knie. Der Kratzer war immer noch da. Ja, er juckte sogar ein wenig. Er sah hässlich aus, dieser Kratzer. Der Kratzer fing an ihn zu stören. Der Kratzer sollte weg. Er strich mit dem Finger über den Kratzer. Der Schorf löste sich schon etwas. Den Rest der Nacht verbrachte der Edelmann damit immer wieder an seinem Kratzer herumzupulen. Am nächsten Morgen hatte sich sein Zustand verschlechtert. Er liess einen Arzt rufen. Der besah sich den Kratzer genau und verschrieb eine Medizin. Um kein Risiko einzugehen, sollte der Edelmann lieber im Bett bleiben. Da lag er nun und dachte ständig nur an diesen Kratzer. Immer wieder musste er sich den Kratzer anschauen und obwohl er wusste, dass das gar nicht gut war, fasste er immer wieder mit den Fingern an den Kratzer. Nach drei Tagen hatte sich der Kratzer entzündet. Das Knie war angeschwollen. Der Arzt verkündete mit sorgenvoller Miene: "Wir müssen das Bein amputieren."

   

Das achtzehnte Kamel

Themen:
Problemlösung, Bezugsrahmen, Katalysator, Mitarbeiterführung, Unternehmensberatung, Mediator

Ein Mullah ritt auf seinem Kamel nach Medina. Unterwegs stiess er auf drei Männer, die neben einer Gruppe von Kamelen standen und niedergeschlagen auf die Erde starrten. "Was ist mit euch?", fragte der Mullah, "warum seid ihr so traurig?" "Ach, unser Vater ist gestorben", entgegnete der älteste der drei. "Allah möge ihn segnen", sagte der Mullah, "das tut mir Leid für euch. Aber er hat euch doch bestimmt etwas hinterlassen?" – "Das ist es ja", sagte der zweite, "unser Vater hatte diese siebzehn Kamele. Das ist alles, was er hatte." – "Siebzehn Kamele? Das ist doch nicht wenig! Da braucht ihr doch nicht so trübsinnig zu sein!" – "Wir haben aber ein Problem", sagte der älteste. "Unser Vater hat verfügt, dass ich als der älteste die Hälfte seines Besitzes bekomme, mein jüngerer Bruder ein Drittel und der jüngste von uns ein Neuntel. Wir haben schon alles versucht, die Kamele aufzuteilen, aber es geht einfach nicht. Wir können sie ja nicht in der Mitte durchschneiden." Der Mullah überlegte einen Augenblick, dann hellte sich seine Miene auf und er sagte: "Ich glaube, ich weiss, wie ich euch helfen kann. Nehmt für einen Augenblick mein Kamel und lasst uns sehen, was geschieht." Nun waren es achtzehn Kamele. Die Hälfte davon, also neun, bekam der Älteste. Neun Tiere blieben übrig. Ein Drittel von achtzehn sollte der Zweitälteste bekommen, an ihn gingen sechs. Da blieben noch drei Tiere übrig. Ein Neuntel war für den Jüngsten, das waren zwei Kamele. Es blieb ein Kamel übrig, das Kamel vom Mullah. Er stieg wieder auf, ritt weiter und winkte den Brüdern zum Abschied zu.

   

Guter Rat mit Salat

Themen:
Ratschläge, Problemlösung, Zufall, Irrtum

Ein Student suchte tagelang eines seiner Bücher und konnte es nicht finden. Nun ass er zufällig einmal Salat, drehte sich um und entdeckte mit einem Mal das gesuchte Buch in der Ecke. Später traf er einen Freund, der sich beklagte: "Ich habe alle meine Kleider verloren." Da gab der Student den Rat: "Sei doch nicht traurig. Du musst einfach nur einen Salat kaufen, ihn aufessen und in die Ecke schauen. Dort wirst du deine Kleider dann finden."

   

Der Cargo-Kult

Themen:
Weltbild, Zusammenhänge, Kausalität, Problemlösung, Nachahmung

Während des Zweiten Weltkriegs entstand unter den Ureinwohnern von Papua-Neuguinea ein so genannter "Cargo-Kult" – benannt nach der Luftfracht, die von Flugzeugen der Amerikaner auf die Inseln gebracht wurde. Die Eingeborenen hatten beobachtet, wie grosse Silbervögel (nämlich die Flugzeuge) vom Himmel donnerten, um nützliche und wertvolle Güter zu bringen. Die Eingeborenen sahen sich genau an, wie das vor sich ging. Später bauten einige von ihnen Nachbildungen von Landebahnen, errichteten aus Holz Attrappen von Funktürmen – und warteten geduldig darauf, dass nun ihre eigenen Silbervögel landen würden.

   

Entschädigung

Themen:
Schadensersatz, Gerechtigkeit, Preispolitik

Christoph Willibald Gluck war zu seiner Zeit ein Star, wenn auch ein heftig umstrittener. Mit seinen "Reformopern" hat er auf das Musikdrama einen ähnlich starken Einfluss ausgeübt wie hundert Jahre später Richard Wagner. Eines Nachts spazierte der Komponist durch die Strassen von Paris. Er summte eine Melodie vor sich hin und schwenkte dabei übermütig seinen Stock. Doch aus Versehen traf er dabei eine Fensterscheibe und zerschlug sie. Der Wohnungsinhaber kam sofort heraus und verlangte 30 Sous Schadensersatz. Da der Komponist nur ein grosses Geldstück bei sich hatte, gab er dies dem Geschädigten. Auf dessen Einwand, dass er nicht herausgeben könne, schlug Gluck mit dem Stock noch weitere Scheiben ein und beschied dem Bewohner: "Jetzt sind wir quitt!"

   

Zwei Männer im Kamin

Themen:
Problemlösung, Erklärungsversuche, Fragestellung, Plausibilität, Ursachenanalyse, Abweichungen

Ein Mann kommt zum Rabbi: "Rabbi, was ist Talmud?" – "Nun, ich werde Ihnen vier Fragen stellen, um es Ihnen zu erklären", sagt der Rabbi. Der Mann wundert sich ein wenig, doch will er es natürlich wissen: "Wie lautet die erste Frage?" "Zwei Männer rutschen einen Kamin herunter. Der eine kommt mit einem sauberen Gesicht heraus, der andere mit einem schmutzigen. Wer von beiden wäscht sich das Gesicht?" "Natürlich der mit dem schmutzigen Gesicht." "Falsch. Es ist doch so: Der mit dem schmutzigen Gesicht sieht den mit dem sauberen Gesicht und glaubt, sein Gesicht sei auch sauber. Der mit dem sauberen Gesicht sieht den mit dem schmutzigen Gesicht und meint, seines sei auch schmutzig. Also wäscht er sich sein Gesicht." "Aha. Und wie lautet die nächste Frage?" "Zwei Männer rutschen einen Kamin herunter. Der eine kommt mit einem sauberen Gesicht heraus, der andere mit einem schmutzigen. Wer von beiden wäscht sich das Gesicht?" "Das hatten wir doch eben schon. Der mit dem sauberen Gesicht." "Falsch. Es ist doch so: Der mit dem sauberen Gesicht wäscht sich das Gesicht. Das sieht der mit dem schmutzigen Gesicht und fragt sich: Wieso wäscht der sich das Gesicht? Natürlich weil er gesehen hat, dass ich ein schmutziges Gesicht habe. Also merkt der mit dem schmutzigen Gesicht, dass er sich waschen muss. Also waschen sich beide das Gesicht." "In Ordnung. Und wie lautet die dritte Frage?" "Zwei Männer rutschen einen Kamin herunter. Der eine kommt mit einem sauberen Gesicht heraus, der andere mit einem schmutzigen. Wer von beiden wäscht sich das Gesicht?" "Beide waschen sich das Gesicht." "Falsch. Es ist doch so: Der mit dem schmutzigen Gesicht sieht den mit dem sauberen und denkt: Mein Gesicht ist sauber, ich brauche mich nicht zu waschen. Der mit dem sauberen Gesicht sieht den mit dem schmutzigen Gesicht und er sieht, dass er sich nicht wäscht. Da denkt er: Na, wenn der sich nicht mal wäscht, dann brauche ich mich auch nicht zu waschen. Also wäscht sich keiner von beiden." "Gut, gut, ich habe verstanden. Dann stellen Sie mal die letzte Frage!" "Zwei Männer rutschen einen Kamin herunter. Der eine kommt mit einem sauberen Gesicht heraus, der andere mit einem schmutzigen. Wer von beiden wäscht sich das Gesicht?" "Keiner." "Falsch. Es ist doch so: Wie soll es möglich sein, dass zwei Männer denselben Kamin herunterrutschen – und der eine kommt mit einem sauberen und der andere mit einem schmutzigen Gesicht heraus? Sehen Sie – das ist Talmud."

   

Das Glas Milch

Themen:
Kooperation, Einzelkämpfer, Problemlösung, Problemdefinition, Egoismus

Nasrudin und ein Freund wanderten eine staubige Strasse entlang. Sie kamen an einen Laden. "Lass uns hier etwas zu trinken kaufen", schlug Nasrudin vor. Die beiden Freunde leerten ihre Taschen aus und stellten fest, dass ihr Geld gerade ausreichte, um gemeinsam ein Glas Milch zu kaufen. Das taten sie auch. Der Freund sagte: "Trink du deinen Anteil zuerst. Ich habe noch eine kleine Prise Zucker bei mir. Die will ich in meinen Anteil hineintun." – "Tu ihn doch gleich hinein", schlug Nasrudin vor, "dann haben wir beide etwas davon." Der Freund schüttelte den Kopf: "Nein, es ist nicht genug Zucker, um das ganze Glas zu süssen." Nasrudin ging noch einmal in den Laden und kam mit einem Salzstreuer zurück. "Ich habe die Lösung, mein Freund. Ich trinke meine Hälfte mit Salz. Und es ist genug für das ganze Glas da."

   

Herkules und die Hydra

Themen:
Problemlösung, isolierte Gegenmassnahmen, Teilprobleme, Ideenfindung, Teamarbeit

Herkules’ Aufgabe Nummer zwei: Er sollte die Lernäische Hydra töten, eine Wasserschlange mit Hundekörper und vielen, vielen Köpfen, die eine unangenehme Eigenschaft besassen: Schlug man einen Kopf ab, wuchsen zwei neue nach. Obendrein besass die Hydra neben ihren zahlreichen "sterblichen" Köpfen noch einen "unsterblichen". Herkules löste das Problem, indem er seinen Neffen Iolaos zur Hilfe rief. Immer wenn Herkules einen Hydrakopf mit dem Schwert abgeschlagen hatte, sollte Iolaos den Halsstumpf mit einer Feuerfackel ausbrennen. Nachdem alle sterblichen Köpfe abgeschlagen waren, blieb nur noch der unsterbliche übrig. Den hieb Herkules mit einem mächtigen Schlag ab und begrub ihn unter einem Felsen. Anschliessend schnitt er den Körper der Hydra auf und entnahm ihm sein Gift, um seine Pfeile hineinzutauchen. Die Arbeit wurde Herkules aber nicht angerechnet, weil er sich von einem anderen dabei hatte helfen lassen.

   

Furcht und Glauben

Themen:
Irrationalität, Angst, Entscheidungen

Im Salon der Schriftstellerin Marquise Marie du Deffand trafen sich im 18. Jahrhundert zahlreiche Grössen des Geistes und der Politik. Es war das Zeitalter der Aufklärung und der Vernunft, gleichzeitig kamen aber auch spiritistische Sitzungen und allerlei Geisterbeschwörungen sehr in Mode. Und so wollte man eines Tages von der Marquise wissen, ob sie an Geister glaube. "Nein, ich glaube nicht an Geister", erwiderte die Gastgeberin. "Aber ich habe Angst vor ihnen."

   

Individuelle Kochrezepte

Themen:
Patentrezepte, Best practices, vorgefertigte Lösungen, Problemanalyse, tieferes Verständnis, Experimentieren

Rezepte sind zwar hilfreich, jedoch nur bis zu einem gewissen Punkt. Wer wirklich gut kochen will, für den können Kochrezepte regelrecht ein Hindernis darstellen. Wie Bill Backer, leitender Kreativdirektor einer Werbeagentur, ausführt: "Bei allem Respekt für die Meisterköche, die uns ihre Rezepte verraten, – sie können einem nur beibringen, wie man ihr Soufflé macht. Wenn Sie Ihr eigenes Soufflé zubereiten wollen, müssen Sie zunächst einmal verstehen, warum Eier und Mehl zu einer lockeren Masse aufgehen oder nicht, wenn man damit bestimmte Dinge anstellt. Und dann müssen Sie Ihre eigenen Theorien entwickeln. Auf dieser Grundlage können Sie dann Ihre eigenen Gerichte zubereiten."

   

Die Jagd auf den gefesselten Hasen

Themen:
Misserfolg, Hilfestellung, leichte Aufgabe, Inkompetenz

Der französischer Schriftsteller Henri Murger, Autor der "Bohème", war ein leidenschaftlicher, aber nicht sich sehr erfolgreicher Jäger. Oftmals ging er bei den Jagden leer aus. Ein Bauer hatte deshalb Mitleid und schenkte ihm einen lebenden Hasen, der in einem Käfig sass. Den sollte Murger totschiessen und als Jagdtrophäe seinen Freunden präsentieren. Murger holte den Hasen aus dem Käfig, band ihn an einem Baum fest, lud sein Gewehr durch und schoss. Doch traf er nicht den Hasen, sondern zerschoss die Schnur. Der befreite Hase lief davon.

   

Der Mann mit der Laterne

Themen:
Perspektivenwechsel, Wahrnehmung, Problemdefinition, Kreativität, Teamarbeit, Kooperation

Ein Mann verirrt sich im Wald. Es dämmert schon und mit zunehmender Dunkelheit wird er immer nervöser. Schliesslich sieht er in der Ferne ein Licht und geht darauf zu. Das Licht gehört einem Mann, der eine Laterne hochhält. Der Verirrte sagt: "Da bin ich aber froh, dass ich Sie gefunden habe. Ich habe mich nämlich verirrt und hatte schon Sorge, dass ich mich in der Dunkelheit gar nicht mehr zurechtfinden würde. Aber jetzt ist ja alles in Ordnung, denn Sie können mir ja zeigen, wie ich wieder aus dem Wald herauskomme." – "Es tut mir leid", erwidert der Mann mit der Laterne, "aber ich habe mich auch verirrt." Der erste Mann seufzt: "Na ja, dann lassen Sie uns gemeinsam weitergehen. Ich glaube, wir gehen am besten in diese Richtung!" Der Mann will losgehen, doch der andere hält ihn fest. "Warten Sie", sagt er. "Ich kann nicht so schnell. Ich bin blind." Der andere schüttelt verständnislos den Kopf: "Wieso haben Sie dann eine Laterne – wenn Sie gar nichts sehen können?!" Der Mann mit der Laterne erwidert: "Ganz einfach. Damit Sie mich sehen können."

   

Kettenreaktion

Themen:
Problemlösung, Entscheidungen, Zerstreutheit, Automatismus, Routine

Der Mathematiker David Hilbert hatte abends Gäste im Haus. Als die Abendgesellschaft begann, kam Hilbert die Treppe herunter, jedoch ohne Krawatte. Seine Frau bemerkte es gerade noch rechtzeitig und schickte ihn sofort wieder ein Stockwerk höher, um sich einen Schlips umzubinden. Sie wartete, die Gäste warteten, doch wer nicht kam, war David Hilbert. Nach einer Dreiviertelstunde ging sie schliesslich ins Obergeschoss und sah ins Schlafzimmer. Da lag Hilbert seelenruhig im Bett und schlief. Was war geschehen? Hilbert war die Treppe hinaufgestiegen, ins Schlafzimmer gegangen, und hatte begonnen, sich die Jacke auszuziehen. Ganz in Gedanken hatte er sich dann immer weiter ausgezogen, den Pyjama angezogen, und war – nichts natürlicher als das – ins Bett gegangen. Gäste und Abendgesellschaft hatte er vollkommen vergessen.

   

Vor dem Gesetz

Themen:
Problemlösung, Lebensaufgabe, Gehorsamkeit, Autorität

Vor dem Gesetz steht ein Türhüter. Zu diesem Türhüter kommt ein Mann vom Lande und bittet um Eintritt in das Gesetz. Aber der Türhüter sagt, dass er ihm jetzt den Eintritt nicht gewähren könne. Der Mann überlegt und fragt dann, ob er also später werde eintreten dürfen. "Es ist möglich", sagt der Türhüter, "jetzt aber nicht." Da das Tor zum Gesetz offen steht wie immer und der Türhüter beiseite tritt, bückt sich der Mann, um durch das Tor in das Innere zu sehn. Als der Türhüter das merkt, lacht er und sagt: "Wenn es dich so lockt, versuche es doch, trotz meines Verbotes hineinzugehn. Merke aber: Ich bin mächtig. Und ich bin nur der unterste Türhüter. Von Saal zu Saal stehn aber Türhüter, einer mächtiger als der andere. Schon den Anblick des dritten kann nicht einmal ich mehr ertragen." Solche Schwierigkeiten hat der Mann vom Lande nicht erwartet; das Gesetz soll doch jedem und immer zugänglich sein, denkt er, aber als er jetzt den Türhüter in seinem Pelzmantel genauer ansieht, seine grosse Spitznase, den langen, dünnen, schwarzen, tatarischen Bart, entschliesst er sich, doch lieber zu warten, bis er die Erlaubnis zum Eintritt bekommt. Der Türhüter gibt ihm einen Schemel und lässt ihn seitwärts von der Tür sich niedersetzen. Dort sitzt er Tage und Jahre. Er macht viele Versuche, eingelassen zu werden, und ermüdet durch seine Bitten. Der Türhüter stellt öfters kleine Verhöre mit ihm an, fragt ihn über seine Heimat aus und nach vielem andern. Es sind aber teilnahmslose Frage, wie sie grosse Herren stellen, und zum Schlusse sagt er ihm immer wieder, dass er ihn noch nicht einlassen könne. Der Mann, der sich für seine Reise mit vielem ausgerüstet hat, verwendet alles, und sei es noch so wertvoll, um den Türhüter zu bestechen. Dieser nimmt zwar alles an, aber sagt dabei: "Ich nehme es nur an, damit du nicht glaubst, etwas versäumt zu haben." Während der vielen Jahre beobachtet der Mann den Türhüter fast ununterbrochen. Er wird kindisch, und, da er in dem jahrelangen Studium des Türhüters auch die Flöhe in seinem Pelzkragen erkannt hat, bittet er auch die Flöhe, ihm zu helfen und den Türhüter umzustimmen. Vor seinem Tode sammeln sich in seinem Kopfe alle Erfahrungen der ganzen Zeit zu einer Frage, die er bisher an den Türhüter noch nicht gestellt hat. Er winkt ihm zu, da er seinen erstarrenden Körper nicht mehr aufrichten kann. "Was willst du denn jetzt noch wissen?", fragt der Türhüter, "du bist unersättlich." – "Alle streben doch nach dem Gesetz", sagt der Mann, " wieso kommt es, dass in den vielen Jahren niemand ausser mir Einlass verlangt hat?" Der Türhüter erkennt, dass der Mann schon an seinem Ende ist, und, um sein vergehendes Gehör noch zu erreichen, brüllt er ihn an: "Hier konnte niemand sonst Einlass erhalten, denn dieser Eingang war nur für dich bestimmt. Ich gehe jetzt und schliesse ihn."

   

Wiederholung

Themen:
Wiederholung, Erklärung, Verständnis, Überforderung

Der Dirigent Hans von Bülow setzte sich sehr stark für den Komponisten Johannes Brahms ein. Eines Abends dirigierte er dessen Erste Symphonie. Danach peinliche Stille. Niemand klatschte. Bülow wandte sich um und erklärte dem Publikum: "Meine Damen und Herren, ich habe diese Symphonie auch nicht beim ersten Mal verstanden, ich musste sie zweimal spielen, um sie zu geniessen. Und nun erlauben Sie mir, dass ich sie auch Ihnen noch einmal vorspiele." Damit erhob Bülow den Taktstock und dirigierte die gesamte Symphonie noch einmal. Danach tosender Beifall. Ein zynischer Zuhörer meinte jedoch: "Die Leute applaudieren nur, damit er sie ihnen am Ende nicht noch ein drittes Mal vorspielt."

   

Der Löwe geht jagen

Themen:
Ziele, Prioritäten, Erreichbarkeit von Zielen, Verzetteln, Konzentration auf das Wesentliche

Ein Löwe ging auf die Jagd. Da überraschte er einen Hasen im Schlaf. Als er ihn gerade verschlingen wollte, lief ein Reh an ihm vorbei. "Was gebe ich mich hier mit dem Hasen ab?", dachte der Löwe und jagte dem Reh nach. Doch das Reh war schnell, der Löwe musste seine ganzen Kräfte aufbieten, um hinter ihm herzukommen. Da entdeckte der Löwe einen Hirsch. Sofort liess er von dem Reh ab, das sofort im dichten Wald verschwand, und verfolgte den Hirschen. Der Hirsch war jedoch zu schnell für den abgehetzten Löwen. Er lief ihm davon. Da dachte der Löwe wieder an seinen Hasen und kehrte an die Stelle zurück, wo er ihn hatte schlafen sehen. Doch der Hase war verschwunden. So blieb dem Löwen keine Beute mehr.

   

Kräfte bündeln

Themen:
Konzentration, Prioritäten, Entscheidungsmanagement

Mit einem Pfeil kann man nicht zwei Ziele treffen. Sie können nicht mit einem Hintern auf zwei Pferden reiten.

   

Der Affe und die Erbsen

Themen:
Problemlösung, Prioritäten, Multitasking, Perfektionismus, Fehler, Überlastung, Entscheidungsmanagement

Ein Affe hatte beide Hände voller Erbsen. Da fiel ihm eine kleine Erbse herunter. Er beugte sich nieder, um sie aufzuheben. Dabei liess er zwanzig Erbsen zu Boden fallen. Da versuchte er, die zwanzig Erbsen aufzuheben. Als er sie greifen wollte, entglitten ihm alle Erbsen. Da wurde der Affe so wütend, dass er die Erbsen in alle Richtungen warf und davonrannte.

   

Guter Wurf

Themen:
Problemlösung, Zufall, Kreativität, Durchbruch, Erfindung

Ein berühmter griechischer Maler wollte ein Pferd darstellen, wie es abgehetzt von der Rennbahn kommt. Er hatte das Bild fast vollendet, es fehlte nur noch der Schaum an den Nüstern des Pferdes. Doch so sehr sich der Maler auch bemühte, es wollte ihm einfach nicht gelingen, diesen Schaum so darzustellen, dass es lebendig gewirkt hätte. Das machte den Maler so wütend, dass er zu dem Schwamm griff, der neben ihm lag, und ihn voller Zorn auf sein Werk schleuderte, so als wollte er es vernichten. Doch der Schwamm, der mit den unterschiedlichsten Farben getränkt war, die der Maler vorher von der Bildtafel abgewaschen hatte, landete geradewegs auf der Nase des Pferds und hinterliess dort einen Farbfleck, der genauso aussah wie der Schaum, den der Maler zuvor hatte pinseln wollen.

   

Vertrauen in Unsinn

Themen:
Kreativität, Innovation, Unsinn, Durchbruch

Der amerikanische Flugzeugkonstrukteur Burt Rutan entwickelte mit einem Team von Ingenieuren den "Voyager", ein Flugzeug, das einmal nonstop um die Welt fliegen kann, ohne aufzutanken. Viele Experten hatten vorher starke Zweifel an dem Projekt geäussert. So ein Flugzeug, hatten sie erklärt, könne es gar nicht geben. Als das Entwicklungsteam zusammenkam, erklärte Rutan den Ingenieuren: "Vertrauen in Unsinn ist verlangt."

   

Kalbskotelett à la Poscharskij

Themen:
Kreativität, Mangel, Original und Ersatz, Erfindungsreichtum, Mut

Zar Alexander II war in seiner Kutsche unterwegs. Als er Appetit bekam, liess er am nächsten Gasthof halten. Er trat mit seinem Gefolge ein und verlangte ein Kalbskotelett. Der Gastwirt, ein Mann namens Poscharskij, war bestürzt, denn er hatte kein Kalbfleisch mehr in seiner Küche. Doch als kreativer Koch wusste er sich zu helfen. Er drehte einem Huhn den Hals um, hackte das Fleisch in Stücke, briet es und garnierte es raffiniert mit einem Kotelettknochen, den ein Gast übrig gelassen hatte. Das Ergebnis servierte er dem Zaren und wartete ab, was geschehen mochte. Das Essen mundete Alexander vorzüglich, ja, er war regelrecht begeistert von dieser ungewöhnlichen Art, ein Kalbskotelett zuzubereiten. Da wagte es der Koch, seinen Schwindel zu gestehen, was aber den Enthusiasmus des Zaren keineswegs bremste. Vielmehr engagierte er Poscharskij als Hofkoch.

   

Aufforderung zum Ungehorsam

Themen:
Kreativität, Eigensinn, Ausdauer und Fleiss, Risikobereitschaft, Forschung und Entwicklung

Die amerikanische Firma 3M gilt als kreatives Vorzeigeunternehmen. So gibt es eine Regelung, dass die Angestellten 15 % ihrer Zeit an neuen Projekten arbeiten sollen, über die sie keinerlei Rechenschaft geben müssen. Vielleicht erklärt sich diese Regelung aus der Firmengeschichte. Ein junger Angestellter, Richard Drew, arbeitete an einem Projekt, das nicht so recht vorwärts zu gehen schien. Der damalige Chef von 3M, William McKnight, forderte Drew auf, das Projekt abzubrechen. Drew setzte sich einfach darüber hinweg und blieb bei seinem Projekt: ein durchsichtiges Klebeband zu entwickeln. Drews Ungehorsam sollte sich auszahlen. Aus seiner Arbeit entstand "Scotch Tape", eines der erfolgreichsten Produkte vom 3M.

   

Die sauren Früchte der Beharrlichkeit

Themen:
Forschung und Entwicklung, Kreativität, Ausdauer, Innovation, Betriebsblindheit, Irrweg

Thomas Alva Edison gilt als einer grössten Erfinder aller Zeiten. Auf den unterschiedlichsten Gebieten hat er Pionierarbeit geleistet. Über 1.000 Patente hat er angemeldet. Die Erfindung der Glühbirne mit dem Kohlefaden gehört zu den gefeierten Heldentaten menschlicher Kreativität. Sie war nur möglich, weil Edison mit atemberaubender Besessenheit die unterschiedlichsten Materialien durchprobierte und sich auch von anhaltender Erfolglosigkeit nicht entmutigen liess. Schliesslich waren seine Anstrengungen doch noch von Erfolg gekrönt. Doch das war nicht immer der Fall. So versuchte Edison aus minderwertigem Erz Eisen zu gewinnen und verfolgte die Idee bis zu ihrem bitteren Ende. Er steckte sehr viel Geld in das Projekt und erkannte nicht, dass er sich in dieser Sache auf dem Holzweg befand. Als es dann noch zu einem Preisverfall für Eisenerz kam, war die hochfliegende Idee endgültig erledigt. Für Edison auch ein finanzielles Desaster.

   

Suche das Selbstverständliche und ziehe es in Zweifel

Themen:
Kreativität, Innovation, Fortschritt, common sense, Zweifel, Skepsis

Rodney Brooks, Direktor des Artificial Intelligence Lab am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT), ist weltweit einer der führenden Experten bei der Entwicklung intelligenter Roboter. Seine Erfindungen gelten als bahnbrechend. Brooks beschreibt sein Vorgehen folgendermassen: "Während meiner Jahre als Forscher am MIT und als Fakultätsmitglied der Universität Stanford hatte ich meine eigene Problemlösungstechnik entwickelt. Ich sah mir an, wie alle anderen ein bestimmtes Problem angingen, und suchte nach der Kernannahme, in der alle so sehr übereinstimmten, dass sie nicht einmal darüber sprachen. Dann stellte ich mir vor, dass diese Kernannahme falsch wäre, und schaute, wo dieser Gedankengang hinführte. Häufig erwies sich dies als sehr nützlich."

   

Die Erfindung der Polaroid-Kamera

Themen:
Kreativität, Ideenfindung, Produktentwicklung, langer Atem, Distanz, Auszeit, Vision

Der Physiker Edwin Land gründete 1937 ein Unternehmen, das polarisierenden Kunststoff herstellte. Diesem Material gab Land den Namen Polaroid. Das Unternehmen wuchs schnell. 1943 fuhr Land mit seiner Familie nach Santa Fe in die Ferien. Er fotografierte viel und schickte die Filme gleich zum Entwickeln. Doch das dauerte seinem dreijährigen Töchterchen viel zu lange. Sie konnte es kaum erwarten die Fotos zu sehen. Edwin Land beschloss, einen längeren Spaziergang zu unternehmen und über die Sache nachzudenken. Er dachte darüber nach, wie es möglich sein könnte, die Polarisationstechnologie für die Filmentwicklung nutzbar zu machen. Während er durch die Strassen von Santa Fe wanderte, entwickelte er nach und nach das Konzept für eine Sofortbildkamera, die Polaroidkamera. Bis die Kamera auf den Markt kam, dauerte es allerdings noch einige Zeit. Sieben Jahre später war Land technisch in der Lage, nach dem neuen Verfahren Schwarzweissbilder zu entwickeln, weitere neun Jahre brauchte er für eine Farbversion. Dennoch lag das Konzept in seinen Grundzügen seit dem Ferienspaziergang fest. Und es war zeitweilig ungemein erfolgreich. Ende der 60er Jahre befand sich, so wurde geschätzt, in jedem zweiten Haushalt in den USA eine Polaroidkamera.

   

Wie man eine Zauberperle wiederfindet

Themen:
Kreativität, Ergebnisorientierung, Problemlösung, Zweckhandeln, Gelassenheit, Aha-Erlebnis

Der Herr der gelben Erde wandelte jenseits der Grenzen der Welt. Da kam er auf einen sehr hohen Berg und erblickte den Kreislauf der Wiederkehr. In diesem Moment verlor er seine Zauberperle. Er sandte Erkenntnis aus, sie zu suchen, aber er bekam sie nicht wieder. Er sandte Scharfblick aus, sie zu suchen, aber er bekam sie nicht wieder. Er sandte Denken aus, sie zu suchen, aber er bekam sie nicht wieder. Da sandte er Selbstvergessenheit aus. Selbstvergessen fand er die Perle.

   

Die Erfindung der Registrierkasse

Themen:
Kreativität, Problemlösung, Durchbruch, Innovation, Erfindung, Distanz, Transferleistung

Mitte des 19. Jahrhunderts, in der aufblühenden Handelsstadt Dayton im US-Bundesstaat Ohio führte James Ritty ein beliebtes Lokal. Zwar liefen die Geschäfte gut, doch war Ritty verärgert, denn es schien ihm regelmässig zu wenig Geld in seiner Kasse zu sein. Seine Angestellten beklauten ihn, da war er sich sicher, doch er konnte ihnen nichts nachweisen. Eines Tages unternahm er eine Schiffsreise. Da entdeckte er eine Vorrichtung am Rumpf des Schiffs, die die Umdrehung der Schiffsschraube mass. Das brachte Ritty zum Nachdenken. Daheim machte er sich daran, eine Kasse zu konstruieren, die sich nur öffnen liess, wenn man einen Zahlungsvorgang abrechnete: Die Registrierkasse war erfunden.

   

Das Ei des Kolumbus von Brunelleschi

Themen:
Kreativität, unkonventionelle Lösungen, Innovation, Selbstbewusstsein, Konkurrenz, Wettbewerb

Das berühmte Ei des Kolumbus hat einen Vorläufer: Als im 15. Jahrhundert die berühmte Kuppel des Florentiner Doms gebaut werden sollte, suchten die Stadträte nach einem geeigneten Baumeister. Zahlreiche Künstler wurden nach Florenz geladen und angehört. Die Stadträte konnten sich nicht entscheiden. Da schlug der Florentiner Baumeister Filippo Brunelleschi vor, derjenige sollte die Kuppel bauen, dem es gelänge, ein Ei auf einer Marmortafel aufzustellen. Alle versuchten das, doch niemand schaffte es. Bis Brunelleschi an die Reihe kam. Er drückte das Ei an der Spitze ein und stellte es auf. Die anderen waren empört. "Auf die Art können wir das auch." Doch Brunelleschi sagte: "Ihr wüsstet auch, wie die grosse Kuppel zu bauen wäre, wenn ihr meine Zeichnungen und mein Modell angeschaut hättet. Auf die Art könntet ihr das auch." Das überzeugte die Florentiner Stadträte und Brunelleschi bekam den Auftrag.

   

Der Traum des Herrn Kekulé

Themen:
Kreativität, Idee, Entdeckung, Innovation, Traum, Problemlösung, erfinderische Vision, Distanz, Aha-Erlebnis

Der Chemiker August Kekulé von Stradonitz beschäftigte sich mit dem molekularen Aufbau von Benzol. Er sass auf einem Stuhl vor einem prasselnden Kamin und versank in einen Dämmerschlaf. Vor seinen Augen tanzten Gruppen von Atomen. Sie waren ständig in Bewegung und wirbelten wild umher. Sie wanden und drehten sich wie Schlangen. Eine dieser Schlangen erfasste ihren eigenen Schwanz und wirbelte höhnisch vor Kekulés innerem Auge. Da durchfuhr es ihn: der Benzolring! Das war die Lösung! Wie durch einen Blitzschlag gerührt wachte er auf. Er hatte die ringförmige Struktur des Benzolmoleküls gefunden, während er vorher nur an Kohlenstoffketten gedacht hatte. "Lassen Sie uns lernen zu träumen", empfahl Kekulé seinen Wissenschaftskollegen. Ein Erlebnis, von dem Kekulé selbst berichtet hat und das für viele Entdeckungen typisch ist: Schlagartig überkommt einen die Erleuchtung, der rettende Einfall. Und zwar bevorzugt, wenn man nicht konzentriert an dem Problem selbst arbeitet, sondern etwas anderes tut. Das vorausgehende oftmals langwierige Umkreisen des Problems ist dabei keineswegs überflüssig, sondern die notwendige Vorbereitung, damit es überhaupt zum Durchbruch kommen kann. Ohne langwierige, scheinbar ergebnislose Suche gibt es keine Entdeckung.

   

Ideen reifen lassen

Themen:
Kreativität, Forschung und Entwicklung, Controlling, Geduld

William Coyne, der ehemalige Chef der Entwicklungsabteilung von 3M, warnt davor, bei kreativen Tätigkeiten zu schnell erste Ergebnisse zu erwarten: "Wer einen Samen einpflanzt, gräbt ihn auch nicht jeden Tag aus, um zu sehen, wie er sich entwickelt."

   

Wasser holen mit Ohrfeige

Themen:
Abläufe, Routine, Reihenfolge ändern, neue Lösung, Kreativität, unkonventionelles Handeln

Nasrudin drückte einem Jungen einen Krug in die Hand: "Geh und hol aus dem Brunnen ein Krug voll Wasser." Daraufhin versetzte er dem Jungen eine schallende Ohrfeige. "Und pass bloss auf, dass du ihn nicht fallen lässt!", schrie er den Jungen an. Ein Freund hatte die Sache mit angesehen und schüttelte nur verständnislos den Kopf. "Wieso schlägst du den Jungen, der doch gar nichts falsch gemacht hat?" – "Dir wäre es wohl lieber", erwiderte Nasrudin, "wenn ich dem Junge die Ohrfeige gegeben hätte, nachdem er den Krug zerbrochen hat! Dann wären Krug und Wasser verloren. Wenn ich ihm vorher die Ohrfeige gebe, vergisst der Junge seine Aufgabe nicht, und Krug und Wasser kommen wohlbehalten bei mir an." Eine Sufi-Geschichte mit dem weisen Narren Nasrudin (siehe Seite XXX), bei der es sich nicht um die etwas fragwürdige Erziehungsmassnahme dreht, sondern um die dazugehörige "Denkfigur": Nasrudin dreht die übliche Reihenfolge der Handlungen um. Üblicherweise würde der Junge die Ohrfeige bekommen, nachdem er den Krug fallen lässt. Nasrudin ohrfeigt ihn vorher, damit er ihn nicht fallen lässt. Die Ohrfeige bekommt so einen neuen Sinn. Sie ist nicht mehr Strafe, sondern Prävention. Allgemein gesprochen: Spielen Sie die üblichen Abläufe einmal in einer anderen Reihenfolge durch. Ergeben sie einen neuen Sinn? Lassen sich dadurch Ihre Ziele vielleicht besser erreichen?

   

Schmuggelware

Themen:
Tarnung, Täuschung, Erwartungen, Kreativität, Transparenz, Fokussierung

Nasrudin behauptete von sich, er sei der grösste Schmuggler des Landes. Jeden Tag ging mit seinem Esel über die Grenze, seine Lastkörbe waren hoch mit Stroh beladen. Da die Grenzwachen wussten, was Nasrudin über sich sagte, durchsuchten sie ihn jedes Mal von oben bis unten. Sie durchsuchten seine Kleider, durchsiebten das Stroh, tauchten es in Wasser, um es unbrauchbar zu machen, manchmal nahmen sie es ihm auch einfach weg und verbrannten es. Sie konnten nichts finden. Doch rätselhafterweise wurde Nasrudin immer wohlhabender. Eines Tages setzte er sich zur Ruhe. Da traf ihn ein Zollbeamter, der ebenfalls mittlerweile im Ruhestand war. "Jetzt kannst du es mir ja sagen, Nasrudin", sagte der Zollbeamte, "was hast du damals bloss geschmuggelt, dass wir dir nie irgendetwas nachweisen konnten?" Nasrudin antwortete: "Esel."

   

Trallala

Themen:
Unbekümmertheit, Improvisation, Spontaneität

Der Wiener Komiker Karl Blasel stand bis ins hohe Alter auf der Bühne. Eines Abends aber liess ihn sein Gedächtnis im Stich, er hatte ein Couplet zu singen und den Text komplett vergessen. Da fasste sich Blasel ein Herz, liess den Text sein und sang einfach: "Trallala, trallala!" In den Kulissen standen Regisseur, Inspizient und Kollegen und waren entsetzt. Als Blasel fertig war, kamen sie auf ihn zu, um ihn zu trösten. Doch der bemerkte gar nicht ihre besorgten Gesichter, sondern verkündete stolz: "Was sagt ihr bloss zu meiner Geistesgegenwart? Wann mir jetzt so das Trallala ned eingfalln wär!"

   

Improvisationstalent

Themen:
Improvisation, Vorbereitung, Spontaneität, Imagepflege

Der französische Erziehungsminister Fallières tauchte eines Tages mit einigen Professoren und Studenten beim grossen Dichter Victor Hugo auf. Die Abordnung wollte dem Meister ihre Verehrung bekunden. Hugo dankte in einer kleinen, improvisierten Ansprache, die wegen ihrer geschliffenen Formulierungen und kühnen Bilder die Zuhörer stark beeindruckte. Die Herren nahmen tief ergriffen Abschied. Da flüsterte der Dichter dem Minister ins Ohr: "Glauben Sie nicht, dass man den Zeitungen einen kurzen Bericht über die kleine Feierlichkeit geben sollte?" – "Sie haben Recht", entgegnete Fallières, der gar nicht daran gedacht hatte. "Sobald ich im Ministerium bin, werde ich einige Zeilen aufsetzen." – "Nicht nötig", sagte Hugo und händigte ihm ein Blatt Papier aus. "Hier ist der Bericht."

   

Warren Buffetts Dartscheibe

Themen:
Erfolg, Zufall, Aktien, Aberglaube

Im Vorzimmer des amerikanischen Multimilliardärs Warren Buffett hing eine Dartscheibe. Angeblich wählte er mit ihrer Hilfe seine Aktien aus. Dank seiner zielsicheren Wertpapierkäufe wurde er zum reichsten Mann der USA. Als Buffett 1994 von Bill Gates von seiner Spitzenposition verdrängt wurde, äusserte Buffett: "Die Dartscheibe funktioniert nicht mehr. Also werde ich sie Bill Gates schenken. Er soll sie behalten, dann komme ich wieder auf Platz eins."

   

Die Blinden und der Elefant

Themen:
Verständigung, Konfliktmanagement, interkulturelle Kommunikation, Objektivität, Detailwissen, Wahrnehmung

Vier Blinde wollten wissen, was ein Elefant sei. Also führte man sie zu einem. Der eine Blinde bekam den Rüssel des Elefanten in die Hände. Er meinte, der Elefant sei so ähnlich wie eine Wasserpfeife. Der zweite ertastete ein Ohr und widersprach: "Nein, ein Elefant ist so ähnlich wie ein Fächer." Der dritte erwischte ein Bein und bemerkte: "Auch das stimmt nicht, ein Elefant ist so ähnlich wie eine Säule. Der vierte schliesslich hatte seine Hände auf den Rücken des Elefanten gelegt und meinte: "Ihr habt alle Unrecht. Ein Elefant ist so ähnlich wie ein Thron." Keiner von ihnen kannte die ganze Wahrheit, sondern nur einen Teil davon. Und doch war jeder überzeugt, dass er allein Recht hatte.

   

Die Ringparabel

Themen:
Grundüberzeugungen, Meinungsverschiedenheiten, Toleranz, Respekt, Wahrheit, Perspektivenwechsel

Ein Sultan war in Geldnöten. Seine Berater sagten ihm, er sollte sich einen Vorwand suchen, um einem reichen Juden sein Geld abzunehmen. Der Sultan liess den Juden holen und stellte ihm eine heikle Aufgabe. Er solle ihm sagen, welches die beste Religion sei. Der Sultan dachte sich: "Wenn er den jüdischen Glauben nennt, sage ich ihm, dass er gegen meinen Glauben sündigt – und nehme ihm das Geld ab. Wenn er den muslimischen Glauben nennt, sage ich ihm, dass er ein Heuchler ist, weil er den jüdischen Glauben nicht aufgibt – und nehme ihm das Geld ab. Wenn er gar keine Antwort gibt, zeigt er sich ungehorsam – und ich nehme ihm das Geld ab." Der Jude überlegte eine Weile und gab dann die folgende Antwort: "Herr, es gab einmal einen alten Mann, der hatte drei Söhne. Und er hatte einen Ring mit dem kostbarsten Stein, dem besten von der Welt. Jeder der Söhne bat den Vater, ihm den Ring zu hinterlassen. Da liess der Vater einen Goldschmied kommen und sagte zu ihm: "Meister, mach mir zwei Ringe, die diesem hier genau gleichen. Und fasse in jeden Ring einen Edelstein, der diesem Edelstein genau gleicht." Der Schmied fertigte die Ringe so an, wie der Mann es ihm gesagt hatte. Keiner konnte die Ringe noch unterscheiden, nur der alte Mann. Er liess seine Söhne, einen nach dem andern, kommen und gab jedem einen Ring. Jeder der Söhne war überzeugt, den echten Ring zu haben. Doch nur der Vater wusste, wer ihn besass. Und so ist es auch mit den drei Religionen. Nur derVater im Himmel kennt den wahren Glauben. Und wir als seine Söhne sind überzeugt, wir müssten ihn besitzen." Als der Sultan das gehört hatte, wusste er nicht mehr, wie er den Juden anklagen sollte, und so liess er ihn gehen.

   

Vom zahmen Tiger und dem gefährlichen Schaf

Themen:
Interessenunterschiede, Mitarbeiterbeurteilung, Konkurrenzbeobachtung, Motive, Ignoranz, Egozentrik

Auf einer grüne Wiese am Rande einer Weide krabbeln zwei Käfer. Sie erklimmen die Spitze der Gräser und sehen sich um. Der jüngere fragt den älteren Käfer: "Was liegt denn da für ein Tier?" Der ältere erklärt ihm: "Das ist ein Tiger. Weisst du, was ein Tiger ist? Er ist das sanftmütigste aller Tiere. Nie hat er uns etwas Böses getan." Der junge Käfer nickt. Da kommt ein Schaf auf die Wiese. Augenblicklich ist der Tiger wie verwandelt. Er duckt sich im Gras und beobachtet das Schaf genau. "Oh, schau nur", sagt der ältere Käfer, "da kommt ein Schaf. Weisst du, was ein Schaf ist? Es ist eine reissende Bestie. Es frisst uns mitsamt dem Gras, das uns Unterschlupf bietet. Aber der Tiger ist gerecht. Siehst du, er bereitet sich schon darauf vor, uns zu rächen."

   

Eine Holzstatue für ein Linsengericht

Themen:
Interkulturelle Kommunikation, Materialismus, Traditionen, Umgangsformen, Respekt

Im antiken Athen machte der Dichter Diagoras von Melos (ca. 465–415 v. Chr.) von sich reden, weil er die Existenz der Götter leugnete. Er trug den Beinamen "der Atheist" und musste fluchtartig die Stadt verlassen, nachdem sein respektloses Verhalten gegenüber der Religion nicht länger geduldet wurde. Diagoras war bei einem Philosophen zum Essen eingeladen. Der bat ihn, er sollte auf den Kochtopf aufpassen, der auf dem Herd stand und in dem Linsen vor sich hinköchelten. Nun wurde das Herdfeuer aber immer schwächer. Diagoras wollte etwas Holz nachlegen. Doch er konnte kein Brennholz finden. So nahm er kurzerhand eine Herkulesstatue aus Holz, schlug sie in Stücke und fachte damit das Feuer neu an.

   

Vom Kopf auf die Füsse stellen

Themen:
Diskussion, abstrakte Vorschläge/ theorielastige Konzepte

Von Karl Marx wird gesagt, er habe die Hegelsche Philosophie "vom Kopf auf die Füsse gestellt". Aus der idealistischen Philosophie von Hegel hat Marx seinen dialektischen Materialismus abgeleitet. Nicht das Bewusstsein bestimmt das Sein, sondern das Sein bestimmt das Bewusstsein.

   

Eine Handvoll Bohnen

Themen:
Kommunikation, Wirklichkeit, Bestätigung, Überzeugungen, selffullfilling prophecy

Eine Frau liegt auf dem Sterbebett. Ihr Mann muss ihr versprechen, sich nie wieder mit einer anderen einzulassen: "Sonst werde ich dir jede Nacht als Geist erscheinen und keine Ruhe geben." Der Mann verspricht es ihr. Doch ein paar Monate nach ihrem Tod lernt er eine andere Frau kennen und verliebt sich in sie. Jede Nacht erscheint ihm nun der Geist seiner verstorbenen Frau und erinnert ihn an sein gebrochenes Versprechen. Der Geist weiss alles über ihn. Nicht nur was zwischen ihm und der anderen Frau vorgefallen ist, sondern er kennt auch seine Gedanken und Gefühle ganz genau. Verzweifelt begibt sich der Mann zu einem Zen-Meister und bittet ihn um Rat. "Eure erste Frau ist zu einem Geist geworden", erklärt der Meister. "Sie ist ein kluger Geist, Ihr solltet sie für ihren Scharfsinn bewundern. Wenn sie das nächste Mal erscheint, macht einen Handel mit ihr aus. Sagt ihr, dass Ihr die neue Frau sofort verlassen werdet, wenn sie Euch eine Frage beantworten kann." – "Was soll ich sie denn fragen?" wollte der Mann wissen. "Nehmt eine Handvoll Bohnen in die Faust und fragt sie, wie viel Bohnen in Eurer Hand sind. Wenn sie Euch das nicht sagen kann, dann wisst Ihr, dass sie Eurer Phantasie entsprungen ist." In der nächsten Nacht erscheint wieder der Geist. Der Mann schmeichelt ihm, dass er alles wisse. "Allerdings" sagt er Geist, "ich weiss auch, dass du heute beim Zen-Meister warst, um mich los zu werden." Der Mann sagte: "Weil du alles weisst, sage mir doch: Wie viel Bohnen halte ich in meiner Hand." Der Geist gab keine Antwort, denn es gab keinen Geist mehr, der hätte antworten können.

   

Pferdebeine zählen

Themen:
Bezeichnung, Diskussion, Definition, Verständigung, Täuschung, Sachlichkeit, Skepsis

Der amerikanische Präsident Abraham Lincoln fragte einmal seine Freunde: "Wie viel Beine wird ein Pferd haben, wenn man seinen Schweif Bein nennt?" – "Fünf", erwiderten die Freunde übereinstimmend. "Ihr irrt euch", sagte Lincoln, "denn auch wenn man ein Schweif Bein nennt, so wird noch immer kein Bein daraus."

   

Wer Wasser trinken will

Themen:
Transparenz, Aufrichtigkeit, Informationsmanagement, Management-Informations-System, Fehlermeldung

Die Herrscher machen einen Fehler. Sie möchten hören, was falsch gemacht wird. Offenherzige Worte jedoch wollen sie nicht dulden. Sie wollen Wasser trinken, aber die Quellen verstopfen sie. Die schlimmsten Niederlagen erleidet man durch eigene Unkenntnis.

   

Die Sandalen

Themen:
Begründung, Intuition, Entscheidung, Motive, Projektmanagement

Einige Kinder wollten Nasrudin einen Streich spielen und ihm seine Sandalen wegnehmen. Als er die Strasse entlang kam, liefen sie auf ihn zu und riefen: "Schaut einmal, Mullah, dieser Baum ist so hoch. Auf den kann niemand klettern." Nasrudin erwiderte: "Natürlich kann man da raufsteigen. Soll ich euch zeigen, wie das geht?" Die Kinder nickten eifrig. Nasrudin zog sich die Sandalen aus und wollte mit dem Klettern beginnen, da warnte ihn eine innere Stimme vorsichtig zu sein. Und so steckte er sich die Sandalen unter den Gürtel und fing an, auf den Baum zu steigen. "Warum nimmst du denn deine Sandalen mit?" fragten die Kinder enttäuscht. Da antwortete Nasrudin: "Wenn noch niemand auf diesen Baum geklettert ist, dann kann man auch nicht wissen, ob es da oben nicht vielleicht eine Strasse gibt."

   

Das Universum im Sandkorn

Themen:
Dimensionen, Vergleiche, Massstab, Absolutheitsanspruch, Relevanz

Es übersteigt bei weitem unsere Vorstellungskraft, wenn wir versuchen, uns die Grösse des Universums vorzustellen. Als grösste Masseinheit kennen wir vielleicht das Lichtjahr – jene ungeheure Strecke, die ein Lichtstrahl innerhalb eines Jahres zurücklegt. Zum Vergleich: Die Entfernung zur Sonne beträgt acht Lichtminuten. Wenn wir uns Lichtstrahlen vorstellen, die zum Zeitpunkt unserer Geburt ins All gestartet sind, so sind die noch nicht weit gekommen. Nach 50 Jahren haben sie einen Bereich durchmessen, in dem sich etwas über 1.000 Sterne befinden. Nehmen wir zum Vergleich die Geburt Jesu, die schon ein wenig länger her ist. Der Bereich, den die Lichtstrahlen seitdem zurückgelegt haben, umfasst nicht einmal ein Zweihundertmillionenmillionstel aller Sterne im Universum. Zwischen den Sternhaufen und Galaxien liegt ein unermesslich grosser leerer Raum. Isaac Asimov hat dafür einen eindrucksvollen Vergleich gefunden: Nehmen wir an, die gesamte Materie des Universums wäre ein einziges Sandkorn. Dann würde sich dieses eine Sandkorn in der Mitte eines Würfels von 30 Kilometern Länge, 30 Kilometern Breite und 30 Kilometern Höhe befinden.

   

Planung mit zwei Füssen

Themen:
Entscheidungsfindung, Planung, Kompromiss, Risiko, Sicherheitsdenken, Klarheit, Selbstmanagement

Wenn Sie einen Plan machen, dann sollten Sie sich für Schwarz oder Weiss entscheiden. Ein Manager, der vorsichtshalber einen "grauen" Plan macht, ähnelt einer Person, die mit einem Halbschuh und einem Gummistiefel an den Füssen das Haus verlässt. "Warum trägst du einen Gummistiefel?", wundern sich ihre Freunde. "Vielleicht regnet es", sagt die Person. "Aber warum trägst du dann nicht zwei Gummistiefel?", wollen die Freunde wissen. Die Person antwortet: "Vielleicht regnet es auch nicht."

   

Die Landkarte

Themen:
Strategie, Leadership, Motivation, Irrtum, Führung, Team

Eine Gruppe von Wanderern geriet in den Schweizer Alpen in einen schweren Schneesturm. Sie kamen vom Weg ab und verirrten sich. Schliesslich hatten sie sich so verlaufen, dass die ersten die Hoffnung bereits aufgaben. Sie hielten an, stellten ihr schweres Gepäck ab und beratschlagten, was zu tun sei. Niemand wusste eine Antwort. Da entdeckte einer der Wanderer eine Karte in seinem Rucksack. Die Wanderer schöpften neuen Mut. Sie überlegten, wo sie sich jetzt befanden und wie sie am schnellsten ins nächste Dorf gelangen konnten. Sie machten sich auf den Weg, der Wanderer mit der Karte ging voran, die andern folgten. So erreichten sie nach zwei, drei Stunden ein kleines Bergdorf. Sie waren gerettet. Ein Bauer nahm sie auf. Die Wanderer erzählten ihm von ihrem Abenteuer und was für ein Glück sie gehabt hatten, dass einer von ihnen gerade noch rechtzeitig die lebensrettende Karte entdeckt hatte. Da sah sich der Bauer die Karte genauer an und brach in Gelächter aus: "Das ist gar keine Karte von den Schweizer Alpen, das ist eine Karte von den Pyrenäen!"

   

Fabel vom hungrigen Fuchs

Themen:
Antizyklisches Handeln, Strategie, Verhandlungen, Einkauf, Rendite, Personalsuche, Gehaltsverhandlung

"Ich bin zu einer unglücklichen Stunde geboren!", klagte ein junger Fuchs gegenüber einem alten. "Fast keiner von meinen Beutezügen will mir gelingen." Da wandte der alte Fuchs ein: "Nun, dann wird es an deinen Beutezügen liegen. Sag doch, wann machst du dich auf die Jagd?" –"Wann? Wieso wann? Natürlich wenn ich Hunger habe!", antwortete der junge Fuchs. "Wenn du Hunger hast!", sprach der alte Fuchs. "Da haben wir es! Hunger und Geschick beim Jagen schliessen sich aus. Mache deine Beutezüge, wenn du keinen Hunger hast. Du wirst sehen, dass sie dann besser gelingen."

   

Wie Termiten ihre Hügelnester bauen

Themen:
Strategie, Ziele, Projektmanagement, Selbstmanagement, Improvisation, Führung, flache Hierarchie, Changemanagement, Teamarbeit, Hidden Champions

Die Tiere suchen eine geeignete Stelle, dort sollte es eher trocken und der Boden ziemlich eben sein. Fast ein wenig wahllos tragen die Termiten Erdklümpchen herbei. So als hätte jemand zu ihnen gesagt: "Fangt einfach mal an. Nehmt, was da ist. Irgendetwas wird schon daraus werden." Allmählich entstehen mehrere Erdhügel. Das Bauprinzip ist einfach: Wo schon was ist, da wird noch mehr draufgepackt. Verklebt wird das Ganze durch Kot und Speichel. Auf diese Art und Weise werden aus den flachen Hügeln hohe Türme. Haben die Türme eine bestimmte Höhe erreicht, hören die Termiten auf daran zu bauen. Kein Termitenbau gleicht dem andern. Zwischen den Türmen ist mal mehr, mal weniger Abstand. Stehen zwei nahe genug beisammen, dann verbinden die Termiten sie an der Spitze durch einen runden Bogen. Nach und nach entsteht so ein hochkomplexer, verschachtelter Bau mit einem Höhlensystem und Gängen, die belüftet und feuchtigkeitskontrolliert sind. Manche Hügelnester sind sechs Meter hoch und dreissig Meter breit. Eine kolossale Grösse für die winzigen Termiten. Wollte man das Hügelnest auf Menschenmass umrechnen, ergäbe sich ein gigantischer Bau von 2.000 Meter Höhe.

   

Der Bauer und der Baumstumpf

Themen:
Glück, Verallgemeinerung, Zufall, Trend, Erfolg, Kernkompetenzen

Ein junger Bauer arbeitete gerade auf dem Feld, als ein Hase angelaufen kam Kopf voran gegen einen Baumstumpf rannte, der am Rande des Feldes stand. Der Hase war sofort tot. Hocherfreut hob der Bauer den Hasen auf, nahm ihn mit nach Hause und bereitete sich ein köstliches Essen. Am nächsten Tag legte er seine Feldhacke beiseite und hockte sich neben den Baumstumpf. Er hoffte, dass noch ein Hase kommen und ebenfalls gegen den Baumstumpf rennen würde. Vergebens. Und so sass er Tag für Tag am Rande des Feldes und wartete auf einen Hasen. Unterdessen wurde sein Feld vom Unkraut überwuchert.

   

Zwei Frösche am Brunnen

Themen:
Planungshorizont, Fehleinschätzung, schnelle Lösungen, Risikoanalyse, Wahrnehmung, Weitblick

Während eines heissen Sommers trocknete ein See aus. Zwei Frösche, die an dem See gewohnt hatten, mussten anderswo nach Wasser suchen. Da kamen sie an einen tiefen Brunnen. "Was sollen wir weiter suchen?", sprach der eine Frosch, "Komm, lass uns hier hineinspringen. Da haben wir Wasser!" – "Das stimmt schon", versetzte der andere Frosch. "Aber wenn das Wasser auch hier austrocknet – wie sollen wieder aus dem Brunnenloch herauskommen?"

   

Sai Weng hat ein Pferd verloren

Themen:
Ganzheitliches Denken, Vorteile und Nachteile, Planung, Gelassenheit, Zufall, Risikoanalyse

Einem alten Mann namens Sai Weng lief eines Tages sein Pferd davon. Daraufhin besuchten ihn seine Nachbarn, um ihn zu trösten. Doch zu ihrer Verwunderung war Sai Weng keineswegs niedergeschlagen. Er sagte nur: "Man kann nicht wissen, was das bedeutet. Vielleicht ist es ja ein Vorteil, dass mir mein Pferd weggelaufen ist." Wenige Tage später kehrte das Pferd von allein zurück und brachte noch ein prächtiges zweites Pferd mit. Als die Nachbarn davon hörten, dachten sie: "Wer hätte das gedacht? Der alte Sei Weng hat Recht behalten!" Und sie liefen zu ihm, um ihm zu gratulieren. Doch Sai Weng war gar nicht fröhlich, sondern sagte: "Es ist nicht unbedingt eine gute Sache, so ein prächtiges Pferd zu bekommen, ohne dafür zu bezahlen. Vielleicht bringt es sogar Unglück." Sai Weng hatte einen Sohn, der ein begeisterter Reiter war. Der setzte sich eines Tages auf das prächtige Pferd, um auszureiten. Kaum hatte er den Hof verlassen, da rannte das Pferd schnell wie ein Pfeil davon. Sai Wengs Sohn fiel herunter und brach sich das Bein. Die Nachbarn kamen wieder, um Sai Weng zu trösten. Doch war dieser vollkommen ruhig. "Man kann nicht wissen, was das bedeutet. Dass der Junge sich das Bein gebrochen hat, muss nicht unbedingt schlecht sein." Ein paar Wochen später brach ein Krieg aus. Sehr viele junge Männer wurden zum Militär eingezogen, und viele kehrten nicht zurück. Sai Wengs Sohn jedoch konnte wegen des gebrochenen Beins zu Hause bleiben.

   

Pläne eines Mönchs

Themen:
Träume, Strategie, langfristige Planung, Vision, Prognose, Voraussetzungen

Zu einem Mönch kam jeden Tag ein Kaufmann, der eine Schüssel mit Honig verzehrte – in jenen Tagen ein recht kostbares Nahrungsmittel. Der Kaufmann ass jedoch die Schüssel niemals vollständig leer, sondern liess immer etwas übrig und füllte den Rest in ein Gefäss, das er an einem Nagel an der Hüttenwand aufhängte. Wie der Mönch nun eines Tages so dalag und seinen Mönchsstab in der Hand hielt, sah er den Topf mit Honig an der Seite hängen und dachte bei sich: Ich will verkaufen, was in diesem Gefäss ist. Dafür werde ich gut und gerne einen Denar bekommen. Von diesem Geld werde ich mir zehn Ziegen kaufen. Es wird nicht lange dauern, dann werden die Ziegen trächtig. Alle fünf Monate bringen sie Nachwuchs zur Welt, kleine Zicklein, die schnell grösser werden und dann selbst Zicklein bekommen. Auf diese Weise habe ich in kurzer Zeit eine richtig grosse Herde beisammen. Der Mönch rechnete das auf einige Jahre genau aus und kam darauf, dass er es in dieser Zeit auf vierhundert Ziegen bringen konnte. Dann spann er die Idee weiter: Bei den Ziegen werde ich nicht bleiben. Ich werde sie gegen Rinder eintauschen. Je vier Ziegen gegen eine Kuh oder einen Stier. Das sind hundert Rinder. Dazu werde ich mir Land und Samen kaufen und einen Brunnen mieten. Mit den Stieren werde ich das Feld bebauen und von den Kühen werde ich Milch und Butter nehmen. Durch meinen Landbau werde ich nach fünf Jahren ein grosses Vermögen erworben haben. Damit baue ich mir ein prächtiges Haus, stelle Knechte und Mägde an und nehme mir eine schöne Frau. Die wird mir einen edelmütigen Knaben gebären. Ich werde für ihn den schönsten Namen aussuchen. Wenn er etwas herangewachsen ist, werde ich ihn unterrichten. In diesem Punkt will ich streng sein. Nimmt er meine Lehren an, dann ist es gut. Nimmt er sie nicht an, dann schlage ich ihn mit diesem Stab. Bei dieser Vorstellung holte er mit seinem Stab weit aus und traf genau das Gefäss mit dem Honig, woraufhin es herabfiel und zersprang.

   

Der Überfall des Herzogs Wu

Themen:
Strategie, Täuschung, Vertrauen, Risikovorsorge, Wettbewerb

In alten Tagen dachte Herzog Wu von Zheng daran, das Reich Hu zu erobern. Er verheiratete seine Tochter mit dem Herrscher von Hu. Dadurch wollte er diesen in Sicherheit wiegen. Eines Tages rief Wu seine Minister zusammen und sagte ihnen: "Ich möchte meine Ländereien erweitern. Welches Land sollen wir angreifen?" Ein hoher Offizier antwortete: "Wir sollten Hu angreifen." Da wurde Herzog Wu zornig. "Wie kannst du es wagen?", empörte er sich. "Hu ist ein befreundetes Land!" Daraufhin liess er den Offizier hinrichten. Davon erfuhr der Herrscher von Hu. Er glaubte, dies sei ein sicheres Zeichen dafür, dass Herzog Wu ihm freundlich gesonnen sei. Er traf keine Massnahmen gegen einen Angriff. Doch da griff Herzog Wu das Land an und besetzte es ohne Mühe.

   

Die Grundlagen einer guten Regierung

Themen:
Vertrauen, Führung

Konfuzius wurde gefragt: "Was sind die Grundlagen einer guten Regierung?" Der Meister antwortete: "Genügend Nahrung, eine ausreichend starke Armee und Vertrauen in den Herrscher." – "Wenn aber eine dieser Grundlagen aufgegeben werden müsste", fragte sein Gegenüber weiter, "welche würdet Ihr als erste opfern?" – "Die Armee", erwiderte Konfuzius. "Und wenn ihr noch eine Grundlage aufgeben müsstet, welche wäre es dann?" – "Die Nahrung", erklärte Konfuzius, "denn seit jeher müssen alle Menschen sterben. Doch ohne das Vertrauen des Volkes kann keine Regierung bestehen."

   

Tiger oder Kaninchen jagen

Themen:
Konkurrenz, Produktstrategie, Kundengewinnung

Wer im Land der Tiger Kaninchen jagen will, muss auch die Tiger im Auge behalten. Wer hingegen auf die Tiger Jagd macht, braucht sich um die Kaninchen nicht weiter zu kümmern.

   

Einzelteile

Themen:
Synergie-Effekte, Wissensmanagement, Organisation, Innovation

Nasrudin betrat den Laden eines Mannes, der allen möglichen Kram verkaufte. "Haben Sie Leder?", fragte er. "Ja, habe ich", erwiderte der Mann. "Und Nägel?" Der Mann nickte. "Und Farbe?" – "Auch Farbe", erwiderte der Mann. "Warum machen Sie sich dann nicht selbst ein Paar Schuhe?", fragte Nasrudin.

   

Der Rabe bebrütet seine Eier

Themen:
Vorbild, Positionierung im Markt, Benchmarking, best practice, Mitarbeiterführung

Der Rabe bemerkte, dass der Adler für das Ausbrüten seiner Eier ganze dreissig Tage brauchte. Da sagte der Rabe zu sich: Das ist ja interessant. Zweifellos ist das der Grund, warum die Jungen des Adlers so stark werden und so ausgezeichnet sehen. Genauso werde ich es auch machen. Und seitdem brütet der Rabe wirklich dreissig Tage lang seine Eier aus. Aber noch hat er nichts anderes ausgebrütet als – elende Raben.

   

Transparenz als Tarnung

Themen:
Unternehmensstrategie, Mitarbeiter, Transparenz, Tarnung, Konkurrenz

Wenn sich Bewohner des offenen Meers vor Feinden schützen wollen, dann können sie das auf unterschiedliche Art und Weise tun: sie können sich mit Zähnen oder Gift wehren, sie können fliehen, eine extrem kleine Gestalt annehmen, so dass sie übersehen werden, oder sie können sich tarnen. Doch wie soll man sich unter Wasser tarnen? Verstecke gibt es ja nicht. Die Lösung heisst: Transparenz. Wer durchsichtig ist, den sieht man nicht. Tatsächlich sind fast alle Meerestiere, die nicht schnell flüchten oder sich wehren können, mehr oder weniger durchsichtig, vor allem die Quallen, aber auch manche Schnecken, Krebse und Kraken. Transparent erscheinen diese Tiere allerdings nur, solange sie sich wohl fühlen. Wenn sie sterben, wird ihr Körper schnell milchig.

   

Donald Sutherlands Prinzip

Themen:
Rechtfertigung, Einfachheit, unbeabsichtigte Folgen

Der amerikanische Filmschauspieler Donald Sutherland hatte es sich zum Prinzip gemacht, keine Autogramme zu geben. Er hielt das für anmassend und für den Ausdruck schlechten Geschmacks, denn er wollte als ganz normaler Mensch wie jeder andere erscheinen. Eines Tages bekam er einen Brief, in dem ihn ein Elternpaar um ein Autogramm für ihren Sohn bat, der bald Geburtstag hatte. Sutherland setzte sich hin und verfasste einen dreiseitigen Brief, in dem er freundlich und ausführlich darlegte, warum er grundsätzlich keine Autogramme gebe. Zwei Wochen später bekam er die Antwort der Eltern. Sie bedankten sich für das Schreiben, liessen ihn aber wissen, dass sie noch nie einen so lächerlichen Brief bekommen hätten. "Wir haben Ihre Unterschrift unter dem Brief ausgeschnitten und unserem Sohn gegeben. Sie hätten sich die ganze Sache also einfacher machen können."

   

Der kunstreiche Bogen

Themen:
Perfektionismus, Verbesserung, Overengineering, Mitarbeiterführung

Ein Jäger hatte einen sehr guten Bogen aus Ebenholz, mit dem er seine Pfeile sehr weit und sehr sicher schiessen konnte. Diesen Bogen schätzte der Jäger über alles. Als er ihn aufmerksam betrachtete, dachte er bei sich: So gut wie ich mit ihm schiessen kann, so plump sieht er doch aus. Er ist vollkommen glatt, man sieht ihm gar nicht an, was für ein grossartiger Bogen er ist. Aber das lässt sich ja ändern. Und so suchte der Jäger den besten Künstler der Stadt auf und bat ihn, Bilder in den Bogen zu schnitzen. Der Künstler betrachtete den Bogen und sagte, das liesse sich wohl machen. Und tatsächlich dauerte es keine sieben Tage, da hatte der Künstler eine ganze Jagd in den Bogen hineingeschnitzt, mit Rehen und Hasen und Jägern, die den Bogen spannten. Der Bogen war wirklich sehr schön anzuschauen. Der Jäger war überglücklich, bezahlte den Künstler und ging wieder auf die Jagd. "Du hast diese Verzierung wirklich verdient, mein lieber Bogen", sagte er. Doch als er ihn zu spannen versuchte, zerbrach der Bogen. Durch die Schnitzereien hatte das Holz seine Stärke eingebüsst.

   

Das vollkommene Kamel

Themen:
Perfektionismus, Verbesserung, Ideal, Vision, Unzufriedenheit, Qualitätszirkel, Pragmatismus

Vier Gelehrte zogen mit einer Karawane durch die Wüste. Als sie am Abend zusammensassen, lobten sie die Genügsamkeit ihrer Kamele, ihre Zuverlässigkeit und ihre Kraft. Aus Dankbarkeit wollte jeder von ihnen ein Werk schaffen, um die Kamele zu preisen. Der erste Gelehrte ging in sein Zelt. Nach kurzer Zeit kam er heraus. Er hatte ein Kamel gezeichnet. Die Zeichnung war sehr gut getroffen. Der nächste ging in sein Zelt. Er blieb ein wenig länger als der erste und kam mit einer Abhandlung über den Nutzen der Kamele wieder heraus. Der dritte schrieb ein feierliches Gedicht. Dann verschwand der vierte in seinem Zelt. Die anderen drei warteten und warteten. Schliesslich legten sie sich schlafen. Am nächsten Tag fanden sie das Zelt noch immer verschlossen, ihr Gefährte liess sich den ganzen Tag nicht sehen und erschien auch am nachfolgenden nicht. Erst am fünften Tag öffnete sich sein Zelt und heraustrat ein ausgemergelter, völlig übermüdeter Mann. Mürrisch warf er ein Bündel Pergamentrollen auf den Teppich. Auf der ersten Rolle war mit grossen Buchstaben geschrieben: "Das vollkommene Kamel. Oder: Wie ein Kamel sein sollte".

   

Die besten Knopflöcher von Manhattan

Themen:
Perfektionismus, Ehrgeiz, Kernkompetenz, Meisterschaft, Mitarbeiterführung

Auch die unscheinbarste Tätigkeit kann mit höchster Meisterschaft betrieben werden – wie zum Beispiel das Verfertigen von Knopflöchern. In der New York Times erschien kürzlich ein Bericht über Melvin Reich, den führenden Knopflochhersteller Manhattans. Zu ihm kommen viele Modedesigner, die sich Knopflöcher für ihre Vorführmodelle fertigen lassen. "Wir machen Knopflöcher und Knopflöcher und Knopflöcher", sagte Reich der Zeitung. "Man denkt, das ist nichts, nur ein Knopfloch. Aber es ist etwas. Ich bin ein Fachmann wie ein Arzt." Auf die Frage, ob er sich auch mit Reissverschlüssen beschäftige, entgegnete Reich: "Reissverschlüsse sind doch etwas völlig anderes. Eine ganz andere Branche."

   

Die Grille und die Ameise

Themen:
Vorsorge, Finanzmanagement, Rücklagen, Fleiss, produktive Arbeit, Verschwendung, Akquise

Im Winter holte die Ameise einen Haufen Körner aus ihrem Bau heraus, um sie zu trocknen. Da kam eine Grille des Weges und sprach verwundert: "Wo hast du das ganze Korn her? Es ist doch Winter und es wächst schon lange nichts mehr auf dem Feld." Die Ameise entgegnete: "Ich habe das Korn im Sommer gesammelt." Die Grille nickte. Die Ameise schichtete weiter ihr Korn auf. Die Grille wurde deutlicher: "Ich bin so hungrig, liebe Ameise. Ich habe nichts zu essen. Gib mir etwas von deinem Korn. Sonst muss ich sterben." Die Ameise fragte: "Warum hast du kein Korn? Was hast du denn den ganzen Sommer über getan?" Die Grille antwortete: "Ich bin auch nicht faul gewesen. Ich habe den ganzen Sommer über gesungen." Die Ameise lachte und sagte ungerührt: "Nun, wenn du im Sommer gesungen hast, dann kannst du im Winter dazu tanzen." Daraufhin räumte sie das Getreide wieder in ihren Ameisenbau.

   

Der Apfelbaum und die Tanne

Themen:
Imagepflege, Identität, Werbung, Corporate Identity, New Economy, Beständigkeit

Hinter einem in seiner vollen Blütenpracht ausgebreiteten Apfelbaum erhob eine gerade Tanne ihren spitzen dunklen Gipfel. Zu dieser sprach jener: "Siehe, die Tausende meiner schönen muntern Blüten, die mich ganz bedecken! Was hast du dagegen aufzuweisen? Schwarzgründe Nadeln!" – "Wohl wahr", erwiderte die Tanne, "aber wenn der Winter kommt, wirst du entlaubt dastehen; ich aber werde sein, was ich jetzt bin."

   

Experten stellen Prognosen

Themen:
Zukunft, Prognose, Experten, Marktchancen, technische Machbarkeit

"Prognosen sind mit einer grossen Unsicherheit behaftet, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen." Mit dieser ironischen Bemerkung soll der deutsche Physiker Max Planck seine Skepsis gegenüber der Aussagekraft von Voraussagen zum Ausdruck gebracht haben. Und tatsächlich lagen die Experten mit ihren Urteilen und Prognosen häufig völlig falsch. So äusserte sich IBM-Chef Thomas J. Watson 1943: "Ich glaube, es gibt einen Weltmarkt für ungefähr fünf Computer." William J. Thompson, der erste Lord Kelvin, galt im 19. Jahrhundert als der angesehenste und einflussreichste britische Physiker. Ihm verdanken wir gleich drei denkwürdige Voraussagen: "Das Radio hat keine Zukunft." – "Flugmaschinen, die schwerer sind als Luft, sind unmöglich." – "Die Röntgenstrahlen werden sich als Betrug erweisen."

   

Die Expertenkommission und der elektrische Strom

Themen:
Prognose, Gremium, Experten, Innovation, Erfinder

Nicht nur der einzelne Experte schätzt die Sachlage oft falsch ein, auch der geballte Sachverstand einer ganzen Kommission kann sich täuschen. Als Thomas Alva Edison 1874 bekannt gab, er entwickle elektrisches Licht, berief das Parlament in Grossbritannien ein Expertengremium, das der Sache auf den Grund gehen sollte. Die Fachleute waren sich einig, dass es sich um eine Art Hirngespinst handeln musste, das "für unsere Freunde jenseits des Atlantiks gut genug" sei, jedoch "die Aufmerksamkeit von Männern der Praxis und der Wissenschaft" nicht verdiene.

   

Der texanische Kunstschütze

Themen:
Prognose, Experten, Statistik, Manipulation, Betrug

In der guten alten Zeit, als es noch echte Revolverhelden gab, die schneller schiessen konnten als ihr Schatten, kam ein Mann in eine kleine Stadt in Texas. Er ritt an den Häusern vorbei und entdeckte überall an den Wänden kleine Zielscheiben. Das Verblüffendste aber war, dass sie nur Volltreffer aufwiesen; der Schuss hatte jedes Mal genau in der Mitte eingeschlagen. Als der Mann weiterritt, stiess er auf einen Cowboy, der mit seinem Revolver herumhantierte. Der Mann stoppte sein Pferd und fragte: "Sagen Sie mal, wer hat denn da auf die ganzen Zielscheiben geschossen?" Der Cowboy schaute kurz hoch und antwortete: "Nun, das war ich." Der Mann war beeindruckt: "Alle Schüsse sind von Ihnen?" – "Ja, alle", sagte der Cowboy. "Wie schaffen Sie das nur, dass jeder Schuss genau in die Mitte trifft?", fragte der Mann. "Ganz einfach", sagte der Cowboy. "Zuerst schiesse ich. Dann male ich die Zielscheibe."

   

Die Entdeckung des Treibhauseffekts

Themen:
Prognose, Experten, Kompetenz, Szenariomanagement, Technikfolgen, Ursachenanalyse, Risikoanalyse

Eines der schwerwiegendsten Umweltprobleme ist die globale Klimaveränderung infolge des so genannten Treibhauseffekts. Kohlenwasserstoff und andere Treibhausgase in der Erdatmosphäre wirken wie ein Deckel und verhindern, dass die Wärme abgegeben werden kann. Die Atmosphäre heizt sich auf, mit dramatischen Folgen für das Weltklima und die Umwelt. Dieser Treibhauseffekt ist schon lange bekannt. Vor über hundert Jahren, 1897 wurde er von dem schwedischen Chemiker und späteren Nobelpreisträger Svante Arrhenius entdeckt. Arrhenius rechnete damit, dass sich die globale Temperatur um 5° C erhöhen könnte, wenn die Konzentration von Kohlenwasserstoff in der Atmosphäre entsprechend zunehmen würde. Diese Einschätzung erscheint nach heutigem Kenntnisstand durchaus nicht unrealistisch. Allerdings hielt Arrhenius diesen Effekt für eine segensreiche Sache. Er regte sogar an, ihn durch entsprechende Massnahmen herbeizuführen, also Kohlendioxid in die Atmosphäre zu blasen. Mediterranes Klima bis nach Schweden, Olivenbäume an der Nordsee, mildes Sonnenwetter, wo heute kalte Stürme brausen, das war für Arrhenius ein verlockendes Szenario.

   

Zukunftspläne 1

Themen:
(persönliche) Zukunftsplanung, Perspektiven, Optionen, Wettbewerb, Konkurrenzbeobachtung, Karriere

Bevor Dwight D. Eisenhower zum amerikanischen Präsidenten gewählt wurde, hatte er sich im Zweiten Weltkrieg als Oberbefehlshaber der Alliierten ausgezeichnet. Als er 1948 als Vorsitzender der Alliierten Streitkräfte zurücktrat, fragte ihn ein Reporter nach seinen Zukunftsplänen. "Nun, ich werde einen Schaukelstuhl auf die Veranda stellen", antwortete Eisenhower. "Dann werde ich sechs Monate sitzen. Und dann werde ich ganz langsam anfangen zu schaukeln." Vier Jahre später wurde er zum 34. Präsidenten der USA gewählt.

   

Weitblick

Themen:
Vision, Prognose, Überzeugen, Abweichungen, Controlling

Ein amerikanischer Journalist fragte Winston Churchill, über welche Eigenschaften ein Politiker verfügen sollte. Churchill antwortete: "Er muss voraussehen können, was morgen geschehen wird, was in einem Monat geschehen wird und was in einem Jahr geschehen wird. Und dann muss er die Gabe haben, überzeugend zu erklären, warum alles ganz anders gekommen ist."

   

Perlensuche

Themen:
Ziele, Strategie, Vision, Geduld, Optimismus, positives Denken

Jemand kommt ans Meer, sieht nichts als Salzwasser, Krokodile und Fische und sagt: "Wo ist denn hier eine Perle? Wahrscheinlich gibt es keine Perlen." Er wendet sich um und geht. Doch wie könnte er eine Perle finden, wenn er nur aufs Meer blickt? Sogar wenn er hunderttausend Mal das Meer Tasse um Tasse ausschöpft, wird er die Perle nicht finden. Denn sie steckt in der Tiefe in einer Muschel. Man braucht einen Taucher, um die Perle zu entdecken, aber nicht einen beliebigen Taucher, sondern einen, der geschickt genug ist und das Glück hat, eine Muschel mit Perle nach oben zu holen.

   

Der Nutzen der Leere

Themen:
Nutzen, Sinn, Begründung

Dreissig Speichen umringen die Radnabe. Wo nichts ist, liegt der Nutzen des Rads. Aus Ton formt der Töpfer den Topf. Wo er hohl ist, liegt der Nutzen des Topfs. Tür und Fenster höhlen die Wände. Wo sie leer bleiben, liegt der Nutzen des Hauses.

   

Vorbild Leitungswasser

Themen:
Unternehmensethik, Leadership, Leitbild, Vision, Marktwirtschaft

Die japanische Unternehmerlegende Konosuke Matsushita (Seite XXX) begriff wirtschaftliches Handeln als gesellschaftliche und ethische Aufgabe. Unternehmen sollten für Wohlstand sorgen – und damit meinte Matsushita Wohlstand für alle. "Die Aufgabe eines Industriellen", verkündete er seinen Mitarbeitern bei einer Betriebsversammlung, "besteht darin, die Armut zu beseitigen, die Gesellschaft insgesamt vom Elend zu befreien und sie in den Wohlstand zu führen. Die Unternehmer und Hersteller sollten es sich zum Ziel setzen, alle Produkte so unerschöpflich und billig wie Leitungswasser anbieten zu können. Wenn das verwirklicht ist, wird die Armut aus der Welt verschwinden."

   

Der Fuchs unter dem Weinstock

Themen:
Ziele, Ehrgeiz, Motivation, Selbstbetrug, Verzicht

Ein Fuchs schlich hungrig um einen Weinstock herum. Ihm lief das Wasser im Munde zusammen. An einem Zweig entdeckte er viele dicke Trauben, die dicht an dicht hingen. "Mmh, die will ich wohl haben", sagte sich der Fuchs und sprang in die Höhe, um sie zu erwischen. Doch er schaffte es nicht. Gut hundert Mal sprang er nach den Trauben, aber sie hingen einfach zu hoch für ihn. Schliesslich gab es der Fuchs auf und knurrte: "Ach was, ich will sie gar nicht haben. Denn diese Trauben sind so sauer wie Zitronen!"

   

Wünsche werden wahr

Themen:
Ziele, Wünsche, Niederlage, Erfolg, Zielerfüllung, Paradies

Ein Mann betritt das Spielcasino. Etwas ungläubig schaut er sich im prachtvollen Saal um, mit seinen glitzernden Kristalllüstern, schweren Teppichen und Büffettischen. Zögernd begibt sich der Mann an den grossen Roulettetisch in der Mitte des Saals. Er besitzt nur eine einzige Spielmarke, die er auf eine Zahl setzt. Atemlos verfolgt er die Drehung des Roulettekessels. Die Kugel fällt – er hat richtig gesetzt. Der Croupier schiebt ihm seinen Gewinn hin. Der Mann setzt erneut. Diesmal auf eine andere Zahl. Die Kugel fällt – wieder hat er richtig gesetzt. Der Mann setzt zum dritten Mal. Und zum dritten Mal gewinnt er. Dem Mann wird etwas unbehaglich. Was hat das zu bedeuten? Er spielt weiter, doch auf welche Zahl er auch setzt, er gewinnt. Der Mann wechselt den Spieltisch. Aber auch hier reisst seine Glückssträhne nicht ab. Er gewinnt jedes Spiel. Vor ihm türmen sich die Spielmarken. Schwankenden Schritts verlässt der Mann das Casino. Am nächsten Tag ist er wieder da. Und auch an diesem Tag macht er nur Gewinne. So setzt sich das die ganze Woche fort und die folgende Woche auch noch. Kein einziges Mal setzt er auf eine falsche Zahl. Die Sache ist ihm unheimlich. Das ständige Gewinnen macht ihm keinen Spass, es ist monoton und langweilig. Er spielt weiter, weil er darauf wartet, irgendwann einmal zu verlieren. Doch er wartet vergeblich. Da wendet er sich an einen der Türsteher, der so aussieht wie ein Engel am Eingang des Paradieses. "Ich habe diese ewigen Gewinne satt", beschwert sich der Mann. "Wissen Sie, ich bin für das Paradies nicht gemacht. Ich bin nicht mal ein besonders guter Mensch. Ich bin immer ein Kandidat für die Hölle gewesen. Und wissen Sie was? Genau da werde ich jetzt hingehen!" Der Türsteher schaut ihn an und sagt: "Aber genau da sind wir."

   

Zielfindung

Themen:
Entscheidung, Ziele, Vision

"Könntest du mir sagen, wo ich jetzt hingehen soll?", fragte Alice. "Das hängt ganz davon ab, wo du hinwillst", sagte die Katze. "Eigentlich ist es mir egal", sagte Alice. "Dann ist es auch egal, wo du hingehst", sagte die Katze. "Ich möchte nur gern irgendwo hinkommen!", fügte Alice als Erklärung hinzu. "Ach, irgendwohin kommst du bestimmt", sagte die Katze, "wenn du weit genug läufst."

   

Die Jagd nach dem eigenen Schatten

Themen:
Ziele, Motivation, Vergeblichkeit, Persönlichkeit

Ein Mensch geht seinem Schatten nach. Er versucht ihn zu ergreifen, doch immer wenn er die Hand nach ihm ausstreckt, weicht der Schatten zurück. Der Mensch beschleunigt seinen Schritt, läuft, rennt, der Schatten lässt sich nicht einholen. Da dreht sich der Mensch um und eilt in der Gegenrichtung davon. Doch seltsam, findet der Mensch, nun ist es der Schatten, der ihn verfolgt. So schnell er auch läuft, der Schatten lässt sich einfach nicht abschütteln.

   

Ein Schlachtross im Frieden

Themen:
Qualifizierung, Ressourcenplanung, Mitarbeiterförderung, Weiterbildung, Downsizing, Lean Management

Es war Krieg. Ein Soldat gab seinem Pferd immer gut zu fressen. Denn es musste kräftig sein und viel tragen können. Das Pferd leistete dem Soldaten gute Dienste, bis der Krieg aus war. Dann wurde das Schlachtross zum Ackergaul und bekam nur noch trockenes Heu zu fressen. Nach ein paar Jahren brach erneut ein Krieg aus. Der Soldat nahm seine Ausrüstung, holte das Pferd aus dem Stall, schnallte den Sattel auf seinen Rücken und schwang sich hinauf. Doch das Pferd war schwach geworden, so schwach, dass es den Soldaten in voller Montur nicht mehr tragen konnte. Es brach zusammen. Als der Soldat versuchte es wieder auf die Beine zu stellen, sagte es zu ihm: "Du musst zu Fuss in den Krieg ziehen. Denn als du mich nicht mehr als Schlachtross gebraucht hast, sondern nur noch auf dem Hof, hast du aus mir einen Esel gemacht."

   

Das Pareto-Prinzip (die 80/20-Regel)

Themen:
Planung, Zeitmanagement, Personaleinsatz, Warenwirtschaft, Projektmanagement, Controlling

Ende des 19. Jahrhunderts untersuchte der italienische Wirtschaftswissenschaftler und Soziologe Vilfredo Pareto die Verteilung des Volksvermögens in Italien. Er fand heraus, dass 80 Prozent davon in Besitz von 20 Prozent der Bevölkerung waren. Diese Entdeckung brachte ihn zwar nicht dazu, eine gleichmässigere Vermögensverteilung zu fordern, aber er leitete daraus ein allgemeingültiges Prinzip ab – zumal er in anderen Volkswirtschaften eine ähnliche Verteilung vorfand. Mittlerweile ist das Prinzip auf viele andere Bereiche übertragen worden. So sollen etwa bei der Lagerhaltung 20 Prozent aller Artikel 80 Prozent des Bestandswerts ausmachen. Oder 20 Prozent aller Kunden sorgen für 80 Prozent des Umsatzes. Oder mit 20 Prozent des Aufwands lassen sich bereits 80 Prozent des angestrebten Ergebnisses erreichen. Oder 20 Prozent der Verkäufer sorgen für 80 Prozent des Umsatzes (der Autor Robert Townsend behauptet sogar, dass es 90 Prozent sind, weshalb er eine "90/20-Regel" formuliert hat). Auch im Zeitmanagement finden wir das Pareto-Prinzip: 20 Prozent der aufgewendeten Zeit sorgt für 80 Prozent der Ergebnisse. Woraus sich der beunruhigende Umkehrschluss ergibt, dass wir in 80 Prozent unserer Zeit nur 20 Prozent unserer Ergebnisse zuwege bringen – ein Missverhältnis, dem wir durch besseres Zeitmanagement abhelfen sollen.

   

Die 90/90-Regel

Themen:
Planung, Innovation, Zeitmanagement, Projektmanagement

Eine originelle Parodie auf das Pareto-Prinzip ist die so genannte 90/90-Regel, die Tom Cargill, Software-Entwickler bei den AT&T Bell Laboratories aufgestellt hat. Die Regel bezieht sich zwar auf die Entwicklung eines neuen Software-Codes, jedoch ist sie wie ihr grosses Vorbild ebenfalls universell gültig. Sie lautet: "Für die ersten 90 Prozent des Software-Codes braucht man 90 Prozent der Entwicklungszeit. Für die restlichen 10 Prozent des Codes benötigt man die anderen 90 Prozent."

   

Die Hartree-Konstante

Themen:
Planung, Projektmanagement

Der Umstand, dass sich Projekte immer weiter verzögern, hat den britischen Computer-Wissenschaftler Douglas Hartree dazu inspiriert, den Sarkasmus noch ein wenig weiter zu treiben als die 90/90-Regel von Cargill. Nach leidvoller Erfahrung formulierte er die Hartree-Konstante: "Die Zeitspanne von jetzt bis zum Abschluss des Projekts nähert sich nach und nach einem konstanten Wert an."

   

Licht

Themen:
Überfluss, Ressourcenplanung, Wertschätzung, Beurteilung

Eines Tages kam Nasrudin in ein Teehaus und erklärte: "Der Mond ist nützlicher als die Sonne." Die anderen waren verwundert und fragten ihn, warum. "Ganz einfach", sagte Nasrudin, "in der Nacht brauchen wir das Licht nötiger als am Tag."

   

Noah als Projektmanager

Themen:
Projektmanagement, Portfolio-Analyse, Rückrufaktion, Qualitätsmanagement

Die Ausgangslage: Die Menschen waren schlecht. Sie blieben weit hinter den Erwartungen ihres Schöpfers zurück. Der entschloss sich, das gesamte Produktportfolio der Schöpfung rigide zu verschlanken. Nichtoptimale Wesen sollten durch die Sintflut vom Markt des Erdenlebens gespült werden. Damit vollzog der Schöpfer gewissermassen die erste "Rückrufaktion" der Weltgeschichte – und zugleich die umfangreichste. Denn nahezu alle menschlichen Wesen entsprachen nicht den neuen Qualitätsstandards. Nur Noah erfüllte alle Bedingungen. Daher entschloss sich der Schöpfer, Noah zum Ausgangspunkt einer neuen Produktgeneration zu nehmen. Dazu war es nötig, das Überleben von Noah und seiner Familie sicherzustellen. Dies sollte im Rahmen des Projekts "Arche Noah" geschehen, und Noah sollte der Projektleiter sein. Das Briefing: Gott setzte Noah davon in Kenntnis, dass er eine Neustrukturierung seiner Schöpfung plane und dass Noah dabei eine Schlüsselrolle übernehmen solle. Er informierte ihn detailliert, wie das Schiff auszusehen habe, das Noah und den Seinen das Überleben sichern sollte: Ein "Kasten aus Tannenholz" mit drei Stockwerken, 300 Ellen lang, 50 Ellen breit und 30 Ellen hoch. In dieses Schiff sollte Noah von allen "reinen Tieren" je sieben und von allen "unreinen Tieren" je zwei Exemplare schaffen, wobei darauf zu achten war, dass weibliche und männliche Tiere in einem ausgewogenen Verhältnis vertreten waren. Die Projektphase: Noah tat alles, was der Herr ihm gebot. Und das aus gutem Grund, denn die Zeit für dieses beispiellose Projekt war knapp. Es gab keine Möglichkeit zu Testläufen oder Experimenten mit Prototypen. Die "Meilensteine" waren eng gesetzt, aber klar definiert: erst Arche bauen, dann Tiere auswählen und für Proviant sorgen, schliesslich die logistische Aufgabe, alle Tiere und die Familienmitglieder rechtzeitig an Bord zu schaffen. Das Roll-out: Dank der vorzüglichen Arbeit von Noah konnten sämtliche Ziele erreicht werden. Da Gott keine Angaben über die voraussichtliche Dauer der Sintflut gemacht hatte, musste Noah für entsprechende Reserven sorgen. Nach siebeneinhalb Monaten fand sich das Schiff auf dem Gipfel des Berges Ararat wieder. Und das Wasser ging erst langsam zurück. Evaluierung: Noah hatte im Innern seiner Arche keinerlei Informationen über den Wasserstand. Daher liess er erst einen Raben und dann nacheinander zwei Tauben fliegen, um den Pegelstand zu evaluieren. Als die zweite Taube mit einem Ölblatt zurückkam, war dies ein wichtiges Indiz, dass schon wieder Pflanzen gedeihen konnten. Noah liess eine dritte Taube fliegen. Als die nicht mehr wiederkam, wartete er noch weitere sieben Tage und ging erst dann von Bord. Projektabschluss: Kein erfolgreiches Projekt ohne Abschlussritual. Und so baute Noah Gott einen Altar und brachte von allem reinen Vieh Brandopfer dar.

   

Der Aufbruch

Themen:
Ziele, Planung, Projektmanagement, Vorsorge, Neuanfang

Ich befahl mein Pferd aus dem Stall zu holen. Der Diener verstand mich nicht. Ich ging selbst in den Stall, sattelte mein Pferd und bestieg es. In der Ferne hörte ich eine Trompete blasen, ich fragte ihn, was das bedeute. Ich wusste nichts und hatte nichts gehört. Beim Tore hielt er mich auf und fragte: "Wohin reitest du, Herr?" – "Ich weiss es nicht", sagte ich, "nur weg von hier, nur weg von hier. Immerfort weg von hier, nur so kann ich mein Ziel erreichen." – Du kennst also dein Ziel?", fragte er. "Ja", antwortete ich, "ich sagte es doch: Weg-von-hier, das ist mein Ziel." – "Du hast keinen Essvorrat mit", sagte er. "Ich brauche keinen", sagte ich, "die Reise ist so lang, dass ich verhungern muss, wenn ich auf dem Weg nichts bekomme. Kein Essvorrat kann mich retten. Es ist ja zum Glück eine wahrhaft ungeheure Reise."

   

David gegen Goliath

Themen:
ungleicher Kampf, Überraschungsstrategie, Wettbewerb, Kernkompetenz, Guerilla-Marketing, der Schnelle frisst den Langsamen, Time-to-market

Die Ausgangslage: Zwei Heere stehen sich gegenüber, die Philister und die Israeliten. Aus dem Lager der Philister begibt sich ein kräftiger Vorkämpfer, Goliath, zu den Israeliten und fordert einen von ihnen zum Zweikampf heraus. Dieser Zweikampf soll die Schlacht ersetzen, denn wer den Zweikampf gewinnt, dessen Volk soll über das Volk des Verlierers herrschen. So Goliath, der seiner Zweikampfforderung noch einige Verhöhnungen hinterherschickt. Der Israeliten sind beunruhigt, denn gegen diesen gut gerüsteten Koloss rechnet sich niemand von ihnen gute Chancen aus. Der Hirtenjunge David kommt in das Lager der Israeliten, um seinen älteren Brüdern etwas Proviant zu bringen. Goliath erscheint ein zweites Mal, erneuert seine Zweikampfforderung und verhöhnt auch diesmal die Israeliten, die ängstlich vor ihm weglaufen. Der junge unerfahrene David erklärt sich bereit, gegen den riesigen Krieger Goliath zu kämpfen und spricht in dieser Sache bei seinem König Saul vor. Der will ihm die Sache erst noch ausreden: "Du kannst nicht gegen ihn kämpfen. Das ist ein erfahrener Krieger, und du bist ein kleiner Hirtenjunge." Doch David besteht darauf, den Kampf zu führen. Beim Schafehüten hätte er auch so manchen Bären und Löwen zur Strecke gebracht. Saul will den kleinen David mit Schwert und Rüstung ausstatten, aber die sind viel zu schwer für ihn. Er kann sich damit kaum fortbewegen. "Ich bin das nicht gewohnt", sagt David und legt Schwert und Rüstung wieder ab. Er verlässt sich auf seine vertrauten Waffen, sammelt fünf glatte Kieselsteine aus einem nahe gelegenen Bach und nimmt seine Steinschleuder. Dann stehen sich die Heere der Philister und der Israeliten direkt gegenüber. Auf der einen Seite der hochgerüstete Krieger Goliath mit Schwert, Lanze und Spiess, auf der anderen Seite der schmächtige, ungeschützte David. Als sie aufeinander zugehen, greift David in seine Hirtentasche, zieht die Steinschleuder und einen Stein hervor und schiesst ihn Goliath direkt an die Stirn. Noch ehe der Kampf eigentlich begonnen hat, ist er schon beendet: Goliath stürzt um, David, der ja selbst kein Schwert hat, eilt auf seinen Gegner zu, der wehrlos am Boden liegt. Er nimmt dessen Schwert und schlägt ihm den Kopf ab. Die Philister ergreifen in Panik die Flucht, die Israeliten verfolgen sie und metzeln viele von ihnen nieder.

   

Der weit gereiste Pudel

Themen:
Risiko, Mut, Waghalsigkeit, Wettbewerb

"Unsere Art ist so heruntergekommen!", beklagte sich ein Pudel, der durch viele Länder gereist war. "In einem fernen Land, das die Menschen Indien nennen, da gibt es noch richtige Hunde, meine Brüder! Ihr werdet es mir nicht glauben, und doch habe ich es mit eigenen Augen gesehen: In Indien gibt es Hunde, die sogar einen Löwen nicht fürchten, sondern mit ihm streiten." Da fragte ein älterer Jagdhund den Pudel: "Aber besiegen sie ihn denn auch, den Löwen?" – "Besiegen?", entgegnete der Pudel. "Das kann ich nicht unbedingt behaupten. Doch stellt euch mal vor, die schrecken sogar vor einem Löwen nicht zurück!" – "Nun ja", sagte daraufhin der Jagdhund, "wenn sie den Löwen nicht besiegen, so sind deine indischen Hunde bestimmt nicht besser als wir – sondern nur viel dümmer."

   

Der habgierige Hund

Themen:
Neid, Habgier, übertriebener Ehrgeiz, Optimierung, Wettbewerb, Selbstbild

Ein Hund trug ein Stück Fleisch nach Hause. Dabei musste er einen Bach überqueren. Als er vom Steg hinunter in das Wasser sah, erblickte er sein Spiegelbild. Er meinte aber, einen anderen Hund zu erblicken. Dessen Fleischstück kam ihm viel grösser vor als das, was er im Maul trug. Kurz entschlossen stürzte er sich ins Wasser, um seinem Spiegelbild das Fleischstück abzujagen. Doch dabei fiel ihm das seine aus dem Maul und trieb davon, sodass er nun gar kein Fleisch mehr hatte.

   

Wettbewerbsfähigkeit

Themen:
Wettbewerb, Konkurrenten, Marktführerschaft, Benchmarking, time-to-market

Zwei Geschäftsleute sind auf Safari. Plötzlich hören sie Trommeln aus der Ferne. Der eingeborene Führer schreit: "Ein Löwe kommt in unsere Richtung!", und verschwindet im Dickicht. Der eine der beiden Geschäftsleute setzt sich hin und zieht sich Laufschuhe an. "Was machen Sie da?", fragt ihn der andere. "Sie können doch nicht schneller laufen als ein Löwe." – "Das ist auch gar nicht nötig", entgegnet der erste, "ich muss nur schneller laufen als Sie."

   

Der Ratschlag des Krebses

Themen:
Konkurrenz, Machtspiel, falscher Rat, Dominanz, List, Vertrauen, strategische Allianz, Konflikte unter Mitarbeitern, Mobbing

In einem Wald stand ein Feigenbaum, auf dem viele Kraniche ihr Nest hatten. In einer Höhlung des Baums wohnte eine schwarze Schlange, die die jungen Kraniche aus dem Nest holte und auffrass, noch ehe sie flügge waren. Eines Tages stand nun ein Kranich, dessen Junge die Schlange gefressen hatte, am Ufer und vergoss bittere Tränen. Das sah ein Krebs: "Warum weinst du so?", frage er den Kranich. Der Kranich antwortete: "Was soll ich sonst tun? Eine schwarze Schlange hat meine Jungen aufgefressen. Kennst du irgendein Mittel, wie man diese Schlange töten könnte?" Der Krebs dachte bei sich: Der Kranich ist unser natürlicher Feind. Ich will ihm also einen Rat geben, in dem sich Wahres und Falsches mischt, und mit dem ich dafür sorge, dass er zugrunde geht. Der Krebs sprach also zum Kranich: "Mein lieber Freund! Wenn du willst, dass die Schlange getötet wird, so lege einfach der gefährlichen Wildkatze ein Stückchen Fisch vor den Eingang ihrer Höhle. Und dann legst du weitere Stückchen auf den Weg, um die Katze zum Feigenbaum zu führen. Das letzte Stückchen legst du direkt vor die Höhle, wo die Schlange wohnt. Dann wird die Wildkatze die Schlange finden und töten." Der Kranich folgte dem Rat des Krebses. Tatsächlich dauerte es nicht lange, bis die Wildkatze zum Baum kam, die Schlange entdeckte und tötete. Doch frass die Katze auch alle Kraniche auf, die in den Zweigen nisteten.

   

Der Esel und das Jagdpferd

Themen:
Ausflüchte, Selbstbild, Stärken-Schwächen-Analyse, Benchmarking, Ursachenanalyse, Kritikgespräch

Ein Esel kam auf die wunderliche Idee, mit einem Jagdpferd um die Wette zu laufen. Alle anderen Tiere schüttelten nur den Kopf, doch der Esel bestand auf dem Rennen. Wie nicht anders zu erwarten, lief das Jagdpferd auf und davon. Es war längst angekommen, als der arme Esel unter dem Gelächter der anderen Tiere mit hängender Zunge ins Ziel trabte. "Ich weiss wohl, woran es gelegen hat", erklärte der Esel später, "ich habe mir vor ein paar Monaten einen Dorn in den Fuss getreten – und der schmerzt mich immer noch."

   

Hannibal und die Schlacht bei Cannae

Themen:
Strategie, Taktik, Führungsverantwortung, Ausnutzen von Erfolgen

Im zweiten punischen Krieg brachten die Katharger den Römern bei der Schlacht von Cannae eine der schlimmsten Niederlagen bei. Zuvor war ihr Heerführer Hannibal mit seinen Truppen und 37 Kriegselefanten über die Pyrenäen und die verschneiten Alpen gezogen. Zwei kleinere Schlachten gegen die römischen Truppen hatten die Karthager bereits gewonnen, als sie bei Cannae auf 16 römische Legionen mit über 80.000 Soldaten trafen. Die Karthager hatten nicht einmal halb so viel Soldaten. Allerdings kannte Hannibal die Taktik der Römer. Er wusste, die Fusssoldaten würden in geschlossenen Linien marschieren und die Kavallerie würde die Flügel verstärken. Hannibal platzierte seine Soldaten so, dass er seine stärksten Streitkräfte auf die Flügel setzte, während die Soldaten in der Mitte die römischen Truppen hauptsächlich aufhalten sollten. Die Karthager umrundeten das römische Heer und schlossen es schliesslich ein. So waren die römischen Truppen bewegungsunfähig. Das Ergebnis war eine vernichtende Niederlage. 48.000 Soldaten wurden auf dem Schlachtfeld hingemetzelt. Der Karthager Mahabal, Befehlshaber der Kavallerie, verlangte von Hannibal, weiter nach Rom zu marschieren, das nur 70 Kilometer entfernt lag. Doch Hannibal weigerte sich. Er wollte abwarten, wie der Sieg in Karthago aufgenommen wurde. Mahabal sprach daraufhin die Worte, die in die Geschichte eingegangen sind: "Die Götter haben nicht alle Fähigkeiten einem einzigen Mann gegeben. Hannibal, du weisst, wie man eine Schlacht gewinnt, aber du weisst nicht, wie man einen Sieg ausnutzt." Hannibal blieb mit seinen Truppen einige Jahre in Italien, doch weil die Unterstützung aus der Heimat ausblieb, geriet er mehr und mehr in die Defensive. Als er dann wirklich mit seinen Truppen nach Rom vorstiess, war es zu spät. Nach und nach eroberten die Römer die verlorenen Gebiete zurück. Hannibal wurde nach Karthago zurückgerufen.

   

Kriegsmetaphern

Themen:
Wettbewerb, Strategie, Taktik, Mitarbeiterführung, Motivation

Der Beweis von Heldentum liegt nicht im Gewinnen einer Schlacht, sondern im Ertragen einer Niederlage. (David Lloyd George) Der Feind darf nicht erfahren, wo ich mit ihm die entscheidende Schlacht ausfechten will. Kennt er nicht den Ort, muss er an vielen Orten gerüstet sein. Ist aber an vielen Orten gerüstet, wird er dort, wo es zur Entscheidungsschlacht kommt, zahlenmässig unterlegen sein. (Sun Dse) Die Kunst der Täuschung ist das Wesen des Krieges: Darum soll der Starke Schwäche vortäuschen und derjenige, der zu Tat schreiten will, Untätigkeit. Ist der Feind mächtig, rüste gegen ihn, ist er zu stark, weiche ihm aus. (Sun Dse) Gebräuchliche Metaphern: an der Front tätig sein, offene Flanke (dort, wo man angreifbar ist), Abwehrschlacht, Überläufer (der Mitarbeiter, der zur Konkurrenz wechselt), Preiskrieg, Grabenkämpfe, Werbeschlacht.

   

Hinter der Front

Themen:
Führungsverantwortung, Stab und Linie, Leadership, Hierarchie

Im Ersten Weltkrieg erlitt ein englischer Landser bei der Schlacht in Flandern 1917 einen Nervenzusammenbruch. Er stand ganz vorne in den Linien und eilte nach hinten zurück. Schliesslich wurde er vom Generalmajor Smedley Butler aufgegriffen. "Weisst du nicht, dass eine grosse Schlacht im Gang ist?", fuhr er den Rekruten an. "Doch, das weiss ich schon", keuchte der Landser. "Was willst du dann hier?", fragte der Generalmajor scharf. Der Landser schwieg. "Warum sagst du nichts?! Weisst du nicht, wer vor dir steht?!", brüllte Butler. Der Landser schüttelte den Kopf. "Ich bin dein General!" – "Ach du meine Güte", rief der Landser, "ich habe nicht gewusst, dass ich schon so weit zurückgelaufen bin!" Mit diesen Worten fiel er in Ohnmacht.

   

Mao Tse-tungs Guerillataktik

Themen:
Guerillamarketing, Strategie, Taktik, kleine Unternehmen, Ausdauer

In den dreissiger Jahren sahen sich die chinesischen Kommunisten unter Mao Tse-tung zwei übermächtigen Feinden gegenüber: den chinesischen Nationaltruppen von Tschiang Kai-schek und der japanischen Armee, die 1937 in China eingefallen waren. Beide Gegner waren den kommunistischen Kämpfern sowohl zahlenmässig als auch in ihrer technischen Ausrüstung weit überlegen. Unter dem Druck der Verhältnisse entwickelte Mao eine Guerillataktik, die später beispielgebend werden sollte. Er setzte ganz auf den Partisanenkampf, den er mit Elementen der klassischen chinesischen Kriegskunst verband; vor allem das Ausweichen und der strategische Rückzug waren hier von Bedeutung. Er suchte nur dann die Auseinandersetzung, wenn seine Kämpfer überlegen waren. "Ich habe zehn Kämpfer gegen hundert", sagte Mao, "aber ich greife nur an, wenn zehn gegen einen kämpfen. Das mache ich hundert Mal. Auf diese Weise gewinne ich." Der Guerillakampf hatte nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn sich die Rebellen auf die Unterstützung der Bevölkerung verlassen konnten, sie sollten sich im Volk bewegen "wie ein Fisch im Wasser".

   

Che Guevaras Guerillataktik

Themen:
Guerillamarketing, Image, Überschätzung, New Economy

Der berühmteste Guerillero aller Zeiten ist Ernesto "Che" Guevera. Zusammen mit Fidel Castro wirkte Guevara 1959 am Sturz des kubanischen Diktators Fulgencio Batista mit. Weniger erfolgreich war er als Präsident der kubanischen Nationalbank und als Industrieminister. In dieser Zeit verfasste er einige Schriften über die Theorie des Guerillakriegs. Im Unterschied zu Mao, der die Guerillataktik als Ergänzung zur konventionellen Kriegsführung begriffen hat, war Che Guevara davon überzeugt, dass die Guerilleros allein eine reguläre Armee bezwingen können. Maos Guerillakämpfer sollten die gegnerischen Streitkräfte schwächen, damit sie in einer "regulären" Feldschlacht überwunden werden konnten. Guevara glaubte, dass sogar eine kleine Guerillagruppe erfolgreich sein kann, wenn sie einen "Brennpunkt" bildet, von dem aus das revolutionäre Feuer auf andere Bevölkerungsgruppen übergreift. Guevaras Guerillero sollte ein Elitekämpfer sein, der das Gelände genau kennt, bestens geschult, idealistisch und höchst diszipliniert ist. Der Gegner sollte durch kleine, gezielte Anschläge auf seinem eigenen Gebiet verunsichert, ja "gehetzt" werden wie ein Tier. Nachdem er die kubanische Wirtschaft fast völlig ruiniert hatte, gab der charismatische Revolutionär 1965 auf Druck von Fidel Castro sein Amt als Industrieminister auf. Che sollte nun die kubanische Revolution exportieren. Er war unterwegs in geheimer Mission im Kongo und in Bolivien, um den Umsturz zu bringen. Beide Vorhaben scheiterten so erbärmlich, dass man mit den halbverhungerten Guerilleros nur Mitleid haben konnte. Doch damals genügte allein das Gerücht, Che Guevara befände sich im Land, um die Regierenden zutiefst zu verunsichern und Spezialeinheiten aus den USA in Bewegung zu setzen. Der kranke, völlig erschöpfte Guevara war es nun, der so gehetzt wurde wie ein Tier. Weil man ihn völlig überschätzte, zeigte man keinerlei Gnade. Nachdem sich der verwundete Che mit dem letzten Häufchen seiner Getreuen ergeben hatte, wurde er am 9. Oktober 1967 von einem bolivianischen Unteroffizier in einer Schule geradezu bestialisch hingerichtet. Die Lehrerin und ein Pater mussten später stundenlang das Zimmer scheuern.

   

Der Krieg zwischen Wölfen, Schafen und Hunden

Themen:
Koalition, strategische Allianz, Bündnispartner, Loyalität, Verhandlungen

Als alle Tiere noch in einer Sprache redeten, gab es Krieg zwischen den Wölfen und den Schafen. Die Wölfe waren weit stärker, es hätte nicht viel gefehlt, und die Schafe wären alle gefressen worden. Doch dann verbündeten sich die Schafe mit den Hunden. Die Hunde verjagten die Wölfe und die Schafe schienen erst einmal in Sicherheit. Da schickten die Wölfe einen Gesandten zu den Schafen. Der sagte ihnen: "Wenn ihr Schafe mit uns Wölfen in Frieden leben und nicht immer Angst vor einem Krieg haben wollt, dann liefert uns die Hunde aus." Die Schafe überlegten und kamen überein, auf die Forderung einzugehen. Daraufhin zerrissen die Wölfe erst die Hunde. Und dann frassen sie in aller Ruhe die Schafe.

   

Ohne Feinde

Themen:
Wettbewerb, Fairness

Als der spanische Marschall und fünfmalige Ministerpräsident Ramón María Narváez auf dem Sterbebett lag, sollte ihm die letzte Beichte abgenommen werden. Der Pater trat ernst an ihn heran und fragte: "Herr Marschall, verzeihen Sie in dieser Stunde all Ihren Feinden?" Leise entgegnete Narváez: "Ich habe keine Feinde." Als ihm der Pater einen zweifelnden Blick zuwarf, bekräftigte der Sterbende: "Ich habe keine Feinde. Ich habe sie alle erschiessen lassen."

   

Das Schattenbild

Themen:
Wettbewerb, Unterstellung, Konkurrent, Mut, Wahrnehmung, Selbstbild, Angeberei

Im alten Japan gab es einen Mann, der stand in den Diensten eines Gouverneurs. Vor anderen zeigte er gerne seine Stärken und spielte den Tapferen. Eines Tages wollte dieser Mann bei Tagesanbruch sein Haus verlassen. Er lag noch im Bett, als sich seine Frau erhob, um das Frühstück zuzubereiten. Weil der Morgenmond durch eine Ritze des Hausdaches schien, erblickte die Frau ihren eigenen Schatten und bekam einen grossen Schreck. "Ein Jüngling mit wirren Haaren ist bei uns eingebrochen!", dachte sie und rannte zum Bett ihres Mannes. "Hör doch, in unserem Haus ist ein Jüngling mit wirrem Haar, der will uns bestehlen." Darauf sagte ihr Mann: "Was machen wir mit dem Kerl? So einer hat keine Gnade verdient." Er tastete nach seinem Schwert, das sich am Kopfende seines Bettes befand, und verkündete: "Ich schlage dem Kerl den Kopf ab!" Nackt wie er war, mit seinem Schwert in der Hand, ging er hinaus. Da begegnete auch er seinem eigenen Schatten an der Wand und erstarrte vor Schreck. "Das ist ja gar kein junger Bursche, sondern ein Mann, der sogar noch mit einem Schwert bewaffnet ist", dachte er. "Der wird mir noch den Kopf abschlagen." Er stiess einen unterdrückten Schrei aus und lief zu seiner Frau in den Schlafraum zurück. "Ich dachte immer, du wärst eine wackere Kriegersfrau. Was hast du denn da gesehen?", fuhr er seine Frau an. "Einen Jüngling? Da stand ein erwachsener Mann mit gezücktem Schwert vor mir!" Er atmete schwer, doch fand schnell wieder zu sich. "Aber was für ein Angsthase der Kerl ist! Kaum bin ich auf ihn zugetreten, fing sein Schwert an zu zittern. Wahrscheinlich hat er es vor Angst fallen lassen. Geh runter und jag den Kerl weg. Denn wie du weisst, muss ich ja gleich aufbrechen. Da wäre es ungünstig, wenn er mir noch eine kleine Schramme verpassen würde. Einer Frau wird er bestimmt nichts antun." Damit kleidete er sich an und legte sich auf das Bett. Seine Frau stand empört auf und ging hinaus, um nachzusehen. Da stürzte die Papierschiebetür neben dem Bett um und fiel auf ihren Mann. Der stiess einen Schrei aus. "Jetzt hat er mich doch erwischt, dieser heimtückische Kerl!" Seine Frau eilte herbei und sah, was vorgefallen war. "He du!", rief sie, "der Dieb hat sich schon aus dem Staub gemacht. Das war die Papierschiebetür, die auf dich gefallen ist." Der Mann richtete sich auf und schaute sich um. "Tatsächlich, der Dieb ist entkommen. Wäre er noch ein bisschen geblieben, dann hätte ich ihn erwischt. Wie konntest du ihn auch einfach so davonlaufen lassen?" – "Was für ein Held", dachte die Frau und lachte ihren Mann aus.

   

Die starke Mücke

Themen:
Stärken-Schwächen-Analyse, Wettbewerb, Konkurrent, Fressen und gefressen werden

Eine Mücke begegnete einem Löwen, der sogleich ein Furcht erregendes Gebrüll hören liess. Da sagte die Mücke: "Hör auf zu brüllen. Ich habe keine Angst vor dir. Ich glaube nicht mal, dass du stärker bist als ich." Der Löwe hielt verdutzt inne. Die Mücke redete weiter: "Worin besteht denn deine Kraft? Du schlägst mit deinen Pranken herum und beisst mit deinen Zähnen zu. Das macht jedes kleine Mädchen, das sich streitet. Ich bin stärker als du. Du glaubst mir nicht? Dann lass uns kämpfen!" Der Löwe wusste nicht recht, wie ihm geschah. Doch so viel war sicher, die winzige Mücke hatte ihn zum Kampf gefordert! Er öffnete sein Maul, um die Mücke mit einem einzigen Zuschnappen zu verschlucken. Doch die Mücke stach ihm einfach in sein Maul und flog weg. Da begann es den Löwen ganz schrecklich zu jucken. Er fuhr mit seiner Pranke an das Maul und fing an, sich zu kratzen. So zerriss er sich selbst sein Maul und die Mücke blieb unversehrt. So hatte die Mücke den Löwen besiegt. Jubelnd surrte sie davon und flog geradewegs in das nächste Spinnennetz, wo sie hängen blieb und von der Spinne aufgefressen wurde.

   

Insekten als Metapher

Themen:
Organisation, Glück, Zerstörung, Wiederaufbau, natürliche Ressourcen, Pragmatik

Das Glück ist wie ein Schmetterling: Wenn wir es jagen, vermögen wir es nicht zu fangen. Aber wenn wir ganz ruhig innehalten, dann lässt es sich auf uns nieder. (Nathaniel Hawthorne) Jeder dumme Junge kann einen Käfer zertreten. Aber alle Professoren der Welt können keinen herstellen. (Arthur Schopenhauer) Nach den Gesetzen der Aerodynamik kann die Hummel nicht fliegen. Aber weil die Hummel die Gesetze der Aerodynamik nicht kennt, tut sie es einfach. Gebräuchliche Metaphern: Die Staaten bildenden Insekten wie Bienen, Ameisen und Termiten werden immer wieder für eine effiziente Organisation verwendet.

   

Der Riese

Themen:
Selbstüberschätzung, Fairness, Konkurrenz, Konflikte, Kritik, Eigentor

Ein Riese hatte ungeheure Kräfte. Niemand war so stark wie er. Eines Tages schoss er einen vergifteten Pfeil in den Himmel, um einen Gott zu töten. Er spannte seinen Bogen so stark, wie er konnte. Der Pfeil zischte in die Höhe, durchschlug die Wolken und war nicht mehr gesehen. Der Riese freute sich, er glaubte, er hätte sein Ziel schon erreicht, und tanzte jauchzend umher. Doch sein Pfeil verlor, je höher er stieg, mehr und mehr an Kraft. Schliesslich hatte er seinen höchsten Punkt erreicht und fiel wieder herab. Je tiefer er stürzte, desto mehr Wucht bekam er. Zuletzt traf er den Riesen, der ihn abgeschossen hatte, und verletzte ihn tödlich.

   

Das geöffnete Stadttor

Themen:
Bluff, Verunsicherung, Desinformation, Image, Ablenkungsmanöver, Konkurrenzbeobachtung

Im alten China schickte der grosse Heerführer Chuko Liang seine riesige Armee in ein fernes Lager und blieb mit seiner Garde in einer kleinen Stadt zurück. Da wurde ihm gemeldet, dass ein feindliches Heer von über 150.000 Soldaten auf die Stadt zumarschiere. Seine Lage schien aussichtslos, denn seine Garde war nur hundert Mann stark. Doch Chuko Liang dachte nicht lange darüber nach, wie er in diese Falle getappt war. Vielmehr erteilte er den Befehl, die Fahnen einzuholen, die Stadttore zu öffnen und abzuwarten. Die Gardisten sollten sich verstecken, er selbst kleidete sich in ein Mönchsgewand und setzte sich auf die Stadtmauer. Hier entzündete er Räucherwerk, spielte die Laute und sang dazu. Es dauerte nicht lang, da rückte die riesige feindliche Armee gegen die Stadt vor. Liang liess sich davon nicht beeindrucken. Er tat so, als würde er nichts bemerken und griff weiter in die Saiten seiner Laute. Das Heer hatte sich vor der Stadtmauer versammelt. Die Soldaten drängten darauf, durch die offenen Toren in die ungeschützte Stadt einzudringen. Doch der Heerführer hielt sie zurück. Er hatte Chuko Liang auf der Stadtmauer erblickt, der in China nur als der "Schlafende Drache" bekannt war. Was hatte das zu bedeuten? Wieso waren die Stadttore geöffnet? Dem Heerführer wurde die Sache schliesslich so unheimlich, dass er den Befehl zum Rückzug erteilte.

   

Alle in einem Boot

Themen:
Mitarbeiterführung, Konflikte, Feindschaft

Zwei Männer, die miteinander verfeindet waren, wollten über das Meer nach Korinth reisen. Es verkehrte aber nur ein Schiff, also mussten sie beide dasselbe nehmen. Weil sie sich aber nicht leiden konnten, setzte sich der eine Mann hinten ans Heck, während der andere vorn am Bug Platz nahm. Plötzlich kam ein Sturm auf. Das Schiff drohte zu sinken. Der Mann, der hinten am Heck gesessen hatte, begab sich zum Kapitän und fragte: "Welcher Teil des Schiffs wird wohl als erstes sinken?" – "Der Bug", entgegnete der Kapitän. Der Mann atmete auf und sagte: "Dann bin ich ja beruhigt. Ich fürchte den Tod nicht, wenn ich das Glück habe, meinen Feind vorher sterben zu sehen."

   

Die Hidden Champions der Savanne

Themen:
Image, Marke, Hidden Champions, Effizienz, Teamarbeit, Mitarbeiterführung

Hyänen stehen in einem schlechten Ruf – ganz im Gegensatz zum König der Tiere, dem Löwen. Jeder kennt die Bilder aus den Tierfilmen: Der majestätische Löwe zerkaut seine Jagdbeute, während sich die feigen Hyänen im Gebüsch herumdrücken. Wenn sich der König satt gegessen hat, erscheinen die triefnasigen Aasfresser auf der Bildfläche, als schleichende Resteverwerter, die aufessen, was der grosszügige Löwe für diese niedrigen Kreaturen übrig gelassen hat. An diesem Bild ist so ziemlich alles falsch, was man sich vorstellen kann. Seit es Nachtsichtgeräte gibt, ist es möglich, den Tieren auch in der Dunkelheit beim Jagen zuzuschauen. Und dabei machten die Zoologen eine erstaunliche Entdeckung: Die vermeintlichen Aasfresser sind ausgezeichnete Jäger. Ihr Erfolgsgeheimnis: sie kooperieren. In Rudeln, die mehr als zwanzig Tiere umfassen können, erlegen sie Gazellen, Zebras und Streifengnus, Tiere, die ein Vielfaches ihres Körpergewichts haben. Im Vergleich dazu schneiden die majestätischen Löwen geradezu erbärmlich ab. Sie sind zu gross, zu auffällig und zu langsam, um ähnlich erfolgreich zu jagen wie die Hyänen. Für die Löwen ist es weit effektiver, sich an die wahren Champions der Jagd zu halten, an die Hyänen oder die Geparden, und ihnen die Beute einfach abzunehmen. Nicht selten sind also die eigentlichen Schmarotzer die Löwen, während sich die Hyänen nur die Reste von dem zurückholen, was sie selbst erbeutet haben.

   

Simson und Delila

Themen:
Erfolgsgeheimnis, Wettbewerb, High Performer, Schwachpunkt, Vertrauen, Betriebsspionage, Fairness, Demütigung

Simson hatte übermenschliche Kräfte. Mit blosser Hand konnte er einen Löwen erwürgen. Sein Volk, die Israeliten, befand sich im Krieg mit den Philistern. Es war nahe liegend, dass die Philister ausserordentlich grosses Interesse daran hatten, den starken Simson gefangen zu nehmen. Aber das war kaum möglich. Einmal gelang es ihnen sogar, Simson zu fesseln. Doch der zerriss ohne Mühe die Stricke, griff nach einem herumliegenden Knochen, einer Kinnbacke von einem Esel, und erschlug damit tausend Philister. Allerdings hatte Simson eine Geliebte, Delila. Und die wurde von den Philistern mit einer ansehnlichen Geldsumme bestochen, um Simson auszuhorchen. Delila sollte herausfinden, worin das Geheimnis seiner ungeheuren Kraft bestand und wie man ihn bezwingen könnte. Dreimal erzählte ihr Simson die Unwahrheit, doch Delila blieb hartnäckig bei der Sache. "Wie kannst du sagen, du hast mich lieb, wenn du mir dein Herz nicht öffnest?" Schliesslich hatte sie ihn so weit. Simson vertraute ihr an, dass er seine Kraft aus seinem Haarschopf bezog; würde man ihm die Haare abschneiden, so würde er seine Kräfte verlieren. Als Simson eingeschlafen war, liess Delila jemanden kommen, der ihm die Haare abschnitt. Die Philister nahmen Simson gefangen, stachen ihm die Augen aus und sperrten ihn ein. Um ihren Triumph auszukosten, veranstalteten sie ein Freudenfest, bei dem ihr Gefangener gezwungen wurde, allerlei Spässe vorzuführen. Tief gedemütigt kehrte Simson in sein Verliess zurück. Hier befanden sich zwei Säulen, auf denen der Palast der Philister stand. "Herr, Herr!", klagte Simson, "denke an mich und gib mir Kraft! Nur noch dieses eine Mal, damit ich mich für meine Augen rächen kann! Ich will mit den Philistern sterben!" Seine rechte Hand tastete zu der einen Säule, die linke zur anderen. Mit aller Kraft stemmte sich Simson dagegen. Da stürzte das Gebäude ein. Alle Fürsten und alle Untertanen, die sich im Gebäude befunden hatten, wurden erschlagen, mehr als 3.000 Menschen. Mit dieser letzten Tat tötete Simson mehr Philister als zu seinen Lebzeiten.

   

Die Geschichte vom alten bösen Wolf in sieben Fabeln

Themen:
Alter, Feindschaft, Misstrauen, Vertrauen, Image, Wettbewerb, Verhandlungen

1. Der böse Wolf war alt geworden und nicht mehr der beste, und vor allem nicht mehr der schnellste Jäger. Er sagte sich: Ich muss versuchen mit List vorzugehen. Der Wolf begab sich zu dem nächsten Schäfer und machte ihm das folgende Angebot: "Schäfer, du hältst mich für einen blutrünstigen Räuber. Doch das bin ich gar nicht. Zwar muss ich Schafe essen, wenn ich Hunger habe, aber wenn du mich vor dem Hunger bewahrst und ich satt bin, dann bin ich das zahmste, sanftmütigste Tier, das du dir vorstellen kannst." Der Schäfer lachte nur und sagte kopfschüttelnd: "Das will ich gerne glauben, dass du zahm wirst, wenn du satt bist. Doch ich weiss, dass du niemals satt bist und also niemals zahm wirst, Wolf. Also, geh deiner Wege!" 2. Der böse Wolf kam zu einem zweiten Schäfer. "Du weisst, Schäfer, dass ich dir so manches Schaf reissen könnte, wenn ich wollte", sagte der Wolf und blinzelte versonnen. "Aber wenn du mir jedes Jahr freiwillig sechs Schafe gibst, will ich mich damit zufrieden geben. Du kannst dann ruhig schlafen und deine Hunde ohne Bedenken abschaffen." "Sechs Schafe?", rief der Schäfer empört. "Das ist ja eine ganze Herde!" Da entgegnete der Wolf: "Nun, weil du es bist, lieber Schäfer, will ich mich mit fünfen zufrieden geben." "Du bist wohl nicht bei Trost", schnaubte der Schäfer. "Mehr als fünf Schafe haben mir die Wölfe sowieso noch nie in einem Jahr gerissen." – "Na gut, dann vier", gab der Wolf klein bei. Der Schäfer schüttelte spöttisch den Kopf. "Drei?", fragte der Wolf. "Oder wenigstens zwei?" "Nicht ein einziges", sagte der Schäfer streng. "Ich wäre schön dumm, wenn ich dir meine Schafe freiwillig ausliefern würde, anstatt sie zu beschützen." 3. "Aller guten Dinge sind drei", sagte sich der Wolf und versuchte es bei einem dritten Schäfer. "Es macht mich betrübt, dass wir Wölfe unter euch Schäfern als grausame, hinterhältige Tiere verrufen sind. Dir, lieber Schäfer, werde ich beweisen, dass ich anders bin. Gib mir jedes Jahr ein Schaf, so werde ich dafür sorgen, dass deine Schafe in dem Waldstück, in dem ich mich herumtreibe, in vollkommener Sicherheit sind und ungestört weiden können. Ein einziges Schaf nur! Könnte ich grossmütiger sein?" Der Schäfer lachte ihn aus. "Dein grosszügiges Angebot kommt einige Jahre zu spät. Meinst du, ich bemerke nicht, dass du alt und grau geworden bist und deine Zähne stumpf? Und du spielst hier noch den Uneigennützigen! Mach, dass du fortkommst!" 4. Der Wolf war sehr ärgerlich. Und doch versuchte er bald darauf sein Glück bei einem vierten Schäfer. Dem war nämlich sein treuer Hund gestorben, was der Wolf ein günstiger Anlass schien, sich selbst ins Spiel zu bringen. "Lieber Schäfer", eröffnete er seinem Gegenüber, "ich habe mich mit meinen Brüdern im Wald zerstritten. Wir werden uns bis in alle Ewigkeit nicht mehr vertragen. Du weisst, wie gefährlich sie sind und ich kenne alle ihre Schliche. Wenn du mich für deinen verstorbenen Hund in den Dienst nehmen willst, so will ich deine Schafe beschützen!" "Das klingt nicht übel", erwiderte der Schäfer. "Aber wer soll dann meine Schafe vor dir schützen? Ich nehme doch keinen Dieb ins Haus, um vor ihnen ausserhalb des Hauses sicher zu sein." 5. "Wäre ich nur nicht so alt!", sagte der Wolf zerknirscht. "Aber was soll ich tun? Ich muss irgendwie versuchen mich durchzuschlagen." Und so kam er zu dem fünften Schäfer. "Kennst du mich, Schäfer?", fragte der Wolf. "Ich weiss, du bist ein Wolf", versetzte der Schäfer. "Aber ein ganz besonderer Wolf", beteuerte der Wolf. "Ich bin ein Freund aller Schäfer. Ich kann kein lebendiges Schaf würgen und fressen. Auch wenn es mich das Leben kosten würde." "Und wovon ernährst du dich?", wollte der Schäfer wissen. "Von toten Schafen. Ist das nicht lobenswert? Du brauchst mir also nur zu erlauben, dass ich hin und wieder zu deiner Herde komme und nachfrage, ob nicht ..." Der Schäfer schnitt dem Wolf das Wort ab: "Spar dir die Mühe. Ein Wolf, der nur meine toten Schafe fressen will, hält aus Hunger leicht meine kranken Tiere für tot und die gesunden für krank. Also, rechne nicht auf meine Freundschaft und geh!" 6. Also gut, dachte sich der Wolf, wenn es gar nicht anders geht, dann muss ich eben mein Wertvollstes hergeben. Und so kam er zu dem sechsten Schäfer. "Schäfer, wie gefällt dir mein Pelz?" "Dein Pelz?" frage der Schäfer erstaunt. "Lass mal sehen." Er fuhr mit der Hand durch das Fell vom Wolf. "Dein Pelz ist schön. Die Hunde haben dich wohl nicht oft erwischt, was?" Der Wolf fuhr fort: "Hör zu, Schäfer, ich bin alt und werde nicht mehr lange leben. Füttere mich so lange, bis ich tot bin – und mein Pelz gehört dir." Der Schäfer lachte: "Das könnte dir so passen. So lange, wie du noch lebst, kostet mich der Pelz am Ende mehr als sieben Mal so viel, wie er wert ist. Willst du mir wirklich deinen Pelz vermachen, dann gib ihn mir lieber gleich!" Mit diesen Worten griff der Schäfer zu seiner Keule. Da lief der Wolf schnell davon. 7. "Diese Unbarmherzigen!", klagte der Wolf. Was sollte er tun? Er wusste sich nicht mehr zu helfen. Er wurde immer wütender und schrie: "Wenn sie es nicht besser wollen, so will ich als ihr Feind sterben, ehe mich der Hunger tötet!" Er lief los, brach in die Wohnungen der Schäfer ein, riss ihre Kinder nieder und richtete so viel Schaden an, wie er konnte. Er wütete mit aller Kraft, die ihm noch verblieben war, bis die Schäfer den Wolf gemeinsam erschlugen. Da sprach der weiseste der Schäfer: "Wir haben Unrecht getan, dass wir den alten Räuber so weit gebracht haben und ihm alle Mittel zur Besserung genommen haben."

   

Der Bär und der Jäger

Themen:
Täuschung, Image, Wettbewerb, Strategie, Eskalation

Südlich im Lande Chu lebte ein Jäger, der die Schreie aller wilden Tiere auf seiner Bambusflöte nachahmen konnte. Eines Tages nahm er Pfeil und Bogen und füllte einen Eimer mit glühender Holzkohle. So begab er sich auf die Jagd. Er stieg auf einen Berg und wollte mit seiner Flöte den Ruf eines Hirschs nachmachen. Wenn der Hirsch in das Licht des Holzkohlenfeuers treten würde, konnte er ihn mit einem Pfeil erlegen. Aber der Ruf der Flöte lockte keinen Hirsch, sondern einen Schakal an. Der Jäger bekam Angst, griff zur Flöte und machte damit das Brüllen eines Tigers nach. Der Schakal lief weg. Dafür erschien kurze Zeit später ein Tiger. Der Jäger griff wiederum zur Flöte und liess darauf das Brummen eines Bären ertönen. Der Tiger verschwand, doch kurz darauf tauchte ein mächtiger Bär auf, der durch das Brummen angelockt worden war und ein Weibchen suchte. Als er den Jäger erblickte, geriet er in Wut und zerriss ihn. Und so werden alle, die sich Kräfte anmassen, die ihnen nicht zustehen, in ihr Verderben getrieben.

   

Esel billig zu verkaufen

Themen:
Kostensenkung, Wettbewerb, Preiskampf

An jedem Freitagmorgen war Nasrudin auf dem Markt zu finden, wo er einen gesunden kräftigen Esel zum Verkauf anbot. Der Preis, den er verlangte, war immer ausserordentlich niedrig. Er lag weit unter dem, was sonst für Esel bezahlt wurde. Eines Tages wandte sich ein reicher Eselhändler an Nasrudin: "Ich verstehe einfach nicht, wie du das machst, Nasrudin. Ich verkaufe meine Esel schon zum absolut niedrigsten Preis. Meine Leute zwingen die Bauern, ihnen umsonst Futter für die Esel zu geben. Meine Sklaven versorgen die Esel, ohne dass sie einen zusätzlichen Lohn dafür bekommen. Und trotzdem kann ich mit deinen Preisen nicht mithalten. Wie machst du das nur?" – "Das will ich dir sagen", entgegnete Nasrudin. "Du stiehlst Futter und Arbeitskraft und ich – stehle Esel."

   

Der Kater und der Hahn

Themen:
Scheindiskussion, Entscheidungen, Rechtfertigung, Opfer, Wettbewerb

Ein Kater hatte einen Hahn gefangen und suchte nun einen Vorwand, um ihn zu fressen. "Ich werde dich bestrafen, weil du die Menschen durch dein Gekrähe mitten in der Nacht in ihrem Schlaf störst." Der Hahn erwiderte: "Freilich krähe ich. Doch die Menschen sind mir dankbar, dass ich sie aufwecke. Denn dann beginnen sie mit ihrem Tagwerk." Daraufhin sagte der Kater: "Ich werde dich bestrafen, weil du dich gegen die Natur versündigst und mit deiner Mutter und deinen Schwestern das Nachtlager teilst." Der Hahn antwortete: "Der Bauer ist mir dankbar dafür, denn so legen die Hennen viel mehr Eier." Der Kater überlegte. Ihm fiel keine weitere Begründung ein. Und so frass er den Hahn einfach so.

   

Der ferne Berg

Themen:
Konkurrenz, Distanz, Konflikt, Betriebsblindheit

Miyamoto Musashi ist gewiss der bekannteste Samurai. Er lebte im 17. Jahrhundert in einer Zeit politischer Instabilität. Musashi konnte ebenso meisterhaft mit dem Pinsel wie mit dem Schwert umgehen. Für beide Künste ist er bis heute berühmt. Seine Tuschezeichnungen gelten als unerreichte Meisterwerke. Ausserdem verfeinerte er die Kunst, mit zwei Schwertern zugleich zu fechten, einem langen und einem kurzen. Musashi empfahl seinen Schülern beim Fechtkampf den Gegner so anzuschauen, als ob er ein "ferner Berg" wäre. Durch diesen "entfernten Blick" auf nahe Dinge könne man den andern am besten überwinden.

   

Die Elefanten und die Mäuse

Themen:
Strategische Allianz, Networking, Vertrauen, Kooperation, Krisensituation, Hilfe, Dankbarkeit

In einem fruchtbaren Landstrich hatten sich vor langer Zeit Mäuse niedergelassen. Sie vermehrten sich, legten kunstvolle Höhlen und Gänge an und führten ein friedliches Leben. So ging die Zeit dahin. In der Nachbarschaft der Mäuse wohnte eine Elefantenherde. Eines Tages entschloss sich der Elefantenfürst, mit seiner Herde zu einem grossen Teich zu ziehen. Dort sollten die Tiere baden und reichlich zu trinken finden. Um dorthin zu gelangen, musste die Herde das Gebiet durchqueren, in dem die Mäuse lebten. Dabei trampelten die Elefanten achtlos über die Höhlenstadt der Mäuse, die glaubten, dass sie vom Todesgott überfallen würden. Viele Mäuse wurden einfach zerquetscht, ohne dass es die Elefanten auch nur bemerkten. Die mit dem Leben davon gekommen waren, sprachen zueinander: "Die bösen Elefanten haben uns mit ihrer Wanderung zum Wasser fast zugrunde gerichtet. Wenn sie wieder zurückkehren, wird nichts mehr von uns übrig bleiben." Die Mäuse überlegten, wie sie das verhindern könnten. Schliesslich suchten einige von ihnen die Elefanten am Teich auf. Sie verbeugten sich vor dem Elefantenfürsten und sprachen: "Majestät! Nicht weit von hier befindet sich unser Wohnort. Als Ihr hierher gezogen seid, habt Ihr unser Gebiet durchquert. Dabei sind Tausende von uns umgekommen. Wenn Ihr denselben Weg zurückgeht, werden auch die letzten von uns sterben. Wenn Ihr Mitleid mit uns habt, dann schlagt Ihr einen anderen Rückweg ein. Wir werden es Euch ewig danken." Der Elefantenfürst dachte kurz nach und sagte dann: "Es soll geschehen, was die Mäuse verlangen." Einige Zeit später befahl der König seinen Jägern, Elefanten zu fangen. Die Jäger gruben Fallen und fingen den Elefantenfürsten mitsamt seiner Herde ein. Nach drei Tagen zogen sie die Tiere mit Stricken aus der Grube heraus und banden sie im Wald an dickstämmigen Bäumen fest. Als die Männer sich entfernt hatten, grübelte der Elefantenfürst darüber, wie er sich und seine Herde befreien könnte. Schliesslich kam er zu dem Schluss: "Die Einzigen, die uns helfen können, sind die Mäuse." Er schickte eine Elefantenkuh, die nicht in die Falle geraten war, zu den Mäusen, um ihnen von ihrer Notlage zu erzählen. Zu Tausenden kamen die Mäuse herbei, kletterten die Baumstämme hoch und zernagten die Stricke, mit denen die Elefanten angebunden waren. So erlösten die Mäuse die Elefanten aus ihrer Gefangenschaft.

   

Das Bündnis zwischen den Landtieren und den Fischen

Themen:
Kooperation, Wettbewerb, Konflikt, Krisensituation, falsche Freunde

Die Landtiere gerieten in Streit mit den Vögeln. Bevor es zum Krieg kam, verbündeten sie sich mit den Fischen. Es kam zu einer grossen Schlacht. Doch anstatt ihre Hilfstruppen zu schicken, liessen sich die Fische entschuldigen. Sie sagten, dass sie zu Lande nicht recht marschieren könnten.

   

Eine unpassende Wohngemeinschaft

Themen:
Kooperation, Sympathie, Interessengegensätze

Ein Schneider und ein Kohlehändler waren gute Freunde; sie verstanden sich bestens. Da lud der Kohlehändler den Schneider ein, mit ihm in einem Haus zu wohnen. Der Schneider bedankte sich herzlich für das Angebot, doch lehnte es ab: "Wenn ich ein Kleidungsstück rein gemacht hätte, würdest du ankommen und es wieder beschmutzen."

   

Der Esel und der Wolf

Themen:
Kooperation, Dankbarkeit, Taktik, Wettbewerb, Vertrauen, Verhandlungen

Ein Esel hatte sich einen Dorn in den Fuss getreten. Weil er niemand anderen wusste, der ihm hätte helfen können, wandte er sich an den Wolf. "Kannst du mir den Dorn aus meinem Fuss herausziehen?" – "Aber natürlich kann ich das", erwiderte der Wolf und leckte sich die Lippen. "Mit meinen scharfen Zähnen werde ich den Dorn schon aus deinem Fuss herausbekommen." Der Esel erklärte sich einverstanden, und so zog der Wolf den Dorn heraus. Kaum war das geschehen, da fiel dem Esel ein, dass der Wolf ihn jetzt womöglich fressen wollte. Kurz entschlossen verpasste er ihm mit seinem gesunden Huf einen kräftigen Schlag zwischen die Ohren, sodass der Wolf ohnmächtig wurde, und lief unversehrt davon.

   

Der durstige Ziegenbock

Themen:
Vertrauen, Eigennutz, Kooperation, Planung, Verhandlungen

Ein Fuchs fiel in einen tiefen Brunnen und wusste nicht, wie er wieder herauskommen sollte. Da kam ein durstiger Ziegenbock zum Brunnen, sah den Fuchs und fragte, ob das Wasser gut sei. Der Fuchs verriet nicht, dass er gerade hineingefallen war, sondern sagte nur: "Oh ja! Das Wasser ist ausgezeichnet, klar und wohlschmeckend. Komm nur herunter!" Da sprang der Bock, ohne gross nachzudenken, in den Brunnen. Als er nun getrunken hatte, fragte er den Fuchs: "Und? Wie kommen wir wieder nach oben?" Der Fuchs sagte: "Oh, das überlasse mal mir. Stelle du dich auf deine Hinterbeine, stemme deine Vorderbeine gegen die Wand und mache deinen Hals ganz lang, damit ich über deinen Rücken und deine Hörner auf den Rand des Brunnens klettern und dir hinaushelfen kann." Das überzeugte den Bock, der sich gleich so hinstellte, wie der Fuchs es ihm gesagt hatte. Der kletterte nun auf die Hörner vom Ziegenbock und sprang mit einem gewaltigen Satz auf den Brunnenrand. Dort blieb er, tanzte vor Freude und lachte den Ziegenbock aus. Der wurde zornig: "Du hast doch versprochen, mich herauszuholen, also halte dich an unsere Abmachung!" Der Fuchs lachte nur und sagte: "Ach, Bock, wenn du wirklich Gedanken im Kopf hättest, so wärst du nicht in den Brunnen gesprungen, ohne dir vorher zu überlegen, wie du wieder herauskommst."

   

Jehu beseitigt den Baalskult

Themen:
Fusionen, Kooperationen, Konsequenz, Macht, Tricks, Vertrauen

In alttestamentarischer Zeit setzten sich die Anhänger des biblischen Schöpfergotts Jahwe gegen andere Kulte durch. Dies geschah mit List, Betrug und Gewalt, wie die folgende Geschichte zeigt. Ihr Hintergrund: Jehu ist König von Israel und will als Anhänger von Jahwe den sehr verbreiteten Baalskult beseitigen. Sein Vorgänger, König Ahab, war zwar auch ein Anhänger von Jahwe, doch hatte er sich eher tolerant gezeigt und geduldet, dass seine Frau Isebel den phönikischen Baalskult in Israel einführte. Genau das will Jehu korrigieren und die Konkurrenz vollständig ausschalten. Im zweiten Buch der Könige heisst es dazu: Jehu versammelte das Volk und liess ihnen sagen: "Ahab hat Baal wenig gedient, Jehu will ihm besser dienen. So lasst zu mir alle Propheten Baals rufen, alle seine Diener und Priester. Denn ich möchte dem Baal ein grosses Opfer bringen. Wer nicht kommt, der soll nicht am Leben bleiben." Jehu sandte Boten umher in ganz Israel und liess alle Diener Baals kommen. Sie gingen in den Tempel von Baal, der sich nach und nach füllte. Dann betrat Jehu den Tempel und forderte die Baalsdiener auf: "Seht zu, dass hier keiner unter euch ist, der Anhänger von Jahwe ist." Danach brachten sie gemeinsam Schlacht- und Brandopfer dar. Jehu aber stellte vor dem Tempel achtzig Mann auf und sagte zu ihnen: "Lasst ihr auch nur einen entkommen, den ich in eure Hände gebe, so sollt ihr mit dem Leben dafür büssen." Als er die Brandopfer beendet hatte, befahl Jehu seiner Leibwache: "Geht in den Tempel und erschlagt alle, die ihr findet. Lasst niemanden entkommen." Und so drangen die Soldaten der Leibwache mit Schwertern in den Tempel ein, töteten alle und warfen die Leichen hinaus. Dann trugen sie die Bilder aus dem Tempel und verbrannten sie. Die Steinmale Baals zerstörten sie und rissen den Tempel nieder. Sie machten eine Stätte des Unrats daraus. Und so blieb es bis auf den heutigen Tag. So vertilgte Jehu den Baal aus Israel.

   

Die Axt und der Wald

Themen:
Kooperation, Hilfeleistung, Verhandeln, Folgeabschätzung

Ein Zimmermann ging in den Wald und sprach zu ihm: "Hochverehrter Wald, ich möchte dich um einen Gefallen bitten. Gib mir bitte so viel Holz, wie ich für den Stiel in meiner Axt brauche." Der Wald dachte nach und sagte schliesslich: "Deine Bitte will ich dir erfüllen, denn sie ist sehr bescheiden. Ich habe so viele Bäume, dass ich sie kaum zählen kann. Und für deinen Stiel brauchst du nicht mehr als einen einzigen Ast. So viel Holz sollst du wohl bekommen." Und so bekam der Zimmermann das Holz für den Stiel seiner Axt. Doch kaum hatte er sie zusammengesetzt, fing er auch schon an, Bauholz zu schlagen. Und weil die Axt ausserordentlich scharf war, schlug der Zimmermann fast den gesamten Wald ab. Der Wald aber schrie auf vor Zorn, denn er hatte sich ohne Not in die Gewalt des Zimmermanns begeben.

   

Zweierlei Listen

Themen:
Erfolgsstorys, Skepsis, Referenzen, Reporting, Personalgespräch, Mitarbeiterführung

Der griechische Dichter Diagoras leugnete die Existenz der Götter. Ein Freund wollte ihn dennoch davon überzeugen, dass es so etwas wie eine göttliche Vorsehung gebe. Die beiden gingen am Strand der Insel Milos spazieren, da machte der Freund den Dichter auf die vielen Votivtafeln aufmerksam, die die Geretteten dort zum Dank an die Götter angebracht hatten. "Nun wirst du an der Existenz der Götter ja wohl nicht mehr zweifeln können", sagte der Freund. Diagoras erwiderte: "Wo ist die Liste der Ertrunkenen?"

   

Zwerge sehen mehr

Themen:
Fortschritt, Vorgänger, Tradition, Unternehmensnachfolge

Wir sind Zwerge auf den Schultern von Riesen. So sehen wir mehr und weiter als sie, aber nicht weil unsere Augen schärfer oder wir grösser wären, sondern weil sie uns durch die Lüfte tragen und uns über ihre gewaltige Grösse erheben.

   

Der junge und der alte Hirsch

Themen:
Wandel, Fortschritt, Konkurrenz, Tradition, Change-Management

Ein Hirsch, der weit über hundert Jahre alt war, sagte zu einem seiner Enkel: "Ich kann mich noch sehr gut an die Zeit erinnern, als der Mensch das donnernde Feuerrohr noch nicht erfunden hatte." – "Was muss das für uns Hirsche für eine glückliche Zeit gewesen sein!" seufzte der Enkel. "Das ist ein voreiliger Schluss", sagte der alte Hirsch. "Die Zeit war anders, aber nicht besser, Der Mensch hatte anstatt des Feuerrohrs Pfeile und Bogen. Und wir waren genauso schlimm dran wie heute auch!"

   

Flugzeug-Rückspiegel-Metapher

Themen:
Zukunftsorientierung, Entscheidungen, Geschwindigkeit, Feedback, Vergangenheit

Ein Flugzeug muss sich mit hoher Geschwindigkeit fortbewegen. Deshalb kommt es darauf an, keine Fehler zu machen. Flugzeuge brauchen keinen Rückspiegel. Wissen Sie warum? Die Startbahn hinter der Maschine ist unwichtig.

   

Fuss- und Spurenmetaphern

Themen:
Fortschritt, Tradition, Vorbild, Identität, Vorgänger, Nachfolger

Wer nur in die Fussstapfen eines anderen tritt, hinterlässt keine Spuren. Wer nur den Spuren seiner Vorgänger folgt, kann sie nicht überholen. Seine Schuhnummer ist grösser. Seine Spur löscht alles aus, was vor ihm da war. Das Wesentliche einer Kerze ist nicht das Wachs, das seine Spuren hinterlässt, sondern das Licht. (Antoine de Saint-Exupéry) Je mehr dir folgen, desto weniger wird man später deine Spur erkennen. Wenn dir ein Elefant folgt, wird von deiner Spur nichts übrig bleiben. Mancher hinterlässt keine Spuren, weil er mit dem Bus gefahren ist.

   

Der Zug der Lemminge

Themen:
Boom, Innovation, Trend, Fortschrittsglaube, Anpassungsdruck

Lemminge sind Wühlmäuse, die in der arktischen Tundra leben. Die Weibchen werfen dreimal jährlich etwa acht Junge. Weil die Lemminge wenig natürliche Fressfeinde haben, kommt es regelmässig zu einer Bevölkerungsexplosion. Das zwingt sie dazu, alle drei bis vier Jahre neue Gebiete zu besiedeln. Auf dieser Wanderung sterben Millionen von Lemmingen. Dicht an dicht ziehen sie über Berge, Täler, enge Schluchten. Am Ende ihrer Wanderung stürzen sie sich oftmals, von einem rätselhaften Todesinstinkt getrieben, in einen Abgrund und sterben. Weil alle Tiere folgen, kann man von einer Art kollektiven Selbstmords sprechen, der sich durch nichts und niemand aufhalten lässt.

   

Die Wahrheit über die Lemminge

Themen:
Manipulation, Macht der Bilder, Mythos, Legenden, Öffentlichkeitsarbeit

Die Lemminge vermehren sich zeitweilig sehr stark. Ist eine bestimmte Grenze überschritten, wandert eine grosse Anzahl von Lemmingen fort. Bei diesen Lemmingzügen kommen tatsächlich viele Tiere zu Tode. Doch von einem freiwilligen oder instinktiven Massenselbstmord kann nicht die Rede sein. Dass sich diese Legende so stark verbreitet hat, liegt vermutlich an dem Disney-Film "Wild Wilderness", auf Deutsch: "Abenteuer in der weissen Wildnis". In diesem dokumentarischen Naturfilm ist tatsächlich der angebliche Massenselbstmord der Lemminge zu sehen. Nach Recherchen des kanadischen Journalisten Brian Vallee haben die Filmer diese Szene allerdings gestellt. Am Drehort gab es gar keine Lemminge. Die Disney-Leute hatten die Tiere vorher eingekauft und zum Drehort geschafft. Um den Eindruck einer Massenwanderung zu erzeugen, wurden die Lemminge auf eine grosse schneebedeckte Scheibe gesetzt, die dann gedreht wurde. Die Zuschauer sehen also immer wieder die gleichen Tiere, die auch keineswegs die Absicht hatten, sich gemeinschaftlich in die gähnende Schlucht eines Flusstales zu stürzen. Vielmehr haben da die Filmer nachgeholfen und die possierlichen kleinen Nager in den Abgrund geschubst oder, wenn nötig, auch geworfen.

   

Schrittmetaphern

Themen:
Fortschritt, Change-Management, Verhandlungen, Kompromiss

Fürchte dich nicht vor einem grossen Schritt. Du kannst einen Abgrund nicht mit zwei kleinen Sprüngen überqueren. (David Lloyd George) Eine Reise von tausend Meilen beginnt mit dem ersten Schritt. (Lao Tse) Gestern standen wir noch am Abgrund, heute sind wir schon einen Schritt weiter. Gebräuchliche Metaphern: den ersten Schritt machen, aus dem Tritt geraten, wieder Tritt fassen, im Gleichschritt marschieren, voranschreiten, Rückschritt, Politik der kleinen Schritte, einen Schritt zur Seite machen, mit kleinen/grossen Schritten auf einander zugehen

   

Wie man einen Frosch kocht

Themen:
Veränderungsprozess, Toleranz, Zumutbarkeit, Anpassung, Risiko

Wirft man einen Frosch in einen Topf mit kochendem Wasser, so springt er heraus. Deshalb stecke man den Frosch in lauwarmes Wasser und erhitze den Topf auf kleinster Flamme. Der Frosch wird sich nach und nach an die höhere Temperatur gewöhnen. Dann regle man die Temperatur weiter nach oben. Nach einiger Zeit wird der Frosch auch in dieser Hitze zurechtkommen. Dann erhöhe man weiter die Temperatur. Stufe um Stufe. Der Frosch wird sich immer wieder anpassen und schliesslich im Stande sein, eine Hitze zu ertragen, die seine Artgenossen ausserhalb des Topfes sofort umbringen würde. Der Frosch bleibt auch dann noch im Topf, wenn Blasen aufsteigen und das Wasser zu kochen beginnt. Der Frosch versucht noch immer, sich mit den ungünstigen Bedingungen zu arrangieren. Es gibt kein Leben ausserhalb des Topfes. Kurze Zeit später gibt es auch kein Leben mehr darin. Der Frosch ist gar.

   

Wenn das Wasser steigt

Themen:
Veränderungsprozesse, Angst vor Veränderung, Eigeninitiative, Selbstverantwortung, Kompetenzen, Kreativität

Ein Schwein ging in einem engen Tal spazieren, um Futter zu suchen. Plötzlich spürte es, dass der Boden, auf dem es lief, feucht wurde. Das Schwein war etwas beunruhigt. "Hoffentlich bin ich nicht in einen Sumpf geraten", dachte es und ging weiter. Doch der Boden wurde immer tiefer. Es dauerte nicht lange, da watete das Schwein mit seinen Füssen im Wasser. "Das wird mir zu gefährlich", dachte es und kehrte um. Doch das Wasser stieg weiter. Es reichte bald bis zum Bauch des Schweins. Stellen, die zuvor trocken gewesen waren, standen nun völlig unter Wasser. "Ich muss versuchen, aus dem Tal herauszukommen", dachte das Schwein, "aber die Bergwände an den Seiten sind zu steil." Das Schwein merkte, dass es sich in einem ausgetrockneten Flussbett befand, das sich nun unbarmherzig mit Wasser füllte. "Der Fluss wird sich in einen reissenden Strom verwandeln", dachte das Schwein, "und ich werde ertrinken." Tatsächlich reichte das Wasser dem Schwein schon bis zur Schnauze. Das Schwein überlegte: "Wenn ich meine letzte Kraft zusammennehme, um laut um Hilfe zu rufen, kommt vielleicht jemand und zieht mich heraus." Also blieb das Schwein stehen und fing an um Hilfe zu rufen. Es schrie und schrie. Doch es kam niemand, um das Schwein aus dem Fluss zu ziehen. Das Wasser stieg immer höher. Das Schwein schluckte schon Wasser. Schliesslich schloss das Schwein seine Schnauze und fing an zu schwimmen. Da merkte das Schwein, dass es kein schwerfälliges Schwein mehr war, sondern sich in eine Ente verwandelt hatte.

   

Strömungslehre

Themen:
Fortschritt, Entwicklung, Konformismus, Lernen

Neben den bereits erwähnten Spur- und Schrittmetaphern sind auch die Fliessgewässer geeignete Metaphernlieferanten, wenn es um Fortschritt und Entwicklung geht. Mit dem Bild des Flusses lässt sich anschaulich machen, wie man sich gegenüber der allgemeinen Entwicklung verhalten möchte. Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom. Wer gegen die Strömung anrudert, kommt nicht voran. Lernen ist wie Rudern gegen die Strömung: Wer damit aufhört, fällt zurück. Wo Wasser still steht, verschlammt es. (Lü Bu-we)

   

Windrichtung

Themen:
Zeitgeist, Opportunismus

Der Wind ist eine der Strömung verwandte Metapher. Nur sind wir dem Wind offenbar eher ausgeliefert. Wenn wir "Rückenwind haben", dann läuft es gut für uns. Die Umstände sind günstig. "Bläst" uns hingegen der Wind "ins Gesicht", ist die allgemeine Situation schwierig für uns. Im Allgemeinen stehen wir die Situation durch und warten darauf, dass sich "der Wind wieder dreht". Denn wer sich "nach dem Wind dreht", gilt als charakterloser Opportunist, ebenso wer sein "Fähnchen" oder sein "Mäntelchen nach dem Winde hängt".

   

Der wissenschaftliche Fortschritt

Themen:
Wissenschaft, Experten, Change-Management, Fortschritt, Innovationen, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit

Max Planck gilt weltweit als einer der bedeutendsten Physiker des 19. und 20. Jahrhunderts. Über den wissenschaftlichen Fortschritt äusserte er: "Eine neue wissenschaftliche Wahrheit pflegt sich nicht in der Weise durchzusetzen, dass ihre Gegner überzeugt werden und sich als belehrt erklären, sondern vielmehr dadurch, dass die Gegner allmählich aussterben und dass die heranwachsende Generation von vornherein mit der Wahrheit vertraut gemacht wird."

   

Renovierung nicht für Spatzen

Themen:
Veränderungen, Innovation, Mitarbeiterführung, Kritik

Eine alte Kirche wurde von Grund auf renoviert. In dem Gemäuer hatten zahlreiche Spatzen ihre Nester gebaut, aus denen sie nun vertrieben wurden. Als die Kirche in neuem Glanz dastand, kehrten die Spatzen zurück, um wieder ihre Nester in Besitz zu nehmen. Erstaunt stellten sie fest, dass alles zugemauert war. "Wozu war denn der ganze Umbau nütze?", schrieen sie empört. "Kommt, in diesem unbrauchbaren Steinhaufen können wir nicht wohnen!" Schimpfend flogen die Spatzen auf und davon.

   

Scheibchenweise

Themen:
Änderungsprozesse, Change-Management, Mitarbeiterführung, Krisen-PR, Öffentlichkeitsarbeit, Selbstmanagement

Ein besonders rücksichtsvoller Mann kaufte sich einen Hund. Ihm wurde gesagt, dass der Schwanz des Hundes gestutzt werden müsse. Der Mann wollte dem Hund aber möglichst nicht wehtun. "Ich will ihm die Sache erleichtern und ihm seinen Schwanz nicht auf einmal abschneiden." Und so schnitt er in den nächsten zwei Wochen jeden Tag vom Schwanz des Hundes jeweils eine Scheibe ab.

   

Trendsurfen im Management

Themen:
Innovation, Trend, Managementmoden

Trendsurfen ist "die Gewohnheit auf dem Kamm der neuesten Wellte in der Managementtheorie zu surfen und dann gerade rechtzeitig wieder an Land zu paddeln, um auf die nächste Welle aufspringen zu können. Dieser Zeitvertreib ist stets fesselnd für Manager und lukrativ für Berater, hat für das Unternehmen aber häufig katastrophale Folgen."

   

Auch Wellenreiten will gelernt sein

Themen:
Trend, Innovation, Wandel

Wer auf einer Welle reiten will, der muss auf diese Welle vorbereitet sein, er muss sie erwarten. Er braucht ein Gespür dafür, eine geeignete Welle zu erkennen. Sie darf noch nicht gebrochen sein, er muss wissen, wie sie sich entwickelt. Ist die Welle zu flach, trägt sie ihn nicht, ist sie schon zu steil, landet der Surfer im Wasser. Rollt eine Welle auf ihn zu, von der er sich nicht tragen lassen möchte, taucht der geübte Surfer einfach durch sie hindurch.

   

D-Züge und Schienenfahrzeuge

Themen:
Fortschritt, Wandel, Zuversicht, Handlungsmöglichkeiten, Projektmanagement

Es ist schwierig, aus einem fahrenden D-Zug auszusteigen. Das Licht am Ende des Tunnels war ein entgegenkommender Zug. Gebräuchliche Metaphern: Weichen stellen, Notbremse ziehen, Haltesignale überfahren, Schranken herunterlassen, ein Projekt ist entgleist, auf ein Abstellgleis schieben

   

Räder

Themen:
Wandel, Fortschritt, Erfolg, Stagnation, Innovation

Die Radmetapher hat Tradition. Und zwar nicht nur das rollende Rad, das eine Sache vorwärts bringt, sondern vor allem auch das rotierende Rad, das "Rad des Schicksals", das im Mittelalter eine sehr beliebte Metapher war: Wie bei einem Riesenrad werden die Menschen vom Rad des Schicksals mal nach oben, mal nach unten getragen. Niemand bleibt dauerhaft auf seiner Position. Allerdings bleibt im Grunde alles gleich, denn früher oder später kehrt man auf seine ehemalige Position wieder zurück. In unsere hektische, dynamische Gegenwart übersetzt findet sich diese Vorstellung im Bild des "rasenden Stillstands", mit dem der französische Philosoph Paul Virilio unsere Situation verglich. Alles ist in Schwindel erregender Bewegung, aber nichts geht wirklich voran. Schliesslich verbindet sich mit dem Rad noch die Vorstellung, man könnte den Wandel und seine Geschwindigkeit selbst gestalten. Man muss selbst "in die Pedale treten", den "Karren anschieben" oder "dem Rad Schwung geben".

   

Kleine Fabel

Themen:
Zukunftsaussichten, Prognose, Ziele, Trendberatung, Krise

"Ach", sagte die Maus, "die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit, dass ich Angst hatte, ich lief weiter und war glücklich, dass ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese langen Mauern eilen so schnell aufeinander zu, dass ich schon im letzten Zimmer bin, und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe." – "Du musst nur die Laufrichtung ändern", sagte die Katze und frass sie.

   

Langfristige Planung

Themen:
Planung, rasanter Wandel, Beschleunigung, Aktienmarkt, Massstäbe

Kürzlich sprachen zwei Wirtschaftsjournalisten mit einem der erfolgreichsten japanischen Devisenhändler. Sie fragten ihn, welche Faktoren er beim Kauf und Verkauf berücksichtige. Er antwortete: "Viele Faktoren, manche davon sehr kurzfristig, einige mittelfristig und andere langfristig." Die Journalisten waren beeindruckt, dass er auch langfristig dachte, und wollten wissen, was er darunter verstand. Er zögerte kurz und sagte dann vollkommen ernst: "Vielleicht zehn Minuten." Mit diesem Tempo bewegt sich heutzutage der Markt.

   

Der erste Heimcomputer

Themen:
Innovation, Kundenorientierung, Preis-Leistungsverhältnis

In den USA wurde 1969 der erste Heimcomputer angeboten. Es handelte sich um einen Honeywell H-316 Küchencomputer, der für 10.600 Dollar per Katalog bestellt werden konnte. Eine ungeheure Summe, für die man ein Luxusauto bekommen hätte. Dafür konnte der Computer auf folgende Aufgaben programmiert werden: einen Speiseplan erstellen, Golfresultate speichern, Aktienkäufe und Teilnehmer von Wohltätigkeitsbällen auflisten. Ob das Produkt auch nur einen Käufer fand, ist nicht bekannt.

   

Fortschritt

Themen:
Software-Industrie, Innovation, New Economy, technischer Fortschritt

Auf der Computermesse Comdex hielt Microsoft-Chef Bill Gates eine Rede, in der er die Computerbranche mit der Autoindustrie verglich. "Wenn General Motors so rasche technologische Fortschritte gemacht hätte wie die Computerindustrie, dann würden wir heute mit Autos herumfahren, die 25 Dollar kosten und mit einer Gallone Sprit (ca. 3,6 Liter) 1.000 Meilen weit fahren." Als Antwort auf den wenig schmeichelhaften Vergleich brachte General Motors eine Presseerklärung heraus, die diese Behauptung in vierzehn Punkten kommentierte: "Wenn General Motors eine Technologie wie Microsoft entwickelt hätte, dann hätten die Autos, die wir heute fahren, die folgenden Eigenschaften: 1. Ihr Auto würde ohne erkennbaren Grund zweimal am Tag einen Unfall haben. 2. Jedes Mal, wenn die Linien auf der Strasse neu gekennzeichnet werden, müssten Sie ein neues Auto kaufen. 3. Gelegentlich würde der Motor Ihres Autos ohne jeden erkennbaren Grund auf der Autobahn von selbst ausgehen. Man würde das einfach akzeptieren, den Motor wieder anstellen und weiterfahren. 4. Bei einigen ziemlich gewöhnlichen Fahrmanövern – zum Beispiel bei einer Linkskurve – würde der Motor ausgehen und könnte nachher nicht wieder angestellt werden, ohne dass er neu montiert worden wäre. 5. Wenn Ihr Motor beim Startversuch nicht anspringt, könnten Sie wählen, ob Sie "den Startversuch abbrechen", "den Startversuch6. Sie könnten nur alleine im Auto sitzen, es sei denn, Sie kaufen ein "Auto-95" oder ein "Auto-NT", aber dann müssten Sie jeden Sitz einzeln bezahlen. 7. Macintosh würde Autos herstellen, die mit Sonnenenergie fahren, zuverlässig laufen, fünfmal so schnell und zweimal so leicht sind. Aber die laufen nur auf fünf Prozent der Strassen. 8. Die Öl-Kontroll-Leuchte, die Warnlampe für Übertemperatur und die Batterie-Kontroll-Leuchte würden durch eine einzige "Genereller Auto Fehler"-Lampe ersetzt. 9. Neue Sitze würden erfordern, dass alle Leute die gleiche Gesässgrösse haben. 10. Das Airbag-System würde fragen: "Sind Sie sicher?", bevor es ausgelöst wird. 11. Gelegentlich würde das Auto Sie ohne erkennbaren Grund aussperren. Der Trick, mit dem Sie es wieder aufsperren können, würde darin bestehen, dass Sie gleichzeitig den Türgriff ziehen, den Schlüssel drehen und die Radioantenne anfassen. 12. General Motors würde Sie zwingen, zusammen mit dem Auto einen Kartensatz einer Tochterfirma zu erwerben, auch wenn Sie diese Karten gar nicht brauchen. Wenn Sie sich nicht darauf einlassen, fährt Ihr Auto um 50 Prozent langsamer. 13. Immer wenn ein neues Auto von General Motors auf den Markt kommt, müssten alle Autofahrer das Fahren neu erlernen, weil kein Hebel mehr so funktionieren würde wie früher. 14. Um den Motor abzustellen, müssten Sie einen Knopf mit der Aufschrift "Start" betätigen. Dann könnten Sie wählen, ob Sie "den Motor wirklich ganz abstellen", "den Motor neu starten", "nur mit dem Anlasser weiterfahren" oder "mit einem fremden Führerschein weiterfahren" wollen.

   

Beschleunigtes Bier

Themen:
Innovation, Tradition, Image, Produkttreue, Vertrauen, Kundenabwanderung

Mitte der 70er Jahre zählte die amerikanische Biersorte Schlitz zu den beliebtesten des Landes. Dann führte das Unternehmen in seinen Brauereien ein neues, hoch innovatives Verfahren ein, die so genannte "beschleunigte Batch-Fermentation". Dadurch wollte Schlitz Zeit und Kosten einsparen. Der Geschmack sollte durch das Verfahren nicht beeinträchtigt werden. Und nach Auskunft von Fachleuten schmeckte das Bier auch völlig unverändert. Das Problem war nur, dass die Kunden das anders empfanden. Reihenweise verabschiedeten sich die Biertrinker von dieser einstmals so populären Marke. Der Marktanteil sackte von 16 Prozent auf unter ein Prozent. Das Unternehmen verlor innerhalb von sechs Jahren über 90 Prozent seines Werts.

   

Wie man Reis schneller wachsen lässt

Themen:
Ungeduld, Beschleunigung, Zeitmanagement, Kreativität, Ausbildung, Personalentwicklung, Forschung und Entwicklung

Im Staat Song lebte ein Mann, der sich nichts sehnlicher wünschte, als dass sein Reis auf dem Feld schneller wachsen würde. Aber weil der Reis nun einmal seine Zeit braucht, um zu wachsen, wurde der Mann immer ungeduldiger. Eines Morgens lief der Mann ins Feld und begann, die Setzlinge einzeln ein kleines Stück weiter aus dem Boden zu ziehen. Dadurch sollten sie schneller wachsen. Als er am Abend nach Hause zurückkehrte, war er völlig erschöpft. "Wie bin ich müde!", klagte er. "Ich habe den ganzen Tag hart gearbeitet. Aber es hat sich gelohnt: Der Reis steht schon ein wenig höher." Sein Sohn war beeindruckt. Am nächsten Morgen lief er ins Feld hinaus, um sich den Reis anzuschauen. Aber die Reissetzlinge boten einen traurigen Anblick: Weil sie der Mann aus dem Boden gezogen hatte, waren sie schon verwelkt.

   

Die Mäusestrategie

Themen:
Veränderungsprozesse, Eigenverantwortung

Stellen wir uns ein Labyrinth vor. In dem Labyrinth wohnen die beiden Mäuse Schnüffel und Wusel und die beiden Zwerge Grübel und Knobel. Alle vier essen für ihr Leben gern Käse. Und dieser Käse befindet sich in einer kleinen Kammer im Labyrinth. Die vier kennen den Weg genau und gehen Tag für Tag in die Käsekammer, um ihren Hunger zu stillen. Doch eines Tages – oh Schreck! – ist kein Käse mehr in der Käsekammer. Irgendwie hatte sich das ja abgezeichnet, denn die Vorräte waren in der letzten Zeit merklich zurückgegangen. Aber bis jetzt hatte es immer irgendwann Nachschub gegeben. Die vier hatten sich nie gross darum gekümmert, denn es war ja immer reichlich genug Käse für alle vorhanden gewesen. "Seltsam", bemerkte Knobel. "Was mag das wohl zu bedeuten haben?" Die Mäuse Schnüffel und Wusel zuckten nur mit ihren Mäuseschultern, zogen sich ihre Laufschuhe an – und weg waren sie. "Dumme Mäuse", schimpfte Grübel. "Sobald kein Käse mehr da ist, laufen die einfach weiter, ohne gross nachzudenken." Die Zwerge Grübel und Knobel hingegen versanken in tiefe Nachdenklichkeit, was das wohl alles zu bedeuten habe. All die Jahre hatte es immer Käse gegeben und jetzt nichts mehr. "Vielleicht will man uns auf die Probe stellen", überlegte Knobel. "Vielleicht wollen die herausfinden, wie treu wir bei unserer Käsekammer bleiben", ergänzte Grübel. "Nein, nein, wir geben nicht so schnell auf", sagte Knobel. Doch auch am nächsten Tag war die Käsekammer leer. "Das finde ich jetzt nicht mehr lustig", sagte Grübel gereizt. "Tag für Tag sind wir brav in die Käsekammer gekommen. Und mit einem Mal geben die uns einfach keinen Käse mehr. Das ist doch nicht in Ordnung!" Knobel gab ihm Recht. "Es gibt absolut keinen Grund uns keinen Käse mehr zu geben. Wir haben doch alles gemacht wie sonst auch. Wir haben uns überhaupt nicht verändert." – "Wir haben einen Anspruch auf Käse", ergänzte Grübel. Und mit grossen Buchstaben schrieb er an die Wand der Käsekammer: "Wir fordern Käse." Auch am Tag darauf gab es keinen Käse in der Käsekammer. "Was machen wir nun?", fragte Knobel. "Die lassen uns einfach verhungern", keuchte Grübel. "Das ist doch ein Skandal." – "Vielleicht gibt es ja irgend woanders Käse", gab Knobel zu bedenken. "Du willst doch wohl nicht einfach so durchs Labyrinth laufen wie Schnüffel und Wusel?", fragte Grübel "Ich bin froh, dass ich den Weg zur Käsekammer gefunden habe." – "Es gibt aber keinen Käse mehr in der Käsekammer", sagte Wusel. "Es gab aber immer Käse in der Käsekammer. Und es wird auch wieder Käse in der Käsekammer geben. Wir müssen nur etwas abwarten", gab Grübel zu bedenken. "Du hast Angst, die Käsekammer zu verlassen, stimmt’s?", fragte Knobel. Grübel nickte. "Was würdest du denn tun, wenn du keine Angst hättest?", bohrte Knobel weiter. "Würdest du dann nicht die Käsekammer verlassen?" Grübel schüttelte den Kopf. "Warum nicht?" – "Weil es Käse nur in der Käsekammer gibt", antwortete Grübel. Knobel schrieb unterdessen an die Wand. "Es gibt Käse ausserhalb der Käsekammer." Als am nächsten Tag die Käsekammer immer noch leer war, fasste Knobel einen Entschluss: "Ich gehe den Käse suchen. Kommst du mit, Grübel?" Doch Grübel zitterte nur: "Das ist mir viel zu gefährlich. Im Labyrinth können wir uns so leicht verirren." Knobel schüttelte den Kopf: "Es ist sicherer, selbst im Labyrinth zu suchen als hier ohne Käse zu sein." – "Wer weiss", sagte Grübel, "vielleicht kommt morgen schon wieder Käse." – "Wenn ich zu lange darauf warte, dass die andern mir den Käse hinterher tragen, bin ich irgendwann zu schwach, um selbst danach zu suchen", sagte Knobel bestimmt. Und damit verliess er die Käsekammer. Schon bei seinen ersten Schritten fühlte er sich leicht und frei. Er wusste, wenn es irgendwo in diesem Labyrinth Käse gab, dann musste er danach suchen. Eine ganz einfache Idee. Knobel fing an zu hüpfen und war neugierig auf die erste Kammer, die er finden würde.

   

Beten gegen Darwin

Themen:
Fortschritt, Innovation, wissenschaftliche Erkenntnis

Die Evolutionstheorie von Charles Darwin wurde von Anfang an heftig bekämpft, vor allem von kirchlicher Seite. Bekannt geworden ist der Ausspruch der Ehefrau eines anglikanischen Bischofs, die gesagt haben soll: "Lasset uns beten, dass die Sache unwahr ist. Oder wenn sie doch wahr ist, dass sie sich wenigstens nicht herumspricht."

   

Es ist nie zu spät das Loch im Zaun zu schliessen

Themen:
Sicherheitsmassnahmen, Risiko, Vorsorge, Krisenmanagement

Vor langer Zeit lebte ein Bauer, der eine kleine Schafherde besass. Eines Morgens begab er sich zu seinen Schafen ins Gehege, um sie auf die Weide zu lassen. Da entdeckte er, dass ein Schaf fehlte. Schnell hatte er den Grund dafür gefunden: Im Zaun war ein Loch. Wahrscheinlich war der Wolf über Nacht durch das Loch ins Gehege gelangt und hatte das Schaf gefressen. "Du musst so schnell wie möglich das Loch im Zaun schliessen", riet ihm sein Nachbar. Doch der Bauer schüttelte den Kopf. "Dein guter Rat kommt zu spät. Das Schaf ist weg. Und ein zweites Mal wird sich hier der Wolf nicht sehen lassen." Am nächsten Morgen musste der Bauer jedoch feststellen, dass schon wieder ein Schaf fehlte. Der Wolf war durch dasselbe Loch eingedrungen und hatte ein zweites Schaf gerissen. Jetzt erkannte der Bauer, dass sein Nachbar Recht gehabt hatte. Noch am gleichen Tag brachte er den Zaun wieder in Ordnung. Seitdem hat ihm der Wolf nie wieder ein Schaf geraubt.

   

Zwei Männer und ein Regenschirm

Themen:
Vorsichtsmassnahmen, positives Denken, Sicherheit, Vorsorge

Zwei Männer aus Chelm gingen spazieren. Der eine nahm seinen Regenschirm mit, der andere nicht. Nach einer Weile fing es an zu regnen. "Spann deinen Schirm auf", sagte der Mann, der keinen Schirm dabeihatte. Der andere erwiderte: "Das nützt nichts." – "Was soll das heissen?", sagte der erste. "Ein Regenschirm schützt uns vor dem Regen." – "Der hier aber nicht", sagte der Mann mit dem Schirm, "er ist löcherig wie ein altes Sieb." – "Ja, warum hast du ihn dann überhaupt mitgenommen?" fragte der erste. Der Mann mit dem Schirm antwortete: "Ich habe gedacht, es würde nicht regnen."

   

Die Vögel von Guam

Themen:
Risiko, Vorsorge, kleine Ursache – grosse Wirkung, Katastrophe, Worst-Case-Szenario, Sicherheitsmassnahmen

Guam, eine kleine Insel mitten im Pazifik, ist seit einem Jahrhundert ein wichtiger Stützpunkt für das US-Militär. Ausser den Militäranlagen besteht die Insel im Wesentlichen nur aus Wald. Früher konnte man hier das Gezwitscher der Vögel hören. Jetzt ist der Wald stumm, denn es gibt keine Vögel mehr auf Guam. In den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts sind sie nach und nach verschwunden, ob gross, ob klein, ob Insekten- oder Samenfresser, ob sie auf dem Boden, dem Baum oder in Höhlen brüteten. Und niemand wusste warum. Zunächst hatte man die Pestizide in Verdacht, dann glaube man an eine Epidemie. Schliesslich fand die junge Biologin Julie Savidge den wahren Grund: Verantwortlich für den Tod der Vögel war eine Schlange, die Braune Nachtbaumnatter. In einer Munitionskiste waren die ersten Exemplare unbemerkt auf die Insel gelangt. Ebenso unbemerkt hatte sich die Schlange auf der Insel ausgebreitet. Als die Wissenschaftler anfingen, die Nattern zu zählen, kamen sie auf ein atemberaubendes Ergebnis: In Guam lebten 12.000 Nachtbaumnattern auf einer Quadratmeile, das ist eine der höchsten Schlangenkonzentrationen der Welt. Ein Wanderer hätte alle zehn Schritte auf eine Natter treffen müssen. Und doch war sie niemandem aufgefallen. Auch wenn die Vögel von der Insel verschwunden sind, so bleibt den Nattern noch genug Nahrung. Sie lassen sich nicht mehr von hier vertreiben, sondern breiten sich weiter aus. Die Wälder von Guam werden wohl für immer stumm bleiben.

   

Tiger vertreiben

Themen:
Vorsichtsmassnahmen, Risikomanagement, Ursache/Wirkung, überflüssige Massnahmen

Eines Tages verstreute Nasrudin Brotkrumen um sein Haus. "Was tust du da?", fragte ihn ein Freund, der gerade vorbeikam. "Ich halte Tiger von meinem Hause fern", erklärte Nasrudin. "Aber wieso denn?", fragte der Freund, "in dieser Gegend gibt es doch gar keine Tiger." Nasrudin nickte: "Da kannst du mal sehen, wie zuverlässig mein Mittel wirkt."

   

Ein Warnschild auf dem Rücken

Themen:
Sicherheitsmassnahmen, Ignoranz, Narrensicherheit

Auch im hohen Alter ging Gustav VI. Adolf von Schweden trotz seiner schlechten Augen noch auf die Elchjagd. Er nahm nur noch ein Gewehr mit auf die Jagd, um keinen grösseren Schaden anzurichten. Bei einer dieser Jagden hatte sich ein Adjutant ein Schild auf den Rücken gebunden, auf das er mit grossen Buchstaben geschrieben hatte: "ICH BIN KEIN ELCH." Während der Jagd war ein Schuss des Königs zu hören und gleich darauf ein unterdrückter Fluch des Adjutanten mit dem Schild auf dem Rücken. "Majestät", wimmerte er, "haben Sie denn das Schild auf meinem Rücken nicht gesehen?" Der kurzsichtige König trat näher an das Schild heran und sagte: "Ich bitte um Entschuldigung. Ich dachte, auf dem Schild steht: ‚Ich bin ein Elch’."

   

Ein Warnschild am Abgrund

Themen:
Sicherheitsmassnahmen, Ignoranz

Ein Reisender erkundigt sich empört bei einem Einheimischen: "Sagen Sie mal, warum steht denn an diesem gefährlichen Abgrund kein Warnschild?" Der Einheimische blickt kurz auf: "Das haben wir wieder abgenommen. Da ist sowieso keiner runtergefallen."

   

Die Sage von Ikarus und Dädalus

Themen:
Leichtsinn, Fehler, Vorsichtsmassnahmen, Ehrgeiz. Grenzüberschreitung

Dädalus war ein sagenhafter Erfinder, allerdings besass er einen etwas zweifelhaften Charakter. So stürzte er seinen Neffen Perdix von der Akropolis, weil sich der junge Mann als noch erfindungsreicher gezeigt hatte als er selbst. Zur Strafe wurde Dädalus nach Kreta verbannt, wo er für König Minos viele kunstreiche Arbeiten schuf. Allerdings fiel Dädalus auch bei Minos in Ungnade. Der König sperrte ihn zur Strafe mit seinem Sohn Ikarus in ein Labyrinth, das Dädalus selbst konstruierte hatte. Daher wusste Dädalus auch, dass es nur eine Möglichkeit gab zu entkommen – durch die Luft. Dädalus baute für sich und seinen Sohn jeweils ein paar Flügel aus Wachs und schärfte dem Jungen ein, weder zu hoch noch zu niedrig zu fliegen. Sonst würde nämlich entweder die Sonne die Wachsflügel schmelzen lassen oder aber die Gischt des Meeres die Flügel zu schwer machen. Dädalus flog davon, Ikarus folgte ihm. Sie überquerten mehrere Inseln, Ikarus wurde immer vergnügter und empfand mehr und mehr Freude am Fliegen. Und so stieg er höher und höher. Er näherte sich der Sonne, das Wachs schmolz, Ikarus stürzte ins Meer und ertrank. Sein Vater barg den Leichnam und begrub ihn auf der nächsten Insel, die seitdem Ikaria heisst.

   

Der leichtsinnige Affe

Themen:
Leichtsinn, Inkompetenz, Organisation, Arbeitssicherheit

In Magadha lebte ein Mann namens Subhadatta, der einen Tempel errichten wollte. Am ersten Tag hatte er einen Keil zwischen zwei Teile eines Baumstamms geschoben, den er vorher mit einer Säge angeschnitten und etwas auseinander gezogen hatte. Am Abend ging Subhadatta nach Hause; am nächsten Tag wollte er weiterarbeiten. Kaum war er fort, erschien eine Horde Affen aus dem Wald und fing an herumzuspielen. Ein Affe ergriff den Keil mit beiden Händen und setzte sich so, dass sein Unterleib zwischen dem Spalt der beiden Teile herabhing. Er zog und zerrte an dem Keil, bis es ihm schliesslich gelang ihn herauszuziehen. Der Affe stiess erst einen Triumphschrei aus, dann wurde sein Unterleib von den beiden Teilen des Baumstamms zermalmt.

   

Die Nachtigall und die Fledermaus

Themen:
Gefahren, Übervorsicht, Ängstlichkeit, schlechte Erfahrungen, Trotz, Pragmatik, Konflikte, Mitarbeiterführung

Eine Nachtigall sass in einem Käfig vor dem Fenster und fing um Mitternacht an zu singen. Eine Fledermaus kam vorbeigeflattert und fragte sie, warum sie nur nachts singe und nicht bei Tag. "Das will ich dir sagen", erklärte die Nachtigall. "Als ich bei Tag gesungen habe, bin ich von den Menschen gefangen worden. Das ist mir eine Warnung. Seitdem singe ich nie wieder am Tag." – "Aber", versetzte die Fledermaus, "daran hättest du denken sollen, bevor du gefangen wurdest. Jetzt kommt es gar nicht mehr darauf an, ob du bei Tag singst oder bei Nacht. Du bist ja schon gefangen und ein zweites Mal kannst du nicht gefangen werden."

   

Die vorsichtige Schwalbe

Themen:
Gefahren, Ignoranz, Eigeninteresse

Eine Schwalbe sah, wie ein Bauer Hanf auf seinen Feldern aussäte. Daraufhin rief sie die anderen Vögel zusammen und verkündete: "Der Bauer hat Hanf ausgesät, daraus werden die Vogelsteller ihre Netze und Schlingen machen, um uns damit einzufangen. Wenn wir klug sind, hacken wir die Samenkörner aus dem Boden." – "Ach was!" entgegneten die Vögel. "Das ist doch viel zu mühsam. Ausserdem ist gar nicht gesagt, dass die Saat überhaupt aufgeht." Der Hanf fasste Wurzel und wuchs zu stattlicher Grösse heran. Die Schwalbe rief nochmals die Vögel zusammen. "Seht ihr, wie der Hanf inzwischen gewachsen ist? Und doch ist es noch nicht zu spät. Wenn wir alle gemeinsam unseren Fleiss daran setzen, die Ernte zu vernichten, können wir es vielleicht noch schaffen." Doch die anderen Vögel wollten solche Warnungen gar nicht hören. "Wieso sollten wir uns anstrengen, wenn wir es sowieso nicht schaffen? Der Hanf ist doch schon viel zu hoch. Und wer weiss, wozu er überhaupt angepflanzt wurde?" Die Schwalbe sah ein, dass niemand auf ihre Warnungen hörte. Und so verliess sie die Vögel im Wald, um bei den Menschen in der Stadt zu leben. Unterdessen wurde der Hanf reif, er wurde abgeerntet und verarbeitet. Als die Schwalbe wieder einmal über den Wald flog, sah sie, dass viele Vögel, die sie gewarnt hatte, in den Hanfnetzen der Menschen gefangen worden waren.

   

Der Fenstersturz

Themen:
Einschneidende Gegenmassnahmen, Umstrukturierung, Change Management, Optimismus, positives Denken, falscher Trost

Ein Mann fällt im 12. Stock aus dem Fenster. Er kommt am 8. Stockwerk vorbei und sagt: "Na gut, ich falle in die Tiefe. Doch bis jetzt ist alles in Ordnung!" Er kommt am 5. Stockwerk vorbei und sagt sich: "Schon im 5. Stock? Und noch immer ist alles in Ordnung." Er stürzt am 3. Stock vorbei, am zweiten, ersten, Erdgeschoss. Kurz bevor er auf dem Strassenpflaster aufschlägt sagt er: "Bis jetzt ist noch alles in Ordnung."

   

Der Millionen-Dollar-Fehler

Themen:
Fehler, Lernen, Motivation, Mitarbeiterbeurteilung

Der legendäre amerikanische Unternehmer Andrew Carnegie hatte einen Manager neu eingestellt, der eine falsche Entscheidung traf, die zu einem Verlust von einer Million Dollar führte. Carnegie liess den Manager zu sich kommen. Dieser nahm verlegen auf der vordersten Stuhlkante Platz und bemerkte kleinlaut: "Sie werden mich jetzt bestimmt feuern." Doch Andrew Carnegie erwiderte: "Wie kommen Sie denn darauf? Ich habe gerade eine Million Dollar in Ihre Ausbildung investiert! Warum sollte ich Sie gerade jetzt gehen lassen?"

   

Immer in der Spur bleiben

Themen:
Fehler, Fortschritt, Erfolg, Forschung und Entwicklung

Roboterkonstrukteure wollten ein Fahrzeug konstruieren, das auf einer Fahrbahn selbstständig die Spur halten kann. Dazu musste der Roboter das Spurhalten regelrecht "erlernen". Zunächst versuchten die Konstrukteure dem Roboter möglichst viele richtige Lösungen einzuprogrammieren: Steuerbefehle von erfolgreichen Fahrten, bei denen die Spur gehalten worden war. Doch schon bald zeigte sich, dass die Roboter sehr störanfällig waren und häufig von der Strecke abkamen. Da änderten die Konstrukteure ihr Lernprogramm: Sie liessen den Roboter mehrmals richtig in den Graben fahren und verbanden das mit einem negativen Signal. Anders gesagt: Der Roboter durfte möglichst viel herumprobieren und Fehler machen. Das Ergebnis war eine wesentlich stabilere Selbststeuerung.

   

Richtigstellung

Themen:
Fehler, Vertuschung, Korrektur, Peinlichkeit

Der romantische Schriftsteller Ludwig Tieck hatte für eine literarische Zeitschrift eine Novelle in Fortsetzungen geschrieben. Kurz nachdem die letzte Folge gesetzt worden war, schrieb der Verleger Friedrich Arnold Brockhaus irritiert an den Autor. Ihm sei aufgefallen, dass die Hauptperson Eugenie nun plötzlich Emilie hiess. Was sollte man tun? Alle Stellen, an denen Eugenie/Emilie auftauchte, ändern? Den Irrtum eingestehen? Nichts dergleichen. Der Autor verfiel auf eine ganz andere Lösung. Er fügte einfach ein paar Zeilen hinzu. Und so liess er den männlichen Helden zärtlich säuseln: "Teure Eugenie, die ich zuweilen auch Emilie zu nennen pflege, du bist mir unter beiden Namen lieb."

   

Über den richtigen Umgang mit den eigenen Fehlern

Themen:
Fehler, Perfektionismus, Selbstkritik

Vom Auswärtigen Amt wurde ein Beamter als Botschafter vorgeschlagen. Bundeskanzler Konrad Adenauer lehnte ab. Seine Begründung: "Nein, den nehmen wir nicht. Der macht sich zu viel aus seinen Fehlern."

   

Martin Luthers Apfelbaum

Themen:
Krise, Zuversicht, Optimismus, Nachhaltigkeit

Eines der bekanntesten Zitate von Martin Luther lautet: "Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch mein Apfelbäumchen pflanzen." Ermutigend, lebensbejahend, selbstbewusst, auch in der schlimmsten Not noch voller Zuversicht und Gottvertrauen. Typisch Luther, möchte man meinen. Nun stammt dieses Zitat aber vermutlich gar nicht von ihm. Trotz emsiger Anstrengung haben die Sprachwissenschaftler dieses Zitat nicht Luther zuordnen können. Als aussichtsreichste Kandidaten werden stattdessen gehandelt: Eduard Mörike, Friedrich Rückert, schwäbische Pietisten des frühen 19. Jahrhunderts und ein gewisser Friedrich Christian Laukhard (1757–1822), der unter anderem wegen seiner vermeintlichen Namensähnlichkeit mit Luther in Frage kommt.

   

Talleyrands Fuss

Themen:
Nachteil, Schwäche, Stärke, Lebensweg

Als Charles Maurice de Talleyrand noch ein Säugling war, liess ihn seine Amme versehentlich fallen. Die Folgen waren einschneidend: Sein Fuss wurde so schwer verletzt, dass er zeit seines Lebens hinkte. Schwerer wog jedoch, dass er als ältester Sohn eines bedeutenden Adelsgeschlechts sein Erstgeburtsrecht verlor. Damit musste er auf die vorgezeichnete Karriere verzichten und auf eigenen Füssen stehen. Das gelang ihm unerwartet gut. Zunächst wurde er Geistlicher, später wandte er sich der Politik zu und wurde einer der einflussreichsten Diplomaten in Europa.

   

Trojas Wiedergeburt

Themen:
Niederlage, Wettbewerb, Erfolg, lernendes Unternehmen, Schicksalswendung

Am Anfang aller Niederlagen steht der Fall von Troja. Die Griechen triumphieren, aber wie uns die Epen von Homer erzählen, haben sie nicht viel von ihrem Sieg. Schon gar nicht ihre Heerführer: Ajax stirbt auf der Rückfahrt, Odysseus und Menelaos irren jahrelang umher, und Agamemnon wird bei seiner Heimkehr von der eigenen Gemahlin ermordet. Troja hingegen geht zwar unter, aber es gibt einen, der entkommt: Äneas rettet die heimischen Götterbilder, seinen Vater und seinen Sohn aus der brennenden Stadt. Schliesslich landet er mit den Seinen in Italien und gründet dort eine Kolonie. Dem Mythos nach sollen die Nachkommen von Äneas Rom gegründet haben. Das künftige Weltreich, das seine Herrschaft bald auch auf Griechenland ausdehnt, hat demnach seine Wurzeln bei denen, die einstmals besiegt wurden. Interessanterweise wird diese Traditionslinie auch nach dem Untergang des römischen Reichs fortgesetzt. Frankreich soll nach einer Überlieferung aus dem frühen Mittelalter auf einen gewissen Francio zurückgehen, einen Sohn des trojanischen Königs Priamos. Und auch England hat einen vergleichbaren Gründungsmythos, das Königshaus soll von einem Enkel des Äneas namens Brutus abstammen.

   

Unwillkommene Rettung

Themen:
Rettung, Helfer, Dankbarkeit

Eines Tages wäre Nasrudin fast in einen Teich gefallen. Doch ein Mann, der zufällig vorbeikam, packte ihn gerade noch rechtzeitig am Arm und verhinderte, dass Nasrudin nass wurde. Jedes Mal, wenn Nasrudin jetzt dem Mann begegnete, musste er daran denken, dass ihn der Mann gerettet hatte. Und das peinigte ihn. Schliesslich wurde es ihm zuviel. Als er das nächste Mal den Mann traf, packte er ihn am Arm, führte ihn zum Teich, sprang hinein, tauchte den Kopf kurz unter Wasser und schrie: "Jetzt bin ich so nass, wie ich es gewesen wäre, wenn ich dich nicht getroffen hätte! Und jetzt lass mich endlich in Ruhe!"

   

Die Affen und der Vogel

Themen:
Fehler, unerwünschter Rat, Verhaltensänderung, Unternehmensberatung, Mitarbeiterführung, Konflikte

Eine Horde von Affen wohnte auf einem Berg. In einer kalten stürmischen Nacht hätten sie gern ein Feuer gehabt, um sich zu wärmen. Aber sie hatten keines. Da erblickten sie ein Glühwürmchen, das aussah wie ein Feuerfunken. Die Affen hielten es tatsächlich dafür und schleppten viel Holz herbei, das sie auf den vermeintlichen Funken legten. Dann fingen sie an zu pusten, um ein Feuer zu entfachen. Das sah ein Vogel, der in der Nähe auf einem Baum sass. Er krächzte den Affen zu: "Müht euch nicht so ab. Was ihr gesehen habt, war kein Feuerfunke." Doch die Affen hörten gar nicht zu und machten weiter. Der Vogel flatterte aufgeregt näher zu den Affen heran: "Was ihr da tut, hat keinen Sinn. Daraus kann nie ein Feuer werden." Da kam ein Mann vorüber, der sagte zum Vogel: "Was strengst du dich so an, die Affen zu überzeugen? Versuche nicht zu verbessern, was sich nicht verbessern lässt. An einem harten Stein, der sich nicht durchhauen lässt, sollte sich kein Schwert versuchen. Aus einem Holz, das sich nicht biegen lässt, kannst du nie einen Bogen machen." Doch der Vogel hörte nicht auf den Mann, sondern kam den Affen immer näher. Er schrie ihnen ins Ohr, dass ein Glühwürmchen kein Feuerfunke sei. Daraufhin packten ihn die Affen und schlugen ihn tot.

   

Der Fuchs und der Wasserigel

Themen:
Konflikt, Unrecht, Schadensbegrenzung, Schlussstrich ziehen

Ein Fuchs wollte über einen Fluss schwimmen. Doch wurde er mit dem Strom fortgerissen und blieb schliesslich an einem hohen Ufer liegen. Da kam ein Schwarm Mücken auf ihn zugeflogen und zerstach den armen Fuchs. Ein Wasserigel hatte das mit angesehen und sprach zu dem Fuchs: "Wenn du willst, dann kann ich die Mücken wegbeissen." Doch der Fuchs erwiderte: "Lass gut sein. Denn die Mücken, die auf mir sitzen, haben sich bereits so vollgesogen, dass sie mir nur noch wenig Schaden zufügen können. Wenn du sie aber verjagst, dann kommen neue, hungrige Mücken angeflogen. Und dann bin ich zehn Mal schlechter dran als jetzt."

   

Der ungestörte Einbrecher

Themen:
Notlage, Krise, Verbesserung

Eines Nachts erwachten Nasrudin und seine Frau. "Du, ich glaube, wir haben einen Einbrecher im Haus", flüsterte die Frau. "Pst! Sei still!", flüsterte Nasrudin zurück. "Wir haben nichts, das er stehlen könnte. Aber wenn wir Glück haben, dann lässt er vielleicht etwas zurück."

   

Gutgemeinte Bemühungen

Themen:
Geduld, Krise, Krisenmanagement, Mitarbeiterführung, Personalentwicklung, Talente, Verkaufsförderung, Promotion, Aufschwung

Ein Mann kehrt heim zur Winterszeit, Ihn fror, auch war kein Mahl bereit, Die Asche kalt auf seinem Herd, Doch wie er stochernd um sie kehrt, Da glimmt ein Fünkchen schwach und klein, Verborgen wie des Glühwurms Schein. Der Mann fährt hoch vor Freuden auf, Türmt drüber Holz in hohem Hauf Und kniet und bläst soviel er kann, Ob er’s vermag zu fachen an, Und fährt so fort mit Windes Rasen, Bis er das Fünkchen – ausgeblasen. Willst du Verglommnes neu beleben, Muss sich dein Eifer Weile geben.

   

Murphys Gesetz

Themen:
Fehler, Missgeschicke, Pessimismus, positives Denken

Fast jeder kennt Murphys Gesetz. Wenigstens in seiner ursprünglichen Form, die da lautet: "Wenn etwas schief gehen kann, geht es auch schief." Sie sollten wissen, dass dieses Gesetz auch auf Murphys Gesetz selbst zutrifft, denn beim eben zitierten Gesetz handelt es sich nicht um Murphys, sondern um Finagles Gesetz. Um ganz genau zu sein: um "Finagles Gesetz der dynamischen Verneinung". Bekannt geworden ist es durch den Science-Fiction-Autor Larry Niven. Damit ist die Sache aber noch nicht zu Ende erzählt, denn es gibt tatsächlich Murphys Gesetz. Und das geht zurück auf den Ingenieur Edward A. Murphy, von dem ausser dem sarkastischen Ausspruch, der gleich folgt, nichts weiter bekannt geworden ist. Die Sache ereignete sich 1949 auf einer Luftwaffenbasis in Kalifornien. Als ein Arbeiter beim Verdrahten eines Energiewandlers einen Fehler machte, bemerkte Edward Murphy trocken: "Wenn es eine Möglichkeit gibt, einen Fehler zu machen, der zur Katastrophe führt, dann wird jemand es tun." Zugegeben, das läuft in etwa auf das Gleiche hinaus wie Finagles Gesetz, und doch ist es ungleich umständlicher, um nicht zu sagen: schlechter formuliert. Kein Wunder also, dass sich Murphy gegenüber Finagle durchsetzen musste. Allerdings sollte man sich auch nicht zu sehr auf Murphys bzw. Finagles Gesetz verlassen und sich darauf einrichten, dass alles früher oder später missglückt. Denn selbstverständlich trifft Murphys Gesetz ganz besonders auf Murphys Gesetz selbst zu. Dann gehen die Dinge gut, obwohl sie nach Murphys Gesetz hätten schief gehen müssen.

   

Murphys Folgegesetze

Themen:
Fehler, Missgeschicke, Pessimismus, positives Denken

Es existieren zahlreiche Folgegesetze zu Murphy. Hier eine kleine Auswahl davon. Ein Fehler wird grundsätzlich erst nach der letzten Kontrolle bemerkt. Eine Abkürzung ist die längste Verbindung zwischen zwei Punkten. Alles, was du reparieren willst, dauert grundsätzlich länger und kostet mehr als du erwartet hast. Derjenige, der schnarcht, schläft grundsätzlich als erster ein. (Bedfellow’s Rule) Bei keinem Bauvorhaben wird jemals der Zeitplan oder das Budget eingehalten. (Cheops’ Law) Es gibt immer jemanden, der sich auf den letzten Platz setzt, den du gerade entdeckt hast. (Boob’s Law) Wenn Dinge auf mehrere Arten schief gehen können, dann tritt immer der Fall ein, der den grössten Schaden verursacht." Es wird immer genau eine Möglichkeit mehr geben, wie etwas schief gehen kann, als du ausgeschaltet hast. Der Rauch zieht immer vom Raucher zum Nichtraucher. (Denner’s Second Law) Bauteile, die nicht zusammengesteckt werden dürfen oder nicht zusammengesteckt werden können, werden zusammengesteckt. (Cole’s Law) Immer wenn etwas nicht mehr schlimmer werden kann, so wird es noch schlimmer. (Chrisholms Erkenntnis) Keine Lage ist so schlecht, dass sie sich nicht weiter verschlechtern könnte. (Chrisholms Urteil) Alles, was gut beginnt, endet schlecht. Alles, was schlecht beginnt, endet furchtbar. (Puders Erkenntnis) Wenn ein Fehler entdeckt und korrigiert wurde, so wird sich herausstellen, dass er schon viel früher hätte korrigiert werden müssen. Wenn eine Korrektur falsch war, wird es unmöglich sein, den Anfangszustand wieder herzustellen. Hast du die Lösung für ein Problem gefunden, stellt sich heraus, dass sich das Problem geändert hat. (Scotts Erkenntnis) Maschinen, die versagt haben, funktionieren immer dann wieder, wenn der Kundendienst ankommt. Hilfst du einem Freund in der Not, wird er sich an dich erinnern – wenn er wieder in Not ist. (Murphys Gesetz der Barmherzigkeit)

   

Hanlons Rasiermesser

Themen:
Fehler, Inkompetenz, Erklärungen, Ursachen

Ein Folgesatz von Finagles Gesetz ist das so genannte Axiom von "Hanlons Rasiermesser". Der Name ist eine Anspielung auf den berühmten Satz von "Occams Rasiermesser". In aller Knappheit besagt dieser Lehrsatz, der auf den Scholastiker Wilhelm von Occam zurückgeht, dass wir die Dinge nicht unnötig kompliziert machen sollten. Wenn es für einen Sachverhalt zwei gleich gute Erklärungen gibt, dann entscheide man sich für die einfachere. Alles unnötige Beiwerk wird sozusagen wie mit einem Rasiermesser weggeschnitten. "Hanlons Rasiermesser" verfährt ähnlich wie sein Vorbild. Der Merksatz heisst: "Du sollst etwas nicht böser Absicht zuschreiben, was du nicht genauso gut mit Dummheit erklären kannst". Nicht die grösstmögliche Einfachheit liegt den Dingen zugrunde, sondern die grösstmögliche menschliche Dummheit.

   

Der "Pepsi-Test" und das Debakel von New Coke

Themen:
Produktinnovation, Konkurrenzanalyse, Konsumentenbefragung, Marktforschung, Relaunch, Fehlerkorrektur

Alarmierende Neuigkeiten für Coca-Cola: Der ewige Rivale Pepsi-Cola hatte es 1984 erstmals geschafft, den einstigen Marktführer auf den zweiten Platz zu verweisen. Besonders beunruhigend für das Unternehmen aus Atlanta war die geniale Werbestrategie von Pepsi-Cola: Weltweit wurden die Cola-Trinker aufgefordert, den "Pepsitest" zu machen. Dabei handelte es sich um einen Blindtest, den die Pepsi-Leute in Fussgängerzonen und Einkaufszentren durchführten: Die Teilnehmer bekamen einen Becher Coke und einen Becher Pepsi eingeschenkt, ohne zu wissen, welche Cola in welchem Becher steckte. Völlig unbeeinflusst sollten sie sagen, welche Cola ihnen besser schmeckte. Auf einer Tafel wurde das Ergebnis festgehalten. In aller Regel entschieden sich die meisten für Pepsi. Dazu mussten die Pepsi-Leute nicht einmal mogeln. Coca-Cola führten eigene Befragungen durch und die bestätigten: Den Konsumenten schmeckte die süssere Pepsi besser. Was tun? Das Management von Coca-Cola liess eine süssere Variante entwickeln. Tatsächlich hatten die Mitarbeiter bald eine Mischung gefunden, die von den Testtrinkern sogar gegenüber Pepsi-Cola bevorzugt wurde. Da wagte Coca-Cola das bis dahin Unvorstellbare und ersetzte am 23. April 1985 die legendäre braune Brause durch einen Nachfolger, die "New Coke", die als bester Softdrink der Welt vermarktet werden sollte. Das Ergebnis war ein Debakel ohnegleichen. Die neue Coke erschien als Kopie von Pepsi-Cola und stiess vom ersten Tag an auf entschiedene Ablehnung. Zahlreiche Cola-Trinker riefen bei der Firmenzentrale an, um sich zu beschweren. Einige Fans der alten Coke kauften die Restbestände ihres Lieblingsdrinks palettenweise auf. Mit so einer Reaktion hatte das Unternehmen nicht gerechnet. Es reagierte schnell. Nach nur drei Monaten kam die alte Coca-Cola unter dem Namen "Classic Coke" wieder auf den Markt und wurde neben der "New Coke" verkauft, die allerdings kaum noch jemand haben wollte. Ein knappes Jahr später wurde die Produktion der neuen Cola ganz eingestellt. Die alte Cola feierte unterdessen ein fulminantes Comeback. Schon bald überholte sie den ewigen Rivalen Pepsi-Cola wieder und hält diese Position bis heute inne.

   

Noch nicht

Themen:
Problembewältigung, Beschwichtigung, falscher Rat, Verdrängung

Ein Wunderrabbi ist nach New York ausgewandert. Als der Koreakrieg ausbricht, kommt eine verzweifelte Mutter zu ihm gelaufen: "Ihr müsst mir helfen! Mein einziger Sohn soll nach Korea eingezogen werden." – "Weine nicht", entgegnet der Rabbi, "er fährt noch nicht." Die Mutter geht ein wenig beruhigt nach Hause. Dort findet sie einen Brief ihres Sohnes: "In zwei Wochen schiffen wir uns nach Korea ein." Entsetzt läuft die Mutter mit dem Brief zum Rabbi. "Weine nicht", spricht der Rabbi, "er fährt noch nicht." Auch diesmal fasst die Mutter neuen Mut und geht nach Hause. Da bekommt sie ein Telegramm mit dem Namen des Schiffes und dem genauen Datum. Wieder läuft sie damit zum Rabbi. Doch der bleibt noch immer gelassen. "Sei ruhig, er fährt noch nicht", ermahnt er sie eindringlich. Und weil sie sich nicht recht beruhigen lässt, verspricht er ihr, am Tag der Ausschiffung mit ihr zum Hafen zu gehen. Als die beiden ankommen, liegt das Kriegsschiff im Hafen, die Soldaten kommen anmarschiert – unter ihnen entdecken sie den Sohn. Über den Steg marschieren die Soldaten ins Schiff. Die Mutter fällt in Ohnmacht. Der Rabbi weckt sie auf und flüstert: "Regt Euch doch nicht auf, er fährt noch nicht." Die Landungsbrücke wird hochgezogen, das Horn tutet, das Schiff legt ab. "Jetzt fährt er!" sagt der Rabbi.

   

Die Abkürzung

Themen:
Optimismus, Fehlentscheidung, positives Denken, Realitätsverlust

Es war ein wunderschöner Morgen, Nasrudin machte sich auf den Heimweg. "Warum", so dachte er bei sich, "soll ich nicht eine Abkürzung durch den schönen, kühlen Wald nehmen, anstatt auf der staubigen Strasse weiterzugehen?" Die Idee gefiel ihm. "Was für ein Tag!", rief er aus, "ein Tag, an dem man Glück haben muss!" Mit diesen Worten sprang er seitlich in die Büsche auf den Wald zu. Doch im nächsten Moment stürzte Nasrudin in eine tiefe Grube hinein, eine Falle, mit der wilde Tiere gefangen werden sollten. "Was für ein Glück, dass ich die Abkürzung genommen habe", dachte er bei sich und rieb sich seine schmerzenden Glieder. "Wenn schon in diesem herrlichen Wald solche Gefahren lauern – wie wäre es mir erst ergangen, wenn ich auf der öden Landstrasse weitergegangen wäre?"

   

Der Hund, der gerne Eier ass

Themen:
Ungenauigkeit, Nachlässigkeit, Schnelligkeit, Fehlentscheidung

Ein Hund verspeiste gern und häufig Eier. Eines Tages sah er eine Schnecke. Hungrig, wie er war, hielt er sie für ein Ei und schluckte sie hinunter. Kurz darauf bekam er Bauchweh. "Was kann das nur sein?", überlegte der Hund. "War das Ei vielleicht faul, das ich gegessen habe?" Dann entdeckte er die Schleimspur, auf der die Schnecke gekrochen war. "Oh je", klagte der Hund, "ich habe eine Schnecke gegessen! Aber ich habe selbst Schuld, denn wenn ich Hunger habe, halte ich alles, was rund ist, für ein Ei."

   

Der vergrabene Goldbarren

Themen:
Vermögen, Reichtum, Investition, Konsum, Sparen

Ein sparsamer Mann hatte sein Vermögen zu Gold gemacht. Daraus liess er einen riesigen Goldbarren fertigen. Den vergrub der Mann an einer geheimen Stelle. Jeden Tag ging er hin und sah nach, ob der Goldbarren noch da war. Eines Tages wurde er von einem Feldarbeiter beobachtet. Der ahnte, was der gute Mann da machte. Als er weg war, grub der Feldarbeiter den Goldbarren aus und nahm ihn mit nach Hause. Am nächsten Tag entdeckte der Mann, dass sein Schatz verschwunden war. Er klagte und jammerte. Ein anderer kam vorbei und fragte ihn, was geschehen sei. Als der Mann es ihm erklärte hatte, sprach er: "Was jammerst du denn? Auch als das Gold noch eingegraben war, hast du es nicht besessen. Es hat dich nicht geschmückt, du hast dich nicht davon genährt. Nimm einen Stein, grab ihn hier ein und stell dir vor, es sei dein Gold. Es wird dir den gleichen Nutzen bringen."

   

Der teure Strick

Themen:
Kosten, Sparen, Dankbarkeit, Hilfe, Geschäftstüchtigkeit

Ein geschäftstüchtiger Bauer wollte sein Getreide nicht verkaufen, als es teuer war, weil er damit rechnete, es würde noch teurer werden. Doch die Preise verfielen immer mehr und der Bauer war darüber so verzweifelt, dass er sich aufhängte. Sein Diener hörte in der Kammer ein seltsames Poltern, kam herbeigeeilt und schnitt seinen Herrn, der schon blau angelaufen war, herunter. Kaum war der Bauer wieder zu sich gekommen, da verlangte er, dass der Diener ihm den Strick bezahle. Denn er hätte ihn ja auch anders retten können als gleich den Strick zu zerschneiden.

   

Bill Gates und der Baseballhandschuh

Themen:
Geschäftstüchtigkeit, Erfolg, Rendite, Lebenslauf

Schon als Kind zeigte der Microsoft-Gründer Geschäftssinn. Mit seiner älteren Schwester Kristi schloss er einen Vertrag, der ihm das Recht einräumte, ihren Baseballhandschuh jederzeit zu benutzen. Für dieses Nutzungsrecht zahlte er fünf Dollar und liess seine Schwester den Vertrag unterzeichnen.

   

Geld und Geist

Themen:
Geld, Geist, Künstler, Persönlichkeit, Schlagfertigkeit

Ein reicher Bankier sagte zu dem französischen Schriftsteller Alexandre Dumas (dem Jüngeren): "Ich bin der Ansicht, Künstler sollten arm sein. Denn die Armut verfeinert den Geist." Alexandre Dumas dachte kurz nach und sagte: "Das ist ja ungefähr so, als würde ich sagen, die Bankiers sollten Trottel sein. Weil Geld den Geist abstumpfen lässt."

   

Ruhekissen

Themen:
Schuldner, Schulden, Dickfelligkeit

Als ein römischer Ritter starb, hinterliess er ungeheure Schulden, die er zu Lebzeiten sehr geschickt verborgen hatte. Kaiser Augustus erfuhr davon. Als der Hausrat des Verstorbenen versteigert wurde, liess er das Kopfkissen für sich erwerben. Seine Freunde wunderten sich darüber. Augustus erklärte ihnen: "Das Kopfkissen muss ich haben, auf dem ein so hoch verschuldeter Mensch überhaupt schlafen konnte."

   

Das Tigerfell

Themen:
Kosten, Sparen, Gewinn, Geschäftstüchtigkeit, Prioritäten, Projektmanagement

Im alten China lebte ein Holzfäller, der jeden Tag in den Wald ging, um Bäume zu fällen. Dieser Holzfäller war ein recht sparsamer Mensch, von dem man sagte, er horte sein Silber, bis es zu Gold werde. Eines Tages wurde der Mann von einem wilden Tiger überrascht. Er versuchte wegzulaufen, doch der Tiger schnappte ihn und trug ihn an seinen Kleidern davon. Auf seine Hilfeschreie kam sein Sohn herbeigeeilt; er trug ein langes Messer, um den Tiger zu töten. Der Tiger hatte den schweren Mann zu tragen, daher hatte ihn der Sohn bald eingeholt. Der Mann war noch ziemlich unversehrt, denn er wurde ja an seinen Kleidern getragen. Als er seinen Sohn mit dem gezückten Messer entdeckte, schrie er ihm zu: "Mach bloss das Fell nicht kaputt! Mach bloss das Fell nicht kaputt! Für das Fell bekommen wir hundert Silberstücke. Wenn du ihn tötest, dann achte darauf, das Fell nicht kaputtzumachen!" Der Sohn stand verdattert mit seinem Messer da und hörte, was sein Vater ihm zurief. Da sprang der Tiger in den Wald und trug den Holzfäller hoch in die Berge, wo ihm der Sohn nicht mehr folgen konnte. Dort tötete er den Mann.

   

Zeitverschwendung

Themen:
Rendite, Kompetenz, unternehmerisch denken, Zeitmanagement

Der amerikanische Biologe Jean Louis Agassiz war ein erklärter Gegner von Charles Darwin. Im 19. Jahrhundert galt er als einer der führenden Wissenschaftler der Vereinigten Staaten. Eines Tages wurde Agassiz gebeten, vor einem interessierten Laienpublikum einen Vortrag zu halten. Dafür sollte er ein fürstliches Honorar bekommen. Agassiz lehnte ab: "Ich kann meine Zeit nicht mit Geldverdienen verschwenden."

   

Verdienst

Themen:
Honorar, Gehälter, Qualifikation

Als Fussballlegende "Kaiser" Franz Beckenbauer noch aktiver Spieler war, gab es bereits eine Diskussion, ob die Fussballprofis nicht überbezahlt würden. Verglichen mit heute nahmen sich die damaligen Gehälter geradezu bescheiden aus, doch galten eben andere Massstäbe. So fragte der Sportmoderator Harry Valérien einmal herausfordernd: "Herr Beckenbauer, Sie verdienen im Monat viermal so viel wie der Bundeskanzler. Worauf führen Sie das zurück?" Beckenbauer lächelte nur und antwortete: "Ach wissen Sie, der Helmut Schmidt spielt eben nicht so gut Fussball."

   

Autos kaufen keine Autos

Themen:
Entlohnung, Kaufkraft, Marktwirtschaft, Win-win-Situation, Leadership, Vision

Henry Ford hatte eine Vision: Das Auto sollte ein Verkehrsmittel für möglichst viele Menschen werden. Um dieses Ziel zu erreichen, wählte er einen ungewöhnlichen Weg. Er minimierte sozusagen seine kurzfristige Rendite. Einerseits setzte er die Preise drastisch herab – für ein Produkt, das sich mehr und mehr zu einem Verkaufsschlager entwickelte. Auf der anderen Seite erhöhte er die Löhne seiner Arbeiter. Nachdem 1913 das erste kontinuierlich laufende Fliessband in Betrieb genommen wurde, zeigten sich seine Arbeiter unzufrieden. Kurz entschlossen verkürzte Henry Ford die Arbeitsschichten von neun auf acht Stunden – und verdoppelte den Tageslohn auf die damals unerhörte Summe von fünf Dollar. Ford wurde zum Nationalhelden, und auch das Geschäft entwickelte sich besser, als er vorhergesehen hatte. Erst im Nachhinein formulierte er die Einsicht, die sich in Zukunft mit seinem Namen verbinden sollte, dass nämlich "Autos keine Autos kaufen", sondern Menschen, die über genügend Geld verfügen müssen. Ford war überzeugt, dass es daher wirtschaftlich vernünftig ist, den eigenen Beschäftigten hohe Löhne zu zahlen. "Unsere eigenen Verkäufe hängen gewissermassen von den Löhnen ab, die wir zahlen", argumentierte er. "Wenn wir hohe Löhne zahlen, dann wird man das Geld ausgeben, und es wird dabei dienlich sein, Geschäftsinhaber, Grosshändler, Hersteller und Arbeiter in anderen Branchen wohlhabender zu machen. Und ihr Wohlstand wird sich in unseren Verkäufen niederschlagen."

   

Geld oder Weisheit

Themen:
Geist und Geld, intellektuelles Kapital, Macht

Der persische Dichter Moscharref od-Din ibn Saadi sprach bei einem reichen Mann vor und bat ihn, ihm ein wenig Geld zu leihen. Der Reiche versetzte höhnisch: "Wie kommt es eigentlich, dass der Weise an die Tür des Reichen klopft, aber der Reiche nicht an die Tür des Weisen?" – "Sehr einfach", sagte Saadi. "Der Weise kennt den Wert des Geldes. Aber der Reiche kennt nicht den Wert der Weisheit." Ein beliebte Anekdote, die seit der Antike erzählt wird, jeweils mit einem anderen weisen Protagonisten. Die Antwort ist nahezu immer gleich. Eine schöne Variante bietet der griechische Philosoph Diogenes Laertios: Der griechische Philosoph Aristippos, Schüler des weisen Sokrates, wurde befragt, warum die Philosophen vor den Türen der Reichen zu finden seien, die Reichen aber nicht vor den Türen der Philosophen. Aristippos entgegnete: "Die Ärzte findet man auch immer bei den Schwerkranken." Die Anekdote lässt sich gut erzählen, wenn es um das Verhältnis von Geist und Geld oder Intellekt und Macht geht.

   

Wertbestimmung

Themen:
Wert, Notsituation, List

Der berühmte griechische Bildhauer Praxiteles wollte seiner Geliebten Phryne ein besonderes Geschenk machen, denn sie hatte ihn zu einem seiner Hauptwerke angeregt. Sie wünschte sich eine Plastik von ihm, und zwar diejenige, die er selbst für die wertvollste hielt. Doch Praxiteles äusserte sich unbestimmt und sagte, dass alle seine Plastiken wertvoll seien. Da griff Phryne zu einer kleinen List. Als er in sein Atelier gehen wollte, lief sie ihm auf der Strasse entgegen und schrie: "Dein Atelier steht in Flammen!" Entsetzt rief Praxiteles: "Dann sorgen wir dafür, dass wenigstens die Statuen von Satyr und von Eros gerettet werden. Sonst wäre meine ganze Arbeit umsonst!" Die listige Phryne beruhigte den aufgewühlten Praxiteles, dass in seinem Atelier alles in Ordnung sei, und bat um die Statue von Eros als Geschenk.

   

Wer Geschenke gibt

Themen:
Sponsoring, Geschenke, Image

Alexander der Grosse machte einem armen Bettler ein wertvolles Geschenk. Der wurde dadurch sehr verlegen. "Warum gebt Ihr mir Unwürdigem ein so kostbares Geschenk?", fragte er demütig den Herrscher. "Ich habe dir das Geschenk gemacht", erwiderte Alexander, "nicht weil du würdig bist, es zu empfangen, sondern weil es sich für mich ziemt, ein solches Geschenk zu geben."

   

Fesselnde Lektüre

Themen:
Sponsoring, Grosszügigkeit, Faszination

Der englische Dichter Edmund Spenser schuf Ende des 16. Jahrhunderts mit seinem allegorischen Versepos "Die Feenkönigin" ein Meisterwerk, das bis heute als eines der bedeutendsten Gedichte in englischer Sprache gilt. Als er die erste Fassung beendet hatte, begab er sich zum Earl of Southampton, einem grossen Gönner und Liebhaber der Literatur. Dem Earl wurde das Manuskript vorgelegt, er begann zu lesen. Nach einigen Seiten war er von dem Werk so angetan, dass er befahl: "Man gebe dem Dichter zwanzig Pfund." Der Earl las weiter. Es dauerte nicht lange, da rief er seinen Dienern zu: "Gebt dem Mann noch weitere zwanzig Pfund!" Der Earl konnte sich von dem Manuskript nicht losreissen, er las und las und erteilte immer wieder den Befehl, dem Autor weitere zwanzig Pfund zukommen zu lassen. Doch schliesslich packte er das Manuskript und reichte es seinem Diener mit den Worten: "Geh und wirf den Kerl hinaus, denn wenn ich weiter lese, richte ich mich noch zugrunde!"

   

Der kompetente Vogel Strauss

Themen:
Experten, Mitarbeiterbeurteilung, Kompetenzverdacht, Kernkompetenz

Ein schnelles Rennpferd sah einen Vogel Strauss und dachte bei sich: Nun ja, der Strauss läuft vielleicht nicht besonders gut, aber ohne Zweifel kann er umso besser fliegen. Kurze Zeit später traf ein Adler denselben Vogel Strauss. Da dachte der Adler bei sich: Fliegen kann der Vogel Strauss zwar nicht, aber ich bin sicher, er kann sehr gut laufen.

   

Beweiskraft

Themen:
Experten, Rationalität

Der Mathematiker Carl Friedrich Gauss hatte einen messerscharfen wissenschaftlichen Verstand, zu den musischen Dingen jedoch fehlte ihm der Zugang. Dies wollte sein Kollege, der Mathematiker Johann Friederich Pfaff, ändern. Pfaff war ein grosser Musikliebhaber und versuchte Gauss immer wieder dazu zu bewegen, mit ihm ein Konzert zu besuchen. Gauss lehnte immer wieder ab. Doch eines Tages hatte Pfaffs hartnäckiges Drängen doch noch Erfolg. Gauss erklärte sich bereit, mit Pfaff ins Konzert zu gehen. Auf dem Programm stand die 9. Symphonie von Beethoven. Pfaff lauschte ergriffen dem Orchester. Als der gewaltige Schlusschor mit der Ode an die Freude verklungen war, neigte sich Pfaff zu Gauss hinüber und sagte: "War das nicht grossartig?" Gauss entgegnete trocken: "Und was ist damit bewiesen?"

   

Das brennende Haus von Yoshihide

Themen:
Spezialistentum, Perfektionismus, High Performer, Egozentrik, Verantwortung

Vor langer Zeit lebte ein Maler namens Yoshihide. Eines Morgens brach in seiner Nachbarschaft ein Feuer aus. Vom Wind angefacht trieb es langsam auf sein Haus zu. Yoshihide lief auf die Strasse hinaus. In seinem Haus blieben seine Bilder zurück, die er auf Bestellung gemalt hatte, sowie seine Frau und seine Kinder, die sich noch nicht einmal angekleidet hatte. Ohne sich um sie zu kümmern stellte sich Yoshihide gegenüber seinem Haus auf und wartete. Schliesslich griff das Feuer auf sein Haus über, der Rauch stieg in die Höhe, Leute kamen angerannt und riefen ihm zu: "Wie schrecklich!" Doch Yoshihide blieb vollkommen ruhig. "Was ist mit dir los?", fragten die Leute. Doch Yoshihide stand einfach nur da und schaute zu, wie sein Haus nieder brannte. Dann und wann nickte er und sagte lachend: "Ja natürlich! So ist das! Das habe ich all die Jahre schlecht gemalt!" Die Leute, die gekommen waren, um Yoshihide zu trösten, wunderten sich: "Was soll das bedeuten, dass du so dastehst? Bist du von einem Dämon besessen?" Yoshihide antwortete ruhig: "Warum sollte ich besessen sein? Ich habe mich Jahre meines Lebens bemüht, die Flammen des Gottes Fudo zu malen und habe es nie gut getroffen. Jetzt, da ich mein eigenes Haus brennen sehe, begreife ich: So muss man die Flammen malen. Das ist ein Glück! Ihr, die ihr kein Talent habt, könnt den äusserlichen Dingen nachtrauern!" Mit diesen Worten lachte er sie aus und blieb weiter regungslos vor den Flammen stehen. Von diesem Zeitpunkt an wurde Yoshihide nach der Gottheit nur "der flammende Fudo" genannt, und bis heute gelten seine Bilder als Meisterwerke.

   

Die Marskanäle

Themen:
Experten, Entdeckung, Trend/Boom, Wahrnehmung, Naturwissenschaft, Kompetenzverdacht

Mailand, September 1877. Nur alle 15 Jahre kommt der Mars der Erde so nahe wie in diesen Tagen. Der renommierte Astronom Giovanni Virginio Schiaparelli nutzt die Gelegenheit, um den Nachbarplaneten genauer zu betrachten. Dabei entdeckt Schiaparelli ein feines Netz von Linien auf der Marsoberfläche, die er "canali" nennt. "Canali" heisst so viel wie "Furchen", und so etwas meint Schiaparelli wohl zunächst auch. Allerdings bedeutet "canali" auch "Kanäle" – künstliche Wasserstrassen, und solche "canali" gelten nach der Eröffnung des Suezkanals als Inbegriff des technischen Fortschritts. Wenn es auf dem Mars Hunderte von Kanälen gibt, dann liegt der Verdacht nahe, dass die Marsbewohner der irdischen Zivilisation weit voraus sind. Zunächst kann kein anderer die angeblichen Marskanäle entdecken, dann sehen sie plötzlich ganz viele, Astronomen in England, Frankreich und den USA. Der Bostoner Astronom Percival Lowell baut eine eigene Sternwarte, um unterstützt von zwei Harvard-Astronomen in aller Ruhe den Mars zu studieren. Lowell sichtet die Marskanäle und ist überzeugt, dass es sich nur um das Werk intelligenter Wesen handeln kann. Er bringt drei Bücher auf den Markt, die so überzeugend geschrieben sind, dass nun auch Schiaparelli zu glauben beginnt, er habe das Bewässerungssystem einer ausserirdischen Hochkultur entdeckt. Mit einem Schlag wird der Mars ungemein populär. Es gibt einen regelrechten Run auf Teleskope und Fernrohre. Tausende von Hobbyastronomen nehmen den Mars ins Visier und entdecken nicht nur die Kanäle. Manche sehen Meere, Wälder, Lichtsignale oder rauchende Fabrikschornsteine. Ein Journalist macht dunkle Flächen auf der Marsoberfläche ausfindig, die ohne jeden Zweifel genau so aussehen wie das hebräische Schriftzeichen für "der Allmächtige". Indessen hat Percival Lowell festgestellt, dass es die Marskanäle zwar gibt, wir sie aber gar nicht sehen können. Denn sonst müssten die Kanäle mindestens hundert Kilometer breit sein. Und das bringen wohl nicht einmal die Marsmenschen fertig. Was wir sehen, sind vielmehr die angrenzenden bewässerten Grünstreifen, meint Lowell. Erst als 1965 die ersten Fernsehbilder der NASA-Marssonde Mariner 4 durch die Welt flimmern, gilt die Theorie von den Marskanälen als widerlegt. Es gibt keine Kanäle, keine Kanalbauer und keine Grünstreifen. Bis heute kann niemand ganz genau erklären, was die Leute in ihren Fernrohren eigentlich gesehen haben.

   

Guter Rat

Themen:
Beratung, Experten, Eigenverantwortung

Der englische Arzt John Abernethy (1763–1831) war einer der berühmtesten Chirurgen seiner Zeit. Er war nicht nur ein exzellenter Operateur, auch seine Vorlesungen fanden wegen ihres hohen Unterhaltungswerts grossen Anklang. Darüber hinaus war der Professor auch für seinen exzentrischen Humor bekannt. So soll eines Tages eine etwas hypochondrische Patientin zu ihm gekommen sein und geklagt haben: "Wenn ich den linken Arm hebe, habe ich furchtbare Schmerzen. Was soll ich nur tun?" Der Arzt blickte ihr ernst in die Augen und entgegnete: "Ja, wenn das so ist, Mylady, dann wäre es äusserst töricht von Ihnen, den Arm zu heben."

   

Hier irrt Goethe

Themen:
Expertentum, Kompetenz

Der Literaturwissenschaftler Heinrich Düntzer hat sich im 19. Jahrhundert um die Klassiker sehr verdient gemacht. Sein besonderes Interesse galt Johann Wolfgang von Goethe. Düntzer brachte zahlreiche Werke des Dichterfürsten heraus und versah sie mit äusserst kenntnisreichen Kommentaren. Mitunter waren sie vielleicht etwas zu kenntnisreich. Goethe schrieb etwa, dass seine grosse Liebe Lili Schönemann gewesen sei. Düntzer bemerkt dazu: "Hier irrt Goethe. Das trifft vielmehr auf Friederike Brion zu."

   

Beschäftigung

Themen:
High Performer, Fleiss, Mühelosigkeit, Produktivität, Kreativität

Der Dichter Friedrich Rückert war äusserst produktiv. Das Verfertigen von Versen ging ihm mühelos von der Hand. Eines Morgens hatte Rückert ein Gedicht vollendet und klagte gegenüber seiner Frau: "Heute weiss ich nicht so recht, was ich machen soll." Seine Frau erwiderte: "Du wolltest doch heute das Drama Kalidasa aus dem Sanskrit übersetzen und in Verse bringen." – "Ja doch, gewiss", sagte Rückert gereizt, "aber was mache ich am Nachmittag?"

   

Ein Rat unter Krähen

Themen:
Experten, Fachwissen, Unternehmensberatung

Eine Krähe hackte an einer Muschel herum. Jedoch brachte sie es nicht fertig die Schale aufzubrechen, um an das Muschelfleisch zu kommen. Da kam eine alte erfahrene Krähe angeflogen: "Die Mühe kannst du dir sparen", sagte sie zu der ersten Krähe. "Auf die Art wird es dir nie gelingen, die Muschel aufzubrechen. Fliege lieber so hoch wie du kannst über die Felsen und lass die Muschel fallen. Dann zerbricht die Muschelschale ganz von allein. Und du musst dich nicht im Geringsten anstrengen." Das schien der ersten Krähe verlockend. Sie folgte dem Ratschlag und liess die Muschel auf die Felsen fallen. Unten aber wartete die zweite Krähe, die, kaum dass die Muschel aufgebrochen war, sich das Muschelfleisch schnappte und davonflog.

   

Diplomatischer Rat

Themen:
Experten, Fachwissen, Unternehmensberatung

Ein Marder frass die Hühner gern, Doch wusst er nicht, wie sie erhaschen; Er fragt den Fuchs, ´nen alten Herrn, Dem Steifheit schon verbot das Naschen. Der sagt zu ihm: "Freund, der Rat ist alt, Was hilft zu zögern, brauch Gewalt!" Der Marder stürmt in vollem Lauf, Die Hühner aber flattern auf, Die eine gackernd, kreischend jene, Gerade in des Fuchses Zähne, Der gegenüber lauernd lag Und mühlos hielt den Erntetag. Wenn du nach Hühnern lüstern bist, Frag keinen, der sie selbst gern frisst.

   

Der Weinkenner

Themen:
Spezialisten, Fachgebiet, Urteilsvermögen

Der französische Schauspieler Jean-Paul Mounet galt als ausgezeichneter Weinkenner. Eines Tages wollte man die Sache überprüfen, verband Mounet die Augen und liess ihn ein Glas nach dem anderen probieren. Er kostete kurz und verkündete mit fester Stimme: "Chambertin! … Pommard! … Beaune! …" Immer stimmte es. Nur beim letzten Glas versagte seine Zunge. "Hm, das kenne ich nicht", räumte Mounet ein. Man nahm ihm die Augenbinde ab. Vor ihm stand ein Glas Wasser.

   

Pythagoras und die Bohnen

Themen:
High Performer, Expertentum, Irrationalität

Pythagoras wurde von seinen Feinden verfolgt. Er rannte ihnen davon und kam an ein Bohnenfeld. Weil der Philosoph jedoch Bohnen über alles hasste, brachte er es nicht über sich, weiterzulaufen. Er wurde von seinen Feinden gefangen und erschlagen.

   

Das bequeme Genie

Themen:
Bequemlichkeit, Meisterschaft

Genies gelten im Allgemeinen als Menschen, die von einer bestimmten Sache geradezu besessen sind. Alles andere ist für sie zweitrangig. Nur ihr Werk zählt, dem opfern sie alles andere. Eine bemerkenswerte Ausnahme bildet der italienische Opernkomponist Gioacchino Rossini, der zu seiner Zeit in Paris fast als eine Art Superstar verehrt wurde. Rossini bequem zu nennen, wäre sicher eine Untertreibung gewesen. Er schätzte den Genuss, liebte das Essen und die Kochkunst. Er schlief gerne lange und ausgiebig, verliess nur ungern das Bett und komponierte oftmals auch nicht am Klavier, sondern zwischen Kissen und Decken. So soll es auch gewesen sein, als Rossini die berühmte Ouvertüre zu seiner Oper "Die diebische Elster" komponierte. Dabei fiel ihm ein Blatt zu Boden. Es aufzuheben, erschien dem Komponisten zu mühsam – dazu hätte er ja das Bett verlassen müssen. Also komponierte er die komplette Seite lieber noch einmal neu, was ihn offensichtlich weniger Anstrengung kostete.

   

Zweierlei Handwerk

Themen:
Spezialisten, geistige Leistung, Werbeagentur, Textänderungen

Der italienische Dichter Dante Alighieri war schon zu Lebzeiten ungemein populär. Eines Tages ging er durch die Gassen von Florenz und hörte, wie ein Schmied seine Verse sang, während er das Eisen auf dem Amboss hämmerte. Allerdings sang der Schmied entsetzlich falsch, brachte Verse durcheinander, liess verschiedene Wörter aus, fügte an anderer Stelle etwas hinzu. Dante verzog gequält das Gesicht und ging dann wortlos in die Schmiede hinein. Dort ergriff er von einer Bank, auf der allerlei Werkzeug lag, einen Hammer und warf ihn in hohem Bogen auf die Strasse. Als nächstes nahm er eine Zange und schleuderte sie auf die Strasse. Genauso verfuhr er mit einer Waage und vielen Eisenteilen. Der Schmied kam herbei und schrie wütend: "Was zum Teufel macht Ihr da? Seid Ihr verrückt geworden?" Dante entgegnete ruhig: "Und was machst du da?" Der Schmied sagte: "Was soll das? Ich übe mein Handwerk aus. Und Ihr zerstört meine Sachen!" Darauf erwiderte Dante: "Wenn du nicht willst, dass ich deine Sachen zerstöre, dann zerstöre nicht die meinen." Der Schmied fragte verwundert: "Was zerstöre ich denn?" – "Du singst meine Verse", sagte Dante, "aber nicht so, wie ich sie gemacht habe. Mein Handwerk ist das Verseschmieden und du zerstörst meine Verse." Der Schmied wusste nicht, was darauf sagen sollte, suchte sein Werkzeug zusammen und sang in Zukunft keine Verse mehr von Dante.

   

Eine verfängliche Situation

Themen:
Situation, Peinlichkeit, Spezialisten

Der englische Maler Charles Withcomb verfertigte auch Aktgemälde. An einem kalten Wintertag sollte ihm eine junge Frau Modell stehen, doch die weigerte sich: "In Ihrem Atelier ist es viel zu eisig. Da schlottere ich ja vor Kälte." – "Sie haben Recht", erwiderte der Maler. "Setzen Sie sich, wir trinken eine Tasse Tee zusammen." Kurze Zeit später klopfte es. Withcomb geriet in Panik. "Schnell", flüsterte er dem Modell zu, "ziehen Sie sich aus! Es ist meine Frau!"

   

Mühe allein genügt nicht

Themen:
Kreativität, Ergebnisorientierung, Motivation

Der Komponist Hans Pfitzner vollendete 1917 seine Oper "Palestrina", zu der er auch den Text schrieb. Die "musikalische Legende", wie Pfitzner selbst das Bühnenstück nannte, gilt unbestritten als sein Hauptwerk. Als es in München uraufgeführt wurde, sagte der stolze Komponist zu seinem Kollegen Richard Strauss: "Zehn Jahre härtester Arbeit stecken in diesem Werk." Doch Strauss zeigte sich unbeeindruckt: "Ja, warum komponieren Sie denn, wenn's Ihnen so schwer fällt?"

   

Genialität on demand

Themen:
Briefing, Qualitätsmanagement, Dienstleistung

"Sagen Sie mir doch, Herr Doktor", wollte eine Verehrerin einmal von Johannes Brahms wissen, "wie schreiben Sie nur die langsamen Sätze Ihrer Symphonien, diese herrlichen Stücke von überirdischer Schönheit?" – "Höchst einfach, gnädige Frau", erwiderte Brahms, "wirklich ganz einfach. Sehen Sie – meine Verleger bestellen die nämlich so!"

   

Thales fällt in einen Brunnen

Themen:
Weitblick, Vision, Strategie, Experten, Bodenständigkeit, Abgehobenheit

Die Geschichte der abendländischen Philosophie beginnt mit Thales von Milet. Er ist der erste der "Sieben Weisen". Für ihn stecken nicht die Götter oder andere mythische Wesen hinter der Natur, vielmehr ist Wasser der Urstoff allen Seins. Zugespitzt formuliert: Thales hat die wissenschaftliche Betrachtung der Welt entdeckt. Uns ist Thales meist nur aus dem Geometrieunterricht durch sein Axiom ("Satz des Thales") bekannt, mit dem man rechte Winkel konstruieren kann. Dabei ist Thales gar nicht der erste, der dieses Prinzip entdeckte; es war schon bei den Babyloniern bekannt. Doch Thales hat noch auf vielen anderen Gebieten Erstaunliches geleistet. Er hat das Jahr in 365 Tage eingeteilt, eine Sonnenfinsternis exakt vorausberechnet und das Sternbild des Kleinen Bären entdeckt. Seine Neigung zu Astronomie ist auch der Hintergrund für eine der berühmtesten Anekdoten der Philosophiegeschichte. Hinterlassen hat sie uns gewissermassen ein Kollege von Thales, nämlich der griechische Philosoph Platon. "Als Thales die Sterne beobachtete und nach oben blickte, fiel er in einen Brunnen. Das soll eine witzige und geistreiche thrakische Magd beobachtet haben, die ihn verspottete: er wolle wissen, was am Himmel sei, aber es bleibe ihm verborgen, was vor ihm und zu seinen Füssen liege." Diese Anekdote ist vielfach kommentiert und ausgedeutet worden. Als erstes von Platon selbst, der bemerkt: "Der gleiche Spott trifft alle, die in der Philosophie leben. Denn in Wahrheit bleibt ihnen der Nächste und der Nachbar verborgen. Was aber der Mensch ist, was zu tun und zu erleiden einem solchen Wesen zukommt, danach sucht der Philosoph, und das zu erforschen müht er sich."

   

Der Ochse auf dem Pferderennen

Themen:
Fehleinschätzung, Mitarbeiterbeurteilung, Kompetenzverdacht

Eines Tages erschien Nasrudin mit einem Ochsen, um an einem Pferderennen teilzunehmen. Die Leute lachten ihn aus: "Was willst du hier mit einem Ochsen? Dass ein Ochse nicht schnell laufen kann, weiss doch jedes Kind!" – "Ihr habt keine Ahnung", erwiderte Nasrudin. "Ihr kennt diesen Ochsen nicht. Wenn man ihm nur Gelegenheit gibt, dann wird er bestimmt sehr schnell laufen. Ihr hättet ihn mal als Kalb sehen sollen, da ist er allen anderen Kälbern davongerannt! Er ist zwar nicht in Übung und hat auch noch nie an einem Rennen teilgenommen, doch jetzt ist er voll ausgewachsen. Da wird ja wohl noch viel schneller laufen als damals!"

   

Das Märchen vom Unternehmensberater

Themen:
Unternehmensberatung, Kompetenz

Die folgende Geschichte stammt von einem Mitarbeiter einer grossen Unternehmensberatung. Es war einmal ein Schäfer, der in einer einsamen Gegend seine Schafe hütete. Plötzlich tauchte in einer grossen Staubwolke ein nagelneuer Cherokee Jeep auf und hielt direkt neben ihm. Der Fahrer des Jeeps, ein junger Mann in Brioni-Anzug und Cerutti-Schuhen, mit Ray-Ban-Sonnenbrille und einer YSL-Krawatte, steigt aus und fragt ihn: "Wenn ich errate, wie viele Schafe Sie haben, bekomme ich dann eins?" Der Schäfer schaut den jungen Mann an, dann seine friedlich grasenden Schafe und sagt ruhig: "Einverstanden." Der junge Mann parkt den Jeep, verbindet sein Notebook mit dem Handy, geht im Internet auf eine NASA Seite, scannt die Gegend mit Hilfe seines GPS-Handgeräts, öffnet eine Datenbank und 60 Excel-Tabellen mit einer Unmenge Formeln. Schliesslich druckt er einen 150-seitigen Bericht auf seinem High-Tech-Minidrucker aus, dreht sich zu dem Schäfer um und sagt: "Sie haben hier exakt 1.586 Schafe." Der Schäfer sagt: "Das stimmt. Suchen Sie sich ein Schaf aus." Der junge Mann nimmt ein Schaf und lädt es in den Jeep ein. Der Schäfer schaut ihm zu und fragt: "Wenn ich Ihren Beruf errate, geben Sie mir das Schaf dann zurück?" Der junge Mann antwortet: "Klar, warum nicht?" Der Schäfer sagt: "Sie sind ein Unternehmensberater." "Das ist richtig. Woher wissen Sie das?", will der junge Mann wissen. "Ganz einfach", sagt der Schäfer, "erstens kommen Sie hierher, obwohl Sie niemand hergerufen hat. Zweitens wollen Sie eine Belohnung haben dafür, dass Sie mir etwas sagen, was ich ohnehin schon weiss. Und drittens haben Sie keine Ahnung von dem, was ich mache, denn Sie haben sich meinen Hund ausgesucht."

   

Gehen Sie auf den Balkon

Themen:
Verhandlungen, Konflikt, Distanz, Gelassenheit

Wenn Verhandlungen feststecken, sollte man versuchen, sich aus der Situation zu lösen. Nicht weiter verhandeln, sich nicht seinen Gedanken und Gefühlen überlassen, sondern gewissermassen eine Tür öffnen und geistig "auf den Balkon treten". Vom "Balkon" aus können Sie die Sache gelassen bewerten und mit dem nötigen Abstand besser einschätzen.

   

Der Wolf und der Kranich

Themen:
Hilfe, Belohnung, Kooperation, Dankbarkeit, Verhandlungen

Ein Wolf nagte an einem Knochen. Dabei rutschte ihm der Knochen so tief in den Hals, dass er ihn nicht mehr herausbekam. So versammelte er alle Tiere um sich und fragte sie, wer ihm helfen könnte. Die Tiere dachten lange nach und berieten sich. Schliesslich kamen sie überein, dass einzig der Kranich hier helfen könne. Der habe einen langen Hals und einen starken Schnabel, mit dem er den Knochen herausziehen könne. Der Wolf versprach dem Kranich eine grosse Belohnung für seine Hilfe. Also machte sich der Kranich ans Werk. Der Wolf sperrte sein Maul weit auf, der Kranich steckte seinen Kopf hinein, fuhr mit dem Schnabel in den Schlund und zog den Knochen heraus. Kaum war das geschafft, stellte sich der Kranich vor den Wolf hin und bat um seine Belohnung. Da wurde der Wolf zornig und rief: "Du hast deinen Lohn schon bekommen, denn ich habe dich nicht getötet, als du deinen Kopf in mein Maul gesteckt hast. Ich hätte dich mühelos totbeissen können, denn ich bin ein Wolf und habe schon lange grossen Appetit auf dein Fleisch. Sei also dankbar, dass so gutmütig war, dich zu schonen."

   

Geschäfte mit indischen Elefanten

Themen:
Verhandlungen, Geschäftssinn, Preisverhandlungen, Kosten

Ein erfolgreicher Geschäftsmann reist nach Indien. Auf der Reise lernt er einen indischen Kollegen kennen, der ihm einen Elefanten verkaufen möchte. "Hören Sie", sagt der Inder, "ich mache Ihnen einen Sonderpreis. Tausend Dollar – und der Elefant gehört Ihnen!" Der Geschäftsmann schüttelt den Kopf: "Begreifen Sie doch, ich wohne in Chicago in einem kleinen Apartment im dreizehnten Stock. Was sollte ich da mit einem Elefanten?" – "Okay, okay", sagt der Inder. "Ich lass Ihnen den Elefanten für 800." – "Was soll das?", protestiert der Geschäftsmann, "ich habe Ihnen doch schon gesagt …" – "Also gut, 700!", fällt ihm der Inder ins Wort. Der Geschäftsmann seufzt: "Ich glaube, Sie haben mich nicht verstanden. Ich wohne in einer kleinen Wohnung im dreizehnten Stock, in einer riesigen Stadt. Für einen Elefanten habe ich einfach keine Verwendung!" Daraufhin seufzt auch der Inder: "Sie sind wirklich ein schwieriger Fall! Hören Sie, ich mache Ihnen jetzt mein allerletztes Angebot: Zwei Elefanten für 850 Dollar!" Die Gesichtszüge des Geschäftsmanns entspannen sich "Na sehen Sie, das lässt sich schon eher hören."

   

Der Unterscheid zwischen einer Dame und einem Diplomaten

Themen:
Verhandlungen, Diplomatie, Code, Geschlechterrolle

"Sind sich Damen und Diplomaten nicht sehr ähnlich?", wollte Madame de Staël von Talleyrand wissen. Der Graf antwortete: "Oh nein. Ein Diplomat, der ‚ja’ sagt, meint ‚vielleicht’. Ein Diplomat, der ‚vielleicht’ sagt, meint ‚nein‘. Und ein Diplomat, der ‚nein’ sagt, ist kein Diplomat. Eine Dame hingegen, die ‚nein’ sagt, meint ‚vielleicht’. Eine Dame, die ‚vielleicht’ sagt, meint ‚ja’. Und eine Dame, die ‚ja’ sagt, ist keine Dame."

   

Wertsteigerung

Themen:
Verhandlungen, Überzeugen, Perspektivenwechsel, Umtausch, Rendite

Ein Mann wollte beim französischen Kunsthändler Georges Bernheim ein kubistisches Bild erwerben, das 10.000 Francs kosten sollte. Doch er zögerte ein wenig und erkundigte sich vorsichtig: "Darf ich es zurückgeben, wenn es meiner Frau nicht gefällt?" – "Selbstverständlich", erwiderte Bernheim. Ein paar Tage später kam der Mann mit dem Bild zurück. "Bedauerlicherweise kann sich meine Frau mit dem Bild nicht anfreunden. Nehmen Sie es zurück?" – "Natürlich", nickte Bernheim und wandte sich an seinen Kassierer: "Zahlen Sie dem Mann 12.000 Francs aus. "Aber ich habe doch nur 10.000 Francs dafür bezahlt", sagte der Mann. "Ich weiss", entgegnete Bernheim, "aber seitdem sind diese Bilder im Preis gestiegen." Der Mann dachte kurz nach und verliess mit dem Bild die Verkaufsräume.

   

Brückenmetaphern

Themen:
Verhandlungen, Einigung, Verständigung, Kompromiss, Lösung

Ich baue Ihnen damit eine goldene Brücke. Aber Sie müssen auch hinübergehen. Es macht mehr Spass, eine Brücke zu bauen, als einen Damm mit Sandsäcken zu sichern. (Tom Whiteside) Ich bin Ihnen ja dankbar, dass Sie mir eine Brücke bauen. Aber wo Ihre Brücke hinführt, da will ich gar nicht hin. Gebräuchliche Metaphern: unüberbrückbare Gegensätze, Brücken schlagen, Brücken abbrechen

   

Der Streit zwischen der Faulheit und dem Fleiss

Themen:
Entscheidungsmanagement, Verzögerungstaktik, Prioritäten, Entscheidungsbedarf

Ein junger Mann namens Bonaccio pflegte immer sehr spät aufzustehen. Als seine Freunde ihm deswegen Vorwürfe machten, erklärte er: "Ich muss so lange im Bett bleiben, weil früh morgens die Faulheit und der Fleiss vor mich hintreten und anfangen zu streiten. Der Fleiss sagt mir: Lieg hier nicht faul herum, steh auf, tue dies und das, mach dich nützlich. Dann aber ergreift die Faulheit das Wort und rät mir, ruhig liegen zu bleiben, weil es draussen kalt sei. Sie meint, ich solle an meine Gesundheit denken und mich schonen. Nun ist wieder der Fleiss an der Reihe und bringt weitere Argumente vor, warum es besser sei aufzustehen. Die Faulheit macht ihre Einwände und so geht es einige Male hin und her. Als gerechter Richter höre ich mir beide Parteien an und hoffe, dass sie zu einer Einigung kommen. Am Ende gebe ich jedes Mal dem Fleiss Recht und beschliesse aufzustehen."

   

Pferde oder Stiere reiten

Themen:
Hypothetische Annahmen, Voraussetzungen, Interview, Ausweichmanöver

Mitte der 70er Jahre war der israelische Aussenminister Yigal Allon auf Staatsbesuch in Berlin. Von einem Journalisten wurde Allon gefragt, ob er mit der PLO verhandeln würde, wenn sich die PLO verändern sollte. "Sie wollen eine hypothetische Antwort auf eine hypothetische Frage", erwiderte der Aussenminister. "Das kommt mir so vor, als fragten Sie mich: Hier ist ein Stier. Könnten Sie auf ihm reiten, wenn er ein Pferd wäre? Darauf kann ich nur sagen: Bringen Sie mir das Pferd. Dann werde ich Ihnen zeigen, ob ich es reiten kann."

   

Der Glockendieb

Themen:
Täuschung, Wahrnehmung, Perspektive

Im alten China lebte ein Mann, der eine besondere Vorliebe für die Türglocken hatte, die an den Häusern befestigt waren. Weil er selbst keine besass, wollte er eine stehlen. Dabei gingen ihm folgende Gedanken durch den Kopf: "Wenn ich die Glocke anfasse, dann wird sie sich bewegen und klingeln. Dadurch werden die Leute im Haus aufmerksam, kommen heraus und entdecken mich. Es muss also darum gehen, dass man das Klingeln nicht hört." Und so verstopfte sich der Mann die Ohren und machte sich auf den Weg, um eine Glocke zu stehlen. Als er sie berührte, gab sie tatsächlich einen Klingelton von sich, doch das merkte der Dieb nicht und fuhr damit fort, die Glocke abzunehmen. Doch die Hausbewohner hörten den Lärm, liefen hinunter und fassten ihn.

   

Talleyrands Tod

Themen:
Verhandlungen, Misstrauen, Image, verdeckte Ziele

Louis Philippe wurde gemeldet, dass Talleyrand gestorben sei. Da wurde der Bürgerkönig nachdenklich und fragte: "Sind Sie auch ganz sicher? Bei Talleyrand darf man nie nach dem Augenschein urteilen. Und wenn er wirklich tot ist, frage ich mich: Welches Interesse kann er daran gehabt haben, gerade jetzt zu sterben?"

   

Der Esel im Tigerfell

Themen:
Bluff, Tarnung, Entlarvung, Image

Ein armer Mann hatte einen Esel, der schon ganz schwach geworden war, weil er so wenig zu fressen bekam. Als der Mann eines Tages im Wald umherschweifte, entdeckte er ein Tigerfell. "Das trifft sich gut!", rief der Mann. "Mit diesem Tigerfell will meinen Esel bedecken und ihn in der Nacht in die Gerstenfelder schicken, damit er sich satt fressen kann. Die Wächter am Feld werden es nicht wagen, ihn wegzujagen." Der Mann sollte Recht behalten. Die Wächter ergriffen jedes Mal die Flucht, wenn sie den Esel in der Nacht durch die Äcker streifen sahen, und so frass er sich an der Gerste dick und rund. Doch eines Tages hörte der Esel aus der Ferne das Geschrei einer Eselin. Da schrie der liebestolle Esel übermütig zurück. Die Wächter erkannten nun, dass der vermeintliche Tiger ein Esel war; sie ergriffen ihn und schlugen ihn tot.

   

Die Geschichte vom Hammer

Themen:
Verhandlungen, Prognose, Hypothese, Kommunikation, Wahrnehmung

Eines Tages entschliesst sich ein Mann ein Bild aufzuhängen. Leider hat er nur Nägel, aber keinen Hammer. Was tun? Er überlegt. Sein Nachbar hat einen Hammer. Der Mann sagt sich: Problem gelöst, ich gehe zu ihm hin und leihe mir den Hammer. Doch was mache ich, denkt sich der Mann, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht geben will? Gestern sah er schon so griesgrämig aus. Ich habe ihm freundlich "Guten Tag" gesagt und er hat nur genickt. Wenn überhaupt. Vielleicht hat er es gar nicht richtig gehört, dass ich ihn gegrüsst habe. Vielleicht hat er aber auch was gegen mich. Aber was? Ich habe ihm doch nichts getan. Ich bin immer nett zu ihm. Wenn er von mir ein Werkzeug leihen wollte, würde ich es ihm sofort geben. Warum er nicht? Wieso schlägt man seinem Mitmenschen einfach so einen Gefallen ab? Wahrscheinlich fühlt er sich gut dabei. Wahrscheinlich ist das seine Art, seine Macht zu geniessen. Jetzt bildet der sich ein, bloss weil er einen Hammer hat, müsste ich vor ihm auf den Knien rumrutschen, oder was? Solche Leute sind doch einfach ekelhaft. Mit diesen Gedanken erreicht der Mann die Tür von seinem Nachbarn. Er presst den Finger auf die Klingel und wartet, bis die Tür aufgeht. Bevor sein verdutzter Nachbar auch nur "Guten Tag" sagen kann, schreit ihn der Mann an: "Wissen Sie was? Ihren blöden Hammer können Sie behalten!"

   

Der unbezahlbare Teppich

Themen:
Vorstellungsvermögen, Preis, Verhandlungen, Vorbereitung

Ein Mann wollte nach einem Diebeszug durch eine Stadt eines der Beutestücke, einen kostbaren Teppich verkaufen. "Wer gibt mir 100 Goldstücke für diesen einzigartigen Teppich?", fragte er überall herum. Der Verkauf kam schnell zustande, denn der Teppich war wirklich wunderschön. "Warum hast du für diesen unbezahlbaren Teppich nicht mehr verlangt?", fragte ein Freund den Verkäufer. Der entgegnete: "Gibt es denn eine grössere Zahl als 100?"

   

Platons Definition

Themen:
Definition, Normierung, Wahrnehmung

Seit langem beschäftigte Platon die Frage: Was ist der Mensch? Endlich kam er zu der folgenden Definition: Der Mensch ist ein federloses Tier mit zwei Beinen. Davon hörte der Philosoph Diogenes. Der besorgte sich einen Hahn, rupfte ihm die Federn aus und sagte: "Hier hast du deinen Menschen, Platon." Daraufhin ergänzte Platon seine Definition um den Zusatz: "Mit platten Nägeln."

   

Doppelte Welt

Themen:
Fehler, Selbstbild, Wahrnehmung, Kommunikation, Wirklichkeit, Weltbild

Ein Mann hatte einen Sohn, der alles doppelt sah. Eines Tages wollte der Vater ihm erklären, dass er einen Sehfehler hatte. Er belehrte ihn: "Mein Sohn, du siehst zwei Dinge, wo nur eines ist." – "Aber das ist doch völlig unmöglich!", empörte sich der Junge. "Wenn das so wäre, würde ich da oben vier Monde sehen anstatt zwei." Eine Sufi-Geschichte, die Idries Shah mitteilt. In aller Kürze können Sie mit ihr zum Ausdruck bringen: Jeder hält das, was er sieht, für ein Abbild der Wirklichkeit. Niemandem ist tatsächlich klar zu machen, dass er einen Sehfehler hat, denn er kennt ja nur diese Sicht der Welt. Wer mit jemandem verhandelt, der eine andere Sichtweise hat, sollte sich auf diese einlassen. Das mag gar nicht so einfach sein, wie ein Sketch der englischen Komikergruppe Monty Python zeigt, der wie eine Fortsetzung der Sufi-Geschichte erscheint: Ein Mann stellt sich bei einem Expeditionsleiter vor, um an seiner Expedition nach Afrika teilzunehmen. Der Expeditionsleiter allerdings sieht alles doppelt. Also begrüsst er zwei Teilnehmer und will auf zwei Schiffen zu den beiden Afrikas übersetzen, etc. Nach einer kurzen Irritationsphase passt sich der Teilnehmer der merkwürdigen Weltsicht des Expeditionsleiters schnell an. Bis er das Ziel der Expedition erfährt: eine Brücke zwischen den Gipfeln der beiden Kilimandscharos zu bauen.

   

Die leckeren Cornflakes

Themen:
Missverständnisse, Beziehungsmanagement, Kommunikation

Das frisch verheiratete Paar kehrt aus den Flitterwochen zurück. Beim ersten Frühstück im neuen gemeinsamen Heim stellt sie eine grosse Schachtel Cornflakes auf den Tisch. "Für dich", sagt sie liebevoll. Er will sie nicht kränken, eigentlich mag er keine Cornflakes, aber das kann er ihr doch jetzt nicht so ins Gesicht sagen. Also isst er einen Teller Cornflakes und nimmt sich vor, wenn die Schachtel leer ist, seine Frau einfach zu bitten keine neuen mehr zu kaufen. Aber seine liebevolle Frau passt natürlich auf. Noch bevor die erste Schachtel aufgebraucht ist, steht die nächste schon im Schrank. Jetzt kann er ihr natürlich noch weniger sagen, dass er keine Cornflakes mag. Sechzehn Jahre später hat er die Hoffnung endgültig aufgegeben, ihr die Sache doch noch irgendwie schonend beizubringen.

   

Das Mehl an der Wäscheleine

Themen:
Verhandlungen, Absage, Scheinargument, Ausrede

Ein Nachbar kam zu Nasrudin und wollte sich seine Wäscheleine ausleihen. Nasrudin entgegnete: "Tut mir leid, aber ich trockne gerade Mehl daran." Der Nachbar schüttelte verwundert den Kopf: "Aber wie kannst du Mehl an einer Wäscheleine trocknen?" Nasrudin erwiderte: "Oh, wenn du sie nicht verleihen willst, ist das gar nicht so schwierig, wie du glaubst."

   

Besuch unerwünscht

Themen:
Absage, Antipathie, Abwesenheit, Ausrede

Der ungarische Schriftsteller Franz Molnár hatte zwei Methoden unangenehme Besucher abzuweisen. Bei Leuten, die ihm gleichgültig waren, hatte seine Sekretärin Anweisung zu sagen: "Es tut mit Leid, Herr Molnár ist eben ausgegangen." Bei Besuchern, die ihm regelrecht unsympathisch waren, sollte seine Sekretärin hinzufügen: "Wenn Sie sich beeilen, holen Sie ihn vielleicht noch ein."

   

Auf den Köder kommt es an

Themen:
Marketing, Kundenorientierung, Kundenerziehung, Qualitätsanspruch, Massengeschmack

Zwei Angler sitzen nebeneinander. Der eine hat einen Korb voller Fische, der andere hat noch gar nichts gefangen. "Wie machen Sie das nur?", erkundigt sich der erfolglose Angler. "Wir haben die gleiche Angelrute, wir angeln genau an der gleichen Stelle. Warum fangen Sie so viel und ich gar nichts?" Der andere schaut kurz auf und sagt: "Ganz einfach, Sie haben an Ihren Angelhaken eine Wurst gehängt und ich einen Wurm." Und damit hält er ihm eine Box unter die Nase, in der viele Mehlwürmer herumkriechen. "Das ist ja ekelhaft", entgegnet der mit der Wurst an der Angel. Der andere zieht wieder einen Fisch an Land und bemerkt: "Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler." "Also, wenn das so ist", erwidert der erfolglose Fischer und packt seine Sachen zusammen. "Ich will keine Fische fangen, die solche ekelhaften Würmer fressen. Wenn Sie weg sind, werde ich hier weiter angeln. Früher oder später werden sich die Fische schon an meine leckere Wurst gewöhnen."

   

Das Geheimrezept für die köstlichsten Krautfleckerln

Themen:
knappe Güter, Angebot und Nachfrage, Wünsche, Exklusivität, Marktsättigung

Die Tante Jolesch war eine ausgezeichnete Köchin. Als besondere Köstlichkeit galten ihre Krautfleckerln, eine altösterreichische Spezialität aus dünnen Teigbändern und klein gehacktem Kraut. Plante die Tante am Sonntag Krautfleckerln zuzubreiten, so musste sie mit dem Ansturm einer vielköpfigen Verwandtschaft aus den entlegensten Winkeln der k.u.k. Monarchie rechnen. Alle waren sich einig: So köstliche Krautfleckerln gab es nur bei der Tante Jolesch. Jahrelang versuchte man ihr das Rezept zu entlocken. Doch vergebens; sie gab es einfach nicht preis. Als die Tante Jolesch schliesslich auf dem Sterbebett lag, hatte sich die Familie bei ihr versammelt. Es herrschte gedrücktes Schweigen, unterbrochen nur von verhaltenem Schluchzen und murmelnden Gebeten. Die Tante Jolesch lag starr auf ihrem Kissen und atmete schwer. Da fasste sich ihre Lieblingsnichte Louise ein Herz und trat vor ihr Bett: "Tante, ins Grab kannst du das Rezept ja doch nicht nehmen. Willst du es uns nicht hinterlassen? Willst du uns nicht endlich sagen, wieso deine Krautfleckerln immer so gut waren?" Tante Jolesch richtete sich mit letzter Kraft auf und antwortete mit feinem Lächeln: "Weil ich nie genug gemacht hab …"

   

Preisverhandlung

Themen:
Kunden, Preisgestaltung, Angebot und Nachfrage

Eine Kundin geht in eine Bäckerei und will zwei Brötchen haben. "Macht einen Euro." – "Einen Euro?", empört sich die Kundin. "Das ist aber teuer. Gegenüber kosten sie nur 80 Cent!" – "Tja, dann kaufen Sie Ihre Brötchen doch gegenüber", entgegnet der Bäcker seelenruhig. "Aber da gibt es keine mehr", sagt die Kundin. Der Bäcker grinst: "Da können Sie mal sehen, gnädige Frau: Wenn ich keine Brötchen mehr habe, dann kosten sie nur noch 15 Cent."

   

Der blinde Bettler und der Marketingspezialist

Themen:
Marketing, Botschaft, Slogan, Emotionen

Ein blinder Bettler sitzt in der Fussgängerzone. Vor sich hat er einen Hut stehen mit einem Schild, auf dem zu lesen ist: "Bitte eine milde Gabe für einen Blinden." Die Leute gehen an dem Bettler achtlos vorbei, in seinem Hut liegen kaum Münzen. Da kommt ein Marketingspezialist des Weges daher, sieht den Bettler und fragt ihn: "Na, wie läuft das Geschäft?" Der Bettler nimmt seinen Hut, greift hinein und sagt: "Ach, es geht schlecht, die Konkurrenz ist so gross und die Leute sind ja heute so hartherzig." Da sagt der Marketingspezialist: "Ach was, so wie Sie betteln, wundert mich das gar nicht." Der Bettler meint: "Sie können schlau daherreden. Sie sind kein Bettler und wissen überhaupt nicht, wie schlecht es der ganzen Branche geht." Der Marketingspezialist denkt kurz nach und sagt: "Ich mache Ihnen einen Vorschlag: Sie setzen sich hier hin und überlassen alles mir. Dann werden wir ja sehen, wie das Geschäft läuft." Der Bettler ist einverstanden. Der Marketingspezialist ändert eine Kleinigkeit und sagt anschliessend zu dem Bettler: "Ich komme morgen wieder vorbei." Am nächsten Tag ist der Hut randvoll mit Münzen und Scheinen. "Wie haben Sie das nur fertig gebracht?", fragt der Bettler. "Ganz einfach", erwidert der Marketingspezialist, "ich habe Ihnen bloss ein neues Schild gemalt. Vorher stand auf Ihrem Schild: ‚Bitte eine milde Gabe für einen Blinden’. Jetzt steht darauf: ‚Es ist Mai – und ich bin blind.’"

   

Das zurückgelassene Fahrradlicht

Themen:
Werbemassnahme, Demo-Version/Muster, Anschaulichkeit, Überzeugen

Die Anfänge des japanischen Matsushita-Konzerns waren bescheiden. Der legendäre Firmengründer Konosuke Matsushita hatte sich gerade selbstständig gemacht und brachte in den 20er Jahren ein neues Produkt auf den Markt, das zunächst kaum Käufer fand: eine Fahrradlampe. Die Existenz des kleinen Unternehmens stand auf dem Spiel. Da sagte Matsushita seinen Vertretern, sie sollten in jedem Laden, den sie besuchten, ein eingeschaltetes Fahrradlicht hinterlassen. Die Händler und die Kunden erkannten mit eigenen Augen den Nutzen des Produkts und waren beeindruckt. Innerhalb kurzer Zeit schnellte der Absatz in die Höhe. Der Grundstein für das Firmenimperium war gelegt.

   

Konzert mit Zugabe

Themen:
Marketing, Werbemassnahmen, Kundenbindung, Incentive

Der Komponist Franz Liszt war auch ein berühmter Pianist. Eines Abends gab er in einer grösseren französischen Stadt mit dem Tenor Rubini ein Konzert. Der Saal war fast leer, kaum fünfzig Personen waren gekommen. Dennoch legten sich beide Künstler mächtig ins Zeug. Es war ein grandioser Auftritt. Am Ende des Konzerts wandte sich Liszt an das Publikum: "Meine Herren und meine Dame – ich sehe nur eine einzige – darf ich mir erlauben, Sie jetzt zum Abendessen einzuladen?" Das Publikum war erstaunt, doch nahm die Einladung gerne an. Das Essen kostete Liszt etwa zwölfhundert Francs. Doch am nächsten Abend war der Saal zum Bersten gefüllt.

   

Die Liebesprüfung

Themen:
Beziehungsmarketing, persönlicher Kontakt, Delegieren, Mitarbeiterführung, Kundenbeziehung

Ein adeliger Herr schrieb an eine junge Frau, die ebenfalls aus adeligem Hause stammte, einen wohlgesetzten Liebesbrief. Sie antwortete ihm: "Kommen Sie von diesem Abend an hundert Nächte an meinem Haus vorbei und schneiden Sie jedes Mal eine Kerbe in das Holz des Ochsenwagens zum Zeichen, dass Sie hier waren. Nach hundert Nächsten werde ich Sie einlassen." Der Herr freute sich. Jede Nacht, auch bei Wind und Wetter, erschien nun eine dunkle Gestalt vor dem Haus der jungen Frau und ritzte eine Kerbe in den Ochsenwagen. In der neunundneunzigsten Nacht, als gerade das Zeichen eingeritzt war, trat eine Dienerin aus dem Haus und packte den Mann am Ärmel. "Meine Herrin lässt ausrichten", sprach sie, "dass sie Ihnen eine Nacht erlassen möchte, da Sie nun schon neunundneunzig Nächte vorbeigekommen sind. Lassen Sie sich von mir in ihr Schlafgemach geleiten." Doch der Mann schreckte zurück und fing an zu stammeln. "Was ist mir Ihnen?", fragte die Dienerin. "Warum folgen Sie mir nicht?" – "Ich bin doch nur der Lohndiener", sagte der Mann und verschwand in der Nacht.

   

Himmel oder Hölle?

Themen:
Werbung, Image, Glaubwürdigkeit, Kundenzufriedenheit

Ein Mann stirbt. Als er an die Himmelspforte kommt, fragt ihn Petrus, ob er lieber in den Himmel oder in Hölle möchte. "Natürlich in den Himmel", entgegnet der Mann. Zunächst gefällt es ihm. Er nimmt auf seiner Wolke Platz und lässt es sich gut gehen. Doch irgendwann wird es ihm ein bisschen langweilig. Was kann man tun? Na ja, ich schau mir mal an, wie die armen Sünder in der Hölle braten, denkt sich der Mann, fliegt mit seiner Wolke über die Hölle und schaut hinunter. Was er da zu sehen bekommt, findet er dann doch sehr überraschend: Ein riesiges Party-Areal, in dem dichtes Gedränge herrscht. Überall gut gekleidete Menschen, die Cocktails trinken und miteinander lachen. Es gibt drei Bühnen, vier Bars, ein Erlebnisbad und einen ausgedehnten Wellness-Bereich. Keine Frage, die da unten amüsieren sich göttlich. Der Mann geht zu Petrus und sagt: "Hier im Himmel ist es mir zu langweilig. Ich will lieber in die Hölle. Kann ich umbuchen?" Petrus schaut dem Mann tief in die Augen und sagt: "Einmal umbuchen ist möglich. Sie können aber nie wieder zurück. Haben Sie sich die Sache also wirklich gut überlegt?" – "Ja, ja, ja!", brüllt der Mann, der es gar nicht erwarten kann, in der Hölle an seinem ersten Cocktail zu nippen. "Also gut", sagt Petrus, öffnet das Himmelstor und lässt den armen Mann geradewegs in die Hölle fahren. Dort wird er gleich von zwei Teufeln in Empfang genommen, in einen Kessel gesteckt und über den Flammen des Höllenfeuers geröstet. "Hey, Moment mal!", ruft der Mann. "Wo sind denn die ganzen Leute mit den Cocktails hin? Und wo ist das Erlebnisbad?" – "Damit haben wir nichts zu tun", sagt der Teufel, "das hat sich unsere Werbeagentur ausgedacht."

   

Professionelle Promotion

Themen:
Werbeetat, Werbemassnahmen, Wiedererkennungswert, Wettbewerb

Der amerikanische Apotheker John S. Pemberton entwickelte 1886 ein anregendes Getränk, dem sein Buchhalter Frank Robinson den Namen Coca-Cola gab – nach seinen zwei Hauptbestandteilen, den Blättern des Kokastrauchs, aus denen auch das Rauschgift Kokain gewonnen wird, und einem Extrakt aus der koffeinhaltige Kolanuss (die Kokablätter liess man ab 1905 weg). Die erste Werbung für Coca-Cola erschien nur drei Wochen, nachdem Pemberton das Getränk erfunden hatte. Das Getränk wurde anfangs nur an einem Sodastand in Atlanta verkauft, der Preis lag bei fünf Cents pro Glas. Der Gewinn des ersten Geschäftsjahres lag bei 50 Dollar. Doch weil John Pemberton als einer der ersten auf Werbung in den Massenmedien setzte, gab das Unternehmen gleichzeitig 73,96 Dollar für Werbung aus. Coca-Cola erwirtschaftete in seinem ersten Jahr also einen Verlust. Knapp dreissig Jahre später, 1915, schrieb das Unternehmen einen Wettbewerb aus, um die geeignete Form für die Coca-Cola-Flasche zu finden. Der damalige Präsident von Coca-Cola, Asa Candler, sagte: "Wir brauchen eine Flasche, die man auch im Dunkeln als Coca-Cola erkennt." Der Wettbewerb war ein voller Erfolg. Die siegreiche Flasche wurde zu einer bekanntesten Designstücke des 20. Jahrhunderts.

   

Wettbewerb

Themen:
Wettbewerb, Werbemassnahmen, Profit, Image

Der berühmte englische Karikaturist Bernhard Partridge bekam eines Tages ein Schreiben, in dem er aufgefordert wurde, sich an einem Wettbewerb zu beteiligen. Eine grosse Likörfabrik hatte einen Geldpreis ausgelobt. Es sollte nur einen einzigen Gewinner geben, alle übrigen Zeichnungen sollten aber in den Besitz der Firma übergehen. Daraufhin richtete Partridge den folgenden Brief an das Unternehmen: "Meine Herren, ich setze einen Preis von zwei Schilling für die beste Likörmarke aus und würde mich sehr freuen, wenn Sie an diesem Wettbewerb teilnehmen würden. Jede Fabrik hat zwölf Dutzend an das Schiedsgericht zu senden, und die nicht preisgekrönten Liköre bleiben Besitz des Schiedsgerichts."

   

Zusatzgeschäft

Themen:
Illusion, Verkauf, Verhandlungen, Manipulation, Kundenbetreuung

Auf einer Reise von Venedig nach Mailand traf Giacomo Casanova einen reichen Mann, der mit besonderem Stolz ein altes Schwert mit sich führte. Er behauptete, es handle sich um das berühmte Schwert, mit dem der heilige Petrus dem Knecht Malchus das Ohr abgeschlagen habe. Die anderen Reisenden schüttelten nur den Kopf. "Das kann nicht sein", sagten sie, "wie wollt Ihr die Echtheit beweisen?" Nur Casanova bewunderte das Schwert und erklärte, ohne Zweifel sei das Schwert echt. Anschliessend verkaufte er dem stolzen Besitzer für tausend Zechinen das dazugehörige Futteral. Die Menschen lassen sich ihre Illusionen nur ungern nehmen. Wenn Sie mit ihnen Geschäfte machen wollen, ist es aussichtsreicher, die Illusionen zu bestätigen als sie zu widerlegen.

   

Königlicher Service

Themen:
Dienstleistungen, An